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  • CH-8952 Schlieren ZH
  • 10/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-93113)

Schulhaus Schlieren West


  • 5. Rang


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    Projekt
    Schere Stein Papier

    Architekten
    Niedermann Sigg Schwendener Architekten, Zürich (CH)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Rotzler Krebs Partner GmbH, Winterthur (CH)
    Bauingenieure: Synaxis AG, Zürich (CH), Altdorf (CH), Lausanne (CH)

    Erläuterungstext
    Städtebau und Architektur

    Schlieren steht im Zeichen des Umbruchs. Die Kombination von strukturellen Veränderungen im Industriesektor, welcher historisch bedingt von jeher in Schlieren einen wichtigen Produktionsstandort zu verzeichnen hatte, sowie das wirtschaftlich florierende Potential des Grossraumes Zürich macht sich allgemein in der Stadtlandschaft Limmattal bemerkbar. Zum Wandel des Limmattals passt auch der Umbruch in dem sich Schlieren selbst derzeit befindet. Dabei wird mittels Gestaltungsplänen und Entwicklungsleitbildern die innere Verdichtung vorangetrieben sowie städtebauliche Elemente wie Gebäudetypologien, Parkanlagen und öffentliche Plätze implementiert, welche es in den bislang eher dörflich geprägten Strukturen der Limmattaler Gemeinden bisher nicht gab. Zudem planen die Kantone Zürich und Aargau mit der Limmattalbahn eine leistungsfähige Stadtbahn zwischen Zürich und Baden, welche als überregionales Infrastrukturprojekt die Entwicklung von Schlieren noch zusätzlich ankurbeln dürfte. Durch strukturelle und bauliche Veränderungen entwickelt sich die Stadt Schlieren rasch vom Industriestandort zur modernen, zeitgemässen Wohn- und Arbeitsstadt mitten im dynamischen Limmattal. Vor diesem Hintergrund kommt dem Entwicklungsgebiet ‚Schlieren West’ bzw. dem ehemaligen Areal der Firma Züblin eine beinahe beispielhafte Bedeutung zu.

    Das gesamte Entwicklungsgebiet ‚Schlieren West’ erstreckt sich als langgezogene Fläche in Ost-West-Richtung zwischen der stark befahrenen Bahnachse Zürich/Bern im Norden sowie der mehrspurigen Kantonsstrasse im Süden, welche von Zürich bis nach Baden führt. Die überwiegend grossmassstäblichen Parzellen, welche ursprünglich teilweise landwirtschaftlich, vor allem aber industriell genutzt wurden, werden zur Zeit baulich entwickelt oder sind bereits neu bebaut worden. Der nähere Kontext wird zur Zeit massgeblich durch die projektierten, c-förmig angeordneten, mehrgeschossigen Wohnbauten bestimmt, welche die jeweiligen Parzellenränder besetzen und somit in ihrer Mitte grosszügige Parkflächen ausscheiden werden. Gleichzeitig bilden die Quartierstrasse, die Parkallee sowie der Parkweg entscheidende Elemente der gegebenen Aussenraumgestaltung, welche jedoch das städtebauliche Potential zur Neubebauung des Perimeters mit einer Schulanlage anspruchsvoll machen.

    Der neu zu erstellenden Schulanlage kommt als öffentliche Anlage eine zentrale Bedeutung zu. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem städtebaulichen und architektonischen Wesen bzw. dem spezifischen Ausdruck der Neubauten, welche im Idealfall eine identitätsstiftende Wirkung im und über das Quartier hinaus haben sollten. Der Projektvorschlag sieht eine spannungsvolle Verteilung von drei unterschiedlich proportionierten, kubisch gegliederten Bauten vor, welche zueinander in einer räumlichen versetzten Konstellation stehen, um dadurch im Perimeter bauliche Schwerpunkte zu ermöglichen und prägnante Orte zu schaffen. Gleichzeitig entstehen im Schwarzplan wie auch volumetrisch mit den umliegenden Bauten in Beziehung stehende Gebäudegruppen bzw. Gebäudekonglomerate, wodurch sich das Schulareal mit den Nachbarparzellen auf selbstverständliche Art und Weise verwebt. Bestehende wie auch projektierte Bauten erhalten trotz teilweiser räumlicher Verdichtung den ihnen angemessenen bzw. zugehörigen Frei-/Aussenraum. Dies erlaubt eine ausgewogene natürliche Belichtung bzw. eine optimale Besonnung aller Bauten wie auch eine aussenräumliche Grosszügigkeit zwischen den grossen Häusern. Nebst der ausgewogenen Körnung und Massenverteilung innerhalb des Areals spielt die Verteilung bzw. Rhythmisierung der Freiflächen eine wichtige Rolle. Bestehende Park- und Freiraumflächen werden über Eck mit den neu vorgeschlagenen Freiräumen des Sportplatzes, der Spielwiese und der Pausenflächen in Beziehung gesetzt und erlauben somit eine Abfolge von Aussenraumkammern mit unterschiedlichen Qualitäten, welche wiederum im Sinne einer räumlich offenen Kontinuität den öffentlichen Charakter der Gesamtanlage unterstreichen.

