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  • DE-80339 München
  • 12/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-147084)

Wohnbebauung mit Kinderbetreuungseinrichtungen und Kulturzentrum


  • 1. Preis

    Lageplan, © delaossaarchitekten, Grassinger Emrich Architekten, Luz Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    LUZ Landschaftsarchitekten, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Heiner Luz

    Mitarbeit
    Stephanie Pöllath, Sylvia Graf

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Grassinger Emrich Architekten GmbH, München (DE)
    Architekten: delaossaarchitekten, München (DE)
    Bauingenieure: Andreas Pilar von Pilchau, Deisenhofen b. München (DE)
    Modellbauer: Matthes Max Modellbau GmbH, München (DE)

    Preisgeld
    50.000 EUR

    Erläuterungstext
    Durch die städtebauliche Figur und Anordnung der Bebauung entstehen großzügige und ruhige "Gartenhöfe". Während zur NUP die Gebäudezeile vollständig geschlossenen ist, öffnet sich jeder Gartenhof zwischen zwei Punkthäusern zur südlich angrenzenden öffentlichen Grünfläche. Es entsteht ein Gradient der Öffentlichkeit/Privatheit von den privaten Loggien über den gemeinschaftlich nutzbaren Gartenhof zur südlich gelegenen öffentlichen Grünfläche.

    Als gemeinschaftlich nutzbarer Freiraum fördern die Gartenhöfe die Bildung einer Nachbarschaft. Die "Offene Mitte" ist als Rasenfläche gestaltet, Großbäume bilden hierfür den Rahmen. Vor den Fassaden wird ein "Staudensaum" angelegt, der auch Abstand zu den Loggien schafft. Die Ausdehnung der Loggien in diesen Saum ist denkbar ohne dass deren Privatheit verloren geht. Unter den Bäumen kann eine Möblierung installiert werden, zum Sitzen, zum Würst'l-Braten, oder auch für die Sandkiste mit Spielgeräten für Kleinkinder. Der Rasen dient der freien Aneignung, zum Spielen als auch zum Liegen.

    Der "Hofplatz" mit Hofbaum schafft eine Verbindung zwischen zwei Gartenhöfen. Der Hofplatz ist so gestaltet, dass er inkl. seiner Zuwegung von / zur Promenade auch als Zufahrt und Aufstellfläche für die Feuerwehr dient. Notwendige und gestaltete Belagsflächen können somit auch von der Feuerwehr genutzt werden, für den Brandschutz sind keine weiteren "Eingriffe" in die Grünflächen notwendig, die ansonsten deren Gestaltung und Nutzung beeinträchtigen würden. Der Plattenbelag geht als "armierter Rasen" - durch Vergrößerung der Fugen zwischen einzelnen Platten - seitlich in die Pflanzflächen über, so dass der notwendige, 3 m breite breite Weg nur auf einer Breite von 2 m voll versiegelt ist.

    Die Pflanzenauswahl steht im Bezug zum städtebaulichen Konzept. Vergleichbar zur Großform der Gesamtbebauung werden in allen Gartenhöfen die gleichen Großbäume - ergänzt durch einzelnen blühende Großsträucher - gepflanzt: Gleditschien sowohl mehrstämmig als auch als Hochstamm, dazu wenige Zier-Äpfel und Zier-Kirschen. Vergleichbar z.B. zur Farbe in den Hauseingängen "im Kleinen" werden die Staudensäume in jedem Hof dann aus anderen Arten / Sorten bepflanzt, z.B. Taglilien-Saum / Pfingstrosen-Saum / Phlox-Saum als so genannte Aspektbildner. Da die Hof-Plätze zwischen den Gartenhöfen verbinden, gibt es nur einen Hofbaum (Kastanie). Während der Hofbaum eine dichte Krone ausbildet, haben die Bäume in den Gartenhöfen einen lichten Habitus.
    Das Vegetationskonzept gilt grundsätzlich auch für die Freiflächen der beiden Kindergärten. Die Flachdächer werden mit einer extensiven Wiesenmischung begrünt; das Substrat dient der zusätzlichen Wasserrückhaltung. Die Dachterrassen werden anteilig mit einer intensiven Dachbegrünung gestaltet

