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  • DE-90429 Nürnberg
  • 07/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-128579)

Neubau Strafjustizzentrum


  • Anerkennung

    berger röcker

    Architekten
    berger röcker gork, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    5.450 EUR

    Erläuterungstext
    Der erste Bauabschnitt des neuen Justizzentrums entsteht als Erweiterung des bislang unvollendeten westlichen Blocks. Der Baukörper folgt in seiner Dimension und Geometrie der bestehenden Bebauung. Trauf- und Firsthöhe, sowie die Neigung des Daches wird übertragen. Durch die präzise Ausformulierung der einfachen Geometrie und des Einsatzes heutiger Fassadentechnologie entsteht eine geschlossene Blockstruktur mit eindeutiger Lesbarkeit seiner Entstehung.

    Das Gebäude wird für die öffentlichen Besucher über die Zugangsschleuse von der Fürther Strassse aus erschlossen. Im Erdgeschoss befinden sich neben dem Café und einem Presseraum ein kleiner sowie der große Sitzungssaal. Im ersten OG finden sich die weiteren Sitzungssäle, darüber die Büroräume des Landgerichts. Unter dem Dach befindet sich Platz für 2 - 3 Archiv-Geschosse. Die vertikale Erschliessung erfolgt über zwei interne Treppenräume sowie eine grosszügige einläufige Treppe zur Verbindung der beiden öffentlichen Geschosse. Über einen der insgesamt vier Aufzüge wird der vom Publikum abgeschirmte Gefangentransport gewährleistet. Er verbindet die die Räumlichkeiten des Vorführdienstes im UG mit den großen Sitzungssälen.
    Die hohe Transparenz wird durch eine effektive Dreifachverglasung ermöglicht, die neben den energetischen Vorteilen auch einen ausreichenden Schallschutz gewährleistet. Eine Überhitzung im Sommer wird durch den integrierten aussenliegenden Sonnenschutz vermieden. Der einfache Charakter des Gebäudes widerspiegelt sich in den wenigen zum Einsatz kommenden Materialien (Beton, Glas, Aluminium, Holz, Putz). Zum Gesamtkonzept gehört der natürliche Umgang und Einsatz der verwendeten Materialien (Konstruktion und Erscheinung, Oberfläche).

    Die weiteren Bauabschnitte 2 und 3 werden als Kammbebauung entlang der Mannertstrasse vorgeschlagen. Die Struktur ist städtebaulich robust und lässt sich in beide Richtungen prinzipiell fortführen. So kann entlang dieser öffentlichen „Grünachse“ ein neuer Justiz-Campus mit hoher Qualität entstehen. Der „Kamm“ erlaubt eine Öffnung des Gebäudes in den städtebaulichen Block zwischen Mannert- und Maximilianstrasse. Der begrünte Innenraum wird geteilt durch die querende Muggendorferstrasse. Im südlichen Bereich befinden sich ebenerdige Stellplätze. Im nördlichen Bereich eine öffentliche Parkanlage.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit einem Gebäuderiegel in der Geometrie des Bestandes wird der Hof des Westflügel baulich komplettiert. Dazu werden Dachform und Dachneigung übernommen und mit neuen, vom Bestand abweichenden Materialien ausgeführt.

    Der Zugang erfolgt unmittelbar von der Fürther Straße, der fehlende Freibereich vor dem Haupteingang wird kritisch gesehen.

    Die erforderliche Trennung von öffentlichen und nichtöffentlichen Bereichen wird durch die klare Funktionsgliederung in den jeweiligen Geschoßen gewährleistet. Einen funktonalen Konflikt gibt es im Bereich der Zuführung zu den großen Sälen. Hier kreuzen sich die Wege im Beratungsbereich.

    Die geforderte Anbindung an den Bestand wird nachgewiesen. Der Detailschnitt weicht in seiner Darstellung vom Regelschnitt des Gebäudes ab. Der hier eingezeichnete Kniestock fehlt im Detail. Die für die dort befindlichen Büroräume erforderliche Raumhöhe wird jedoch nachgewiesen.

    Das durch die Dachform entstehende große Volumen wird als Registratur und Ablage genutzt. Wie die entstehenden Lasten nach unten abgetragen werden, ist nicht dargestellt und wird durch die darunter befindlichen Sitzungssäle nicht einfach zu lösen sein.

    Insgesamt sind die erforderlichen Funktionen und Abläufe nachgewiesen, die Aufenthaltsbereiche vor den Sitzungssälen sind ausreichend dimensioniert.

    In der Gestaltung der Fassade löst sich der Entwurf vollständig von der Materialität des Bestandes und schlägt eine eng gerasterte Aluminium-Glas-Fassade vor. Diese überzieht das Gebäude gleichmäßig ohne jede weitere gestalterische Akzentuierung. Hier hätte sich der Auslober ein etwas deutlicheres Bild für die Selbstdarstellung der Justiz gewünscht. Zudem werden die durch die großflächige Verglasung entstehenden raumklimatischen Auswirkungen kritisch gesehen.

    Der zweite Bauabschnitt als Ausformung einer Kammstruktur überzeugt städtebaulich nicht. Es entstehen Vorder- und Rückbereiche, die aus dem vorhandenen Quartier nicht herzuleiten sind.

    Die nachzuweisenden Flächen können aber in Menge und Funktionalität gut untergebracht werden. Die geforderte Durchwegung des Quartiers wird gewährleistet.

    Insgesamt ein sehr kompakter Entwurf im ersten Bauabschnitt, was sich auch im guten Verhältnis von Außenhülle und Volumen niederschlägt, mit guter Funktionalität, jedoch deutlichen Defiziten in der gestalterischen Ausformung und einer erkennbaren Präsenz der Strafjustiz im Stadtbild.


    Denkmalpflegerische Beurteilung:

    Die Arbeit ergänzt den historischen Baublock in seinem angestammten Volumen, verzichtet jedoch auf ein städtebaulich prägnantes Zeichen wie etwa einen Gegengiebel. Dadurch wirkt der Vorschlag auf den ersten Blick ruhig und integrativ. Dies gilt jedoch nicht für die Fassaden- und Dachgestaltung. Metall und Glas sind leider nicht in der Lage, den gewünschten Zusammenklang zwischen historischer und neuer Architektur zu generieren.