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  • DE-75434 Knittlingen
  • 09/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-138567)

Neubau eines Multifunktionsgebäudes


  • Anerkennung


    Architekten
    Jöllenbeck & Wolf Architekten BDA, Walldorf (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Michael Palm, Weinheim (DE)

    Erläuterungstext
    WB Neubau eines Mehrzweckgebäudes – Stadt Knittlingen

    Schulanger
    Mit der Setzung des neuen Mehrzweckgebäudes in der zentralen Perspektive der Friedenstrasse spannt sich zur bestehenden Sporthalle ein senkrecht zum Hang gerichteter, zusammenhängender Freiraum auf. Der überdeckte Platzraum vor dem neuen Mehrzweckgebäude bildet seinen Abschluss. Die charakteristische Linie der Friedhofsmauer wird verlängert und separiert die befahrenen Flächen des bestehenden Parkplatzes vom „bespielten“ Teil der Friedenstrasse. Die dadurch entfallenen Parkplätze werden in östlicher Richtung wieder angehängt.
    In Ost – West Richtung ist das Gegenüber von Schule und Friedhof charakteristisch. Wir haben die Idee diese Verschränkung sichtbar werden zu lassen. Eine mäandrierende Linie trennt das grüne Vorfeld des Friedhofs vor der Mauer von den Ausweitungen der befestigten Fläche des Schulgeländes in den Straßenraum. Hier befinden sich ganztägig intensiv bespielte Flächen, die nicht nur der Schule dienen, ihr aber die Möglichkeit eröffnen die bisherigen Freiflächen zu entlasten und als tendenziell ruhige, geschützte Freibereiche zu entwickeln. Die Verkehrserschließung bleibt ein Teil der Nutzung des Straßenraums - „shared space“
    Die Freiflächen stellen mit ihrem Ortsbezug und robusten Materialien eine langfristig gut nutzbare Qualität sicher. Die Vegetation ist standortgerecht und reduziert auf Bäume, Hecken und Wiesenflächen. Einzelobjekte laden zum Verweilen und Spielen ein. Die Wahl der Mittel sollte der Aufgabe entsprechend gewählt werden.
    Dr. Johannes - Faust Terrassen
    Die unterschiedlichen Funktionen des Mehrzweckgebäudes werden auf einem Plateau zusammengefasst – die Johannes Faust Terrassen ermöglichen den freien Blick über Knittlingen und sind umgekehrt betrachtet aus der Perspektive der Stadt ein präsenter Ort – auf Sichthöhe mit dem alten Stadtkern.
    Der Vorplatz, die Räume der Ganztagesbetreuung mit Mensa und Sporthalle stehen barrierefrei in unmittelbarem räumlichem Zusammenhang. Es ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der Zuordnung und Korrespondenz.
    Auf der Galeriekante zu dieser Ebene werden die Klassen angeordnet. Ein kleiner Hof separiert die Naturwissenschaften vom Klassenzug. Durch ihre räumliche Qualität ist die Erschließung zum einen zu Unterrichtszwecken bespielbar, zum anderen als Aufenthaltsfläche der Ganztagesbetreuung nutzbar.
    Tragwerk – Material
    Knittlingens alter Kern ist geprägt von der lebendigen Atmosphäre der Fachwerkbauten aus Holz und Stein. Ihr bewährtes Prinzip konsequent auf das für die jeweilige Aufgabe leistungsfähigste und wirtschaftlichste Material zu setzen wird im Neubau des Multifunktionsgebäudes weitergeführt:
    Sockel und erdberührte Bauteile sind aus Beton und Mauerwerk konstruiert. Die ebenfalls massiven Vorsatzschalen der hochgedämmten Außenbauteile sind langjährig Wartungsfrei – auch bei robuster Beanspruchung. Die steinerne Basis ist von einer leichten filigranen Skelettkonstruktion überspannt, die hocheffizient (Vorfertigung) alle Funktionen unter einem Dach vereint.
    Der Wechsel von großflächigen geschlossenen Wandflächen und filigranen Glaskonstruktionen bieten ein spannungsvolles Bild, inszenieren die Blickbeziehungen nach Außen,

