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  • DE-51379 Leverkusen
  • 06/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-4310)

neue bahn stadt :opladen


  • 3. Preis

    konzept städtebauliche idee

    Architekten
    ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS GmbH, Köln (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: URBAN CATALYST studio, Berlin (DE)
    Stadtplaner: ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Prozessorientierte Stadtentwicklung

    Die Konversion des ehemaligen Bahnbetriebsgeländes Opladen zu einem neuen Stadtquartier zählt zu den großen Opladener Stadtentwicklungsaufgaben der kommenden Jahre.
    Die Entwicklung von 44 ha brachgefallenes Bahngelände birgt gleichermaßen Chancen und Risiken. Die zentrumsnahe Lage, das gute Erschließungspotential und das für einen Industriestandort außergewöhnlich positive Ambiente stehen den Unsicherheiten gegenüber, die sich aus einem so langfristigen Prozess an sich ergeben.

    Transformation gestalten
    Das Areal ist keine Brache, sondern befindet sich in einem Zwischenzustand: Die ursprüngliche Nutzung ist beendet, die neu geplanten Nutzungen noch nicht umgesetzt. Bereits heute haben sich Firmen, Vereine und Initiativen aufgrund günstiger Konditionen und der hervorragenden Lage mit Autobahnanschluss auf dem Gelände angesiedelt. Transformation gestalten bedeutet, die existierenden Nutzungs- und Raumpotenziale in den Entwicklungsprozess zu integrieren und aktiv für die Standortentwicklung zu nutzen. Als wesentliche Aufgabe sehen wir es an, nicht nur endgültige Visionen für die Bahnstadt zu entwerfen, sondern Modelle für die Gestaltung und Steuerung des Transformationsprozesses zu entwickeln. Von zentraler Bedeutung ist hierbei die Entfaltung urbaner Qualitäten durch eine schon frühzeitig gezielte Entwicklung von öffentlichen Räumen, Flächen und Aktivitäten.
    Vor diesem Hintergrund erscheint die zeitnahe Öffnung des Geländes bereits vor Realisierung der ersten Baufelder für zunächst temporäre Programme sinnvoll, um eine lebendige Öffentlichkeit zu ermöglichen und schrittweise neue Identitäten auf dem Areal aufzubauen. Parallel zu der anstehenden Planungsphase und noch vor der baulichen Realisierung des zukünftigen Stadtquartiers sollen daher Entwicklungspfade initiiert werden, die das Gelände als neuen Opladener Stadtraum bekannt, erlebbar und benutzbar machen. Kulturelle, gewerbliche und soziale (Zwischen-) Nutzungen sollen dazu beitragen, das Areal des ehemaligen Bahngeländes sukzessive zu einem urbanen, lebenswerten und identitätsstiftenden Quartier zu entwickeln.

    Der Entwicklungsprozess gliedert sich in unterschiedliche Phasen. Anstatt ein finales Planstadium zu fixieren, werden unterschiedliche Entwicklungsoptionen aufgezeigt, die je nach Nachfrage, lokalem Bedarf, der aktuellen wirtschaftlichen Situation und der Vitalität bestehender Nutzungsmilieus flexibel kombiniert werden können. Der Prozess zielt auf die Verbindung des formellen Planungsprozesses mit informellen Aktivierungsstrategien. Kombiniert werden hierbei traditionelle Planungsinstrumentarien und Entwicklungswerkzeuge (Erschließung, Abriss, Neubau) mit „weichen“ Handlungsmodellen wie die Regelung von Zugängen, Ideenaufrufen zur Kultivierung von Nutzungsclustern oder auch Vermittlungsforen, die temporäre Bespielung existierender Gebäude organisieren.

    Freiräume Bahnstadt – Katalysatoren für Öffentlichkeit und Urbanität
    Heute besticht das aufgegebene Bahnbetriebswerk durch seine enorme landschaftliche Weite inmitten eines dicht besiedelten städtischen Umfeldes. Umgeben von Autobahnanschlüssen, Siedlungen und Bahnstrecken hat sich auf fast 70ha Fläche ungeachtet der Öffentlichkeit ein natürliches Refugium gebildet, das den eigentlichen Schatz der künftigen Bahnstadt heute schon darstellt. Die aufgelassenen Flächen im Süden, asphaltierte Plätze, Wiesen zwischen den Hallen und gepflasterte Wege sind vitaler Nährboden für einen sukzessive zu entwickelnden öffentlichen Raum, der wesentliche Bedeutung als Katalysator für die Urbanität der gesamten Bahnstadt gewinnen muss. Mit wenig Mitteln lässt sich dieses Potenzial lange bevor die ersten Baukräne das Areal prägen erschließen und weiter ausbauen. Unsere Transformationsstrategie sieht vor, das Gelände frühzeitig öffentlich zugänglich und die Freiflächen u.a. auch für temporäre Aktivitäten nutzbar zu machen. Die langfristige Struktur der Freiräume wird als T-Form ausgebildet und integriert drei Zonen mit unterschiedlichen Qualitäten: Sport-/ Aktivzone im Ost-West-Band, Parkflächen um das Landmark Wasserturm und einen Dienstleistungspark im Süden. Durch Rad- und Fußwege ist sind die Bahnstadtfreiräume an die übergeordneten Freiräume angebunden.

