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  • DE-94078 Freyung
  • 03/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-122935)

Innenstadtnahes Wohnen Froschau


  • Anerkennung


    Architekten
    GRUNWALD & GRUNWALD, Leipzig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Angelika Grunwald , Prof. Matthias Grunwald

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur gmbh, Berlin (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Zur Stärkung der Innenstadt von Freyung werden im Ortsteil Froschau zwei neue Wohnquartiere mit jeweils unterschiedlichem Charakter vorgeschlagen - das an der Kolpingstraße gelegene „Quartier am Ortingerhaus“ und das auf dem Areal des heutigen Einkaufsmarktes gelegene „Quartier am Pfarrhof“.
    Beide Quartiere profitieren von Blickbeziehungen über die Talaue und dem Naherholungswert der Landschaft. Das als Baudenkmal gesicherte Pfarrhofensemble wird aufgewertet. Das historische Ortingerhaus an der Abteistraße wird - wenn wirtschaftlich möglich - in seiner Grundstruktur erhalten und selbstverständlich in die neuen Quartiere integriert. Dies fördert die Identität des Ortes und trägt zu einer zeitgemäßen Erneuerung des Ortsbildes bei.

    Kennzeichen des „Quartiers am Ortingerhaus“ ist eine aufgelockerte, versetzte Anordnung der Baukörper. Durch die versetzte, auf die Topographie abgestimmte Gebäudestellung werden freie Blicke in den Grünraum der Talaue ermöglicht und der Landschaftsraum erlebbar gemacht. Das ortsbildprägende Ortingerhaus wird auf seine Grundstruktur zurückgebaut und einer angemessenen Nutzung wie z. B. Gastronomie mit Freisitz oder einer anderen öffentlichen Nutzung zugeführt. Das Ortingerhaus ist maßstabsbildend für zwei nach Süden orientierte Geschosswohnungsbauten an der Kolpingstraße. Der Freibereich zwischen den Gebäuden hat gemeinschaftlichen Charakter und steht als Kommunikations- und Spielfläche zur Verfügung. In Ergänzung zu den Geschosswohnungsbauten werden in Abstimmung auf die Topographie drei südorientierte Reihenhauszeilen in versetzter Anordnung vorgeschlagen. Dadurch entsteht eine spannungsreiche stadträumliche Figur, die einerseits kompakt gegliedert ist und sich andererseits selbstverständlich mit der Talaue verzahnt. Aufgrund der unterschiedlichen Gebäudetypologien und der variablen, zeitgemäßen Gestaltung der Reihenhäuser eröffnet das „Quartier am Ortingerhaus“ vielfältige Wohnungsangebote für junge Leute und Familien mit Kindern. Es wird daher unter dem Stichwort „Familienquartier“ entwickelt.

    Als weitere Entwicklungsperspektive wird bei Verlagerung des Einkaufsmarktes das „Quartier am Pfarrhof“ vorgeschlagen. Das Quartier greift die Typologie und die Körnigkeit des benachbarten, U-förmigen Pfarrhofes auf. Unter dem Stichwort „Neue Nachbarschaften“ werden zwei Wohnensembles vorgeschlagen, deren Merkmal ein großzügiger, gemeinschaftlicher Hofbereich ist. Je ein Geschoßwohnungsbau und zwei Reihenhauszeilen begrenzen den Gemeinschaftshof, der sich ebenfalls in Richtung der Talaue öffnet. Private, den Reihenhäusern zugeordnete Gärten sind nach Süden und Westen zum hin orientiert und schaffen ein zusätzliches Freiraumangebot. Aufgrund der räumlichen Anordnung der Baukörper und der Hofbildung kann das „Quartier am Pfarrhof“ das gemeinschaftliche Bauen und Wohnen modellhaft fördern. Die Erschließung erfolgt über einen gestalteten Wohn- und Spielweg, der im Nordosten an die Abteistraße anbindet. Die erforderlichen Stellplätze werden zum Teil unterirdisch über eine Tiefgarage nachgewiesen.