    Von der Badenerstrasse her kommend zeigt sich die neue Gesamtschulanlage dem Nutzer bzw. Besucher zuerst einmal als grosszügiger Freiraum mit einem flankierenden Punktbau. Durch die somit entstehende bauliche Lücke entlang der Badenerstrasse bzw. das Zurückstehen der Hauptbaumassen wird der öffentliche Anspruch der gesamten Anlage gleich zu Beginn unterstrichen. Das bescheidenste der drei neuen Volumen wird als vertikaler Portalbau mit Musikschule und Aula vorgeschlagen. In einer zweiten Bautiefe, gewissermassen im Zentrum des Perimeters wird ein im Schnitt L-förmig ausgebildetes, dreigeschossiges Gebäude für die Grund- und Primarstufe vorgeschlagen. Angereichert mit den Nutzungen der Tagesstruktur entsteht eine räumliche und betriebliche Mitte, welche durch das Verschieben des baulichen Schwerpunktes in den Obergeschossen eine volumetrische Beziehung zum östlich angrenzenden Parkraum aufbaut. In der dritten Bautiefe entlang der Bahngeleise befindet sich schliesslich das grösste der drei Schulbauten, welches die Sportnutzung sowie die Oberstufe beherbergt und beinahe die gesamte Breite der Parzelle besetzt. Die Obergeschosse werden analog zum Primarschulhaus an die westliche Gebäudeflanke geschoben, um wiederum eine räumliche Spannung bzw. eine Abfolge mit den übrigen Bauten zu ermöglichen und zum vorgelagerten Sportplatz eine angemessene Fassade bilden zu können.


    Aussenraum

    Die vorgegebenen städtebaulichen Freiraumstrukturen werden als funktionale Elemente des schulischen Aussenraums integriert. So durchzieht die Parkallee mit ihren Blauglockenbäumen und der flankierenden Mauer den zonierten Schulhofbereich der Primar- und Sekundarschule und wird gleichsam Teil desselben. Auch die von der Badenerstrasse abgehende Quartierstrasse wird mit einem lockeren Baumdach aus Geweihbäumen zu einem Schatten spendenden, hallenartigen Aufenthaltsbereich für die Schüler.
    An diese beiden baumbestimmten Schulhofbereiche schliessen sämtliche Schulgebäude und Freiflächen an. Grosszügige Holzflösse lassen den Schülern hier vielfältige Möglichkeiten zur Aneignung und bilden sammelnde Mittelpunkte, die das Areal durchziehen und zusammenhalten.
    Spielwiese und Hartplatz bilden zusammen mit dem Quartiersaal und dem Primarschulhaus eine räumliche Abfolge entlang der Baumhalle (Quartierstrasse), die auf die Sporthalle mit dem Sekundarschulhaus zuführt.
    Das parallel zum Bahntrassee stehende Gebäude wird von einer Ruderalfläche mit Sträuchern und Wildblumen eingefasst, die analog zu den Nachbargrundstücken eine erhöhte Lage hat und den Schulen als Naturlehrgarten dient. Zur Parkallee hin öffnet sich dieser erhöhte Bereich zum Vorplatz des Gebäudes und ermöglicht es, die gedeckten Velostellplätze hinter der Parkallee-Mauer unterzubringen. Vis-a-vis befindet sich der Haupteingang zur Primarschule, an die ostseitig der Quartierspark nahtlos anschliesst. Die Aussenflächen des im Erdgeschoss befindlichen Kindergartens sind formal an die bestehende Quartierparkgestaltung angelehnt und in diesen eingebettet.
    Durch die Platzierung der Tiefgaragenzufahrt direkt an die Ostseite der Spielwiese wird der PW-Verkehr frühest möglich abgeholt – das Schulareal kann so verkehrsfrei gehalten werden. Lediglich beim Quartierssaal sind entlang der Strasse Besucherstellplätze vorgesehen. Ausserhalb der Schulzeiten steht den Nutzern der Schwimm- und Sporthallen der Hartplatz zur Parkierung zur Verfügung.