    Städtebauliche Struktur
    Der städtebauliche Plan gliedert das Plangebiet in Baufeld- und Freiraumstreifen, für die jeweils klare baulich- räumliche Regeln formuliert werden, die aus den Randbedingungen, und einem Nutzungsprofil entwickelt sind. Die Anwendung der noch groben Regeln lassen eine Bandbreite von verschiedenen Entwicklungsszenarien zu ohne beliebig zu wirken. Von West nach Ost lassen sich somit folgende Baufeldstreifen beschreiben:

    Im „Bahnstreifen“ der unmittelbar parrallel zur verbleibenden Bahnlinie liegt, bilden Büro und Dienstleistungsgebäude mit Höhenakzenten an den Brücken ein Gesicht zur Stadt. Durch die bauliche Verdichtung der lärmunempfindlichen Gewerbenutzungen entlang der Bahnstrecke entsteht eine Pufferzone, die nach Osten exponierte Nutzungen wie Wohnungen ermöglicht. Im südlichen Bereich können mit zunehmender Breite der Grundstücke die Büronutzung auch mit größeren Gewerbehallen kombiniert werden.

    Der mittlere „Hallenstreifen“ ist vor allem durch den Bestand geprägt. Auffallend ist, dass der heutige Mitteleingang zum Ausbesserungswerk die stärkste räumliche Kraft entwickelt mit dem ehemaligen Kesselhaus, den flankierenden Hallen und dem Wasserturm. Hier liegt das Herz der neuen Bahnstadt als „Kulturpark Opladen“. Die möglichen Szenarien einer zukünftigen Nutzung der Bausubstanz reichen vom partiellen Herausschneiden einzelner Hallenstreifen nach Vorbild der „aw hallen“ in Saarbrücken- Burbach bis hin zum Rückbau der kompletten Hallendächer. Der Erhalt der Bodenplatte ist allein aus ökonomischen Gründen sinnvoll (66.000 qm Betonfläche). Sie bildet gleichermaßen eine Plattform für Experimentelle Architekturen und einen fließenden öffentlichen Raum, der als Shared Space angelegt wird. Die Nutzung im Hallenstreifen ist in Nord-Südrichtung gegliedert und reicht vom reinen Wohnen im Norden bis zum großbetrieblichem Gewerbe im Süden an der Quettingerstraße. Die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Nutzungsbereichen sind flexibel.

    Der sich östlich an die Hallen anschließende Baufeldstreifen ist geprägt durch seinen grünen Charakter mit Solitären Industriemonumenten, wie dem Wasserturm und dem Gewerbehof an der Torstraße. Das Thema dieses Raums ist die Verbindung zwischen den Teilgebieten des Areals und den umliegenden Quartieren.

    Im Übergang zum östlich angrenzenden Wohngebiet soll die Entwicklung von Eigentumsorientiertem Wohnungsbau ermöglicht werden. Das Thema dieses Baufelds ist die Einfügung und Überleitung.

    Planungszahlen
    Der städtebauliche Plan stellt die maximal mögliche Entwicklung der Bahnstadt Opladen dar. Auf dieser Basis wurden auch die Planungszahlen errechnet. Der vom Entwicklungsträger angestrebte Nutzungsmix kann somit erfüllt werden aber auch andere Nutzungsprofile sind möglich. Mit der sparsamen öffentlichen Erschließung lassen sich bis zu 30 ha Nettobaulandflächen entwickeln. Das im Plan dargestellte Bauvolumen zeigt eine maßvolle Verdichtung mit insgesamt möglichen 380.000 qm BGF, davon rund 110.000 qm BGF für Wohnen, rund 145.000 qm BGF für Mischnutzungen und 125.000 qm BGF für Gewerbenutzungen. Diese Werte sollen einen groben Orientierungsrahmen zeigen, der zudem bei maximaler Ausnutzung Verkehrsströme von über 14.000 KFZ/d erzeugt. Für dieses Maximalszenario zeigt der städtebauliche Plan Optionen in Form einer weiteren Verkehrsbrücke über die Bahn nach Westen, wo eine Anbindung an die Bahnallee in Höhe des geplanten Einkaufszentrums vorgesehen ist. Im Norden ist eine Option für eine geradlinige Weiterführung der Werkstättenstraße über die P+R Fläche dargestellt, die einen prominenteren Ost-Eingang mit Bahnhofsvorfahrt ermöglichen würde.

    Verkehr
    Das Konzept zur Verkehrsanbindung zeigt ein wachsendes Netz abhängig vom Ausbaugrad der städtebaulichen Entwicklung. Öffentliche Vorinvestitionen erfolgen im Verhältnis zu realistisch einschätzbaren Entwicklungsschritten. Eine Kostenintensive weitere Bahnquerung für den KFZ-Verkehr ist in unserem Plan optional möglich, wird aber nur bei einer maximalen Verdichtung des Plangebiets erforderlich.

    Bodenmanagment
    Priorität hat der wertvolle Bestand, der zu sichern ist. Bodenaustausch sollte nur partiell erfolgen. Versiegelte Flächen sollten zur Abkapselung von evtl. Bodenbelastungen erhalten werden wie die über 66.000 qm großen Bodenplatten der Ausbesserungswerkhallen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.