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  • 3. Preis

    Lageplan

    Architekten
    HINRICHS WILKENING ARCHITEKTEN, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sven Hinrichs , Ralf Wilkening

    Mitarbeit
    Sven Hinrichs Ralf Wilkening

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Hanns Malte Meyer, Berlin (DE)
    Bauingenieure: fd-ingenieure, Dipl.-Ing. Frank Dröse, Tragwerksplanung, Brandschutz, Thermische Bauphysik, Berlin (DE), Braunschweig (DE)

    Erläuterungstext
    Die besondere städtebauliche Situation am Rand des Regierungsviertels der Bundesdeutschen Hauptstadt Berlin, in Nachbarschaft zum Bundeskanzleramt und zum neuen Hauptbahnhof erfordert eine klare figürliche Setzung des Neubaus für das Bundesinnenministerium. Das dem Wettbewerb zugrunde liegende Grundstück weißt prägende Determinanten auf, welche die Beschaffenheit und Ausrichtung des Baukörpers bestimmen. Lage und Höhe des Gebäudes werden beeinflusst vom Volumen des Hauptbahnhofs, der unmittelbar angrenzenden Trasse der Deutschen Bundesbahn, dem Band des Bundes und der Topographie des tiefer gelegenen, ehemaligen Bahngeländes. Das Volumen formuliert eine kompakte klare Grundform, die durch Ausbildung von Höfen und Rücksprüngen gebildet wird. Den Grundbaukörper bildet der erste Bauabschnitt A. Der zentrale Gebäudeteil des Hauptbaus erhebt sich über die durchgehende Traufkante und setzt ein städtebauliches Zeichen. Die beiden Bauabschnitte B und C werden als folgerichtige Erweiterungen des Grundbaus um jeweils einen Hof nach Südwesten angedacht. Das Innenministerium als repräsentatives Regierungsgebäude richtet seine Hauptfassade zum Spreebogen und öffnet sich am markantesten Punkt seiner Figur zur Stadt.

    Die repräsentative Haupterschließung des Grundstücks erfolgt über das ULAP Gelände vom Bahnhofsquartier aus. Die Kastanienrampe soll zusätzlich als Protokollzufahrt dienen. Die Zufahrt zum Anlieferungshof erfolgt entlang der Bahntrasse von der Ingeborg-Drewitz-Allee ausgehend. Der Bau der Garage wird als vermittelndes Volumen im Zwischenraum zur Bahntrasse vorgeschlagen. Die Anbindung erfolgt unterhalb des Restaurants Paris Moskau direkt über die Hauptzufahrt. Die Eingangssituation des Neubaus öffnet sich nach Südosten und orientiert sich zur Hauptzufahrt. Der Eingang wird durch die Überhöhung des Baukörpers deutlich markiert und bildet unter der Auskragung des zentralen Bauteils die Ministervorfahrt aus. Durch die Brückensituation gegenüber der Strasse Alt Moabit und der augenscheinlich tieferen Lage des Gebäudes bietet die Überhöhung des zentralen Bauteils die Möglichkeit, klare Adresse, Kopf und nicht zuletzt Bedeutung des Ministeriums zu generieren.

    Ebenso eindeutig wie auch komplex die Anforderungen an ein Ministeriumsgebäude sind, so soll auch seine Gestalt sein. Der bergende Charakter der städtebaulichen Grundfigur leitet sich aus den erforderlichen Bedingungen der Sicherheit, wie auch aus der Notwendigkeit nach möglichst ungestörtem Arbeitsablauf mit geregelter Kontrolle des Außenkontakts ab. Diese in der Natur der Funktionen des Gebäudes liegende Mehrschichtigkeit verlangt nach der Einführung von bestimmten Schnittstellen die die einzelnen Bereiche ebenso kontrolliert übersichtlich, wie auch diskret abschirmen und auch verbinden. Die städtebauliche Universaltypologie der Blockstruktur mit unterschiedlich geprägten Innenhöfen (als eine geübte urbane Grundform) hat die erforderliche Reaktionsbreite um diesen Fächer an speziellen Anforderungen in selbstverständlicher Weise zu erfüllen.

    Das Konzept ermöglicht eine optimale Bebauung der einzelnen Stufen als jeweils abgeschlossene städtebauliche Figur. Diese besteht im ersten Bauabschnitt aus einem im Inneren klar organisierten Hauptbau mit drei Höfen und der Überhöhung des zentralen Gebäudeteils. Im zweiten Bauabschnitt wird ebenso eine ganzheitlich gebildete Gebäudeform in ihrem Umriss gefasst und in der dritten Baustufe ergänzt. Das Konzept erlaubt einen möglichst ruhigen Bauablauf der das umgebende Stadtquartier in den weiteren Abschnitten nur marginal tangiert. Die relativ konzentrierte Hofbebauung innerhalb eines großzügigen regelmäßig, unregelmäßigen Gesamtumrisses generiert eine urban-zentrifugale Situierung und eine geschlossen kompakte Stellung der einzelnen Baukörperteile zueinander.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Dem Projekt gelingt es auf eindrückliche Weise, das umfangreiche Programm sowohl stadträumlich wie innenräumlich zu thematisieren; stadträumlich stellt sich das Gebäude als kraftvolles Haus im Park vor, innenräumlich gelingt es, durch die Ausbildung verschiedener Hof- und Raumtypen ein vergleichsweise komplexes Raumgefüge öffentlicher Innen- und Außenräume zu schaffen.

    Unter der Prämisse eines großen Hauses in Garten wird die Adressbildung resp. die Gestaltung des Eingangsbereiches konsequent entwickelt, den Sicherheitsanforderungen kann damit sehr beiläufig Rechnung getragen werden. Gleichwohl kann die innere Hierarchie resp. Leitungsfunktion in dem erhöhten zentralen Bauteil eine gewisse baukörperliche Dramaturgie entwickeln. Mit der teilweise geschossübergreifenden Fassadenstruktur werden die realen Maßstäbe und Volumen des Hauses geschickt in einem unbestimmten Zustand gehalten.