    Betrieb und Funktionalität

    Die im Raumprogramm geforderten Nutzungen werden grundsätzlich in drei betrieblich unabhängige und autonom funktionierende Bauten aufgeteilt. Um auch künftigen Nutzungsveränderungen gerecht zu werden, basieren alle Gebäude auf einem strukturellen Raster. Dadurch werden wiederkehrende Raumeinheiten oder Raumgruppen ermöglicht, welche betrieblich eine hohe Nutzungsflexibilität erlauben.

    Im Portalbau befinden sich im Erdgeschoss die Musikschule sowie räumlich angehoben im ersten Obergeschoss die Aula und das angrenzende Foyer. Ein grosszügiger Eingangsbereich stellt zusammen mit einer grosszügigen einläufigen Treppenanlage den räumlichen Bezug von der Quartierstrasse mit der Aula her. Das Auslagern dieser Nutzungen aus den eigentlichen Schulbauten ermöglicht nebst einer betrieblichen und räumlichen Unabhängigkeit auch eine quartierübergreifende Nutzung für unterschiedlichste Anlässe. Foyer und Aula sind mittels einer beweglichen Saaltrennwand zu einem offenen, allseitig verglasten, stützenlosen Grossraum zusammenschaltbar. Feuerpolizeilich kann dieser Raum problemlos mit grosser Personenbelegung betrieben werden.

    Das Primarschulhaus gliedert sich in ein Unter-, ein Erd- sowie in zwei Obergeschosse. Unterschiedliche Eingänge ermöglichen stufengerechte Zugänge zu den unterschiedlichen Zentrumsnutzungen bzw. eine Trennung der Nutzungseinheiten nach Bedarf. Südlich und östlich sind die drei Kindergarteneinheiten angeordnet. Der östliche Ein- und Ausgang verbindet die vorgelagerten Aussenraumflächen mit der inneren Erschliessungszone. Nördlich befindet sich der Mittagstisch bzw. Blockzeitenraum mit möglichem Aussenraumbezug. Westlich mit direktem Zugang zum Quartierstrassenraum sind die beiden Horte in einem Flachbau angeordnet und komplettieren zusammen mit dem Mittagstisch und der Küche die Räume der Tagesstruktur. Ein mittig angeordneter, überhoher Mehrzweckraum mit zenitaler Belichtung kann sowohl von der Grund-, Unter- und Mittelstufe genutzt werden. Sämtliche Nebennutzungen im Kern der Anlage können grundsätzlich von allen Schülern genutzt werden.
    Das eigentliche Primarschulhaus sitzt auf dem Erdgeschoss auf und wird in zwei identischen Obergeschossen organisiert. Ein Kranz von Zimmern umgibt windmühleartig eine innere Erschliessungs- bzw. möblierbare Lehr- und Lernwelt, welche mittels eines grosszügigen, eingeschriebenen Innenhofes belichtet wird. Die jeweiligen Klassenzimmer werden in Ost-West-Richtung angeordnet und sind über die Gruppenräume bzw. eine gemeinsame Zugangszone zu einer Doppeleinheit zusammengefasst und liegen in unmittelbarere Nähe der inneren Clusterzone. Nördlich ist der Leitungs- und Lehrerbereich wie auch die Räume der Therapie projektiert. Im Süden, auf der Lärm zugewendeten Seite (Badenerstrasse) sind die weniger lärmempfindlichen Räume wie Werken oder Handarbeit angeordnet. Im Untergeschoss befindet sich die Tiefgarage mit 17 Abstellplätzen, welche in Randzeiten mittels eines separaten Zuganges bzw. Treppenhaus auch extern genutzt werden kann.

