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  • DE Mülheim an der Ruhr
  • 01/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-3695)

Städtebaulicher Wettbewerb "Neuer Hauptbahnhof"


  • 1. Preis


    Verkehrsplaner
    BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Aachen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Axel C. Springsfeld

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: JSWD Architekten, Köln (DE)
    Landschaftsarchitekten: club L94, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Neuer Hauptbahnhof Mülheim an der Ruhr

    Der Dieter-aus-dem-Siepen Platz (Eingang Mitte)

    Das historische Empfangsgebäude wird erhalten und erfährt über Fassadensanierung und Abbruch nachträglicher Ein- und Anbauten eine neue Qualität. Das Gebäude bleibt von großen Fahrgastfrequenzen abgekoppelt, behält aber einen Nebenzugang zur Erschließungspassage zwischen Eingang Nord und Eingang Süd. Teile des Bahnhofgebäudes können für Veranstaltungen genutzt werden ( „Kunstsalon, Alter Wartesaal Köln“). Die Platzfläche wird vom Parkverkehr befreit und erhält eine neue Deckung. Im Gegensatz zum stark frequentierten neuen Bahnhofsplatz im Süden entsteht hier ein baumbestandener intimer Gartenplatz.


    Der neue Bahnhofsplatz (Eingang Süd)

    Der neue Bahnhofsplatz ist der Verkehrknotenpunkt mit intermodalen Schnittstellen zwischen Bahn, Bus, U-Bahn, Pkw und Fußgänger/Radfahrer. Das quadratische Dach legt sich ins Zentrum dieser Vernetzungen und weist auf die Bedeutung des Ortes hin. Es dient der wettergeschützten Verbindung Bahn /U-Bahn-Forum und schafft hochwertige Wartezonen für Fahrgäste von Bus und S-Bahn. Das vorhandene Verbindungsbauwerk bleibt im Bereich der U-Bahnabgänge erhalten. Südlich der Busdurchfahrt liegen der eingehauste Zugang zum Reisebushalt (ehemaliger Busbahnhof) und die Fahrradstation. Der geplante Busbahnhof und der S-Bahnhalt bleiben in Ihrer Organisation unverändert. Westlich der Eppinghofer Strasse führt eine großzügige, artifizielle Rampen-/Treppenanlage auf den ehemaligen Güterbahndamm. Eingebettet in die Rampensituation und vis-á-vis zum neuen Bahnhofsdach kann hier ein hochwertiges Bürogebäude (mit Garage unter der Bahnböschung) Platz finden.


    Der Boulevard Tourainer Ring (Eingang Nord)

    Der Stadtraum Tourainer Ring wird definiert durch eine neue Bebauungskante im Norden und dem Brückenbauwerk der Bundesbahn im Süden . Die geplanten Stadthäuser greifen Struktur und Körnung der vorhandenen Bebauung auf und schließen die Gartenhöfe zum stark befahrenen Tourainer Ring ab. Ein Grünzug mit Baumallee, Fuß- und Radweg puffert die Emissionen der Straße ab. Der Grünzug im Süden der Straße nimmt große Teile der vorhandenen Baumsubstanz auf. Im Bereich des Nordeingangs Bahnhof wird das Grün durch einen großzügigen Vorplatz mit Taxivorfahrt abgelöst. Ein ausladendes Vordach markiert den Eingang in die Verteiler-Passage.

    Alle drei Stadtraumsituationen können unabhängig voneinander und ohne größere Behinderung des laufenden Fahrverkehrs realisiert werden. Die vorhandenen Erschließungen Bahn/U-Bahn bleiben erhalten und werden gestalterisch aufgewertet. Die Planung für Busbahnhof und S-Bahn werden übernommen. Die vorgeschlagenen Bebauungen können in mehreren Stufen realisiert werden; einzelne Bausteine sind, Nutzungsanforderungen entsprechend, noch flexibel zufüllen. Der klare lesbare Bahnhofsplatz mit seiner zeichenhaften Architektur stärkt die Identität des Quartiers und hebt den Verkehrsknotenpunkt als integralen Bestandteil des öffentlichen Lebens heraus.


