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  • 4. Preis

    Lageplan bei Tag

    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Arch.: Mathias Hähnig Martin Gemmeke Mitarbeit: Anthony Carimando

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Edmund Spengler Freier Garten- und Landschaftsarchitekt, Blaustein (DE)

    Erläuterungstext


    Entwurfsidee
    Die räumliche Wirkung des Judenhofs ist geprägt durch intakte Platzkanten, die einen Stadtraum mit guten Proportionen definieren. Dem soll auch in der Belagsgestaltung und durch eine zurückhaltende Ausstattung Rechnung getragen werden. Die Beläge orientieren sich deshalb an der räumlichen Vorgabe der Bebauung und erstrecken sich bis an die Gebäudekanten. Der Neptunbrunnen und die Baumgruppe bleiben als Akzentuierung erhalten und werden durch die abgesetzte Höhenstufe und einem klar definierten Karree aus wassergebundenem Belag verstärkt.

    Zur Verbesserung der stadträumlichen Atmosphäre ist im nördlichen Teil des Platzes eine Baumreihe aus dachförmig gezogenen Linden in einem Belag aus wassergebundener Decke geplant. Die Baumreihe wirkt als Schatten spendendes Element für die Außenbewirtung des Cafes und für das darunter angeordnete Sitzelement. Sie bildet gleichzeitig eine räumliche Kante im Norden als räumliches Gegenüber zum Neptunbrunnen und der großen Baumgruppe.

    Die historische und kulturelle Identität des Ortes spiegelt sich in den prägenden Fassaden auf der Süd-, West- und Nordseite wieder, die durch einen ruhigen, dunklen Plattenbelag verstärkt zur Geltung gebracht werden. Die teilweise neuen Fassaden auf der Ostseite entsprechen nicht dem Verlauf der historischen Gebäudelinie. Diese soll über ein im Platzbelag integriertes "historisches Glasband" dargestellt werden. Eine zurückhaltende Beleuchtung lässt diesen Verlauf auch bei Nacht erkennen. Eingravierte Beschreibungen und Darstellungen erläutern die geschichtlichen Fakten des Judenhofs.

    Das Lichtkonzept basiert auf dem „Sichtbarmachen“ von bestehenden Elementen.
    Illuminierung von Fassaden, Bäumen und Brunnen bilden die Beleuchtung des Platzes. Diese, den Ort prägenden Raumkanten und indirekten Beleuchtungen der eingestellten Elemente setzen die wesentlichen lichträumlichen Schwerpunkte. Die beleuchteten Fassaden umrahmen den Platz wie ein historisches Bild und leuchten auf den Platz zurück.

    Die indirekte Beleuchtung der Sitzgelegenheiten im südlichen Bereich unter den bestehenden Linden und die durchlaufende Sitzbank im Norden unter der neuen Baumreihe setzen zusätzliche Lichtpunkte. Die dezent beleuchtete Darstellung der historischen Gebäudekante auf der Ostseite (Lichtband im Plattenbelag) rundet das Beleuchtungskonzept ab. Somit werden vor allem bei Nacht die, den Platz prägenden Elemente hervorgehoben.

    Erschließung
    Der Platz ist als Fußgängerbereich geplant. Nur im südlichen und nördlichen Platzrand (Schuhhausgasse und Paradiesgasse) muss der Verkehr den Platz queren. Diese verkehrsberuhigten Abschnitte sind bewusst nicht mit Poller oder Bordstein abgegrenzt, um kein "Vorfahrtsrecht" für den Autoverkehr zu dokumentieren. Durch die Anordnung der Sitzelemente und die Belagsgestaltung wird das Überfahren des Platzes in Nord-Südrichtung verhindert. Die Behindertenparkplätze sind in der Schuhhausgasse zwischen Judenhof und Karpfengasse angeordnet. Die offene, bewusst reduzierte Gestaltung des Platzes ermöglicht eine optimale Bühne für die geplanten historischen Feste vor geschichtlicher Kulisse.

    Material und Ausstattung
    Für den Platzbelag werden befahrbare 8 cm starke Basaltplatten vorgeschlagen. Durch die dunkle Farbe und die ruhige Oberfläche werden die hellen, historischen Fassaden der Gebäude hervorgehoben.
    Die wassergebundenen Teilflächen im Bereich der Bäume verbessern deren Standort-bedingungen und bilden zum dunklen Asphalt einen farblichen Kontrast.

    Die Ausstattung ist auf das Wesentliche reduziert. Lediglich Sitzgelegenheiten aus länglichen, quaderförmigen Betonelementen mit eingelegten Holzsitzflächen und indirekter Beleuchtung, die den gewünschten leichten, schwebenden Charakter der Sitzelemente unterstützen sind geplant. Auf der Nordseite des Platzes sind Fahrradständer unter der geplanten Baumreihe integriert. Weitere Fahrradstellplätze sind entlang der Schuhhausgasse vorgesehen.
    Auf Mastleuchten wird gänzlich verzichtet. Die Beleuchtung erfolgt über Bodenstrahler, die Fassaden und Platz prägende Elemente hervorheben. Zusätzliche Lichtakzente werden durch die indirekte Beleuchtung der Sitzelemente sowie den matten Glanz der alten Fassadenlinie gesetzt. Alle diese Maßnahmen bewirken zusammen eine ausreichende Platzbeleuchtung.

    Auf eine Verwendung von Pollern kann verzichtet werden, da durch die Materialität die Oberflächengestaltung des Platzes und die Anordnung der Sitzelement sowie die Bestuhlung durch die Gaststätten einen zusätzliche Zonierung nicht erforderlich macht. Der Entwurf lässt auf Grund seines behutsamen, reduzierten Umgangs mit Materialien und dem indirekten Beleuchtungskonzept eine hohe Wirtschaftlichkeit erwarten. Bestehendes wird optimiert und zu einem Ganzen räumlich verknüpft.

    Ziel des Entwurfes ist die Wiederherstellung des historischen Judenhofes mit seinen, den Ort prägenden Elementen Neptunbrunnen, Lindengruppe und umgebenden geschichtsträchtigen Fassade. Durch Reduktion zusätzlicher Gestaltungselemente erhält der Bestand seine historische Bedeutung zurück und wirkt in seiner klaren, wohlproportionierten Räumlichkeit.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.