    Ähnlich wie das Primarschulhaus gliedert sich das nördliche Bauvolumen in einen Sockelbau, welcher die Nutzungen des Schulsportes beinhaltet. Darauf aufgesetzt wird der dreigeschossige Baukörper mit den Bereichen der Oberstufe vorgeschlagen. Man erreicht das Gebäude von der Parkallee her kommend über eine grosszügig geschnittene, doppelgeschossige Eingangshalle, welche gleichzeitig auch als Verteilraum für die einzelnen Nutzungseinheiten dient. Innere Verglasungen erlauben unterschiedliche Ein- und Ausblicke in die angrenzenden Räume der Schwimmhalle und der Turnhalle. Die Schwimmhalle mit Garderoben und Nebennutzungen kann unmittelbar aus der Eingangshalle erschlossen werden, während die Dreifachhalle und Garderoben als abgesenktes Geschoss über eine einläufige Treppe erschlossen werden. Im ersten Obergeschoss befindet sich die zentral gelegene Bibliothek, welche der gesamten Schulanlage dienen kann zusammen mit dem zweigeschossigen Pausenraum einen attraktiven, möblierbaren Aufenthaltsraum etabliert. Die Nutzungen der Oberstufe sind in den drei oberen Geschossen angeordnet. Ein Kranz von Zimmern umgibt auch bei diesem Gebäude eine innere Erschliessungs- bzw. möblierbare Lehr- und Lernwelt, welche durch zwei grosszügige Innenhöfe natürlich belichtet und belüftet werden kann. Die jeweiligen Klassenzimmer werden entlang der Parkallee angeordnet und sind je nach Bedarf zu einer Doppeleinheit zusammenschaltbar. Als logische Konsequenz aus der städtebaulichen bzw. betrieblichen Differenzierung zwischen Primar- und Oberstufenschule erhalten beide Schulstufen separate Leitungs- und Lehrerbereiche. Diese werden beim Oberstufenschulhaus im 2. Obergeschoss in östlicher Richtung zusammengefasst. Sämtliche Spezialnutzungen sowie die Werkräume werden entlang der nördlichen Flanke vorgeschlagen.


    Ausdruck, Konstruktion und Materialisierung

    In Bezug auf den äusseren Ausdruck wird für alle drei Gebäude eine ähnliche Erscheinungsform bzw. ein gleiches Konstruktionsprinzip gewählt um den Ensemblecharakter der öffentlichen Anlage zu unterstreichen. Ein gleichmässiges Fassadenraster umgibt die Bauten allseitig und unterstreicht somit den Anspruch der raumbildenden Stellung der einzelnen Kuben im städtebaulichen Kontext. Versetzt angeordnete geschlossene, verputzte Flächen sowie raumhohe Verglasungen an ausgesuchten Stellen in der Fassade verleihen den Bauten einen spannungsvollen Ausdruck. Die selbsttragenden, vorgehängten Betonelemente bestehend aus beige eingefärbten Lisenen und Brüstungsbändern, welche im Schnittdetail räumlich ineinander verwoben sind, zeichnen jeweils die innere Nutzungsverteilung nach und fassen die Geschosse vertikal oder horizontal zusammen. Farbige Fallarm- oder Ausstellmarkisen verleihen den strukturell wirkenden Betonelementen einen dynamischen, lebendigen Kontrapunkt. Zusammen mit den farbig eloxierten Holz/Metallfenstern wird eine beinahe klassische Architektursprache etabliert, welche dem Entwicklungsgebiet eine zeitlose öffentliche Anlage einbeschreibt.


    Baugrube und Fundation

    Da die Bauten nur ein Untergeschoss besitzen und genügend weit von der Grenze stehen, kann die Baugrube geböscht erstellt werden. Vereinzelt kann eine Abdeckung mit Magerbeton notwendig sein. Das Oberstufengebäude als auch das Primarschulhaus können auf dem gut tragfähigen Schotter mit einer Bodenplatte und örtlichen Verstärkungen flach fundiert werden. Das nur 2-geschossige Quartierzentrum wird ebenfalls flach fundiert. Allenfalls kann lokal ein begrenzter Materialersatz notwendig sein.


