loading
  • DE Gilching
  • 12/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-3448)

Städtebaulicher Ideenwettbewerb "Gilchinger-Glatze"


  • Ankauf

    Idee

    Architekten
    BS+ städtebau und architektur i.L., Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Torsten Becker

    Mitarbeit
    Torsten Becker Dipl.-Ing. Stadtplaner Henrike Specht Dipl.-Ing. Architektin

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Dittmann + Komplizen Landschaftsarchitektur, Frankfurt/Main (DE), Kassel (DE)

    Erläuterungstext
    Idee
    die positive Entwicklungsdynamik Gilchings bildet die Voraussetzung für die Vernetzung der beiden Ortsteile und die Bildung einer neuen »grünen Stadtmitte«
    Leitbild kompakte Stadt »
    • Konsolidierung und Arrondierung nach Innen
    • Schutz der landschaftlich wertvollen Außenbereiche
    Stadtpark
    funktionale und gestalterische Ergänzung des steinernen Markt- und Rathausbereiches
    Wegeverbindung zum Rathaus und Bürgerhaus (Bühne, Gasttheater) über eine steinerne Esplanade
    Haus am Park als zentraler, multifunktionaler Treffpunkt
    Blickbeziehung zum Steinberg
    Gestaltungselemente: Rücken und Täler, schräge Graspulte sind leise Anmutungen an die eiszeitliche bedingte Entstehung des Gilchinger Raumes
    Baumhalle und –haine werden aus Kastanien und Roßkastanien gepflanzt, um den Raumcharakter zu stärken
    die dynamische Form wird ein Markenzeichen für das »neue, grüne Gilching«
    der Stadtpark ist zentraler Baustein des Freiraumbandes

    Freiraumband
    parallel zur Römerstraße gelegen verbindet es den Stadtpark mit den umliegenden Landschaftsräumen
    nach Nordwesten: Anbindung an die Fürstenfeldbrucker Ebene, Öffnung zur zukünftigen Badeseenlandschaft, mittel- bis langfristige Verlagerung des Festplatzes an die neue Westumgehung
    nach Südosten: Verbindung zum Unterbrunner Holz, großzügige Unterführung unter Bahnstrecke und Landsberger Straße, Umgestaltung des Wäldchens (Lichtung)
    Die in den Ort fließende Landschaft durchläuft die Metamorphose von einer prioritär landbaulich genutzten Fläche zu einem »Siedlungsergänzungsraum«, der durch funktionale Bedürfnisse und gestalterische Elemente verändert wird, aber trotzdem weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden kann. Die Dynamik der baulichen Entwicklung bestimmt den Fortschritt der Transformation des Freiraumes (ökologische Kompensation: Acker wird z.B. zu Wiese oder einem Hain).
    Die Ränder werden als starke Bebauungsgrenzen ausgebildet, so dass ein hereinwuchern von Bebauung in den Landschaftspark nicht möglich ist. Gestärkt werden die Bänder auf den der Wohnbebauung zugeordneten Seite durch Ruhe- und Aktivzonen. Elemente der Parkbänder sind Plateaus, Holzdecks, Heckenspiele, Klein-Kinderspielplätze, Ruhezone, integrative Spielorte mit sozialer Funktion, Rasenrampen, Sonnenfallen, Wassergärten (für die Bewirtschaftung von Regenwasser aus den Baugebieten). Gestalterische Grundelemente sind dabei »Freiraum-Wohnzimmeraccessoires« wie Bäume (Dächer), Hecken (Wände), Durchblicke (Fenster) und Sitzmöglichkeiten (Sessel).
    Bepflanzung: Zitterpappelhaine (flirren der Blätter!) oder Kastanien-Haine (ein Mitbringsel der Römer!) in den Landschafts-Boulevards
    Landschaftsschäden (Kiesseen + Verdachtsflächen im Süden) werden zu Erlebnisräumen mit positiver Konnotation