    Energie – Technik
    Mit der kompakten Zusammenfassung der vielfältigen Funktionen in einem Baukörper und hochwärmegedämmten Außenbauteile kann ein sehr hochwertiger Energiestandard bis hin zum Passivhaus auf wirtschaftliche Weise erreicht werden.
    Um auch die Lüftungswärmeverluste zu minimieren und die Anforderung an die Raumhygiene sicherzustellen schlagen wir eine Belüftung über eine mechanische Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung vor. Die Beheizung wird als Luftheizung nach dem Regelkonzept der Bauer Optimierung auf dieses System aufgesetzt. Primärenergie ist die Außenluft. Über eine 4-stufige Wärmepumpe wird die notwendige Heizenergie erzeugt und über einen Kältemittelkreis der Luftheizung zugeführt. Das Lüftungsgerät besitzt einen
    Kreuzstromwärmetauscher zur Wärmerückgewinnung.
    Über die Regelung der MSR Technik wird in den Räumen die Luftqualität und Raumtemperatur erfasst und mit den Sollwertvorgaben verglichen. Immer der schlechtere Wert dient als Führungsgröße.
    Je nach Ergebnis und Abweichung oder Deckung wird die zugeführte Luftmenge an den Bedarf angepasst. Je nach Luftqualität und Energieverhältnis wird das Außen- / Umluft Verhältnis im Zentralgerät ausgeregelt.
    Die individuelle manuelle und raumweise Lüftung und Bedienung bleibt dem Nutzer natürlich unbenommen.
    Die Technikflächen liegen zentral im Gebäude längs zur Halle, die den größten Luftwechsel benötigt. Leitungswege werden so in Betrieb und Erstellung wirtschaftlich gehalten. Die Leitungsführung in die einzelnen getrennt anzufahrenden Bereiche ist entzerrt.
    Die extensiv begrünten Dächer bieten die Option Solarthermie oder Photovoltaik einzusetzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich ist mit diesem kompakten Baukörper durch den offenen zweigeschossigen Entreebereich für Schule und Festhalle direkt an der Friedensstraße ein guter Auftakt gelungen. Der Baukörper wird als langgestreckter Kubus dargestellt. Leider fehlen aussagekräftige Fassadenansichten, die eine entsprechende Hülle für diesen Multifunktionsbau vermuten lassen.
    Die Verknüpfung von Neu- zu Altbau ist durch die Umgestaltung der Friedensstraße in leicht mäandrierender Form für die Schülerströme gut angedacht, jedoch etwas überzogen angeboten. Der große überdachte Eingangsplatz mit daran anknüpfender Mensa und Sporthalle gibt dem Längsbau auch innenräumlich zunächst Ruhe und eine Großzügigkeit. Darunter leitet jedoch der nicht schnell auffindbare Hallenzugang von Norden über die gemeinsame Erschließung des Schulflures.
    Schule und Sport- bzw. Festhalle sind zu sehr miteinander „vernäht“, so dass hier die kompakte Struktur von außen im Inneren Nachteile mit sich bringt und negativ auf den Tagesbetrieb der Schule wirkt. So wird z.B. die Trennung und Lerngruppen und Klassenzimmern im OG zu den Lehrerzimmern im EG negativ beurteilt, da dadurch die Aufsicht nicht voll umfänglich gewährleistet werden kann.
    Die Einbindung in die umgebenden Landschaftsstrukturen ist leider nicht weiter dargestellt. Wünschenswert wäre die Fortführung einer guten freiräumlichen Qualität auch nach Westen und Norden hin gewesen.
    Die Werte des Gebäudes für Bruttorauminhalt, Baukosten und BGF liegen im eher günstigen Bereich. Das AV-Verhältnis liegt im Durchschnitt.
    Insgesamt stellt die Arbeit einen guten Beitrag zur Adressbildung und Ablesbarkeit dar. Grundrisstechnisch sind jedoch durch die Vielzahl der Nutzungen die guten Lösungsmöglichkeiten noch nicht voll ausgeschöpft.