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  • DE-99096 Erfurt
  • 11/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-112138)

Klimagerechte Pilotsiedlung Marienhöhe


  • 4. Preis


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    Stadtplaner
    quaas stadtplaner, Weimar (DE)

    Verfasser
    Ingo Quaas

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Junk & Reich Architekten BDA Planungsgesellschaft mbH, Weimar (DE)
    Energieplaner: IPH Ingenieurbüro, Wickerstedt (DE)
    Energieplaner: Ingenieurbüro Dr. Hanfler

    Preisgeld
    9.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept: Die sechs Felder an der Binderslebener Landstraße spannen sich zwischen den in Nord-Süd-Richtung verlaufenden großzügige Alleen, die jeweils in einen kleinen Platz münden. Die Alleen sind durch befahrbare Wohnwege verbunden, welche die Wohnhäuser erschließen.
    Von der Binderslebener Landstraße ausgehend in Richtung Kleingartenanlage Marienhöhe nimmt die Bebauungsdichte ab. Das gewählte Modul erlaubt eine Variabilität der Gebäudetypologie von mehrgeschossigem Wohnungsbau, über Mehrfamilienhäuser (Stadthäuser) bis hin zu Einfamilienhäusern (Reihen- / Doppelhaus). Ein Feld ist besonderen Nutzungen vorbehalten – gegenüber der Hauptzufahrt gelegen befinden sich hier die Energiezentrale der Pilotsiedlung in Verbindung mit einer Carsharing- und Elektromobilitäts-Station (car display tower) sowie die Kindertagesstätte und die öffentliche Spiel- und Freizeitfläche.
    Das südliche Feld wird durch eine ebenfalls in Nord-Süd-Richtung verlaufende Anliegerstraße geteilt. Die Gebäudetypologie variiert zwischen freistehenden Einfamilienhäusern und Doppelhäusern, die jeweils zu Hausgruppen mit einem gemeinsamen Hof gekoppelt werden. Durch die Reduzierung der Anzahl der Zufahrten entsteht ein ruhiger geschlossener Straßenraum.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeigt eine städtebaulich robuste und flexible Struktur. Gebildet wird diese Struktur durch 6 nördliche Baufelder, die durch alleenartige Straßenräume in Nord-Süd-Richtung gegliedert werden und mit bemerkenswerten platzartigen Aussichtsplattformen ihren Abschluss finden. Hier ergeben sich nicht nur Wendemöglichkeiten, sondern auch Blickbeziehungen zum Dom und in das südlich gelegene Kleingartengebiet.

    Zur Binderslebener Straße bilden stadträumlich gut im Wechsel gesetzte Zeilen- und Punkthäuser den geforderten Lärmschutz. Kritisiert wird hier, dass Punkthäuser sich mit drei Seiten zum Lärm hin orientieren. Die im nördlichen und mittleren Bereich angeordneten Zeilen unterschiedlicher Länge mit relativ großen Gebäudetiefen führen möglicherweise zu problematischen Grundrissen, da auch hier hochwertige Räume nach Norden orientiert sein werden.

    Im südlichen Bereich wird die aufgelockerte Bebauung unter energetischen Gesichtspunkten anerkannt, unter dem Aspekt der Vermarktung aber kritisch gesehen. Insgesamt entspricht die Abnahme der Bebauungsdichte von Nord nach Süd den Vorgaben.

    Der in Ost-West-Richtung verlaufende Grünzug, der sich vom Friedhof quer durch das gesamte neue Quartier erstreckt, bildet eine gute Verbindung zum Kleingartengelände. Allerdings wird der Panoramaweg parallel neben dem Kleingartenweg in Frage gestellt. Die gesamte Durchgrünung des Gebietes wird jedoch positiv bewertet. Die Erschließung des Gebietes erfolgt über die schon beschriebenen Alleen in Nord-Süd-Richtung. Im Bereich des Kindergartens erscheint die Doppelerschließung aber relativ aufwändig. Auch wird die zentrale Lage des Kindergartens kritisch diskutiert, da hier Konflikte mit der Nachbarschaft wegen des Lärms nicht auszuschließen sind.

    Ungewöhnlich und problematisch erscheint die Erschließung der Gebäude über ausschließlich private Vorzonen, die aber richtig den Eingängen im Norden vorgelagert sind.

    Eine Realisierung der Arbeit, auch was die Aufteilung in Bauabschnitte betrifft, ist gut möglich. Die Nichteinhaltung des Abstands zum Steinmetzbetrieb wird kompensiert, da es sich bei dem Gebäude um einen Gewerbebetrieb handelt.

    Die städtebauliche Struktur ist, auch im Teilgebiet Süd ausgesprochen kompakt. Einzig die Staffelgeschosse auf den nördlichen Baukörpern sind etwas ungünstig. Die konsequente Südorientierung, der Baukörper und die geringe gegenseitige Verschattung ermöglicht eine gute passive Solarnutzung. Hervorzuheben ist die versetzte Gebäudestellung im Teilbereich Süd. Das energetische Konzept ist insgesamt bis auf Kleinigkeiten schlüssig und machbar. Die Dachflächen sind für aktive Solarnutzung geeignet. Insgesamt – mit Ausnahme kleiner Details – ein guter Beitrag zur klimagerechten Pilotsiedlung.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen brauchbaren und diskussionsfähigen Lösungsansatz dar.


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