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  • 3. Preis


    Architekten
    Architekten Gaiser + Partner, Karlsruhe (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    3.500 EUR

    Erläuterungstext
    Die Mehrzweck- und Veranstaltungshalle präsentiert sich betont an der Mühlstraße und festigt die hier bestehende heterogene Ortsstruktur. Dagegen ist die Kindertagesstätte Paradies eingebettet entsprechend ihres Namens im „paradiesischen“ Grüngürtel entlang der Walluf und am Mühlgraben. Am gemeinsamen Zugang im Norden von der Mühlstraße liegen an einem Platz die Eingänge zur Halle und zur KITA. Die Nähe der beiden Eingänge erlaubt bei größeren Veranstaltungen eine gemeinsame Nutzung.

    Die Erdgeschoss-Fußböden beider Bauten liegen auf Straßenniveau. Dadurch kann unter der Halle ein durchlüftetes Parkdeck angeordnet werden und das freiliegende Untergeschoss der KITA öffnet sich auf eine großzügige ebene Aussenfläche; vielfältige Spielflächen sind so problemlos zu gestalten.

    Die Mehrzahl er erforderlichen Stellplätze sind in einem Parkdeck unter der Halle angeordnet. Durch das abfallende Gelände wird das Deck natürlich durchlüftet und der Mühlbach entlang der Südfassade inszeniert. Um unnötige Einfahrten in das Parkdeck zu vermeiden, wird über ein sensorgesteuertes Zählwerk an der Zufahrt „frei“ oder „besetzt“ angezeigt.
    Oberirdisch sind 8 Parkplätze ausgewiesen. Vor dem Eingang der KITA ist eine PKW-Wendemöglichkeit vorhanden, was das Bringen und Abholen der Kinder erleichtert.


    Kindertagesstätte
    Licht im Inneren und ein variantenreicher Aussenbezug bestimmt die Raumgestaltung der KITA, aus den Grundrissen und Schnitten ist dies ablesbar. Die gegliederte Aussenform betont einzelne Räume. Die drei Baukörper der Gruppenräume sind zur Sonne, zum Grün und auf Aussenräume ausgerichtet. Alle nutzbaren Aussenräume sind durch den Geschosssprung barrierefrei angebunden. Somit haben alle Räume mit Kindern einen direkten und ebenen Zugang zur Aussenanlage. Fluchtwege führen jeweils ebenerdig aus den Gebäuden, Treppen werden hierzu nicht benötigt. Bei Schlechtwettertagen sind ausreichend Indoor-Spiel- und Beschäftigungsflächen vorhanden. Die Geschossdifferenz wird neben Treppe und Aufzug auch mit einer Kinderrutsche überbrückt.

    Der Personal- und Verwaltungsbereich liegt zusammenhängend am Eingang, ebenso der Speiseraum. Er hat einen eigenen abgeschlossenen Aussenbereich mit Bezug auf ein neu zu installierendes Mühlrad am Mühlbach. Die Küche der KITA ist bei Bedarf auch direkt von aussen zugängig. Dem Werkraum ist ein Werkhof zugeordnet.

    Je zwei Gruppenräume sind zu einem Gebäudeblock zusammengefasst. Dies erleichtert die Orientierung und die Aufsicht. Vor den Zugängen zu den Gruppenblöcken ist eine übersichtliche und gut ausgeleuchtete Spielfläche angeordnet. Sitznischen in Fassaden und in Wandschränken erhöhen die Möglichkeiten der Raumnutzungen.

    Der Mehrzweckraum ist autark zu nutzen; er liegt am Zugang und kann durch die Nähe zum Saal bei Bedarf auch bei größeren Veranstaltungen integriert werden.


