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  • DE Langenau
  • 01/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-3472)

Neubau Gesundheitszentrum Langenau


  • 3. Preis

    Lageplan

    Architekten
    Arcass Freie Architekten BDA, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Dipl.-Ing. Otmar Müller Dipl.-Ing. Lucas Müller Dipl.-Ing. Erika Putz Dipl.-Ing. (FH) Bernhard Kullak Mitarbeiter: Dipl.-Ing. (FH) Daniela Hatzlhoffer Dipl.-Ing. (FH) Tobias Schäfer cand. arch. Jan Escher, Haustechnik, Energiekonzept: DS Plan, Stuttgart

    Erläuterungstext


    Städtebau, Architektur, Funktion, Außenräume

    Die Zufahrt zum Gesundheitszentrum erfolgt über den neuen Verkehrskreisel an der Karlstraße. Sie erschließt das Eingangsvorfeld, die Parkplätze, die Tagesklinik und die betreuten Wohnungen im südöstlichen Grundstücksbereich.

    Der schlichte, durch seine Proportionen kraftvoll wirkende Neubau ist einfach gegliedert.
    Über den beiden transparenten Basis-Ebenen, die sich in Ausnutzung des abfallenden Geländes in die Landschaft einfügen, erhebt sich ein zweigeschossiger Baukörper, dessen leichte Holz- und Glashaut einen lebendigen Kontrast zu den Putzfassaden des Krankenhauses bildet.
    Alle Bereiche sind weitestgehend natürlich belichtet.

    Der neue Haupteingang des Gesundheitszentrums mit rund um die Uhr besetzter Rezeption im Erdgeschoss befindet sich an der Nahtstelle zwischen Bestand und Neubau. Von hier aus gelangt man auf kurzem Weg in alle Abteilungen des Krankenhauses und zu den Einrichtungen im Neubau.
    Um das Foyer gruppieren sich die Ladengeschäfte, das Restaurant, der Konferenzbereich und der Andachtsraum.
    Über eine großzügige Treppenanlage oder per Aufzug erreicht man die Physikalische Therapie und die Tagespflege im Hanggeschoss sowie die Arztpraxen in den Obergeschossen.

    Apotheke, Restaurant, Konferenzbereich, Physikalische Therapie und Tagespflege sind zusätzlich direkt von außen zugänglich.

    Der Tagespflege ist ein nach Süden orientierter, beschützter Garten direkt zugeordnet.
    Die südlich an den Neubau angrenzende Freifläche wird als Patientengarten mit Spazierwegen und Orten zum Verweilen gestaltet.

    Die um einen Anger gruppierten betreuten Wohnungen im südöstlichen Grundstücksbereich nehmen die kleinteiligen Proportionen der benachbarten Bebauung auf. Sie sind über einen bequemen Fahr- und Fußweg mit dem Gesundheitszentrum verbunden.

    Die gewünschte Erweiterung der chirurgischen Station im 1. OG auf der Südseite des Krankenhauses kann durch Aufstockung des westlichen Neubauteils erfolgen.

    Die optionale Erweiterung der Praxisflächen ist durch Anbau in östlicher Richtung möglich. Die Größe der Erweiterung kann den Anforderungen variabel angepasst werden.

    Statisch-konstruktives System und Baustoffauswahl
    Das Tragwerk ist eine Stahlbeton-Skelettkonstruktion, die durch die Erschließungs- und Versorgungskerne ausgesteift wird. Die Flachdecken mit Regelspannweiten von 6,25 x 5,00 m gewährleisten Installationsfreiheit und künftige Nutzungsflexibilität.
    Mit ihrer Speichermasse tragen die massiven Bauteile zu einem behaglichen Raumklima bei.

    Die Dachflächen erhalten eine extensive Begrünung.
    Im raumbildenden Ausbau werden im Hinblick auf schnelle und staubarme bauliche Veränderungen vorzugsweise gipsfaserbeplankte Metallständerwände auf Verbundestrich verwendet. Abgehängte Decken kommen in der Regel nur in mechanisch zu belüftenden Zonen zum Einsatz.