    Statisches System

    In den Geschossen der Oberstufenschule sind Korridorwände und innere Fassadenstützen tragend in Beton vorgesehen und bilden zusammen mit dem betonierten Kern (bestehend aus Lift und Wänden der WC-Anlage) und den Betondecken die statische Struktur der Obergeschosse. Um zukünftige Grundrissanpassungen bzw. eine Nutzungsflexibilität zu ermöglichen, sind die meisten Trennwände der Klassenzimmer nichttragend projektiert. Davon ausgenommen sind die beiden Trennwände im östlichen Gebäudeteil, welche über alle Geschosse als auskragende Abfangscheiben ausgebildet werden und auf diese Weise effizient dafür sorgen, dass die darunter liegende Sporthallendecke keine zusätzlichen Lasten erhält. Das kompakte und raumeffiziente Gebäude erfordert über dem Schwimmbad eine Abfangdecke aus schlanken Stahlverbundträgern (Blechträger, h=1200mm inkl. Decke), durch deren Stege die Leitungen geführt werden können. Die Sporthallendecke soll ebenfalls möglichst schlank, effizient und ökologisch sein, wofür verstärkte HEB1000 oder kastenförmige Blechträger ausreichen. Als Eindeckung ist eine kompakte Holzkonstruktion vorgesehen, worauf eine leichte, extensive Begrünung zu liegen kommt.
    Ähnlich wie beim Oberstufenbau sind auch bei der Primarschule nur Erschliessungswände und die inneren Fassadenstützen sowie die Seitenwände der Treppen tragend, was viele Freiheiten für die zukünftige Grundrissanpassungen bietet. Die Gebäudelasten können meist direkt bis ins Untergeschoss geführt werden.
    Bei der Aula/Quartierzentrum wird die schlanke Decke des multifunktional nutzbaren, stützenfreien Obergeschosses aus längs- und teilweise quer liegenden Stahlträgern (HEB 600) gebildet, welche eine leichte Holzkonstruktion tragen. Die Stege besitzen regelmässige Öffnungen für die Leitungsführung. Die Fassadenstützen und der Kern aus Lift und Lagerraum tragen und stabilisieren das Gebäude. Im Erdgeschoss sind erneut nur die Umschliessungswände der WC-Anlage tragend geplant, damit Anpassungen zukünftig problemlos möglich sind.


    Stabilität und Erdbebensicherheit

    Bei allen drei Gebäuden funktioniert die Stabilität bei der massgebenden Einwirkung Erdbeben ähnlich: die in verschiedene Richtungen stehenden Tragwände in Beton steifen die Strukturen gut aus und bieten einen sehr grossen Widerstand, der das normgemässe Niveau deutlich übersteigen kann. Eine direkte Lastabtragung bis auf die Bodenplatte ist in den meisten Fällen zudem möglich.


    Nachhaltigkeit

    Das kompakte Volumen mit grossen Gebäudetiefen, die gut wärmegedämmte beständige Gebäudehülle, eine statische Struktur, die eine langfristige Flexibilität garantiert und die Verwendung von umweltschonenden und giftfreien Baustoffen schaffen in Kombination mit einem fortschrittlichen Energie- und Haustechnikkonzept und der konsequenten Trennung von Primär- und Sekundärstruktur wichtige Voraussetzungen für ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Gebäude. Praktisch alle betonierten Bauteile mit Ausnahme der vorfabrizierten Stützen können aus Recycling-Beton erstellt werden.

    Energiekonzept

    Das Energiekonzept beruht auf einer sinnvollen Kombination von verschiedenen Komponenten zur Erreichung des Minergie-Standards mit einer konsequenten Umsetzung der ‚Sanften Klimatechnik’. Der kompakte, gut gedämmte Gebäudekörper mit U-Werten der opaken Bauteile von <0.10 W/m2 K und dreifachverglasten Fenstern produziert nur wenige Transmissionswärmeverluste durch die Gebäudehülle und bietet beste Voraussetzungen, den geforderten Minergiestandard einzuhalten. Der Wärmebedarf wird über eine Niedertemperatur-Fussbodenheizung gedeckt.

