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  • DE-49124 Georgsmarienhütte
  • 09/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-137080)

Neugestaltung Stadtplatz


  • Anerkennung

    Übersichtslageplan

    Landschaftsarchitekten
    TGP Landschaftsarchitekten Trüper, Gondesen und Partner mbB, Lübeck (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Marta Balestri, Johann Laudan

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: TMH Architekten - Többen und Mueller-Haagen, Lübeck (DE)

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Aufgabe und Gestaltungsansatz
    Der Ortskern von Georgsmarienhütte steht vor einer Neuordnung und Neugestaltung seiner Platz- und Straßenflächen. Hierbei ist
    - der Kern Oeseder Straße als Gute Stube zu wahren und zu stärken
    - für die Besucher ein adäquates Entrée aus Stadtplatz und Ortskern zu schaffen
    - der Ortskern Georgsmarienhütte in engen Bezug zum umgebenden Landschaftsraum zu setzen
    Um dieser städtebaulich freiraumplanerischen Aufgabe gerecht zu werden, sehen die Verfasser einen ineinander übergehenden Dreiklang vor:
    - Ortskern / Roter Platz
    - Stadtplatz / Entrée
    - Landschaftsraum
    Diese Raumfolge von Feldern und Wiesen, über Landschaftsinseln auf den Stadtplatz, in den Ortskern bis zur Kirche St. Peter und Paul wird durch eine städtebauliche Neuordnung gestärkt. Am östlichen Platzrand wird die Rathausfassade mehrgeschossig ergänzt und die Raumkante zum Stadtplatz zusätzlich durch ein eingeschossiges Solitärgebäude gestärkt. Der Bau nimmt Information, Einzelhandel und Gastronomie auf. Im Norden fasst eine Reihe dreigeschossiger Gebäuderiegel den Stadtplatz und schafft gemeinsam mit der bereits vorhandenen südlichen baulichen Ergänzung den Abschluss des urbanen Raumes und den Übergang zum Landschaftsraum. Die Gebäude können einen Nutzungsmix aus Wohnen, Gewerbe und Dienstleistungen aufnehmen, in der Erdgeschosszone schaffen Einzelhandel und Gastronomie einen lebendigen Platzrand.