    Zur Gestaltung der Oberflächen werden bevorzugt natürliche Baustoffe verwendet:
    Öffentliche Räume erhalten Bodenbeläge aus Stein. Als Bodenbelag in Restaurant-, Konferenz-, Therapie- und Tagespflegebereich und als Terrassenbelag wird teilweise Holz eingesetzt. Sonstige Bodenbeläge bestehen je nach Nutzungsanforderung aus Linoleum oder Kautschuk.
    Die beschriebenen Materialien tragen wesentlich zu einer angenehmen Aufenthaltsatmosphäre bei. Gleichzeitig können sie bei baulichen Veränderungen umweltfreundlich entsorgt werden.

    Ganzheitliches Energiekonzept, Haustechnik
    Ein ganzheitliches Energiekonzept verfolgt mit Blick auf die weltweit zunehmende Energienachfrage, ihre Auswirkung auf Klima und Umwelt und steigende Energiepreise das Ziel, verfügbare Ressourcen effizient einzusetzen und gleichzeitig hohe Wirtschaftlichkeit hinsichtlich Erstellung und Betrieb bei hohem Komfortniveau im Gebäude zu erreichen.
    Dazu ist der Energiebedarf des Gebäudes durch die Konzeption der Gebäudehülle und der Gebäudetechnik zu minimieren und die Nutzung regenerativer Energiequellen zu ermöglichen.
    Das ganzheitliche Energiekonzept für das Gesundheitszentrum Langenau trägt aufgrund der folgenden Maßnahmen zu einem effizienten Umgang mit der Ressource Energie bei.

    Gebäudehülle und Wärmeschutz:
    Ein Fensterflächenanteil von ca. 60 % gewährleistet eine gute Tageslichtversorgung der angrenzenden Räume und ermöglicht gleichzeitig einen sehr guten Wärmeschutz für Winter- und Sommerbetrieb.

    Verglasung und Sonnenschutz:
    Ein außenliegender Lamellenraffstore in Verbindung mit einer Wärmeschutz-Isolierverglasung erlaubt die Nutzung der solaren Gewinne im Winter und eine effektive Reduzierung unerwünschter solarer Gewinne im Sommer.

    Gebäudeform und -orientierung:
    Durch die kompakte Gebäudeform ergibt sich ein günstiges A/V Verhältnis, das die spezifischen Wärmeverluste reduziert. Die Ausrichtung der Glasfassaden des Restaurants und der Physikalischen Therapie nach Süden ermöglicht eine passive Nutzung der Sonnenenergie im Winter.

    Lüftung:
    Mit Ausnahme des Restaurants sowie der Konferenz- und Therapiebereiche wird
    das Gebäude durch Fensterlüftung natürlich belüftet. Die mit einer effizienten Wärmerückgewinnung ausgestatteten Lüftungsanlagen ermöglichen einen komfortablen, energieeffizienten und wirtschaftlichen Betrieb.

    Heizung:
    Der Heizverteiler des Neubaus wird an die bestehende Heizzentrale angeschlossen.

    Wärmepumpe mit Erdsondenanlage (optional):
    Die Wärmeverbraucher im Therapiebereich wie Fußbodenheizung und Beckenwassererwärmung können mit Wärme auf niedrigem Temperaturniveau versorgt werden. Hier bietet sich optional der Einsatz einer Wärmepumpenanlage an, die Wärme aus dem Erdreich nutzt.
    Das erforderliche Temperaturniveau der Wärmeverbraucher im Therapiebereich von ca. 35 °C ermöglicht den effizienten Einsatz einer Wärmepumpe in Verbindung mit einem Erdsondenfeld. In den wasserdurchströmten Erdsonden wird dem Erdreich Wärme entzogen. Die Wärmepumpe hebt das Temperaturniveau der entzogenen Wärme an, damit diese für den Therapiebereich nutzbar wird. Aufgrund des geringen Temperaturhubs sind optimale Vorraussetzungen für einen effizienten Betrieb der Wärmepumpenanlage gegeben.
    Im Sommer kann das Erdsondenfeld als zusätzliche Kältequelle für die Lüftungsanlagen eingesetzt werden.

    Außenluftansaugung durch Erdkanal:
    Die Ansaugung der Frischluft erfolgt durch einen Erdkanal. Dadurch wird die Luft im Winter vorgewärmt und an heißen Sommertagen gekühlt.