    Die Grundlast der Wärmeversorgung erfolgt ab der bestehenden Fernleitung der Stadt Schlieren. Neben dem passiven Solargewinn wird die Sonneneinstrahlung von Solarkollektoren auf dem Hauptdach des Oberstufenschulhauses für das Brauchwarmwasser und allenfalls für die Raumheizung und genutzt. Die Wärmeverteilung erfolgt über feinmaschige Fussboden-Rohrregister. Die Flächenheizung stellt einen wichtigen Baustein der Komfortbildung für die vorgesehene Nutzung dar. Aufgrund des hohen Glasanteils werden zur Sicherstellung der Komfortbedürfnisse und zur Elimination des Kaltluftabfalls im Fensterbereich die Randzonen verstärkt. Durch raumtemperaturnahe Betriebstemperaturen können die eigendynamischen Selbstregeleffekte optimal genutzt werden. Die mechanische Lüftungsanlage sorgt für ideale Lufthygieneverhältnisse und senkt durch die Wärmerückgewinnung den Heizenergiebedarf deutlich. Die Fortluft wird über Dach ausgeblasen. Zur Erzeugung des Strombedarfs kann auf dem Dach eine Photovoltaikanlage platziert werden.


    Konzeptioneller Lärmschutz

    Die von der Badenerstrasse und dem Bahnverkehr ausgehenden grossen Lärmimissionen verlangen nach entsprechenden konzeptionellen oder baulichen Massnahmen, welche die Einhaltung der Lärmschutz-Anforderungen gewährleisten. Der konzeptionelle Lärmschutz zur Einhaltung der Immissionsgrenzwerte kann für den Projektvorschlag wie folgt umschrieben werden:

    Aula

    - Anordnung der Nutzräume auf die seitlichen oder von der Badenerstrasse abgewandten Gebäudeflanken (Berücksichtigung des positiven Einflusses des Aspektwinkels).
    - Die grossen Räume im Obergeschoss haben eine allseitige Ausrichtung und können bei Bedarf in Richtung Norden natürlich gelüftet werden.

    Primarschule

    - Setzung des Gebäudes mit grossem Abstand zur Badenerstrasse (ca. 60m Distanz zwischen Quelle und Empfänger).
    - Reduktion der Lärmimmissionen im Erdgeschoss mit der Nutzung der Grundstufe durch eine Kombination aus Lärmschutzwand mit einer Höhe von ca. 1.8m parallel zur Badenerstrasse und seitlichen Lüftungsklappen (Bereich Zugang und auf Park Ecofaubourg).
    - In den beiden Obergeschossen werden bei Räumen mit reiner Orientierung auf den Strassenraum Nutzungen mit geringerer Lärmempfindlichkeit vorgeschlagen (Werken, Handarbeit etc.). Alternativ steht im obersten Geschoss die natürliche Belüftung mittels Oberlichtern

    Oberstufenschule

    - Geschlossene Bauweise zur Bahnlinie hin, Lärmschutzwand entlang der Parzellengrenze
    - In den beiden Obergeschossen werden bei Räumen mit reiner Orientierung auf die Bahnlinie Nutzungen mit geringerer Lärmempfindlichkeit vorgeschlagen (Werken, Handarbeit, etc.). Zudem können diese Räume mittels der innen liegenden Lichthöfe natürlich gelüftet werden.
    - Anordnung der empfindlichen Nutzräume auf die seitlichen oder an die vom Bahngeleise abgewandten Gebäudeflanken (Berücksichtigung des positiven Einflusses des Aspektwinkels).


    NISV

    Die vom Bahnverkehr ausgehende nichtionisierende Strahlung verlangt nach entsprechenden konzeptionellen oder baulichen Massnahmen. Der konzeptionelle Strahlenschutz kann für den Projektvorschlag wie folgt umschrieben werden:

    - Grundsätzlich ist das Areal des Schulhauses Schlieren West in einer rechtskräftig ausgeschiedenen Bauzone. Daher ist Art. 16 NISV nicht massgebend.
    - Dennoch wird eine Anordnung der empfindlichen Nutzungen OMEN möglichst ausserhalb des von CSD Ingenieure prognostizierten Bereiches (angenommene Distanz von ca. 20m) vorgesehen.
    - Anordnung von Schulsportnutzungen im besagten Distanzbereich.
    - In den Obergeschossen des Oberstufenschulhauses werden bahnseitig Nutzungen vorgeschlagen, bei welchem nicht von einer dauerhaften Belegung derselben Person ausgegangen werden kann (d.h. weniger als 4h/Tag).
    - Alternativ kann die nördlich vorgeschlagene Nutzschicht baulich pragmatisch geschirmt werden. Dies würde bedeuten, dass Abschirmbleche (ca. 3mm dick) auf den ebenen Rohbetonboden montiert werden und der Estrich mit Bodenheizung darüber eingebracht wird. Die Wände und Decke würden in gleicher Art beschichtet und mit geeigneten Massnahmen abgedeckt werden. Über geschirmte Räume liegen sehr gute Erfahrungswerte vor.