    Mehrzweck- und Veranstaltungshalle
    Die Bauform und das geneigte Dach ermöglichen eine gute Luftdurchspülung und eine Nachtauskühlung. Das ansteigende Dach betont die Halle an der Straße und ermöglicht Raumhöhe für die Bühnentechnik. Der Saal ist unterteilbar: ihm sind im Westen die dienenden Räume linear aufgereiht. Ein Nebeneingang für Künstler befindet sich an der Mühlstraße. Die Umkleiden sind so platziert, dass Sportler direkt in die Halle gelangen und Künstler, ohne den Saal zu tankgieren, auf die Bühne zu kommen.

    Bodenplatten, Geschossdecken sowie Wände gegen Erdreich oder zur Aussteifung sind massiv aus Stahlbeton und entsprechend wärmeisoliert. Die flachen Dächer sind begrünt und die flach geneigten Schrägdächer sind als Kalzip-/Alublechdächer ausgeführt und in Teilbereichen ebenfalls begrünt. Innenwände und teilweise Aussenwände sind in Holzbauweise erstellt. Dies gilt auch für die Dächer. Die Fassaden sind aus Holz-Alu-Fenster vorgesehen, wo erforderlich mit Dreifachverglasung. Als Sonnenschutz ist teilweise feststehender oder beweglicher Sonnenschutz vorgesehen. Geschlossene Aussenwände sind hinterlüftet. Als Fassadenhaut sind Glasfaserzementplatten bzw. kunstharzvergütete Mehrschichtholzplatten angedacht.

    Das Farbkonzept hat vorwiegend helle weiße Flächen. Farbliche Akzente gibt es zur Hervorhebung bestimmter Zonen und zur Orientierung.

    Technikräume sind jeweils im Untergeschoss angeordnet; in der KITA unter der Küche und neben dem WC-Block. Dies ermöglicht eine einfache Wärmerückgewinnung. Die Saalbelüftung kann zur natürlichen Belüftung auch mechanisch belüftet werden; die Wärmerückgewinnung ist im Dachraum der Bühne installiert. Auf dem nach Südwesten abfallenden Saaldach sind PV-Module zu installieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebaulichen Qualitäten sind in den wesentlichen Teilen gut herausgearbeitet. Kritisch bewertet wird die Positionierung der Halle, die sehr nah an die Mühlstraße reicht und hier eine räumliche Enge erzeugt. Die Kita ist angenehm zum Landschaftsraum geöffnet. Das Raumprogramm ist weitgehend erfüllt. Die Bühnenaufstellfläche der Halle ist nicht ausreichend tief. Die übrige Aufteilung der Hallenräumlichkeiten erscheint schlüssig. Die Zahl der Stellplätze wird leicht unterschritten.
    Die Verteilung der Räumlichkeiten in der KITA auf zwei Ebenen ist zwar vertretbar, ihre Zuweisung kann nicht vollumfänglich überzeugen. So zum Beispiel die Lage der Krippenräume, die zu weit vom Eingang positioniert sind Die Anordnung der Gruppenräume mit den Intensivräumen in jeweils drei Häusern und deren Ausrichtung zum Freiraum wird positiv beurteilt. Die Überlagerung mehrerer Erschließungsformen (Stellplätze, Fußgänger, Bring-Hol-Verkehr) in den Eingangsbereichen wird dagegen kritisch bewertet.
    Die Gestaltung des Gebäudes ist nicht sonderlich ausdifferenziert, die der Außenanalagen nicht weiter konkretisiert.

    Bezüglich der wirtschaftlichen Kenndaten liegt der Entwurf insgesamt leicht unter dem Durchschnitt. Die Barrierefreiheit ist gewährleistet, die vorgeschlagene Rampe an der Halle jedoch fragwürdig.
    Insgesamt zeigt der Entwurf einen eigenständigen Beitrag mit positiven Aspekten beim Städtebau sowie schönen innenräumlichen Situationen, aber auch kritischen Aspekten bei der Erschließung und der Raumorganisation.


INFO-BOX

Angelegt am 12.07.2013, 16:11
Zuletzt aktualisiert 15.07.2013, 11:14
Beitrags-ID 4-70908
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