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  • DE-60325 Frankfurt/Main
  • 07/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-141502)

Kulturcampus Baufeld 12


  • 2. Preis Realisierungsteil

    © KSP Jürgen Engel Architekten

    Architekten
    KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf (DE), Köln (DE)
    TGA-Fachplaner, Tragwerksplaner: Arup Deutschland GmbH, Berlin (DE), Düsseldorf (DE), Frankfurt am Main (DE)
    Visualisierer: Sichtvision, Dreieich (DE)
    Brandschutzplaner: hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (DE), Frankfurt am Main (DE), München (DE), Hamburg (DE), Bremen (DE), Braunschweig (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Gesamtkonzept für Realisierungs- und Ideenteil

    Der Entwurf für das Baufeld 12 folgt im Wesentlichen den städtebaulichen Vorgaben für das Quartier. Der Block des Realisierungsteils wird in einen Büroanteil im Osten, und ein Wohn- und Kulturhaus im Westen unterteilt. Eine klare Begrenzung auf allen Ebenen sichert eine einfache Realteilbarkeit. Die Höhenstaffelung im Block wird entsprechend umgesetzt. Die Zugänge für alle Nutzungen erfolgen direkt von der Straße aus. Dadurch wird eine starke Belebung und soziale Kontrolle des öffentlichen Raumes gesichert.
    Für den südlich gelegenen Ideenteil schlagen wir einen klaren Block vor, der von den Nutzungen und der Ausformulierung der Höhen differenziert ausgestaltet werden kann. Dabei sehen wir die kulturellen Nutzungen als kubische Zonen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Hauses. Die flächigen Kulturfunktionen erhalten großflächige Fassadenzonen nach außen hin, die als Schaufenster die innere Nutzung nach außen sichtbar machen. Eine Durchwegung des Blockinnenbereichs sichert eine gute Durchlässigkeit für Fußgänger und ermöglicht die Schaffung einer einzigartigen Innenwelt für Besucher. Die Büro- und Wohnfunktionen werden direkt von außen erschlossen. Intensiv begrünte und bewusst gestaltete Dachbereiche über den flächigen, kulturellen Nutzungen können als Freibereiche für die Wohnungen genutzt werden. Die Größe des vorgeschlagenen Blocks ermöglicht die Schaffung einer hellen und offenen, jedoch auch entsprechend intimen Atmosphäre für Wohnen und Kultur. Die Gassen, die durch den Block hindurch freigehalten werden, ermöglichen dem Besucher Einblicke in das neue kulturelle Zentrum. Interaktion und Austausch werden angeregt, und das Haus wird sprichwörtlich geöffnet. Gleichzeitig ist die Schaffung eines Gesamtblocks die logische und nachhaltige Lösung für das Quartier.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf KS&P entfernt sich in seiner städtebaulichen Idee von der ursprünglichen Rahmenidee einer Dreiteilung des Wettbewerbsgebietes und entwickelt auf dem Baufeld zwei großzügig dimensionierte Baublöcke mit sechs und sieben Vollgeschossen. Zwischen diesen wird ein öffentlicher Straßenraum mit ortsüblichem Lichtraumprofil entwickelt. Die Baufluchten folgen ohne nennenswerte Rücksprünge dem Verlauf der öffentlichen Straßenräume. Die Nutzungsverteilung folgt den Vorgaben der Auslobung, wobei im südlichen Baublock im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss Kubaturen für kulturelle Nutzungen vorgeschlagen werden, die zum Teil tief in den großzügig dimensionierten Blockinnenbereich hineinragen. Die verbleibenden Freiflächen scheinen ausreichend dimensioniert. Dem Verfasser gelingt in überzeugender Weise die Umsetzung der Leitidee des Kulturcampus zur Verflechtung der kulturellen, gewerblichen und wohnbaulichen Nutzungen sowie die Stärkung der Kulturachse Jügelstraße.

    Die Adressierung aller Nutzungen erfolgt konsequent von den öffentlichen Straßenräumen, wobei die kulturellen Nutzungen im südlichen Baublock zusätzlich durch einen nordsüd- und einen ostwestverlaufenden Erschließungsweg erreicht werden können. Eine Störung der hier vorgesehenen Wohnnutzungen ist nicht gänzlich auszuschließen. Insgesamt entwickelt der Verfasser eine robuste und logische stadträumliche Struktur, die in der Lage ist, auf unterschiedliche Nutzungsmischungen und -verteilungen qualitätsvoll zu reagieren.

    Im Realisierungsteil organisiert der Entwurf die Büronutzung im östlichen Bauteil um einen erdgeschossig überbauten, im ersten Obergeschoss begrünten, großzügigen Innenhof, an den sich u-förmig organisiert der Wohnungsbau unmittelbar angliedert. Die Differenzierung der Baukörperhöhen für diese beiden Nutzungseinheiten folgt den Vorgaben, der bauliche Anschluss wird über regelmäßige Höhenversprünge gut gelöst. Die Adressierung der Büronutzung an der Bockenheimer Landstraße und die Zugänge zu den Wohngebäuden jeweils an den öffentlichen Straßenräumen sind überzeugend. Die Lage der Tiefgaragenzufahrt entspricht nicht den Vorgaben der Auslobung, erscheint in dem vorgeschlagenen großzügig dimensionierten Straßenraum allerdings vertretbar.

    Der Wohnungsbau verspricht aufgrund der überwiegend gewählten Zweispänner-Erschließungen, der inneren Organisation und der Zuordnung von Freiflächen hohe Qualität. Allein der grüne Innenhof ist von den Bewohnern nicht erreichbar. Der Verfasser schlägt eine Höhenstaffelung und eine Fassadengliederung vor, die das jeweilige Wohngebäude als eigenständige Nutzungs- und Erschließungseinheit erkennbar macht und somit den Strukturen im Stadtteil Rechnung trägt.

    Der Bürobauteil ist stringent und wirtschaftlich überzeugend gelöst. Auffällig ist, dass der in diesem Bauteil vorgesehenen Kita neben einer Terrasse keine weitere Freifläche zugeordnet ist. Der Baukörper ist in seiner Fassadenentwicklung in "gestapelten Volumina" organisiert, aus dem zum Teil starke Bauteilüberhänge in den öffentlichen Raum resultieren. Ferner schlägt der Verfasser einen hohen Verglasungsanteil mit durchgängig bodentiefen Kastenfenstern in einem 5,40-Meter-Raster vor. Der interne bauliche Anschluss bei einer Zellenbürolösung lässt diesen Vorschlag fraglich erscheinen. Zweifelsohne bietet diese Lösung einen besonderen Gestaltungsansatz als Entree zum neuen Quartier Kulturcampus, wird im Preisgericht aber durchaus kritisch gesehen und als unangemessen diskutiert.

    Der Ideenteil kann durch seine Transparenz der kulturellen Nutzungen, der Durchlässigkeit und Vernetzung mit dem Quartier und der zu erwartenden Intimität sowie besonderen Atmosphäre des Innenhofes besonders überzeugen.