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  • DE-54595 Prüm
  • 11/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-141738)

Neugestaltung Hahnplatz


  • 3. Preis

    Lageplan M 1:200

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Peter Rathmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Hilleringmann Architekten, Berlin (DE)

    Preisgeld
    5.500 EUR

    Erläuterungstext
    Der Hahnplatz, geprägt durch eine starke Topographie und die stadtbildprägende St. Salvator Basilika, liegt im Zentrum der Prümer Innenstadt. Durch die Neugestaltung des Platzes und seines nördlich angrenzenden Umfeldes gewinnt der Ort an Aufenthaltsqualität und die Basilika mit der ehemaligen Abtei einen würdigen Rahmen.

    Eine Stufenanlage gliedert den Platz und fasst den großzügigen, ebenen Bereich vor der mächtigen Zweiturmfassade der Basilika. Mit Rampen und Sitzstufen generiert sie Verbindung und Aufenthalt. Als Gegenstück zur urbanen, offenen Platzfläche steht direkt anschließend ein baumbestandener Bereich, welcher neben seiner atmosphärischen Wirkung auch an den ursprünglichen Flusslauf des Tettenbach erinnert. Die neue Baumstellung stärkt die wichtigen Blickbeziehungen und lenkt die Sicht auf die Basilika.

    In dem nördlichen Platzbereich, aus sandfarbenem Asphalt, wird der Verkehrsknotenpunkt mit einem 26 Meter Kreisel integriert. Die Höhenlage der Bundesstraße wird beibehalten. Der heute vom Autoverkehr dominierte Ort, wandelt sich zur fußgängerfreundlichen Raumfolge. Der erlebbare Wechsel zwischen Platzaufweitungen und Gasse mit Cafés und Läden, das Sitzen unter Bäumen mit Blick auf die raumprägende Basilika verleihen dem Hahnplatz einen eigenständigen Charme mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Außengastronomie und das Gewerbe finden die entsprechende Flächen entlang der Häuserfronten.

    Der Pflasterbelag im Zentrum wird neu verlegt und ergänzt. Durch das Beimischen heller Pflastersteine (Bayerwald Granit) wird eine angenehme Farbnuance erzeugt. Sie trägt zu einer freundlichen und erfrischenden Atmosphäre auf dem Hahnplatz bei. Das Verlegemuster unterscheidet zwischen dem Plattenbelag vor der Basilika und entlang der ehemaligen Abtei, dem Kleinsteinpflaster im Passeverband im Übergangsbereich und wassergebundener Decke im Bereich des lockeren Baumhains. Die drei unterschiedlichen Steinformen (Platte, Kleinstein und Brechsand/Splitt-Mischung) nehmen den Rhythmus des Platzes auf und bilden über die modellierte Oberfläche eine Veränderung in der Platztopographie.

    Ein Leitsystem aus taktiler und geschliffener Pflasteroberfläche ermöglicht Seh- und Gehbehinderten ein sicheres und selbständiges queren der neuen Platzflächen. Mit Ausnahme der Treppen sind die gesamten Belagsoberflächen befahrbar und bieten Raum für eine vielfältige Nutzung (Kirmes, Markt, Konzerte). In den Platzflächen sind Unterflur-Medienanschlüsse für Wasser, Abwasser und Elektrik vorgesehen. Die geforderte Trafostation kann in der Stützmauer an der Treppe integriert werden.
    Neben den großzügigen Sitzstufen bieten neuen Sitzelemente aus Holz und Metall eine Vielzahl unterschiedlicher Sitz- und Liegepositionen. Verteilt unter den Bäumen laden sie zum Verweilen ein. Rücken- und Armlehnen ermöglichen ein bequemes und sicheres Sitzen. Ein neuer Brunnen in der Achse der Basilika setzt einen neuen Schwerpunkt auf dem oberen Hahnplatz.