    Der naturnahe Landschaftsraum der Talaue wird erhalten und als Naherholungsraum erlebbar gemacht. Ein landschaftlich geprägter Rundweg verbindet die neuen Quartiere. Er erschließt das höher gelegene Plateau des denkmalgeschützten Pfarrhofes und schafft neue Verknüpfungen zum Kindergarten St. Anna und zum Talraum südlich der Bahnlinie. Der Rundweg ist mit einer Steigung von max. 6% behindertengerecht ausgebildet. Durch punktuelle Bepflanzungen wird der Rundweg akzentuiert. Auf dem Plateau des historischen Pfarrhofes werden zwei Spielplätze für unterschiedliche Altersstufen vorgeschlagen. In diesem Bereich hat der Rundweg den Charakter eines Panoramawegs, von dem die gesamte Talaue erlebbar wird. Der Pfarrhof wird auf der Landschaftsseite von Obstbäumen umgeben. Diese dienen als „Puffer“ zum Einkaufsmarkt und zonieren das Plateau.

    Bei Erhalt des Einkaufsmarktes ist der Parkplatz neu zu ordnen und zu gestalten. Die Neugestaltung des Parkplatzes ist gekennzeichnet durch eine lineare, übersichtliche Neuorganisation der Stellplätze entlang der notwendigen Fahrspuren. Dadurch wird ein reibungsloses Ein- und Ausfahren auf die Abteistraße gewährleistet. Die Anlieferzone des Einkaufsmarktes und die Zufahrt zum Wohnhaus im südlichen Bereich des Einkaufsmarktes bleiben aus Gründen der Praktikabilität erhalten. Es entstehen 78 Stellplätze. Kleinkronige Bäume dienen zur Auflockerung der Stellplatzfläche. Der Vorbereich zum Haupteingang des Einkaufsmarktes wird vom Verkehr freigehalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf überzeugt durch den Erhalt des Ortinger-Hauses und dessen Einbeziehung als Ausgangs- und Angelpunkt für die neue Wohnbebauung, die sich in ihrer zeilenartigen Anordnung daran orientiert. Die neue Bebauung gliedert sich in zwei dreigeschossige Dreispänner südlich des Ortinger-Hauses und in drei, ebenfalls dreigeschossige Zeilen, bestehend aus Familienhäusern, die als Reihenhäuser ausgebildet sind. Die durch das Versetzen der West- und Ostzeilen gegeneinander entstehenden gefassten Hofräume werden positiv gewertet, ebenso die Blickbeziehungen zum Grünraum.

    Öffentliches und privates Wohnumfeld sind konsequent zugeordnet. Leider ist die Gestaltung des Straßenraums nur auf die Fahrerschließung reduziert. Eine Aufenthaltsqualität ist nicht erkennbar. Auch die Gestaltung des Parks ist nur als Konzept dargestellt.

    Mit dem Zurücksetzen der nördlichen Familienhauszeile erweist der Entwurf seine Referenz sowohl dem erhaltenen Ortinger-Haus, als auch dem Pfarrhof, der nun eine noch wichtigere Funktion im Straßenraum einnimmt. Der Erhalt des Plateaus im Süden des Pfarrhofs und dessen Umgestaltung als Obstgarten mit Spielplätzen wird als eigenständiger Beitrag positiv gesehen.

    Die neue innere Erschließungsstraße führt zu einer Doppelerschließung der westlichen Baukörper, was die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigt, ebenso wie die sog. Spielwege, die durch das Erfordernis der Zufahrt zu den Stellplätzen vor den Familienhäusern sehr groß dimensioniert sind, obwohl von ihnen jeweils nur eine Häuserreihe erschlossen wird. Positiv ist, dass die Tiefgaragen durch die, an die Topographie angepasste Wohnstraße ebenerdig angefahren werden können. Allerdings wird der Gebäudesockel der Westzeilen und der abfallende Raum zwischen den Häusern, dessen räumliche Qualität verbesserungswürdig ist, als Nachteil gesehen. Ebenso problematisch wirkt der Übergang zur bewegten Topographie des Grünbereichs, der nur teilweise gelungen ist.

    Die Trennung der Tiefgaragen und die dami t mögliche abschnittsweise Umsetzung wirkt sich positiv auf die Realisierbarkeit des Entwurfs aus.

    Die Wohnqualität der Familienhäuser wird als gut eingestuft. Die Tiefe der Dreispänner mit den innenliegenden Sanitärräumen und Küchen und die Orientierung einiger Wohnräume und Loggien werden problematisch gesehen.

    Bei der Gestaltung des Supermarktparkplatzes sind nur geringe Verbesserungen erkennbar.

    Die Hofbildung und die Öffnung der Höfe zum Grünbereich im Ideenteil und die Nachbarschaftsbildung mit sozialer Durchmischung wird begrüßt.

    Die Anzahl der Wohneinheiten liegt leicht unter dem Durchschnitt, die Nettobaulandfläche leicht darüber.