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  • ein 3. Preis Teilbereich B (Baufelder elf und zwölf)


    Architekten
    Bieling Architekten AG, Hamburg (DE), Kassel (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Thomas Bieling

    Mitarbeit
    Indra Meyer, Johannes Fuß, Hagen Sparbrodt

    Erläuterungstext
    Lage

    Grundlage des Entwurfs ist das städtebauliche Entwicklungskonzept
    Heidestraße. Innerhalb der vorgegebenen Kubatur entstehen in kleinteiligen
    Einheiten urbanes Wohnen und individuelle Vielfalt. Die hofartigen
    Freiräume ergänzen das Raumangebot mit privaten und halböffentlichen
    Außenbereichen. Die Blockrandfigur in den Baufeldern 11 und 12 wird durch
    Auflösung in kleinere, parzellenbezogene Einheiten individualisiert. Dabei
    unterscheiden sie sich in der architektonischen Ausdifferenzierung
    entsprechend der vorgesehenen Nutzungen.
    Baufeld 12 erhält seinen städtebaulichen Akzent in Richtung zum zukünftigen
    Boulevard. Offen gestaltete, überhöhte Erdgeschosse bieten Raum für die
    gewünschten Nutzungen der Nahversorgung und quartiersbezogenes Gewerbe und
    beleben den Straßenraum. Das Blockinnere bleibt als klassischer Hoftypus
    allseits umschlossen.
    Im Übergang zu Baufeld 11 verbindet das dort angesiedelte Forum die beiden
    Hofräume und leitet mit kleineren Durchlässen in den öffentlicheren
    Charakter des dortigen Hofes über. Hier weitet sich die interne
    Wegeverbindung zwischen den Blöcken zu einem echten Quartiersplatz.
    Unterhalb des städtebaulichen Hochpunkts an der Südostecke sind die
    prominenteren Funktionen mit öffentlichem Bezug und entsprechend
    einladenden Fassaden platziert.


    Haus

    In den Fassaden spiegelt sich der individuelle Charakter der Nutzungen
    wieder. Die gewünschte homogene Vielfalt wird durch eine permanente
    Überformung von wiederkehrenden Elementen innerhalb einer Grundordnung aus
    Basis, Korpus und Kopf erreicht. Eine horizontale Tektur aus
    geschossbegleitenden Linien durchzieht alle Bauteile und wird durch
    differenzierte Materialien und Elementformate begleitet. Großformatige
    Metall- oder Faserzementtafeln wechseln sich dabei mit Putzflächen ab. In
    vertikaler Richtung variieren Oberflächen innerhalb gleicher Materialien
    und Dichte oder Anordnung von Sekundärelementen wie Geländer. In den
    Erläuterungsbericht Kennzahl 343134
    Laibungen, Balkonen und Loggien dominieren jeweils Holzstrukturen.
    Insgesamt bleibt das Verhältnis zwischen offenen und geschlossenen Flächen
    ausgewogen. Sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz sind mit einfachen
    Mitteln lösbar.
    Die Westfassade in Baufeld 12 öffnet sich im Erdgeschoss über große
    Glasflächen zur Promenade Durch die zweigeschossige Anlage mit optional
    angelegten Zwischendecken entsteht eine flexibel teil- und nutzbare
    Gewerbefläche. In den darüber liegenden Geschossen orientieren sich die
    Wohnungen mit den Aufenthaltsräumen zum Boulevard und den Ruheräumen zum
    Innenhof. Großzügige Loggien und Balkone erweitern das Flächenangebot und
    bieten jeweils geschützte Sitzbereiche.
    Die Fassade in Baufeld 11 transportiert in erster Linie die Idee der
    Individualität der einzelnen Wohnungen. Bewegliche, teils transluzente
    Fassadenelemente spenden Schatten und Sichtschutz und beleben das
    Erscheinungsbild zusätzlich. Das Material Metall unterstreicht den
    hochwertigen Charakter des zum Wasser ausgerichteten Bauteils.


    Hof

    Das Blockinnere in Baufeld 12 dient als optische und akustische Ruheinsel
    für die privateren Räume der Wohnungen. Wohnbereiche in den Erdgeschossen
    werden durch separierte Gartenparterre nach außen erweitert.
    Die offene Fassade des Forums und die beidseitige angelegten Durchgänge
    leiten behutsam in den öffentlicheren Gestus des Hofes in Baufeld 12 über.
    Entlang der internen Wegeverbindung beginnt der differenzierter gestaltete
    Außenraum für Sondernutzungen und Aktionen. Auf seiner östlichen Seite
    profitieren die erdgeschossigen Wohnungen von der Hochparterresituation
    ihrer privaten Gärten. Infrastruktur für Ver- und Entsorgung wird optisch
    schonend und teils als Unterflurlösung integriert.
    Zu- und Abfahrt zur Tiefgarage sind an der nördlichen Querstraße angeordnet
    und stören die Blockinnenräume nicht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Struktur überzeugt mit harmonischer Klarheit. Die gewählte Höhenentwicklung verlässt die Mastervorgabe und entwickelt dabei eine gut ausgewogene „Volumentrie“. Die Fassadengestaltung parzelliert den Baukörper in angemessener Proportionierung. Die klare Gestaltungsstruktur wird in verschiedenen Variationen präsentiert, die eine lesbare Individualisierung ermöglichen. Die Materialkombination aus Faserzement- und Metalltafeln ist dem Kostenrahmen angemessen gewählt, wird jedoch an diesem Ort kritisch bewertet. Die Fassaden an Straßen- und Uferseite sind durch ihre starke Strukturierung dominierend für den ganzen Block.

    Die vorgelagerten Loggien an der Heidestraße können mit einer Glasebene vor Lärm geschützt werden. Kritisch bewertet wird das Erschließungssystem. Es gibt Rettungsprobleme für die hofseitigen, kleinen Wohnungen und keinen direkten Zugang aus den Treppenhäusern in den Hof.

    Die Verbindung der beiden Hofbereiche mit Gemeinschaftseinrichtungen vermittelt zwischen den öffentlichen und halböffentlichen Bereichen im Außenraum.