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  • CH-5734 Reinach AG
  • 11/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-104382)

Erweiterung Wohnheim Breite


  • 2. Rang Ankauf

    Situation M 1:200

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Chebbi | Thomet | Bucher Architektinnen AG, Zürich (CH)
    Architekten: Rapp Arcoplan AG, Basel (CH)
    Bauingenieure: Rapp Infra AG, Basel (CH)
    TGA-Fachplaner: kiwi Systemingenieure und Berater AG, Dübendorf (CH)

    Preisgeld
    27.000 CHF

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfassenden entwickeln für das neue Wohnheim einen kompakten, mehrfach
    geknickten Gebäudekörper, welcher auf verschiedenen Ebenen Qualitäten zu erzeugen vermag: Zum einen schafft es das Gebäudevolumen durch seine geknickten Fassaden die Wahrnehmung dieser zu verkürzen und so, zusammen mit den Dachneigungen eine Massstäblichkeit zu generieren, welche trotz des markanten Volumens mit seinem unmittelbaren Kontext in einen Dialog treten kann. Zum andern kann das Gebäude präzise zum bestehenden Wohnheim positioniert werden, so dass im Einklang mit dem bestehenden Schopf ein überzeugendes Ensemble entsteht. Der eine Knick fasst den Binnenraum und formuliert dabei die Eingangssituation, der zweite Knick öffnet den Raum konisch und lässt den Blick frei in den sich weitenden Gartenraum. Der bauliche Dreiklang von Neubau, Altbau und Nebengebäude überzeugt nicht nur volumetrisch, er wird auch schlüssig zusammen gehalten vom bereits erwähnten hofartigen Erschliessungsraum. Diese räumliche Mitte ist entscheidend für die Kraft des Ensembles und verleiht der Gesamtanlage eine willkommene Selbstverständlichkeit, sowohl auf städtebaulicher, als auch auf funktionaler Ebene. Das harmonische Einbetten des Volumens in die Topographie wird allerdings durch tiefe Abgrabungen, insbesondere entlang der Nordwestfassade, empfindlich gestört. Ebenso unglücklich ist die massive Überschreitung des Gebäudeprofils im Bereich der Südwestfassade. Konsequent der städtebaulichen Situation verpflichtet, wird das Gebäude aus dem aussenräumlichen Zentrum erschlossen. Daran angegliedert befinden sich ebenfalls schlüssig die ‚öffentlichsten’ Nutzungen wie Tagesstätte und Freizeitraum.

    Hierbei sind gleichzeitig Synergien mit dem bestehenden Gebäude gut vorstellbar.
    Auf Grund der geschossweisen Stapelung der Wohngruppen und der geschickten Nutzung der topographischen Verhältnisse schaffen es die Verfassenden, den übereinander liegenden Intensivwohngruppen einen ebenerdigen Ausgang zum Garten zu ermöglichen, einen im Osten und einen im Westen. Durch den gekonnten Umgang mit Geometrien und dadurch generierten räumlichen Situationen schaffen die Architekten eine grosse räumliche Vielfalt innerhalb der Wohngruppen. Gleichzeitig erlaubt die Variation des Themas unterschiedliche Wohnungen zu generieren, welche alle von denselbem entwerferischen Geist durchdrungen sind. So werden sämtliche Wohnungen von einem mäandrierenden, von zentralen Kernen oder Erschliessungsschichten gegliederten fliessenden Raum charakterisiert, welcher in wechselnden Konstellationen zu den Individualräumen steht. Sowohl bei den Intensivwohngruppen als auch bei den Wohngemeinschaften sind grosse qualitative Unterschiede auszumachen.

    Gerade bei der obersten Wohnung, welche frei von konzeptionellen Zwängen
    wäre, ist die Aufreihung der Individualräume nach Norden unverständlich. Aus betrieblicher Sicht ist die Positionierung des Timeout-Zimmers in den Intensivwohngruppen in der abgelegenen Gebäudeecke ungünstig. Der gestalterische Ausdruck wird im Wesentlichen geprägt von den Grundrissvariationen. Diese schlagen sich auch im lebendigen Ausdruck des Gebäudes nieder und vermögen durch die unterschiedliche Anordnung der Loggien dem Gebäude eine interessante Allseitigkeit
    zu verleihen. Die eingangs beschriebene Setzung des Gebäudevolumens ist nicht
    nur städtebaulich gekonnt, sie vermag auch auf der Ebene der Aussenräume zu
    überzeugen. So wird auf selbstverständliche Weise die Spielwiese und die Wegführung durch den Garten an den zentralen Hartplatz angeschlossen und räumlich
    schön zoniert. Der innere Platz übernimmt räumlich und funktional eine Schnittstellenfunktion und schafft gleichzeitig eine wohlproportionierte Eingangssituation.
    Der zentrale Ort profitiert zudem von der konsequenten Situierung der Parkplätze an der Erschliessungsstrasse. Der Aussenraum in seiner Gesamtheit mit einem zurückhaltenden Vegetations- und Materialisierungskonzept fügt sich harmonisch
    in die vorhandene Situation ein. Einzig die volumetrisch an den Gebäudeecken angedockten und von Hecken umfassten Aussenräume der Intensivwohngruppen
    sind noch etwas sperrig in die freie Gartenlandschaft eingeschrieben und stehen in einem merkwürdigen Verhältnis zum Gebäude. Das Projekt bietet dank dem kompakten Baukörper gute Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen und energieeffizienten Betrieb.

    Das vorgeschlagene dezentrale Lüftungskonzept wird begrüsst. Das leicht nach
    Südost und Südwest geneigte Dach eignet sich optimal für eine integrierte Photovoltaikanlage anstelle einer konventionellen Dachhaut. Das auf Grund seiner
    grossen Raumhöhen und der expressiven Dachform überdurchschnittlich grosse
    Gebäudevolumen generiert trotz Kompaktheit relativ hohe Erstellungskosten.

    Die Basis des überzeugenden Entwurfs liegt im Entscheid, sämtliche Wohngruppen übereinander zu stapeln. Dadurch generieren die Verfassenden einen kleinst
    möglichen Footprint, grösstmögliche Umgebungsflächen, eine angemessene Massstäblichkeit, welche die hochwillkommene Ensemblebildung ermöglicht und
    anregende, architektonisch differenziert ausgebildete, von einer wohnlichen Atmosphäre geprägte Wohngruppenlayouts.

    Die charmante und spezifisch weit entwickelte „Villa Kunterbunt“ entpuppt sich allerdings auf Grund ihrer hohen räumlichen Dichte und funktionalen Komplexität
    leider als zu enges und wenig anpassbares Korsett.


INFO-BOX

Angelegt am 30.05.2013, 16:54
Zuletzt aktualisiert 03.06.2013, 16:07
Beitrags-ID 4-68640
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