    Die Baumgruppen setzen sich aus fiederblättrigen, lockeren Baumarten zusammen. Bestandsbäume und Neupflanzungen aus Blasenesche (Koelreuteria paniculata) bilden den Hain. Der malerische Kleinbaum mit elegant gefiedertem Laub, der attraktiv gelb bis orangebraunen Herbstfärbung, den leuchtend gelben Blütenrispen im August und den blasig, papierartigen Fruchtkapseln, welche über den Winter am Baum hängen bleiben, setzen das ganze Jahr über einen feinen Akzent.
    Die neuen Gestaltungselemente wie Brunnen, Sitzelemente und Leuchten werden zu wichtigen Merkzeichen im Stadtraum. Ihre einheitliche Typologie dient als Orientierungspunkt, fungiert als Bindeglied zwischen den Stadträumen und wird zum Portfolio von Prüm.

    Die geforderten Bewohner- und Kurzzeitparkplätze werden dezentral entlang der Fahrgassen in der Platzfläche integriert. Die neuen, schmalen Fahrgassen werden mit Boden-Markierungsnägeln aus Metall markiert. Fahrradabstellplätze (Metallbügel), werden in Gruppen, dezentral an strategisch wichtigen Stellen verteilt.

    Die nächtliche Stadterscheinung wird im Wesentlichen über das Zusammenspiel von Stadtarchitektur und Beleuchtung definiert. Zielführend für eine selbstverständliche Erscheinung, ist integrativ geplantes Licht, welches das architektonische Konzept als nächtliches Bauelement stärkt. Die Helligkeiten und Beleuchtungszonen sind im Zusammenspiel mit den Baumsetzungen, Verkehrswegen und Stufen zoniert erlebbar.

    Die unterschiedlichen Helligkeiten verhelfen zur sofortigen Orientierung und vermitteln eine lebendige Atmosphäre. Die Platzbeleuchtung reagiert auf die gestreute Baumanordnung mittels Mastleuchten, die der Gehölzsetzung folgen.
    Als hauptsächliches Element, wird eine Mastleuchte mit ca. 7 Meter Höhe, rundem, scheibenförmigem Lichtkopf mit integrierten, ausgeblendeten Lichtsystemen eingesetzt. Die Mastleuchte erzeugt durch ihre Strahlcharakteristik keinerlei Blendwirkung und tritt insgesamt sehr zurückhaltend in Erscheinung und ist auf das wesentliche reduziert.

    Ein weiteres Element des Beleuchtungskonzeptes sind dem Straßenverlauf folgende Mastleuchten mit ca. 6 Meter Höhe und rechteckigen Leuchtkopf, die zwischen den Fassaden intermittierend im relativ engen Straßenraum angeordnet sind. Ein integriertes Lichtband in der Mauerbrüstung im Bereich der Kirche, strahlt beidseitig ab.Das Band ist für Passanten unsichtbar, nur das Licht tritt in Erscheinung und erzeugt einen visuellen Orientierungsrahmen und ermöglicht ein sicheres Begehen des Treppenraumes.

    Die Kirchenvorderfront wird mittels Projektoren, die in die Mastleuchten integriert sind, mit einem feinen, verlaufenden Grundlichtschleier überzogen. Die Aufhellung ist sehr zurückhaltend mit geringen Beleuchtungsstärken und erfolgt ohne jegliche Lichtverschmutzung unter Einsatz effizienter Reflektorgeometrie.

    Insgesamt werden Leuchtmittel neuester Technologie, also LED Lampen, mit einem sehr guten Farbwiedergabeindex > 85% und einer warmweißen Lichtfarbe mit 3000 K verwendet. Sämtliche Leuchten strahlen nur in den unteren Halbraum, sodass die ökologischen und ökonomischen Richtlinien erfüllt werden. Die Leuchten sind mit programmierbaren Vorschaltgeräten ausgestattet, sodass in den Nachtstunden eine Absenkung zusätzliche wirtschaftliche und ökologische Vorteile generiert.

