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  • DE-10179 Berlin
  • 03/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-130849)

Bürogebäude am Petriplatz


  • 2. Preis


    Architekten
    KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN), Shenzhen (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner, Tragwerksplaner: Arup Deutschland GmbH, Berlin (DE), Düsseldorf (DE), Frankfurt am Main (DE)

    Erläuterungstext
    Zwischen den großmaßstäblichen städtebaulichen Kanten auf der Fischerinsel spannte sich seit jeher eine Gruppe von Bauten auf, deren Existenz und
    Kubatur sich auf den Bau der Petrikirche bezog. Diese, zwischenzeitlich verlorene, städtebauliche Insel wird im Bebauungsplan I-218 wie-derbelebt
    und erhält jetzt durch das Lehr- und Bethaus ein neues Zentrum. Unser Haus ist, neben dem archäologischen Zentrum, ein weiterer Baustein
    des Ensembles, und bildet, mit dem 30m hohen Turm, seinen Kopf zur Mühlendammbrücke. Auf den dominierenden geometrischen Körper des
    Bethauses reagiert unser Haus mit einem vereinfachten Gesamtvolumen, dessen Traufkanten die vorgegebenen Höhen aufnehmen. Durch die angepasste
    Kubatur ergeben sich Proportionen die denen der Frontfassade des historischen Cöllner Rathauses entsprechen.

    BODENDENKMAL
    Das Ausgrabungsfeld wird in unserem Entwurf vollständig überbaut und, durch Glasfelder im Boden, sowohl von innen, wie von außen einsehbar gestaltet.
    Durch ein Glasfeld im Boden, ent-lang der Fassade an der Scharrenstraße, lässt sich auch die dreidimensionale Ausdehnung der Fundamente
    erfahren. Die Gründung des Gebäudes folgt den Empfehlungen.

    FASSADE
    Das 4.05m Tragraster, das mit langformatigen, hellen, warmgrauen Klinkersteinen verkleidet ist, prägt den Ausdruck des Gebäudes. Die Knicke
    rhythmisieren die Straßenansicht und verbinden die unterschiedlichen Körper zu einem Ganzen. Die Materialität stellt einen zusätzlichen Bezug zur
    städtebaulichen Gruppe her, das Raster kommuniziert die funktionale Eigenständigkeit im Vergleich mit Bethaus und archäologischem Zentrum.
    Das Fassadenraster beträgt 1,35 m, wobei je zwei Felder verglast sind und eines hochgedämmt und mit einer Klinkervorsatzschale verkleidet ist. Die
    Fensterflügel können zur Reinigung und zur natürlichen Lüftung der Büros geöffnet werden. Im Hinblick auf die Lärmemissionen im Außenbereich
    wird eine Prallscheibe vor die Öffnungsflügel gesetzt. Die langsame Luftströmung kann auch zur Nachtauskühlung genutzt werden, ohne Einbruchrisiken
    und Witterung bedenken zu müssen.

    FLEXIBLES BÜRO
    Die Grundrisse der Regeletagen sind grundsätzlich aus drei Mieteinheiten mit maximal 400m2 aufgebaut, die der Staffelgeschosse und des 1.OG
    aus jeweils zwei. Diese können als autarke Mietbereiche angeboten werden oder zusammengeschaltet vermietet werden. Auch eine kleinteiligere
    Vermietung, speziell der mittleren 400m2-Einheit ist einfach möglich. Eine Sondersituation stellt das 7.OG dar, das auch als separate Einheit vermietbar
    ist und mit seinen Deckenhöhen und einem spektakulären Blick über Berlin eine besondere Qualität vermittelt. Die notwendigen Flure zwischen den Nutzungseinheiten und Fluchttreppenhäusern zerschneiden nicht größere, übergreifende Mieteinheiten, da die Lifte mit ihren Vorräumen in die Kerne gelegt werden. Durch die Positionierung der Kerne in den unbelichteten Innenecken haben alle Mietflächen ma-ximierte Außenflächen zur besseren Belichtung. Im 7.OG wird der Kern angepasst, um die nutzbare Fläche zu optimieren und bietet mit seiner nach Außen orientierten Aufzugslobby eine besondere Wertigkeit.

    NACHHALTIGKEIT
    Eine nachhaltige Büroimmobilie zeichnet sich durch einen guten Standort, durch Langlebigkeit und einen Ressourcen schonenden Betrieb aus. Langlebigkeit
    wird durch attraktive und beständige Architektur erreicht, die sich einfach an neue Randbedingungen anpassen lässt. In diesem Sinne verknüpft der vorliegende Entwurf architektonische, baukonstruktive und technische Maßnahmen zu einem ausgewogenen Gesamtkonzept. Die Baukörper sind kompakt organisiert, so dass nicht nur eine optimale Funktionalität, sondern auch ein maximaler Tageslichteintrag in die Nutzflächen gegeben ist. Ökologische Qualität ist Ökonomische Qualität. Das vorgeschlagene Energiekonzept minimiert Primärenergiebedarf, welcher so weit wie möglich von erneuerbaren Energiequellen abgedeckt wird. Zur Reduzierung des Energiebedarfs sind Maßnahmen wie freie Kühlung, eine hochwertige Wärmerückgewinnung und die Anwendung von Bauteilaktivierung vorgesehen. Die Energiekosteneinsparungen, die sich auf die Gebäudekosten über den gesamten Lebenszyklus positiv auswirken, sind ein weiterer Schlüsselpunkt des Energiekonzepts.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf hat eine klare städtebauliche Haltung. Er interpretiert den Gesamtbaukörper, der durch die städtebaulichen Vorgaben äußerst differenziert und vielschichtig ist, als ein großes Volumen. Dementsprechend werden die Vor- und Rücksprünge, horizontal und vertikal in ein gemeinsames Bild integriert.

    Diesem Ansatz folgend, wird die Fassade in konsequenter Weise wie ein Kleid um den Körper gelegt. Dieses „Fassadenkleid“ hat eine äußerst differenzierte Strukturierung mit reizvollen und vielfältigen „Falten“. Vor- und Rücksprüngen, die sich im Zick-Zack-Muster um das Haus schmiegen, geben ein unverwechselbares Bild. Die großformatigen Fensterflächen ermöglichen eine moderne Innenraumatmosphäre und führen zu einer guten Aufenthaltsqualität, insbesondere in den Büroetagen.

    Die Büroflächen werden logisch von zwei Kernen erschlossen, sie müssen allerdings brandschutztechnisch überarbeitet werden. Die Aufteilung in 400-m²-Zonen ist in den Büroetagen gewährleistet. Die Flächeneffizienz ist sehr gut. Der Entwurf nimmt konsequent die Erfahrung hinsichtlich nachhaltiger Energieversorgung, Wärme- und Kälteversorgung über Betonkernaktivierung auf.

    Die Einbindung des Bodendenkmals ist in die Erdgeschosszone nicht ausreichend berücksichtigt. Es müssten Abstimmungen mit dem zuständigen Amt erfolgen, um im gegenseitigen Einvernehmen eine optimale Nutzung zu gewährleiten. Gleiches gilt für die vollständige Einhaltung der Baugrenzen im Sinne des B-Plans.