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  • 1. Preis

    Blick nach Süden, © A-U-R-A GbR

    Architekten
    A-U-R-A - Architecture, Urbanism + Research Agency, Ulm (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christian Schmutz , Andreas Hardegger

    Mitarbeit
    Marisol Rivas Velázquez

    Erläuterungstext
    Entwurfskonzept

    Die Aufhebung der PKW-Stellplätze gibt dem Judenhof die Möglichkeit, wieder ein attraktiver städtischer Raum zu werden, ein Ort, der sich in das Netz von Plätzen der Stadt einfügt.
    Das Konzept zielt dabei auf eine möglichst großzügige und offene, aber dennoch sensible und maßstäbliche Platzgestaltung ab:
    Der allseits von Platzkanten gefaßte Raum ist der einzige mit dieser Eigenschaft in Ulm. Seine überschaubare Größe und Proportion geben ihm die Qualität, eine Art „Zimmer“ der Stadt zu werden, das besonders für kleinere Veranstaltungen geeignet ist, aber auch ohne diese einen maßstäblich angenehmen Raum in der Stadt darstellen kann.

    Topographie
    Der Höhenverlauf des Judenhofes ermöglicht es, eine durchgehend ebene, ruhige Oberfläche ohne Stufen mit geringem Gefälle von 1-2% auszubilden. Dadurch werden der Neptunbrunnen und der ihn umgebende Raum unter den Bäumen in den Platz natlos eingebunden.

    Die Platzkanten werden von Fassaden heterogener Qualität gebildet.
    Um dem Platz einen klareren eigenständigen Charakter zu geben, wird ein Platzfeld mit eigenem Material vorgeschlagen, der den Raum wie ein „Teppich“ im Zimmer gliedert.

    Oberflächen
    Das Platzfeld wird mit Muschelkalk-Steinplatten in drei verschiedenen Formaten belegt. Die streifenartige Anordnung der verschiedenen Steinformate gibt dem „Teppich“ eine gewebte Textur. Durch die Wahl des Muschelkalks erhält diese Oberfläche einen helleren und wärmeren Charakter als die eines harten Steins. Diese Fläche aus Muschelkalk wird von Basalt-Rundpflaster umgeben, der aus den angrenzenden Gassen kommt. Im Bereich der Baumgruppe wird eine wassergebundene rechtwinklige Fläche in den Muschelkalk eingelegt.

    Der Name Judenhof leitet sich aus der ersten Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde im 13. Jht. ab. Danach wurden die Häuser am Platz zunehmend von Christen bewohnt. Im 18. und 19. Jht. fanden hier Märkte statt. Diese kulturellen Identität wird in ein reliefartiges Schriftband aus Metall, einen „Saum aus Text“ übersetzt, der die wassergebundene Oberfläche des historischen Ensembles von Brunnen und Bäumen einfaßt und eine kurze Chronik von Namensgebung und Geschichte des Judenhofes vermittelt: JUDENHOF – DIESER PLATZ ERHIELT SEINEN NAMEN VON DER ERSTEN ANSIEDLUNG VON JUDEN IN ULM AN DIESEM ORT, DIE BIS ZUM JAHR 1499 HIER IHR KULTURELLES ZENTRUM HATTEN. WEGEN DER PEST WURDEN SIE 1348 VERFOLGT UND VERTRIEBEN. IM JAHR 1354 KEHRTEN SIE ZURÜCK UND LEBTEN MIT CHRISTEN HIER BIS 1499 ZUSAMMEN. DANACH LEBTEN SIE AN ANDEREN ORTEN. IM 17./ 18. JHT. FAND HIER DER MARKT DER BÄCKER UND BLEICHER STATT, IM 19.JHT. OBSTMARKT UND ULMER DOCKENKOMÖDIE. So ähnlich könnte der Text lauten, der mit einem Stadthistoriker abzustimmen ist.

    Grün
    Die Baumgruppe um den Neptunbrunnen ist das dominante Grün am Platz.
    Zugunsten deren historischen und räumlichen Bedeutung wird auf weitere Baumpflanzungen verzichtet.

    Möblierung - Platzbegrenzung
    Am Übergang zur Paradiesgasse werden lange Bänke aus Brettschicht-Eschenholz platziert, die im Wechsel mit den Lampenmasten und zwei Metall-Pollern den Fußgängerzonenbereich vom verkehrsberuhigten Bereich abgrenzen. Von hier kann man den ganzen Platz nach Süden hin überblicken, wie auf einer Bühne. Zur Schuhhausgasse hin befinden sich die Fahrradständer und eine Reihe Metall-Poller. Unter den Bäumen steht eine weitere lange Bank, die zu

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.