    Gilching
    Verdichtung und Neugestaltung des Siedlungskörpers beiderseits des Freiraumbandes
    Wohnen am Park als zeitgemäße Verknüpfung von urbanem und freiraumbezogenem Lebensstil
    intensive Vernetzung der beiden Siedlungsteile
    Herausbildung einer neuen Raumfolge Steinberg - Altes Rathaus - Schulzentrum - Römerstraße - Marktplatz - neues Rathaus / Bürgerhaus - Stadtpark - Sonnenstraße
    Entwickeln von Komplementärnutzungen + gleichzeitig formulieren von Raumkanten und damit definieren eines räumlich – funktionales Geflechtes mit dem die Ortsteile zusammengebunden werden

    Verkehr
    direkte Verbindung der Sonnenstraße mit dem Bahnhof über die neue Bahnhofstraße
    Sticherschließung vom Starnberger Weg über Wohnhöfe
    Schleifenerschließung von der Karolingerstraße
    Straßenräume in den Wohngebiete als Wohnstraßen im Mischprinzip mit hoher Aufenthaltsqualität
    eng geknüpftes Netz aus Fußgänger- und Radwegen
    Fuß- und Radwegeverbindung in den Landschaftspark nach Süden ohne Querung der Landsberger Straße
    P+R-Plätze an der neuen Bahnhofstraße sowie langfristig auf dem Areal der Straßenmeisterei in einer Tiefgarage

    Bebauung
    große Vielfalt an zeitgemäßen Bebauungsformen für alle Bevölkerungsgruppen (junge Familien, Senioren, Singles, generationenübergreifendes Wohnen)
    Mischnutzungen an zentralen Bereichen
    kompakte, flächen- und energiesparende Bauweisen
    moderne, raumbildende Architektur mit Dachterrassen (geschützter Freiraum und Ausblick in die Landschaft)
    großzügige, flexibel nutzbare Erdgeschosszonen zur Förderung urbaner Nutzungsstrukturen (Läden, Dienstleistung, Versorgung, soziale Infrastruktur)
    5-geschossiges Merkzeichen am Schnittpunkt Bahnstrecke - Freiraumband mit Nutzungsmix aus Seminar, Akademie, Bildung, Hotel, Gastronomie
    Lärmschutzbebauung zur Bahnstrecke und zum Starnberger Weg
    langfristig Umnutzung des Straßenmeistereigeländes zu einem Mischgebiet

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Idee mit einem großzügigen Stadtpark beide Ortsteile, das bestehende Ortszentrum sowie die südlichen und nördlichen Landschaftsbereiche miteinander zu verknüpfen ist sehr überzeugend gelungen. Das gilt vor allem für die intelligente Lösung im südlichen Bereich, die die Verbindungen kreuzungsfrei vorschlägt. Die Gestaltung des zentralen Stadtparks mit Rasenpult, Kastanienhaine und Esplanade ist sehr ansprechend und verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität. Ähnliches kann man für den großzügigen Bereich des nach Norden führenden Teils des Stadtparkes sagen. Dasselbe gilt für die Vorschläge südlich der S-Bahn und im Bereich des nördlichen Gewerbegebietes. Als problematisch wurde die Bebauung südwestlich der Grundschule diskutiert.
    Die vorgeschlagene Baustruktur fügt sich in seiner Körnigkeit und Detailausformung nicht nur in die vorhandene Struktur ein, sondern stellt auch ein gute Ergänzung der zentralen Ortsbereiche dar. Gleichzeitig unterstützt sie die stadträumliche Fassung des Stadtparks auf selbstverständliche Weise.
    Als etwas kritisch wird die Bebauung am Starnberger Weg gesehen, selbst wenn sie für den Schallschutz positiv zu bewerten ist.
    Ein guter Vorschlag stellt die »Neue Bahnhofstraße« in Verlängerung der Sonnenstraße Richtung Bahnhof dar, die allerdings im Bereich des Bahngeländes (P+R-Plätze) auf Realisierungsprobleme stößt.
    Die Wirtschaftlichkeit des Entwurfs kann nachgewiesen werden.
    Insgesamt stellt der Entwurf eine sehr brauchbare Grundlage sowohl in seiner Gesamtkonzeption als auch in der Vielzahl interessanter Vorschläge im Bereich der Freiflächen als auch im Bereich der vorgeschlagenen Bebauung dar.