    Die großzügige und repräsentative Gestaltung des Hahnplatzes als öffentlicher Raum ermöglicht eine angenehme Koexistenz der vielfältigen Nutzungsansprüche von Bewegung und Aufenthalt. Die fußläufigen Verbindungen im Stadtteil, die Erreichbarkeit und die Aufenthaltsqualität für BewoherInnen und BesucherInnen werden attraktiver und barrierefrei. Der freie Platz vor der St. Salvator Basilika ist Bühne des städtischen Lebens. Der Baumhein wird zum Erholungsort – zusammen bilden sie einen Ort mit Leben wie auch mit Ruhe und Würde in der Hektik des Alltags.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Auf Grundlage eines verbindenden Stadtbodens reagieren die Verfasser geschickt auf die unterschiedlichen Randbedingungen. Der Bereich vor der Basilika wird mit einer durchgängigen Stufenanlage in unterschiedlichen Ausformungen und durch eine zweiteilige Raumbespielung gegliedert: Eine auf die Fassade der Basilika bezogene, annähernd quadratische und ebene Platzfläche im Süden und ein mit Baumgruppen bestandener Bereich mit Hangterrassen im Norden. Durch diese Raumgliederung wird die Blickbeziehung auf die Kirche fokussiert und damit in ihrer Wirkung gestärkt.
    Der entstehende Platz vor der Basilika hat eine gute Proportion und kann für Veranstaltungen multifunktional genutzt werden. Die Treppenanlage hat einen ausreichenden Abstand und wird im Veranstaltungsfall zur Tribüne, der Platz zur Bühne und die Basilika zur Kulisse. Die Ausbildung der Begrenzungsmauer im Süden bedarf einer sorgfältigen Durcharbeitung, die Höhenentwicklung muss kontrolliert werden. Gut ist, wie hier der Höhenversprung zur Integration des geforderten Trafos genutzt wird. Aufenthaltsbereiche zum Sitzen und Entspannen werden in Form mobiler Sitzelemente auf den Hangterrassen unter den Bäumen angeboten. Die barrierefreie Erreichbarkeit ist nicht immer auf direktem Wege möglich.
    Die westlich angrenzenden Flächen sind selbstverständlicher Bestandteil der Gesamtkonzeption. Am oberen Hahnplatz ist in der Achse der Basilika ein rundes Wasserbecken angeordnet sowie solitäre Bäume entlang der Hausfassaden vorgesehen. Vermisst werden hier nichtkommerzielle Sitzangebote. Die Gestaltung der nördlich gelegenen Fläche am Duppborn überzeugt nicht.
    Die Position und Dimension des Kreisels entspricht im Wesentlichen der technischen Vorplanung. Straßendetails wie z.B. Einmündungsradien wären im Weiteren noch anzupassen. Die Anzahl der Stellplätze erfüllt die Erwartungen des Auslobers. Sie werden selbstverständlich und platzsparend integriert und in der Fläche gut verteilt. Im Detail müsste generell geklärt werden, wie die unkontrollierte Befahrung der Platzflächen verhindert werden soll. Die geeignete Position der Bushaltestelle muss noch festgelegt werden.
    Das Lichtkonzept mit locker verteilten Mastleuchten, punktuellen Lichtinszenierungen und einer Anleuchtung der Basilikafassade bedarf der weiteren Präzisierung und lichttechnischen Überprüfung. Die Straßenflächen sind als farblich angepasste Asphaltflächen vorgesehen. Die Platzbeläge aus einem einheitlichen Natursteinmaterial werden situativ variiert: Stadtboden aus Kleinsteinpflaster, Plattenbelag auf dem Basilikaplatz und wassergebundene Brechsand/Splittoberflächen im Bereich des Baumhains. Der großflächige Einsatz des Natursteinmaterials ist ein nachhaltiger und anzustrebender Vorschlag. Es ist zu prüfen, ob dies innerhalb des Kostenrahmens durchgängig umsetzbar ist.
    Den Verfassern gelingt eine positive Neuinterpretation des Stadtraums Hahnplatz. Es entsteht eine fein ausbalancierte Mischung zwischen Bewegungs-, Aktivitäts- und Aufenthaltszonen. Der Verkehr wird unprätentiös in die Gesamtgestaltung integriert. Der Entwurf bietet eine robuste Basis für die Umsetzung und Detailklärung.