    Freiraumkonzept Neuer Hauptbahnhof Mülheim an der Ruhr

    Vorhandene Situation

    Das Planungsgebiet ist durch seine heterogene Stadtstruktur aus Gewerbe-, Dienstleistungs- und Wohnnutzungen geprägt. Hinzu kommen groß dimensionierte Verkehrsflächen und die Gleisanlagen mit Brückenbauwerken im direkten Umfeld des Hauptbahnhofes. Dies hat zur Folge, dass die Qualität des Stadtraumes den unterschiedlichen Nutzungsansprüchen nicht gerecht wird. Erschließungstrassen, Parkplätze und Anlieferzonen sind über das Gebiet verstreut und erschweren die Orientierung. Der Übergangsbereich zwischen Einkaufszentrum Forum und dem Bahnhof ist auf eine unattraktive Übergangszone reduziert. Die Mülheimer Nordstadt ist durch die Gleisanlagen vom Bahnhof und der Innenstadt abgetrennt. Insgesamt weist das Quartier ein Defizit an qualitätsvollen Freiflächen auf.
    Mit der Umgestaltung des Areals und dem frei werden der stillgelegten Trasse der Rheinischen Bahn eröffnet sich die Möglichkeit, dem Bahnhof als Tor zur Stadt ein repräsentatives Gesicht zu verleihen und die angrenzenden Stadtteile wieder in Beziehung mit dem Ort zusetzen. Außerdem wird die Verknüpfung des Bahnhofs über eine Rad- und Fußwegeverbindung mit den überregionalen Freiräumen des Grugaparks und der Duisburger 6-Seen-Platte möglich.

    Landschaftsarchitektonisches Konzept

    Das landschaftsarchitektonische Konzept hat zum Ziel, neben der überregionalen Vernetzung, über eine klare und reduzierte Gestaltung dem Bahnhofsumfeld ein hohes Maß an Orientierung und Identität zu verleihen. Dadurch wird es seiner Bedeutung als Tor zur Stadt wieder gerecht und dem Besucher in positiver Erinnerung bleiben.

    Bahnhofsumfeld

    Ein einheitlicher Plattenteppich spannt sich zwischen Einkaufszentrum und Bahnhof auf. Als multifunktionale Bewegungsfläche wird sie alle Nutzungen und Laufbeziehungen zulassen. Eine Struktur aus hoch aufgeasteten Bäumen z.B. Platanen oder Linden filtern die Makrostuktur des südlich angrenzenden Forums ab. Zudem fungieren sie als grüne Refugien, die dem Ort eine zusätzliche Qualität verleihen.
    Der neue Bahnhofsplatz an der Eppinghoferstrasse ist als freie Platzfläche vor dem neuen Bahnhofsdach konzipiert. Ein Thema aus Bänken und Lichtstelen markiert das großzügige Entree in den Bahnhof.
    Der Plattenteppich schiebt sich bis zum Nordausgang des Bahnhofes unter die Brücken der Gleistrasse hindurch. Hier richtet er sich als offene Platzgeste in Richtung Nordstadt. Der Raum vor dem ehemaligen Empfangsgebäude am Siepenplatz wird mit wenigen Bäumen ergänzt, um den Bezug auf die andere Seite der Straße zu stärken.

    Stillgelegte Trasse der Rheinischen Bahn

    Der ehemalige Gleiskörper der rheinischen Bahn wird in Zukunft ein attraktiver Grünzug in der Stadt sein. Zudem wird eine Vernetzung mit den überregionalen Freiräumen der Gruga und der Duisburger Seenplatte sichergestellt. Die Gestaltung dieses Freiraums thematisiert den Zugang des 4 bis 5m höher liegenden Haldenplateaus. Treppen und Rampen strukturieren die Böschung, die flächig mit schnittverträglichen, naturnahen Gehölzen wie z. B. Ginster, Pfaffenhütchen, Sanddorn oder Weißdorn bepflanzt wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.