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  • 3. Preis

    Lageplan

    Landschaftsarchitekten
    heide-marie eitner landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: BKS & Partner Bauer Reichert Seitz Architekten mbB, München (DE)

    Erläuterungstext


    Konzeption - Gebäude
    Das Förderzentrum in der Burmesterstrasse soll auf einem, durch den Verkehrslärm der nahen Autobahn und des benachbarten Baumarktes mit seinen umfangreichen Parkflächen, stark belasteten Grundstück errichtet werden. Damit trotz allem eine bewohnbare Anlage entstehen kann, wurde ein introvertierter Entwurf geplant, der sich durch seine Gebäudeanordnung selbst vor Emissionen abschirmt. Die überwiegende Anzahl der Wohn- und Schlafräume sind zu den ruhigen Westseiten orientiert. Die übrigen Räume werden durch bauliche Maßnahmen geschützt. Gut nutzbare Innenhöfe und Freiflächen als Ergänzung der Wohnbereiche werden gebildet durch versetzt zueinander angeordnete Gebäude und gläserne Lärmschutzwände, die an der exponierten Süd- Ost- Seite die Anlage baulich ergänzen. Der östliche Gebäudetrakt nimmt die weniger lärmempfindliche Förderstätte auf und schirmt die übrigen Gebäude gegen den Lärm der Lieferzone des Baumarktes ab.
    Die einzelnen Gebäudetrakte werden über den gemeinsamen Eingangsbereich erschlossen. Sie sind über Verbindungsgänge in allen Geschossen miteinander verbunden. Die Lage der Dienstzimmer der Betreuer direkt an diesen Verbinddungsgängen ermöglicht es einem Betreuer, mehrere Gruppen zu überwachen. Die einzelnen Häuser, Gruppen und Abteilungen können jedoch auch getrennt und selbstständig erreicht und genutzt werden.
    Bei Erweiterung des Förderzentrums kann die gewählte Gebäudeanordnung spiegelbildlich wiederholt, direkt an die Gebäude des ersten Bauabschnitts angebaut werden. Die Eingangsbereiche an der Burmesterstrasse, die Verteilerküchen und Speiseräume können dann zusammengefasst und gemeinsam genutzt werden.

    Grünstrukturen
    Eingrünungen an den Grundstücksgrenzen
    Naturnahe Gehölzflächen mit bewegten Kanten und Konturen verzahnen das "Außen" (umliegende Bereiche) und "Innen" (Freianlagen Gebäude). Das Grün "durchdringt" die gläsernen Lärmschutzbauten und zieht sich von Außen in die Gartenbereiche. Bestehende Bäume werden einbezogen.

    Innere Gartenräume
    Großzügige Rasenflächen (intensiv) und Wiesenflächen (extensiv) mit Einzelbäumen wie z.B. Ahornarten oder Obstbäume prägen die innen liegenden Gartenräume. Sie sind mit linearen Elementen wie z.B. Hecken, Kalkstein-Schichtungen mit Trockenstauden, Blütenstreifen mit Sitzelementen, Wasserbecken und Schotter-Sukzessionsflächen mit Gräsern ausgestattet, die optische Verbindungen zwischen den Gebäudekörpern herstellen.

    Ökologie
    Die Freianlagen werden mit ökologischen Bausteinen gestaltet - wie dezentrale Regenwasserversickerung mittels Rigolen, Sukzzesionsflächen, wechselfeuchter Bereiche, extensive Dachbegrünung, externe Ausgleichs-flächen und die Minimierung von Versiegelungen.

    Eingangs-/Hofbereich
    Gestalterisch werden Gebäude und Eingangsbereich zu einer Einheit zusammengefasst. ‚Innen' und ‚Außen' werden durch Blickbeziehungen und gestalterische Elemente (z.B. ein farbiges Belagsband als "Roter Faden") verbunden.
    Zur Strasse hin wird der Hof gefasst durch eine pflanzliche Raumkante mit zwei Öffnunge (Torsituation). Die Zufahrt zum Förderzentrum erfolgt ohne Rangieren (Gefahrensituation) über einen freien Platz, der nach Beendigung des morgendlichen Zubringerverkehrs zu einem Vorplatz mit repräsentativen Eigenschaften wird, der den Bewohnern zum Verweilen dienen kann. Um Störungen zu vermeiden werden Stellplätze und Nebengebäude in die Randbereiche gelegt. Bei Errichtung des zweiten Bauabschnitts muss der Vorplatz durch geringfügige Umbauten der veränderten Situation angepasst werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht



    Die Organisation des Gebäudes mittels versetzt angeordneten, 2-bündigen Strukturen ermöglicht die Entwicklung von differenziert ausformulierten Innenhöfen, die jedoch unterschiedliche Qualitäten aufweisen. Die großzügige Platzsituation am Haupteingang überzeugt und wird den funktionalen Anforderungen gerecht. Durch die entschiedene Ausbildung einer Viergeschossigkeit im Eingangsbereich wird der Adressbildung Rechnung getragen und Raum für die 2-Geschosse der Eingangshalle / Speiseraum geschaffen. Einfaches spiegeln des Entwurfsgedankens erlaubt den 2.BA zu entwickeln. Die entstehende Symmetrie wird jedoch als unangemessen bewertet.

    Zufahrt und Erschließung sind funktionsgerecht und übersichtlich. Die Lösung für Müll und Parkierung im nördlichen Bereich ist unbefriedigend. Die räumlichen Qualitäten werden im Bereich der Halle als überdurchschnittlich bewertet. Die Verkehrsflächen in den Obergeschossen weisen jedoch wenige Aufenthaltsqualitäten auf. Die Mischung der Funktionen in den Geschossen geht zu Lasten von Übersichtlichkeit, Flexibilität und Gestalt. Die Anordnung einer einzelnen Wohngruppe im 3.OG ist funktional nicht wünschenswert und erzielt keine zusätzlichen Raumqualitäten für den Wohnbereich. Die Mischung verschiedenster Fassadenelemente ist der Gesamterscheinung nicht zuträglich. Die Kubatur des Gebäudes liegt im wirtschaftlichen Bereich. Für die notwendigen Schallschutzverglasungen sind erhöhte Bau- und Unterhaltskosten zu erwarten.