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  • 3. Preis

    Lageplan

    Architekten
    martinoff architekten, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Mitarbeit: Simone Bajewski, Ulrike Lange, Dagmar Giebel, Johannes Krause, Yvonne Pohlmann , Sonderfachleute: TGA: skm-haustechnik GmbH, München Konzept Baugrube und Gründungsberatung: Igor Martinoff, Braunschweig Straßenplanung: Losch & Partner Ingenieurgesellschaft mbH, Neumünster Visualisierung: 3D factory, Jens Storm, Kiel

    Erläuterungstext


    STÄDTEBAU

    Die Neustrukturierung der Flächen der ehemaligen Vereinigten Kesselwerke bietet die Chance, Verknüpfungen der Freiräume zwischen Oberbilker Markt, IHZ-Park und den südlich angrenzenden Quartieren bis zum Sonnenpark herzustellen.

    Die Positionierung der Gebäude für das Amts- und Landgericht und für die Büro-Verfügungsbauten leitet sich aus den vorhandenen Strukturen ab und definiert öffentliche Räume mit unterschiedlichen, ablesbaren Charakteren.

    Die Verfügungsbauten greifen die linearen Strukturen entlang des IHZ-Parkes auf und bilden einen Rücken zur neu geplanten Umgehungsstraße.
    Der Baukörper des Justizzentrums bildet Raumkanten entlang der Werdener und der Mindener Straße aus und formuliert gemeinsam mit dem neuen Bürogebäude an der Werdener Straße einen Platz, der sowohl als Eingangssituation für das Verfügungsgebäude als auch für den Innenbereich des Quartiers dient. Die Aufweitung des Platzes zur Mindener Straße korrespondiert mit dem räumlichen Übergang zum IHZ-Park und stellt eine visuelle Beziehung dorthin her.

    Der Innenbereich des Quartiers wird zu einem begrünten, parkartigen Raum entwickelt, der weitgehend von Verkehr freigehalten wird.
    Dies erfolgt durch Anordnung der Tiefgaragenabfahrten im Zwischenraum der Verfügungsgebäude hinter der Einmündung der Umgehungsstraße.
    Im Innenraum entlang der Bürobauten sind oberirdische Besucherparkplätze unter Bäumen angeordnet. Die Durchfahrt zur Mindener Straße entlang des Justizgebäudes ist nur für dessen Versorgung vorgesehen. Die Versorgung der Verfügungsgebäude erfolgt jeweils von deren Zwischenräumen aus.

    Der halbkreisförmige Oberbilker Markt findet am neuen Gerichtsgebäude eine Begrenzung in Form einer straßenbegleitenden Raumkante. Gleichzeitig wird durch die Ausbildung eines Negativraumes im Baukörper, der als Einhangshalle fungiert, der öffentliche Raum innerhalb des Gebäudes fortgesetzt.
    Zum Innenbereich hin orientiert wird, der Eingangshalle entgegengesetzt, ein zum Grünraum hin transparent gestalteter Hof ausgebildet.


    GERICHTSGEBÄUDE

    Funktionen

    Amtsgericht und Landgericht werden in zwei funktional verbundenen, aber eindeutig abgegrenzten Gebäudeteilen untergebracht, in deren Zentrum der Saaltrakt von beiden Gerichten aus unabhängig erreicht werden kann.

    Die Eingangshalle am Oberbilker Markt wird vom Gebäudeteil des Amtsgerichtes umschlossen und führt auf kurzem Wege zu den zentral angeordneten, separaten Haupterschließungen für Amtsgericht, Landgericht und Saaltrakt.
    Die Sonderbereiche Kantine, Unterrichtsräume und Bibliothek sind in dem transparenten Gebäudeteil, der zum Grünraum hin orientiert ist, angeordnet.

    Die Vorführabteilung ist unterhalb des Saaltraktes im abgesenkten Innenhofbereich angeordnet, so dass der Zellentrakt und die zugehörigen Arbeitsbereiche natürlich belichtet werden können.
    Die Übergabe der Häftlinge erfolgt im rückwärtigen Bereich über eine Fahrzeugschleuse mit unmittelbarer Anbindung eines eigenen Treppenhauses, das zur Vorführabteilung führt.
    Von hier aus besteht über einen Rundgang (Vorführgang) unmittelbar unterhalb des Saaltraktes die Anbindung an vier Aufzüge, die direkt mit den Bereichen der Strafsäle verbunden sind und den schnellen und nicht einsehbaren Transport der Häftlinge in die Verhandlungssäle sicherstellen.
    Direkt an die Vorführabteilung angrenzend ist die Haftrichterabteilung untergebracht. Für den Eildienst besteht eine Zugangsmöglichkeit vom rückwärtigen Bereich des Gebäudes, die gegenüber den sonstigen Bereichen des Justizzentrums im Treppenhausbereich abgeschottet werden kann.

