loading
  • DE-49090 Osnabrück
  • 11/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-137851)

Kaserne an der Landwehrstraße


  • ein 3. Preis


    Stadtplaner
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Franz Pesch

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln (DE), Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Leitgedanken
    Auf dem Gelände der ehemaligen Landwehrkaserne soll zukünftig ein durchmischtes Stadtquartier mit gartenstädtischer Atmosphäre und hoher Freiraumqualität entstehen, welches sich mit den südlichen und westlichen Siedlungsbereichen von Strothe-Siedlung und Wersener Landstraße zu einem neuen „Stadtquartier Eversheide“ verbindet.
    Zentraler Konzeptansatz der Quartiersentwicklung auf dem ehemaligen Kasernenareal ist die Schaffung und Förderung einer Quartiersidentität und Nachbarschaftsbildung. Dabei sind uns vor allem zwei Ansätze wichtig:

    Prozesshafter Entwicklungsansatz
    Die Quartiersplanung enthält Angebote für die neue Bewohnerschaft als Möglichkeiten zur Mitbestimmung und Mitgestaltung ihres eigenen Quartiers. Dies stärkt die Identität fürs Quartier. Durch gemeinsame Projekte werden die Nachbarschaftsbildung und gengenerationsübergreifende Bindungen gefördert.
    Wir schlagen Projektangebote zur Nachnutzung einzelner Gebäude in Selbstverwaltung (Gartenhaus/Orangerie, Kasernengeschichte, Galerie/Atelier, Gemeinschaftshaus) sowie zur gemeinschaftlich gartenwirtschaftlichen Nutzung einzelner Freiflächen (Quartiersgärten, Obstwiese oder Weinberg) vor.
    Der Nachbarschaftsgedanke könnte zudem durch Feste und Kulturveranstaltungen (z.B. Quartiersgartenfest, Kunstmarkt, Weinfest, Obstwiesenfest, Sportplatzturniere etc.) unterstützt werden.

    Identitätsbildung durch Spuren
    Die Geschichte der Landwehrkaserne ist für uns auch die Geschichte des neuen Stadtteils. Bei der Transformation des Geländes stellt sich zwangsläufig die Frage, was von der Geschichte des Orts sichtbar und lebendig gehalten werden kann und welche Bestandteile die Identitätsbildung des neuen Quartiers fördern können. Deswegen möchten wir gerne „Spuren“ der alten Kaserne sichern. Der Begriff der Spur umfasst dabei alles, was die Ablesbarkeit der ehemaligen Nutzung unterstützt und eine neue, sinnvolle Funktion erhalten kann. Dies gilt für einzelne Gebäude, den Freiraum, die Vegetation, das Wegesystem, aber auch kleine Besonderheiten wie eine alte Beschilderung.
    Beispielsweise sollte das gut erhaltene Wegenetz der ehem. Kaserne aus Betonplatten als Teil des neuen Fuß- und Radwegsystems genutzt und weiterverwendet werden; das nicht mehr benötigte Rückhaltebecken erhält eine neue Zweckbestimmung als Reservoir zur Bewässerung von Gärten und Grünanlagen; die Spundwände der ehemaligen Waschanlage können zukünftig als Halterung für Spielgeräte oder Kletterwand dienen usw.
    Unser Plädoyer: Es sollte die Chance genutzt werden, auch einzelne prägende Bestandsgebäude mit Nachnutzungspotenzial, wie die Kirche (Bau 55), das Kasino (Bau 42) oder das Lehrsaalgebäude (Bau 40) vorerst nicht abzureißen. Diese sollten als Raumangebote für gemeinschaftliche Nutzungen und Ideen der Bewohner bereitgestellt werden, um die Nachbarschafts- und Identitätsbildung im Stadtquartier zu fördern. Eine langfristige Sicherung und Finanzierung dieser gemeinschaftlich orientierten Gebäudenutzungen kann bspw. durch einen Trägerverein (oder Genossenschaft) organisiert werden. Sollte dies nicht gelingen, so wären ein späterer Rückbau der Gebäude und eine Überbauung der Grundstücke mit Wohnnutzungen möglich.

    Städtebauliches Konzept
    Ausgehend von den Leitgedanken wird ein städtebauliches Grundgerüst entwickelt, welches mit den vorgefundenen Strukturen arbeitet und diese qualitätvoll weiterentwickelt.
    Das Quartier unterteilt zukünftig vier Teilbereiche: Die Eversburger Höfe, das Quartier am Landwehrpark, das Neue Quartiersmitte und die Siedlung In den Obstwiesen. Das Freiraumsystem mit dem Landwehrpark als zentrale Ost-West-Achse gliedert die Teilbereiche und verbindet sie gleichsam.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit sieht eine klare Gliederung des Plangebietes vor.. Die Erschließung des Gebietes mit der Nord-Süd-Achse, an der die öffentlichen und gewerblichen Bereiche aufgereiht sind, lässt ausreichend große Baufelder zur Landwehr entstehen. Allerdings bilden die gewählten Bauformen eine Barriere zur bestehenden, sich östlich anschließenden Siedlung „In der Masch“. Gerade hier sollte die historisch durch das Kasernengelände über Jahrzehnte vorhandene
    Barriere aufgebrochen werden.

    Ist das Erschließungssystem in der ersten und zweiten Hierarchiestufe noch schlüssig, verliert es an Klarheit in den Wohnclustern. Die Wohnfelder lassen eine abschnittsweise Entwicklung zu und weisen Größen auf, die unterschiedliche Wohnformen ermöglichen. Diese stabile Grundform und Flexibilität in den Baufeldern erleichtert die Entwicklung des Gebietes deutlich.

    Die in dem öffentlichen Grünbereich als „historische Spur“ erhaltene Nissenhütte mit der vorgeschlagenen Zuordnung zum Kindergarten erscheint nicht nachvollziehbar. Die vorgesehenen Nutzgärten in der Nord-Süd-Grünachse liegen zwischen den Baufeldern mit den größten Privatgartenanteilen und lassen vermuten, dass sie nicht angenommen zu werden. Der nördliche Abschluss des Gebietes zur Bahn als Schotterpark mit historischen Spuren erfüllt weitgehend zwar die Abstandsanforderungen durch den Schallschutz, wird jedoch aus städtebaulicher Sicht nicht hinreichend genutzt. Die vom Entwurfsverfasser angedachten Geländemodellierungen rund um den Sportplatz und zur Bahn scheinen in ihrer Wirkung fraglich und aufgrund der nicht notwendigen Geländemodellierungen im Wettbewerbsbereich nicht nachvollziehbar.

    In vielen Bereichen sind die Stadträume nicht ausgeformt und führen besonders an den Rändern der Baufelder zur undifferenzierten Raumsituationen, die durch Grünelemente (z. B. Baumalleen) aufgefangen werden müssen. Die Rad-/Fußwegeverbindung zwischen Strothesiedlung und „In der Masch“ ist wenig ablesbar im Stadtgrundriss. Der Entwurf sieht an mehreren Stellen Gebäude zum Erhalt vor, die jedoch aus der Voruntersuchung kaum haltbar scheinen.