    Kühlung:
    Der Kältebedarf der Lüftungsanlagen wird ausschließlich über regenerative Systeme gedeckt. Auf den Einsatz einer Kältemaschine kann verzichtet werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht



    Städtebauliche Qualität (Gesamtkonzept) des Realisierungs- und Ideenteils
    Die Erweiterung des Gesundheitszentrums liegt in unmittelbarer Nähe südlich dem Krankenhaus vorgelagert, wobei der Zugang von Osten zwischen den Baukörpern auf dem bisherigen Eingangsniveau des Krankenhauses liegt. Über den beiden transparenten Basisebenen, die sich in Ausnutzung des abfallenden Geländes in die Landschaft einfügen, erhebt sich ein zweigeschossiger Baukörper, dessen leichte Holz- und Glashaut einen lebendigen Kontrast zu den Putzfassaden des Krankenhauses bildet.

    Insgesamt erscheint das Gesamtkonzept als kompakte Lösung, auch für den Ideenteil, allerdings wird durch den insgesamt 4-geschossigen, dem Krankenhaus vorgelagerten Neubau, die Aussicht aus den bisherigen Patientenzimmern erheblich beeinträchtigt. Die geforderten Stellplätze liegen zentral zum Hauptzugang und zum Ideenteil Betreutes Wohnen, der auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei geplant ist.

    Die fußläufige Erschließung zwischen Tagespflege und Betreutem Wohnen ist geländeordnend dargestellt. Der südliche Teil des bisherigen Hohlwegs wird zugeschüttet.

    Gestaltung
    Die innenräumliche Gestaltung der Eingangshalle überzeugt durch die klare Orientierung zu den vertikalen und horizontalen Verkehrselementen und einem zentral angeordneten Kundenservice, der für allseitige Nutzungen gut wahrnehmbar ist.

    Funktionalität
    Die im Erdgeschoss angesiedelten Bereiche wie Apotheke, Restaurant, Konferenzraum sind sowohl von der Halle als auch teilweise direkt von außen erreichbar. Gleiches gilt für die Tagespflege und den ambulanten Pflegedienst. Die Ausgestaltung der Vorfahrt zur Tagespflege ist nicht eindeutig nachgewiesen und die Anlieferungsmöglichkeit für die Apotheke ist nur im Bereich des Haupteingangs gegeben und kreuzt damit den Besucher- /Patientenverkehr bzw. hat über den Wirtschaftshof zu lange Wege zurückzulegen. Die Präsentationen von Waren im Sanitätshaus und im Bereich Hörgeräteakkustiker sind durch die vorgelagerte Deckenöffnung für die Treppe eingeschränkt. Diese Details können jedoch den vorher beschriebenen Gesamteindruck der guten Anordnung nicht wesentlich beeinträchtigen. Die Erschließung der beiden Praxisgeschosse im 1. und 2. OG erfolgt über eine einläufige Treppe zzgl. Aufzug. Die Anordnung der Behandlungsräume in den Arztpraxen bietet weitestgehend Tageslichtqualität und eine deutliche innere Erschließung. Durch das klare Stützenkonzept ist eine hohe Flexibilität in der Ausgestaltung der Räume einschließlich deren künftiger Veränderbarkeit gewährleistet. Die vertikale Erschließung, der im Untergeschoss angeordneten physikalischen Therapie ist klar gegliedert und hat weitestgehend Tageslichtqualität.

    Wirtschaftlichkeit, insbesondere Investitions- und Folgekosten
    Einerseits besteht eine erhöhte Programmfläche und ein hoher Glasanteil bei der Fassade, andererseits erfolgen geringe Eingriffe in den Bestand. Dadurch ergeben sich gut kalkulierbare Investitionskosten und geringfügige Beeinträchtigungen für den laufenden Betrieb. Vorhandene Vertikalerschließungen werden sinnvoll genutzt. Der Ideenteil (Erweiterung chirurgische Station) bildet mit den bereits vorhandenen Räumen eine optimale Betriebsstruktur. Der Ideenteil (Erweiterung der Arztpraxen) lässt sich in der vorgeschlagenen Weise problemlos realisieren. Die Versorgung des Restaurants von der bestehenden Zentralküche aus ist durch lange Wege und Kreuzungen mit Besucher-/Patientenverkehr problematisch.