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  • DE-82152 Martinsried
  • 07/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-127225)

Ortsmitte Martinsried


  • Teilnahme

    Lageplan M 1:1000 © morePlatz, TOPOTEK 1

    Landschaftsarchitekten
    TOPOTEK 1, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: morePlatz, Rotterdam (NL), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Der Auslöser für das Verfahren ist die Fragestellung, wie sich die Entwicklungen der Campuserweiterung und des Ausbaus der U6 bis Martinsried (Campus) auf den Ort auswirken, und wie sie mit Mehrwert zu integrieren sind. Die Qualitäten Martinsrieds, also die Lage in der Landschaft, die Wohnqualität, der internationale Campus, etc., stehen scheinbar nicht in Verbindung zur Infrastruktur oder der Anlage der öffentlichen Räume - eher im Gegenteil. Die Qualitäten Martinsrieds existieren, trotz der Mängel an Aufenthaltsqualität und Gestaltung.
    Kurz gesagt gleicht Martinsried heute einer geräumigen Wohnung, der das Wohnzimmer fehlt - bzw. das Zimmer wäre eigentlich schon vorhanden, es ist nur nicht eingerichtet und man fühlt sich dort nicht wohl. Was fehlt also zur Einrichtung dieser Wohnung? Welche Funktionen und Atmosphären müssen zusammengebracht werden, um Leute anzuziehen? Welche räumlichen Qualitäten und Zusammenhänge erzeugen dieses Gefühl einer echten Mitte und einer Identität des Ortes?
    Als Ortschaft ist Martinsried konzeptionell klar strukturiert. Es gibt, auf engem Raum nebeneinander, Gebiete mit sehr unterschiedlichen Charakteren, fast wie die Viertel einer kleinen Stadt: Alter Ortskern, Wohngebiete, Businesspark, Campus und die Freiräume. Die Identität Martinsrieds wird von diesen klar definierten Ortsteilen zusammen gebildet, und ist dementsprechend vielschichtig. Damit unterscheidet sich Martinsried deutlich von anderen Vorortgemeinden.
    Gemäss diesem Konzept grenzen die Gebiete in der Ortsmitte recht unvermittelt aneinander. Die Defizite entstehen dadurch, dass hier das Konzept der definierten Ortsteile einerseits nicht vollendet, andererseits nicht konsequent umgesetzt wurde: wichtige Grundstücke sind ungenutzt, das kommerzielle Zentrum wurde samt Parkplätzen an und in die Wohnbebauung gequetscht und die Verbindungen fehlen, v.a. aufgrund des nicht nutzbaren Freiraums im Zentrum, der eigentlich als Nahtstelle eine besonders wichtige Funktion zu erfüllen hätte.
    Unser Ansatz für die Neuordnung der Ortsmitte Martinsried bezieht sich zum einen auf den städtischen Impuls für die Ortsentwicklung, der von dem Campusausbau und von der U-Bahn ausgeht, zum anderen auf die in der Ortsstruktur bereits angelegten Potentiale, die es zu ordnen und räumlich und programmatisch zu stärken gilt.
    Die verbesserte Vernetzung mit der Stadt München und der Zugewinn an Arbeitsplätzen und jungen Bewohnern stellen das nötige Momentum her für Entwicklung und Investitionen, die auch in der Ortsmitte ihre Wirksamkeit für die Identität und die Lebendigkeit Martinsrieds entfalten. Daneben stellen eben die brachliegenden Flächen und die Fehlplanungen vergangener Jahre heute das Potential dar, das es der Ortsmitte Martinsried ermöglicht, auf die genannten Entwicklungen zu reagieren und sie mit Gewinn für den Ort zu integrieren.
    Durch ein Konzept, das auf der Identität und den Möglichkeiten Martinsrieds aufbaut, kann die vor ca 25 Jahren grosszügig geplante und freigehaltene Mitte heute ihre Bestimmung erfüllen - sie muss nur aktiviert und neu eingerichtet werden.
    Es soll also nicht eine rigorose Neuplanung der Ortsmitte geben, sondern ein Weiterführen des Konzeptes der 'mehrkernigen Vorstadt'. D.h. die einzelnen Bereiche sollen gemäss ihres jeweils eigenen Charakters komplettiert und aufgewertet werden. Sie wirken wie eine Familie unterschiedlicher Räume, die um einen zentralen Platz, einen 'Paseo', versammelt angeordnet sind - ein städtisch dicht bebauter 'business park' mit Einzelhandelszentrum, ein homogen bebautes Wohnviertel mit grünen Innenhöfen, ein vorstädtisches Doppel- und Reihenhausgebiet und daran angeschlossen ein ruhiger historischer Ortskern mit Übergängen zum Ort, zum Park und zu einem weiteren charakteristischen Raum - dem Internationalen Campus Martinsried. Ein Weg durch die Ortsmitte führt durch eine Abfolge einzelner Räume, die trittsteinartig ihrer Umgebung eingepasst werden und zum Zentrum hin eine Verdichtung erfahren.
    Die strukturellen Veränderungen sind aus vielerlei Gründen komplex und vollziehen sich langsam. Gleichzeitig gibt es aber Spielraum, Projekte zur Aufwertung des öffentlichen Raums in der Mitte spontan und schnell umzusetzen. So wird die Attraktivität und Identität der Mitte gesteigert und das Feld für die Realisierung der grösseren und längerfristigen Massnahmen bereitet. Ein grosser Vorteil ist hierbei das gemeindliche Eigentum der öffentlichen Räume, die so bemessen sind, dass bei ihrer Umgestaltung mit Bauprojekten auch finanzielle Werte generiert werden können. Die Gemeinde hat die Möglichkeit aus eigener Initiative den Prozess anzustossen und zu gestalten - völlig unabhängig von anderen Grossprojekten wie U-Bahn oder Umgehungsstrasse.
    Die Gemeinde kann im Jahr 2013 beginnen, die Ortsmitte neu zu gestalten und zugleich die entsprechenden Massnahmen einleiten, um für die weiteren Schritte die nötigen privaten Partner zu gewinnen.
    PROJEKTE
    Das Konzept lässt sich gliedern in einzelne zeitlich aufeinanderfolgende Projekte - teils rein freiräumlich, teils städtebaulich.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Ost-West-Achse werde mit dem langgestreckten Paseo sehr stark betont und klar ausgerichtet. Über den Erdhügel, der aus dem Aushubmaterial des Walls aufgeschüttet werden soll, wird der Bezug zu Planegg gesucht und die Achse bis zum Campus aufgespannt. Die Besonderheit der Arbeit liege in den Patiohäusern, die in den Rückmeldungen der Bevölkerung zum Teil Unverständnis auslöste. Ein weiteres prägendes Merkmal seien die offensiven, verbindenden Grünflächen mit bausteinartigen Nutzungsinseln und das Achsenkreuz aus Grünzug (Nord-Süd) und Bebauung (Ost-West). Die Buslinienführung wird als „loop“ im und gegen den Uhrzeigersinn vorgeschlagen.