    Wirtschaftlichkeit

    Um eine angemessene Wirtschaftlichkeit für die Neubauten zu erreichen wurden relativ einfache und kompakte Baukuben vorgeschlagen, welche ein angemessenes Verhältnis zwischen der Gebäudehülle und den zu erwartenden Nutzflächen aufweist. Das statische Prinzip ist elementar und kann unkompliziert umgesetzt werden, insbesondere mittels der durchgehenden vertikalen Lastabführung. Die vorgesehene Medienerschliessung bzw. -Entsorgung kann pragmatisch umgesetzt werden, d.h. dass die Nassbereiche und Steigzonen sowie die Anordnung der Zentralen bei den Erschliessungszonen vorgesehen sind. Die konstruktiven Details bzw. der Schichtenriss (Tragen, Dämmen, Schützen sowie Differenzieren von Rohbau und Ausbau) sind generell einfach gehalten. Es wird eine pragmatische, der Schulnutzung angemessene, robuste Materialisierung vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau und Architektur
    Die Projektverfasser schlagen drei unterschiedlich grosse Gebäudekörper vor, die versetzt zueinander je eine Bautiefe des Grundstücks besetzen. Von der Badenerstrasse her öffnet sich das Areal und unterstreicht damit seinen öffentlichen Charakter. Einer Pförtnerloge ähnlich flankiert ein öffentlicher Saalbau mit Aula und Musikschule den Eingang zur Anlage. Zwischen Quartierstrasse, Parkweg, Parkallee und dem Park von Ecofaubourgs ist die Primarschule als dreigeschossiger Bau mit verlängertem Sockel angeordnet. Der bauliche Schwerpunkt in den Obergeschossen bildet die Raumkante zum benachbarten Park. Auf dem Baubereich zwischen Parkallee und Gleisfeld wird als grösstes der Volumen das Sekundarschulhaus mit der Turnhalle als verlängertem Sockel angeordnet. Der bauliche Schwerpunkt in den Obergeschossen ist hier nach Westen geschoben. So stehen die beiden hohen Volumen zueinander räumlich versetzt und ermöglichen Durchblicke.

    Ein umlaufendes Fassadenraster und identische Materialisierung betonen den Ensemblecharakter. Die Schulhausnutzung ist im Ausdruck gut ablesbar. Die streng im Raster vorgehängten beigen Betonelemente wirken zusammen mit den orangen Fallarmmarkisen etwas sehr pragmatisch.

    Aussenraum
    Durch die Setzung der Bauten entstehen unterschiedliche Aussenräume. Das Herz der Anlage liegt beidseits der Parkallee, wobei die Chance, mit dem Höhensprung und der Parkmauer diesen Raum zu differenzieren, ungenutzt bleibt und zudem einen Verstoss zum Gestaltungsplan darstellt. Die Aussenräume des Hortes liegen, etwas unglücklich, im Zugangsbereich von der Badenerstrasse. Der Hartplatz liegt zwischen der Quartierstrasse und der Nachbarparzelle der AXA im Westen. Dieser Platz wird als flexibel nutzbare und zur Quartierstrasse hin offene Hartfläche interpretiert. Die Spielwiese entlang der Badenerstrasse bricht die Gebäudefronten auf und setzt zusammen mit dem Quartierhaus ein Zeichen im Stadtgefüge. Mit räumlich stark trennendem Ballfang und Lärmschutzelementen scheint dieser Aussenraum wenig durchlässig und nicht flexibel nutzbar. Ein eigentlicher Park mit Erholungs- und Spielbereichen wird nicht angeboten.

