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  • Anerkennung Teilbereich A (Baufelder neun und zehn)

    Außenperspektive vom Wasser

    Architekten
    Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (DE), Dülmen-Rorup (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Jan Kleihues

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Building Applications Ingenieure Kasche Lußky Dr. Krühne, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Stadtplaner GmbH, München (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Gebiet, auf dem heute das Südhafenquartier entwickelt wird, spielte in der Berliner Stadtentwicklung bislang eine untergeordnete Rolle. Kieswerke, Bahnflächen, eingeschossige Hallen und militärische Nutzungen fanden hier in der Vergangenheit Platz. Umso beeindruckender ist der Plan hier ein neues, lebendiges Stück Stadt zu schaffen, welches den Ostteil mit dem Westteil Berlins verbindet.
    Dank der klaren städtebaulichen Vorgaben für das Stadthafenquartier ist die Einbindung des Entwurfes mit dem Einhalten des Regelwerkes gegeben. Zwölf Häuser, mit einer gleichsam homogenen wie eigenständigen Architektursprache, reihen sich um einen grünen, mit hohen Bäumen bestandenen Innenhof.
    Anstelle der im städtebaulichen Entwurf vorgeschlagenen drei Turmhäuser, besetzen nur zwei Turmhäuser, die herausragende Lage am Wasser. Dadurch werden der Hochausgrundriss mit einem Feuerwehraufzug und Sicherheitstreppenraum, die Belichtung der Turmwohnungen und die Blickbeziehung der Eigentumswohnungen in der Blockbebauung zum Wasser und Invalidenfriedhof optimiert.

    Entwurfsidee
    Der Grundbaustein für die vorgeschlagene Entwicklung ist das städtische Wohnhaus, welches von der Straße aus über ein einladendes Entrée und ein angemessenes Treppenhaus erschlossen wird. Jedes Haus weist einen eigenständigen Charakter auf und verfügt über eine deutlich ablesbare Adresse an der Straße. Die Verteilung der Nutzungen folgt den planerischen Vorgaben, wobei Wohnungen gleicher Größe übereinander angeordnet wurden, um Sanitär- und Küchenschächte nicht verziehen zu müssen.
    An der exponierten Lage am Wasser empfehlen wir zweigeschossige Town Häuser für die Sockelbebauung mit einem kleinen Garten und Vorgarten sowie Etagenwohnungen in den Türmen.
    Für die Straßenfassaden wählten wir das Motiv von konkav und konvex geschwungenen Bändern. Die weichen Kurven verleihen den Fassaden einen besonderen Charakter, der an den Wellenschlag des Wassers erinnern soll. Dieses einfache, jedoch sehr wirkungsvolle Bild der geschwungenen Fassaden erzeugt ein harmonisches und individuelles Stadtbild, das einladend auf Bewohner, Passanten und Besucher wirkt.
    Für die Straßenfassaden sollte vorrangig Backstein oder Klinker verwendet werden, um eine dauerhafte und hochwertige Erscheinung sicherzustellen.

    Dachflächen
    Alle Gebäude erhalten von den Bewohnern nutzbare Dachflächen. Für die obersten
    Eigentumswohnungen und Mietwohnungen 2 sind privat nutzbare Dachterrassen vorgesehen, die über eine Außentreppe von der Loggia erreicht werden.

    Schallschutz
    Die zur Heidestraße orientierten Wohnungen erhalten Wintergärten, die wie
    ein zusätzlicher Puffer gegen die Emission des Verkehrs wirken. Im Sinne der EnEV
    2012 werden alle Fenster in Holz mit einer Dreifachverglasung geplant. Eine
    mechanische Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt für die
    gewünschte Wohnqualität, Schallschutz und einen minimalen Einsatz von
    Primärenergie.

    Orientierung der Wohnungen
    Wohnräume werden zu den Straßen orientiert, Schlafräume zum ruhigen Innenhof.
    Die Dreizimmerwohnungen erhalten größtenteils zwei Loggien: eine an den
    Wohnraum anschließend und zur Straße gerichtet, die andere an der Küche mit Blick zum Hof. Eine Markise sorgt für den sommerlichen Sonnenschutz.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf fällt durch den Aufbau einer entschiedenen, symmetrischen Komposition im Städtebau auf, die in ihrer Durchformulierung eine vergleichbare Entschiedenheit vorträgt. Die Jury beurteilt diese beinahe etwas pathetisch anmutende Axialität als nicht zwingende Eigenschaft des Masterplans, begrüßt aber den räumlich-plastischen Durchbruch zum Wasser, der allerdings durch den Sockelbau verstellt wird. Andererseits kritisiert sie das Bild einer öffentlichen Arkade zum Wasser, die in Wirklichkeit private Räume umschließt.

    Ebenfalls nimmt die Jury den architektonisch, präzisen Ausdruck dieser Anordnung, welcher einerseits an den Backsteinexpressionismus des Nordens anzuspielen scheint, andererseits an den Ausdruck älterer Zeugnisse des Industriebaus erinnert, interessiert zur Kenntnis. Die Aufteilung der Fassade in Teile mit dunklem Klinker und einem weißen Skelett wirkt zwar grafisch reizvoll, erschließt sich aber typologisch nur teilweise.

    Die Wohnungsgrundrisse sind im großen Teil sorgfältig und dem Gesamtplan gegenüber kohärent entwickelt, indem die Wohnungen einem diesem Ausdruck vergleichbaren etwas „ältlichen Charme“ ausstrahlen. Allerdings gibt es kleine Wohnungen, die nur nach Norden schauen, während die Hochhausgrundrisse ökonomisch und sicherheitstechnisch sehr professionell entwickelt sind und eine hohe Wohnqualität anbieten. Konsequent wird der Plan als eine Folge von städtischen Wohnbauten entworfen, deren individueller Charakter aber zum Vorteil des Projektzusammenhaltes nur mit feinen Gesten ausgespielt wird. Der Mix an Wohnungstypen ist lebendig, die Ausnutzung ist eher hoch.

    Das Haus entlang der Heidestraße gibt dem Projekt ein stimmiges Gesicht, wobei die typologische Wahl der Wohnungen (Miete I) mit der vermuteten, industriellen Großzügigkeit (hier würde man eher Loftwohnen assoziieren) im Widerspruch steht.

    Die Erschließung des Komplexes entspricht den Haupteigenschaften des Layouts, indem sie Zugänge und Adressen an jenen Stellen vorsieht, welche auch in dieser Kubatur erwartet würden. Insgesamt hält der Entwurf das einmal gewählte Thema weitgehend durch, aber die Grundannahmen erscheinen in ihrem rückwärtsgewandten Charakter nicht in allen Punkten zwingend.