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  • CH-8952 Schlieren ZH
  • 10/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-93113)

Schulhaus Schlieren West


  • 2. Rang


    Projekt
    Lennox

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Boltshauser Architekten AG, Zürich (CH)
    Bauingenieure: WaltGalmarini AG, Zürich (CH)

    Preisgeld
    25.000 CHF

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau und Architektur
    Das Projekt Lennox gliedert das geforderte Raumprogramm in drei funktionale Einheiten: Schul-, Sport- und Schwimmanlage. Mit drei volumetrisch austarierten Gebäudekörpern generieren die Verfasser eine campusartige Situation von äusserst ausgewogenem Zuschnitt. Ein spannungsvolles Wechselspiel von massstäblich präzis entwickelten Baukörpern, topographischen Übergängen in Form von Niveausprüngen und wohlproportionierten Aussenräumen charakterisieren die Anlage. Ein tiefer Schultrakt entlang des Gleisfeldes bildet den nördlichen Abschluss des Schulareals und begleitet mit seiner Zugangssituation auf selbstverständliche Weise die Parkallee, wobei die funktionale Kreuzung mit der Tiefgaragenabfahrt städtebaulich und betrieblich so nicht möglich ist. Im Zusammenspiel mit dem Turnhallentrakt entlang der Badenerstrasse und dem Oberbau des Schwimmbades wird eine räumliche Mitte generiert, welche parzellenübergreifend mit dem Hofraum des Ecofaubourgs-Areals eine wohltuende Grosszügigkeit entstehen lässt. Das attraktive pavillonartige Erscheinungsbild des Schwimmbadtraktes wird allerdings durch ein tief in den Grundwasserspiegel gebautes, unterirdisches Bauvolumen teuer erkauft.

    Der architektonische Ausdruck der Gebäude wird durch klar und prägnant strukturierte Fassaden geprägt, wobei die markanten aus Klinkermauerwerk gebildeten Stützenelemente das Hauptmerkmalausmachen. Der versierte und sensible Umgang mit unterschiedlichen, wohlkombinierten archaischen Materialien erzeugt einen sinnlichen Ausdruck der Anlage und verleiht dem heterogenen Ort ein hohes Identifikationspotential. Als Inspirationsquellen dürften hier gleichermassen Industrieareale wie angelsächsische Campusanlagen gedient haben.

    Aussenraum
    Der Allwetterplatz verdeutlicht die Urbanität entlang der Badenerstrasse. Die Sportwiese bildet die Mitte der Schulanlage und möchte Park sein. Dies wird jedoch bezweifelt. Der Geländesprung beim Schulgebäude wird mit einer Mauer und einer grosszügigen Treppenanlage ausformuliert. Dadurch entstehen auf selbstverständliche Art und Weise dem Schulgebäude zugeordnete Aussenräume. Etwas unsensibel wird die Treppenanlage unvermittelt zwischen Tiefgarageneinfahrt und Hauswartgarage eingespannt. Die Zufahrt zur Tiefgarage führt den Verkehr ins Areal und provoziert Konflikte.

    Betrieb und Funktionalität
    Jedes Gebäude wird kohärent aus seiner städtebaulich spezifischen Funktion und Rolle entwickelt: Die Typologie des Schulhaustraktes reflektiert exemplarisch seine Lage zwischen Gleisfeld und Binnenraum. So werden nach Norden grosszügige, zu den Gleisen verglaste Lichthöfe vorgeschlagen, welche gleichzeitig als Belüftungs- und Fluchthöfe dienen. Zusammen mit der nach Süden vorgelagerten Verandaschicht erlauben diese Massnahmen eine uneingeschränkte Nutzbarkeit und Möblierbarkeit der inneren Erschliessungszonen. Gleichzeitig generieren diese architektonischen Elemente eine attraktive räumliche Vielfalt innerhalb einer einfachen, klaren Gebäudestruktur. Die vordergründig nachteilige Lage des Schultraktes lässt diesen Lärmriegel zum lichtdurchfluteten und thematisch dichten Schulhaus werden. So profitieren die Schüler gleichermassen von den Qualitäten der Weite des Gleisfeldes und den Beziehungen zum Innern der Anlage. Allerdings wird der nichtionisierenden Strahlung zu wenig Beachtung geschenkt. Insbesondere die östlich und westlich angeordneten Aussenräume von Kindergarten und Hort befinden sich im unzulässigen Abstandsbereich zur Bahn. Auch die lineare Schichtung des einfachen, zweigeteilten Turnhallengebäudes wiederspiegelt klar seine Rolle als wegbegleitendem Element innerhalb der Anlage und rückt mit seiner überdachten tribünenartigen Situation die öffentliche Nutzung in den Vordergrund. Auch das dritte Campuselement, die Schwimmhalle, wird typologisch aus dem Ort entwickelt und wird durch seinen massstäblichen und sehr durchlässigen Charakter seiner Scharnierfunktion im Quartier gerecht.

    Umwelt, Nachhaltigkeit, Technik
    Die ökologische Bilanz des Projektes ist zwiespältig. Einerseits werden durch die grossen Südverglasungen hohe passive Energiegewinne erzielt, durch die massive Bauweise kann eine überzeugende passive Kühlung erreicht werden und die Lichthöfe garantieren optimale Tageslichtsituationen, andererseits konsumiert das Projekt mit seinen Klinkerfassaden und den Betonkonstruktionen eine erhebliche Menge an grauer Energie.

    Wirtschaftlichkeit
    Die Anlagekosten bewegen sich im Mittelfeld, obwohl die Bauwerkskosten eher im oberen Segment liegen. Durch die qualitativ hochstehende Material- und Konstruktionswahl dürften bei diesem Projekt allerdings relativ wenig Unterhaltskosten anfallen.

    Gesamtwürdigung
    Das Projekt vermag städtebaulich durch sein kohärentes Zusammenwirken
    von massstäblich differenzierten Gebäuden und Aussenräumen in hohem Masse zu überzeugen. Die schlüssige Überführung des städtebaulichen Konzeptes in spezifisch aus der Situation entworfene Gebäude ist gekonnt. Insbesondere der Schultrakt überrascht, indem er aus einer vordergründig von Defiziten geprägten Lage innenräumliche Qualitäten schafft.