    Erschliessung
    Die Erschliessung für den motorisierten Individualverkehr erfolgt ausschliesslich über die Parallelstrasse an der Badenerstrasse. Ein Haltebereich zum Ein- und Aussteigenlassen im Bereich des Quartiersaals wäre allenfalls zu ergänzen.

    Betrieb / Funktionalität Primarschulhaus
    Die Projektverfasser nehmen eine klare Trennung in Primarschulhaus und Sekundarschulhaus vor. Kindergarten und Hort sind in das Primarschulhaus integriert, wobei dem Hort ein separater Aussenbereich fehlt und der Aussenbereich des Kindergartens nicht abgetrennt ist. Alle Hauptnutzungen werden separat erschlossen, obwohl im Inneren ein umlaufender Korridor wieder alle Nutzungen verbindet, wodurch ein unabhängiger Betrieb von Hortes und Kindergarten nicht möglich ist. In den beiden Obergeschossen befinden sich die Unterrichtsräume, Lehrerbereiche, Schulleitung und Therapiebereiche ringförmig entlang der Fassade. Der innenliegende Erschliessungsbereich ist durch einen Lichthof belichtet und zonenweise möblierbar. Dies wird durch ein komplexes Brandschutzkonzept mit mobilen Brandschutzabschlüssen ermöglicht. Da sich auch noch die Sanitärbereiche im Erschliessungsbereich befinden, wird dieser als nur eingeschränkt nutzbar beurteilt. An der Ost- und Westfassade liegen je zwei Klassenzimmer mit zugehöriger Garderobe und Gruppenraum. Die beiden Klasseneinheiten können zueinander geöffnet werden, was von der Lehrerschaft begrüsst wird. Sie haben einen gemeinsam Aufenthaltsbereich im möblierbaren Korridor und bilden so ein kleines Cluster. Die Zimmer an der Nord- und Südfassade haben unabhängig von ihrer Funktion dieselbe Grundstruktur wie die Klasseneinheiten. Dadurch sind Nutzungsänderungen möglich.

    Betrieb und Funktionalität
    Sekundarschulhaus und Sportbereiche
    Durch die Integration der Sportbereiche ist das Sekundarschulhaus weniger klar erschlossen und gegliedert. Eine separate Erschliessung für die Sportbereiche mit Zutrittskontrolle Schwimmbad wäre wünschenswert und mit der gewählten Anordnung der Treppenhäuser möglich. Im Erdgeschoss befindet sich die Schwimmhalle. Die Dreifachturnhalle mit den zugehörigen Garderoben befindet sich im Untergeschoss und ist geprägt von sehr langen Korridoren. Das 1. OG bietet aufgrund der Lufträume von Schwimmhalle und Dreifachturnhalle nur noch Restflächen für die Schulnutzung. Die angedachte Galerie vor der Bibliothek mit Einblicken in die Sportbereiche und in die Pausenhalle macht das Geschoss jedoch attraktiv. Analog zum Primarschulhaus sind die Unterrichtsräume im 2. - 4. OG auf den Sockelbau mit den Sportnutzungen aufgesetzt. Das Organisationsprinzip ist identisch mit dem Primarschulhaus. Zwei einläufige Treppen von je 2 m Breite erschliessen die Unterrichtsräume. Hier könnte es personenhydraulisch eng werden.

    Vorprüfung
    Die Anforderungen bzgl. Lärmschutz und NIS können mit einer kontrollierten Lüftung und einer Abschirmung für gewisse Räume bewältigt werden. Es wird eine relativ gute Gebäudehüllzahl erreicht. Die Lichthöfe erlauben eine gute Tageslichtnutzung. Das Projekt ist zudem wirtschaftlich.

    Gesamtwürdigung
    Der Projektvorschlag weist in seiner städtebaulichen Setzung, seiner Körnigkeit und Massstäblichkeit sehr gute Qualitäten auf. Die Öffnung an der Badenerstrasse mit der funktional bestimmten stark abgetrennten Rasenspielfläche wiegt das Fehlen eines Parks im Arealinnern nicht auf. Der Projektvorschlag bietet aber durchaus Potenzial, die Hartfläche zu einem Platz aufzuwerten. Die innere Organisation wirft Fragen hinsichtlich Erschliessung und Brandschutz auf. So handelt es sich bei dem Projekt Schere Stein Papier generell um einen interessanten Beitrag, allerdings auch mit einigen Schwächen.


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