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  • CH-9402 Mörschwil
  • 01/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-144408)

Freihof Mörschwil


  • 4. Rang 4. Preis


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    Projekt
    klein aber fein

    Architekten
    Thomas De Geeter Architektur GmbH, Zürich (CH)

    Verfasser
    Thomas De Geeter

    Preisgeld
    10.000 CHF

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Die historischen Baukörper der Kirche, des Ochsen sowie des Adlers bilden ein historisches Ensemble
    welches ortsspezifisch von grosser Bedeutung ist. Durch die Ausformulierung des Volumens des
    Ersatzneubaus wird die Körnung des Ortes aufgenommen. Das Volumen orientiert sich in seiner Setzung
    am historischen Baukörper des Freihofs, transponiert aber durch seine architektonische Ausformulierung
    das Gebäude hin zur Gegenwart. Es wird analog zur historischen Situation ein öffentlicher
    Platz aufgespannt. Die Giebelfassade des Neubaus markiert den Abschluss des öffentlichen Platzes,
    während die Traufseite mit der Lukarne der St.Gallerstrasse folgt. Die Firstrichung wurde im Vergleich
    zum Gebäude ‘Freihof’ gedreht und dem aktuellen Verlauf der Hauptstrasse angepasst. Das Volumen
    des neuen Gebäudes wurde dem historischen Ortsbild passgenau eingeschrieben und eingepasst und
    ergänzt dadurch im positiven Sinne das historische Ensemble.
    Die Zugänge zum Haus werden nach der Nutzung unter Bezug zur städtebaulichen Setzung unterschieden.
    Zum öffentlichen Platz hin befindet sich der Zugang zum Ladenbereich, während die
    Zugänge zu den Wohnungen seitlich von der St.Gallerstrasse her mittels einer Eingangshalle erschlossen
    sind.
    Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden durch die Setzung des Volumens vollumfänglich eingehalten
    (baurechtliche Abstände, Brandschutzabstände, usw). Das Gebäude besteht aus drei Vollgeschossen
    und einem Attikageschoss. Die Fassade ist nicht brennbar materialisiert (Mauerwerk mit
    Verputz, Abstand zur Fassade Restaurant Adler 7.5 Meter). Die Anlieferung für das Restauraunt Adler
    ist uneingeschränkt gewährleistet, ebenso der Zugang zu den Erdsonden.
    Architektonischer Ausdruck
    Der Ausdruck des Ersatzneubaus wird geprägt von der bestehenden historischen Situation und setzt
    sich mit den Merkmalen der bestehenden Bebauung auseinander. So arbeitet das neue Volumen mit
    den Proportionen der bebauten Umgebung, übernimmt die vorherrschende Dachform und bildet einen
    Sockelbereich aus. Die prägenden Elemente der umgebenden Bauten werden nicht einfach formal
    übernommen, sondern werden stimmig zu etwas Neuem und Ganzem geformt.
    Die Fassade ist als Lochfassade ausgebildet. Im Erdgeschoss werden grosszügige Schaufenster in
    den Sockelbereich eingeschrieben und schaffen so einen direkten Bezug zum öffentlichen Platz. Die
    Fenster in den Obergeschossen sind als Holzfenster mit einer feinen Sprosseneinteilung geplant, der
    konstruktive Witterungsschutz im Sturzbereich der Fenster wird neu interpretiert. Das Dach wird mit
    Biberschwanzziegeln eingedeckt.
    Die Farbgebung mit dem warmen Weisston gliedert sich in den historischen Kontext ein. Der Sockelbereich
    ist in einem abgetönten Grau gestrichen.
    Landschaftsarchitektur
    Der zwischen dem Ochsen, Adler und dem Ersatzneubau aufgespannte öffentliche Platz schafft analog
    zur historischen Situation einen Begegnungsraum. Durch die zurückversetzte Lage des Gebäudes
    wird im südöstlichen Bereich ein markanter Raum vorgelagert. Auf der Traufseite des Gebäudes wird
    ein zweiter kleinerer Platz als Eingangsbereich zu den Wohnungen gestaltet. Mit der Setzung eines
    solitären Baumes wird die räumliche Disposition des grossen Platzes definiert während gleichzeitig der
    Charakter des Zugangsplatzes zu den Wohnungen gebildet wird. Auf der nördöstlichen Seite wird ein
    dritter Bereich ausformuliert. Mittels der durchgehenden Materialisierung mit Pflastersteinen werden
    diese drei Zonen zusammengefasst, welche räumlich ganz unterschiedliche Orte ausbilden. Der Trottoirbereich
    der neuen Strassenführung ist ebenfalls mit Pflastersteinen ausgebildet und geht über zur
    Pflasterrinne.