    Der Saaltrakt ist als ‚Herzstück’ des Justizzentrums zentral angeordnet und zum Innenhof bzw. der Halle hin ausgerichtet. Hierdurch wird eine Einsehbarkeit der Verhandlungen vom Straßenraum aus vermieden. Lediglich zum rückwärtigen, südöstlichen Grundstücksteil sind einige Säle in den Obergeschossen orientiert.
    Die Säle sind vertikal auf kurzem Weg erreichbar und bilden im Bereich der Strafsäle eine großzügige Halle mit umlaufenden Galerien, die gegenüber den Zivilsälen durch ein Glasdach abgegrenzt sind. Diese wiederum gruppieren sich ebenfalls mit Galerien um einen Hof.
    Die Anordnung, insbesondere der Strafsäle, bildet Nischen- und Rückzugsräume für die verschiedenen prozeßbeteiligten Parteien.

    Die Wachtmeisterei ist in unmittelbarer Nähe der Eingangskontrolle und des Saaltraktes angeordnet. Es besteht die Möglichkeit eines direkten Zuganges von der Wachtmeisterei in den Saaltrakt im Konfliktfall. Der Außenschalter ist im Bereich der Wachtmeisterei an der Werdener Straße angeordnet. Hierfür wird eine Haltebucht vorgesehen.
    Die Anwaltsfächer sind nahe des Eingangsbereiches, die Anwaltszimmer direkt oberhalb davon im 1.OG angeordnet. Im Geschoß darüber befindet sich mit guter Anbindung an den Eingangsbereich und an den Saaltrakt, aber dennoch davon getrennt, der Bereich der Zeugenbetreuung.

    Die publikumsintensivsten Bereiche sind im Erdgeschoß um die zentrale Eingangshalle gruppiert. Die großzügige Halle bietet eine leichte Orientierung und Wartemöglichkeiten bzw. Treffpunkte für Besucher und Mitarbeiter der beiden Gerichte.

    Die Versorgung erfolgt über einen Anlieferhof, der vom Innenbereich aus angedient wird und über eine Toranlage abgeschlossen wird.
    In diesem Bereich erfolgt die Anlieferung der Küche, der Gerichtsfunktionen (Verteilung über Wachtmeisterei), und der Poststelle (Ein- und Ausgang).
    Die Entsorgung des Mülls und des Altpapiers erfolgt ebenfalls in diesem gesicherten Bereich.

    Konstruktion

    Das Gebäude ist als Stahlbetonkonstruktion geplant. Die Bürotrakte sind mit einem Stützensystem (Achsmaß 7,50m) ausgebildet. Aussteifende Kerne bestehen aus Stahlbetonwänden.
    Das Ausbauraster beträgt 1,50m und bietet variable/flexible Nutzungsmöglichkeiten.
    Die Fassaden haben eine vorgehängte, hinterlüftete Natursteinverkleidung.
    An der Werdener Straße und an den Schmalseiten des Gebäudes sind aus Schallschutzgründen Kastenfenster ausgebildet. Der Lufteintritt in den Fensterzwischenraum erfolgt über Nischen, die ebenso wie die Laibungen schalldämpfend ausgebildet sind. Der Sonnenschutz erfolgt über einen manuell verstellbaren Screen im Zwischenraum.
    Die großflächigen Verglasungen im Bereich der Eingangshalle und des Gebäudeteiles über der Kantine sind als Pfosten-Riegel-Konstruktionen ausgebildet.
    Die Hoffassaden der Bürobereiche sind mit einem Wechsel aus Fenstern und Paneelen vorgesehen während im Bereich des Saaltraktes horizontale Natursteinbänder und Glasbänder wechseln.
    Das Glasdach über der Eingangshalle spannt feldweise zwischen dem Hauptträgersystem.
    Die glasüberdeckte Halle ist als 12°C-Halle konzipiert und ermöglicht neben einer konstruktiven Vereinfachung der Innenfassaden auch eine Senkung der Reinigungs- und Betriebskosten.

    Gestaltung

    Das Justizzentrum wird als ein Gebäudekomplex interpretiert. Amtsgericht und Landgericht sind in entgegengesetzt angeordneten, winkelförmigen Baukörpern untergebracht. Die ‚janusköpfige’ Anordnung erzeugt die Umkehrung des Erscheinungsbildes beider Gerichtsteile zur Werdener Straße und zum rückwärtigen Grünraum. Die Gemeinsamkeit der Funktion und die gleichzeitige Abgrenzung der Instanzen erhalten so ihren subtilen Ausdruck.
    Die körperhafte Erscheinung der Gesamtfigur ist durch die Reaktion auf den Stadtraum in Form großzügiger transparenter Öffnungen geprägt und gegliedert.
    Insbesondere die einladende Geste zum Oberbilker Markt verankert das Gebäude im Stadtraum.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.