    Ortskern / Roter Platz
    Im Ortskern von der Glückaufstraße, in der Oeseder Straße und über das Rathaus hinaus wird ein großzügiger einheitlicher Pflasterbelag ausgelegt. Von Gebäudekante zu Gebäudekante und bis zum neuen Stadtplatz entsteht eine homogene niveaugleiche Platzfläche, sie formuliert die Mitte, die Gute Stube von Georgsmarienhütte. Die Platzfläche ist als zusam-menhängender Fußgängerbereich wahrnehmbar. Einzig die Oeseder Straße ist über Mul-densteine als Fahrbahn markiert. Ausgewiesen als fußgängerfreundlicher Geschäftsbereich mit einer Durchfahrung mit Tempo 10kmh ist ein Queren von Platzseite zu Platzseite gut möglich. Parallel zur Straße sind Parkplätze in Längsrichtung als Kurzparker ausgewiesen.
    Der guten Stube entsprechend wird als Belagsfläche ein Stadtparkett aus länglichen rötlich-braunen Klinkersteinen (37,5 x 5cm) gewählt. In das Stadtparkett sind Intarsien aus Naturstein eingelassen. Der Naturstein hebt die besonderen Elemente wie Muldenrinne, Sitzplätze und Fontänenfelder hervor.
    Der Rote Platz als belebtes Zentrum von Georgsmarienhütte mit Einzelhandel, Gastronomie und Wochenmarkt soll unbedingt erhalten und gestärkt werden. Die Platanen tragen heute wesentlich zur Atmosphäre des Platzes bei und sind Mittelpunkt der Neugestaltung. Der Wurzelansatz liegt über dem Platzniveau und ermöglicht die Ausbildung von Stadtinseln. Für die Inseln wird das Material Stahl, als vorgewitterter Schwarzstahl gewählt und somit ein Bogen zur Stadtgeschichte geschlagen. Die Stadtinseln sind als Liege-, Sitz- und Pflanzpodeste gedacht.
    Im aufgeweiteten Platzraum zur Glückaufstraße bildet ein Fontänenfeld den zentralen An-laufpunkt für die Gute Stube von Georgsmarienhütte. Das Wasserspiel zeichnet sich als Na-tursteinintarsie im Stadtparkett ab. Die bodenebene Ausgestaltung ermöglicht jederzeit die temporäre Befahrung durch Lieferverkehr, Marktbeschickung, Sondernutzung und Rettungsfahrzeuge. Unterschiedlich hohe Fontänen und wechselnde Wasserbilder formulieren einen lebendigen Anziehungspunkt Wasser im Stadtraum. Der Trompetenbrunnen besetzt das Entrée zwischen Stadtplatz und Ortskern. Hier findet die Brunnenskulptur in einem gefassten Wasserbasin einen neuen Standort und ist so Willkommens-Gruß mit stadtgeschichtlichem Bezug.
    Zum Stadtplatz formuliert der Ortskern eine deutliche Kante. Höhenabsatz, Farbigkeit und Materialwechsel von Klinker zu Asphalt und Großpflaster bilden die Zäsur im Stadtraum. An dieser Platzkante kann das Kommen und Gehen, das Abholen und Bringen unter dem Stichwort kiss and ride mit dem Auto stattfinden.
    Stadtplatz
    Der Stadtplatz wird durch eine ergänzende Bebauung im Osten und Norden neu gefasst, es entsteht ein Stadtraum der vielseitig nutzbar ist und in der Zukunft möglicherweise mehr sein kann als eine Stellplatzfläche. Vor der U-förmigen Bebauung des Stadtplatzes sind großzügig angelegte Bürgersteige angelegt. Hier werden die bestehenden Linden (Rathaus, Stich Oeseder Straße) als Baumreihen fortgesetzt. So formulieren auch die Bäume den sich zur Landschaft öffnenden Stadtraum nach.
    Der Stadtplatz formuliert den Übergang zur Landschaft. Über die Erschließungsstraße hinaus verschmelzen hier Stadt- und Landschaftsraum. Die Landschaft setzt sich in Inseln auf dem Stadtplatz fort und führt in die Stadt hinein. _Defragmentation von Landschaft im Stadtraum_ Der Weg führt aus dem Landschaftsraum mit Feldern und Wiesen über die Grünen Inseln auf den Stadtplatz, dann auf das gewählte Stadtparkett, den Ortskern und zur Kirche St. Peter und Paul.
    Im nordöstlichen Bereich des neuen Stadtplatzes entsteht eine offene Grünfläche, welche als naturnaher Anziehungspunkt den Uferbereich der Düte erlebbar macht.
    Der Stadtplatz ist mit ung. 250 Stellplätzen als anthrazitfarbene Asphaltfläche ausgebildet und kann die temporären Sondernutzungen Kirmes und Eisvergnügen aufnehmen. Auf die zur Düte abfallende Topographie des Platzes wird mit den aufgefächerten Stellplatzzeilen und den dazu parallelen Entwässerungslinien reagiert. Die Landschaftsinseln gliedern die Fläche, sind Aufenthaltsbereiche für Wartende und leiten den Besucher sicher in den Ortskern. Zusätzlich sind die Inseln mit Naturstein Großpflaster umpflastert. Der Belag ist überfahrbar und markiert die Laufwege und den Sicherheitsbereich der Fußgänger und Radfahrer. Die Inseln sind mit Motiven der Landschaft Getreide und Blumenwiesen, sowie Landschaftsgehölzen (Eiche, Ahorn) bepflanzt. Die Ausleuchtung des Stadtplatzes erfolgt über große einzelnd stehende Mastleuchten, die die Platzfläche gleichmäßig ausleuchten und bei Veranstaltungen individull steuerbar sind. Eine Ergänzungsfläche hinter der Erschließungsstraße bietet weitere Stellplätze und Veranstaltungsflächen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser lenken die Aufmerksamkeit auf einen die ausgedehnte Parkplatzfläche teilenden Grünstreifen. Dieser bildet eine Wegverbindung zwischen der offenen, zentrumsnahen Landschaft und dem Ortskern. Diese Diagonale teilt den Stadtplatz, wodurch man zwei differenzierende Flächen erwartet. Leider werden zwei gleiche Räume vorgesehen, die die Teilung unverständlich werden lassen. Es entstehen zwei gleichförmig wirkende Flächen. Gleichzeitig sind die Nutzungsanforderungen für die Kirmes eingeschränkt. Es folgt aber auch die Chance, beide neu entstehenden Flächen unterschiedlich zu nutzen. Die Diagonale entspricht allerdings nicht den aktuellen Fortbewegungen der Fußgänger, die die flankierenden Geschäfte nutzen möchten.

    Aus der Landschaft kommend erreicht man den Ortskern. Hier werden keine wesentlichen Veränderungen oder ergänzenden Qualitäten im Bestand vorgenommen. Die Bebauung der Nordkante des Stadtplatzes erfährt eine klare städtebauliche Antwort, die sich zur Düte hin verliert, obwohl für die Platzdefinition eine abschließende Kante wünschenswert wäre. Zugleich reagieren die Verfasser mit landschaftlichen Mitteln, die den Charakter der Düte entsprechen. Die angebotenen Sitzmöglichkeiten am Flüsschen allerdings dürften kaum angenommen werden, da es starke gewerbliche Emissionsbeeinträchtigungen gibt. Während die Verknüpfung von Diagonale und nördlicher Raumkante mit einem Platz beantwortet wird, erfolgt keinerlei Angebot für den Innenhofbereich des Glückaufzentrums. Hier sollte die Erschließung überprüft werden, da sie so nicht machbar erscheint. Empfohlen wird eine bewusstere Verschränkung von Landschaft und Stadt, wie sie mit der Diagonalen eröffnet wird. So könnte eine harte und eine weiche Platzhälfte Antwort bieten für den Zusammenhang beider Phänomene. Im vorgelegten Entwurf wird die angestrebte Stellplatzzahl um knapp 50 Stellplätze unterschritten.

    Als problematisch wird die Menge an kleinen Wasserfontänen und die Versetzung des Trompetenbrunnens angesehen, da Pflege und Kosten erhebliche Aufwendungen bedeuten dürften.