    Die Raumkanten seitlich der Promenade unterscheiden sich im Planungsgebiet deutlich von den Fassaden als Begrenzung im bereits bestehenden Abschnitt. Daher unterscheidet sich auch die Anordnung und Auswahl der "Alleebäume". Die Punkthäuser bilden zusammen mit der geplanten öffentlichen Grünfläche für die Promenade eine eigenständige Sequenz zwischen "Am Knie" und dem Bahnhofsplatz. Für einen Fuß- und Radweg ist sie überdimensioniert; diese Anforderung wird daher auf den mittigen Abschnitt "geschoben", während vor den Punkthäusern ebenfalls Staudensäume für Abstand sorgen. Die Baumpflanzungen werden als Baumhaine (Sophora japonica) angelegt. Unter den Bäumen gibt es "Intarsien" als Gras+Blüte-Pflanzungen, aber auch die Möglichkeit für einzelne Spiel- oder Aufenthaltsflächen. Die Beläge sind für die Feuerwehr befahrbar, die Flächen zwischen den Punkthäusern sind nicht nur für die Radien der Feuerwehr dimensioniert, sie schaffen mit den Baumpflanzungen auch die Verbindung der Gartenhöfe zur öffentlichen Grünfläche.

    Mit nur wenigen Gestaltelementen bei den Belägen, bei der Vegetation und der Möblierung sind die Freianlagen gekennzeichnet von Klarheit, Einfachheit und Prägnanz.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Auflösung der Kammstruktur in Einzelgebäude an der Promenade und die stark volumetrische Ausformulierung des Lärmschutzriegels an der Josef-Felder-Straße stellen einen gelungenen städtebaulichen Beitrag dar. Es entsteht eine Folge von Hofräumen, die sich über die Längsachse miteinander verbinden. Positiv bewertet wird die Wegeverbindung bzw. Durchwegung zwischen Promenade und NUP und die so entstehende klare Bildung von Adressen für das Quartier, da sich folgerichtig hier auch alle Eingänge befinden. Die Spännererschließung und der weitgehende Verzicht auf Laubengänge stellen eine städtische und - aller Voraussicht nach - auch wirtschaftliche Lösung dar.
    Für die angebotenen Kategorien des geförderten Wohnungsbaus sind die Grundrisse gut geeignet und erscheinen förderfähig. Die Wohnungen sind im Wesentlichen gut ausgerichtet, mit Blick nach Süden, insgesamt gut belichtet, mit Ausnahme der ungünstigen Nord-Ost- Wohnungen in den Einzelbaukörpern. Die Erschließung mit 4- und 5-Spännern und dem geschlossenen Laubengang im Sonderfall ist wirtschaftlich positiv zu bewerten und verspricht eine gute räumliche Qualität mit mehrseitig orientierten Wohnungen. Die Integration des Bestandsgebäudes ist gestalterisch nicht gelöst. Die Betonung der Fassade am nördlichen Gebäudeende des Lärmschutzriegels mit einer Art Kopf ist vorstellbar, jedoch erscheint die dargestellte Auffächerung an der NUP sehr stark ausgeprägt und wenig einladend. Die Einschnitte auf der Nordseite gliedern die Fassadenlänge, auch die Ausbildung eines Sockelgeschosses ist gut gelungen. Nicht bewältigt erscheint jedoch die Höhenentwicklung im Erdgeschoss entlang der Josef-Felder-Straße mit einem Höhenunterschied von insgesamt von 1,8 m. Ebenfalls wenig ausgearbeitet und gestalterisch unausgewogen erscheinen die Fassaden zum Hof.
    Die Kindertagesstätten sind von ihrer Situierung und Ausrichtung grundsätzlich gut integriert. Kita A bietet eine betrieblich gut abwickelbare Lösung, der Dachgarten im 1. OG bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und hat durchaus Potential. In der KITA B wäre eine Überprüfung der langen Erschließungswege wünschenswert, sowie die Integration der abgehängten Gruppe im EG. Die Abstandsflächen des östlichen Baukörpers an der Promenade bedürfen der nachbarschaftlichen Abstimmung. Die Situierung der Tiefgaragenzufahrten erscheint nicht ideal.
    Der grundsätzliche Erhalt des Kopfbaus stellt einen gelungenen Kontrapunkt zum Neubau dar und ist gut an den öffentlichen Raum angebunden. Die Freiraumplanung überzeugt durch eine harmonische Einbindung der vorgelagerten Bebauung. Die Gartenhöfe sind gut dimensioniert und die Lage der Punkthäuser verspricht eine hohe Wohnzufriedenheit. Die Nord-Süd-orientierte Erschließung zwischen der Josef-Felder-Straße und der Promenade ist konsequent und führt zu einer guten Adressbildung und Orientierung.