    Grundriss- und Wohnkonzept
    Im Erdgeschoss befindet sich das Ladengeschoss, welches dank der grossen Flexibilität des Grundrisses
    als ein grosser Raum oder als zwei bis drei separate Geschäfte / Lokale genutzt werden kann.
    Seitlich von der St.Gallerstrasse her zugänglich befindet sich die Eingangshalle zu den Wohnungen in
    den Obergeschossen. Der Wohnungsspiegel der Obergeschosse zeigt vier 2 ½ - Zimmerwohnungen
    mit je 67.4 m2 Wohnfläche und im Attikageschoss eine 3 ½ - Zimmerwohnung mit 120.6m2 Wohnfläche.
    Die Wohnungen sind so organisiert, dass die Hauptwohnräume eine dreiseitige umlaufende
    Belichtung erhalten. Die Nassräume sind in Richtung Nordosten geplant. Alle Wohnungen weisen einen
    hohen Grad an Flexibilität aus.
    Man betritt die Wohnung vom natürlich belichteten Treppenhaus über einen Eingangsbereich. In einer
    zweiten Schicht spannt sich der Hauptwohnraum und daran angegliedert das Schlafzimmer auf. Diese
    zwei Räume sind als ein grosser Raum erfahrbar, können bei Bedarf jedoch abgetrennt werden (Glastrennwand
    mit zwei Flügeltüren). Vom Schlafzimmer her hat man direkten Zugang zum Bad, dieses ist
    auch via den Eingangsbereich erschlossen (Zugang für Gäste ohne dass der private Bereich tangiert
    wird). Im Badbereich findet sich Platz für einen Waschturm, alternativ dazu könnte auch im Untergeschoss
    eine Waschküche angeboten werden. Das Bad ist grosszügig gestaltet und natürlich belichtet.
    Der Hauptwohnraum und das Schlafzimmer verfügen über grosszügige, eingebaute Schrankfronten mit
    eingegliederter Küche (sechs Elemente). Die Schrankfront übernimmt zahlreiche Funktionen: Küche,
    Garderobe, geschlossener Schrank, offene Regale, Schiebetüren). Entlang der Fensterfronten werden
    Sitznischen ausgebildet. Die Grundrisse können durch die offene Gestaltung flexibel möbliert werden,
    auch die Anordnung vom Schlafbereich kann variiert werden. Alle Geschosse sind mittels einer Aufzugsanlage
    vollständig behindertengerecht erreichbar.
    Die Materialisierung der Innenräume ist schlicht gehalten: Im Wohnbereich ist ein Riemenparkett
    als Bodenbelag, eine weiss gestrichene Holzverkleidung als Wandfläche und eine verputzte Decke
    vorgesehen. Die räumliche Atmosphäre soll dem Wohnen angepasst sein.
    Durch die offene räumliche Gestaltung mit den angebotenen Elementen der Schrankfront und den Sitznischen
    sind die Wohnungen flexibel nutz- sowie möblierbar und schaffen eine grosszügige, der Situation
    angepasste, wohnliche Atmospäre.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ein einfaches rechteckiges Haus mit Satteldach soll den Freihof ersetzen. Es ist giebelständig auf den Dorfplatz gerichtet und verhält sich daher im Vergleich zum heutigen Freihof in seiner wesentlichen Eigenschaft gegensätzlich. Dieser nämlich ist mit einer durchgehenden Traufe ausgestattet, welche sein Pendant am Ochsen schräg gegenüber findet, und baut so eine winkelförmige Beziehung auf. Die vorgeschlagene Stellung führt demgegenüber zu einer Verselbstständigung des neuen Freihofes und Lockerung des Zusammenhaltes in der Dreiergruppe Ochsen Freihof, Adler. Diese wird zusätzlich aufgelöst durch die Zurücksetzung der Front bzw. Ostfassade um 5m, womit insbesondere zum Adler die Verbindung abbricht. Geometrisch ist der neue Baukörper nicht speziell im Gefüge verankert.

    Das Modell macht anschaulich, dass das vorgeschlagene Haus so klein nicht ist, wie im Kennwort und in den Darstellungen suggeriert wird, es übertrifft in Höhe und übrigen Dimensionen den Ochsen, der ja schon ein stattliches Gebäude ist, und degradiert den noch kleineren Adler deutlich.

    Aus der Örtlichkeit heraus ist klar, dass zum Platz hin grundsätzlich die Ausbildung eine Frontseite richtig ist. Im Widerspruch dazu ist das Gebäude quer zur Front geteilt und erhält auf der Südseite eine Gaube. Die Unbestimmtheit in der Ausrichtung wird noch verstärkt, indem die beiden Giebelfassaden hinten und vorne identisch ausgebildet sind.

    Der äussere Aufbau mit Sockel, 2 Stockwerken und dem Dachgeschoss ist klassisch, im Ausdruck jedoch irritierend historisierend. Unausgewogen sind die Verhältnisse von Fläche zu Öffnungen in den Giebelfeldern. Die Fassaden sind in Einsteinmauerwerk verputzt vorgesehen. Die grossen Sturzlängen sind in dieser Bauweise nur schwer machbar. Kritisch ist auch die Ausbildung der Abwürfe über den Fenstern in Putztechnik (Materialauftrag, Verschmutzung).
    Das Gebäude ist strukturell klar aufgebaut. Die Wohnungen sind aus der Dreiteilung des Grundrisses abgeleitet. Es ergeben sich langgestreckte Raumeinheiten, die geschickt eingeteilt und in der Hausmittelschicht um Nasszellen ergänzt sind. Die grossen Fensterflächen und Details wie die Sitznischen an der einen, die Schrank-Küchen-
    Gestellwand an der anderen Längsseite versprechen eine hohe Wohnqualität, allerdings gibt es keine Aussenräume. Die Dachwohnung ist gut aus den unteren Stockwerken abgeleitet und in das Dach eingeschrieben.

    Die Grundfläche von „klein aber fein“ ist etwa 1/4 kleiner als beim Freihof heute; das Verhältnis von Erschliessungs- zu Nutzfläche bedingt durch den kleinen Baukörper recht ungünstig.
    Insgesamt handelt es sich um einen Entwurf, der seine Qualitäten in der Einrichtung der Wohnungen besitzt, in der ortsbaulichen Setzung aber verkehrt steht und die bestehenden Gebäude mit seiner Gestalt beeinträchtigt.


INFO-BOX

Angelegt am 18.02.2014, 11:53
Zuletzt aktualisiert 21.02.2014, 15:20
Beitrags-ID 4-80851
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