    Der Grünzug mit den Sportflächen sei zu wenig stark ausgeprägt, um von der U-Bahn-Station kommend in den Ort zu weisen. Die Verbindung durch Nutzung und nicht durch Bebauung zu stärken wird als positiv beurteilt, ebenso die verschiedenen Varianten der Wegeverbindungen. Die gestalterische Verbindung der Neurieder Straße und dem Kirchplatz wird positiv kommentiert. Die Patiohäuser scheinen nicht gelungen.

    Aspekte der Beurteilung
    Der zentrale Platz („Paseo“) ist mit knapp einem Hektar der größte von allen vorgeschlagenen und scheint deutlich überdimensioniert. Eine hohe Priorität in der Bewertung müsse darauf liegen, ob die Dimensionen des Platzes funktionieren, auch aus der Perspektive des Einzelhandels, der gewisse Dichten benötige. Zudem drücke sich im „Paseo“ nicht die Identität des Ortes aus. Martinsried lasse sich in diesem Vorschlag nicht finden, obwohl im Erläuterungsbericht darauf hingewiesen wird, die Identität der einzelnen Ortsteile zu suchen und stärken zu wollen. Der „Paseo“ als Hauptthema scheine nicht richtig gewählt.

    Es gäbe eine große Scheu davor, die Grünfläche an der Lena-Christ-Straße zu bebauen, doch wenn die Nutzung richtig gewählt sei, wäre dies durchaus denkbar. Dabei wird betreubares Wohnen als Programm angesprochen. Das Gremium kommt jedoch zum Schluss, das die flächige Bebauung nicht stattfinden solle und der Patiotyp an diesem Standort nicht geeignet scheine.

    Anerkennung findet die Gestaltung des Kirchplatzes, die Raumfolge über die Grünzüge und die Führung der Buslinien. Die Zweiteilung des Stationsgebäudes und das dadurch entstehende kleinere vorgestellte Gebäude Richtung Westen wird negativ bewertet, da dadurch die visuelle Verbindung zum Ort unterbrochen werde und die gute Orientierbarkeit nicht mehr gegeben sei. Eine geradlinige Verbindung innerhalb des Grünzuges wäre begrüßenswerter. In dieser Form sei die Verbindungsfunktion zwischen Campus und Ort nicht gegeben.