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  • DE-37339 Leinefelde-Worbis
  • 02/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-152766)

Neubau der Grundschule Worbis


  • 4. Preis


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    Architekten
    Haus-mit-Zukunft | Architekten + Ingenieure, Erfurt (DE), Coburg (DE)

    Verfasser
    Thomas Weiß , Christian Kaiser , Stefanie Madsack

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitgedanke: Erweiterung + Flexibilität

    Grundidee des Entwurfes ist die Schaffung eines flexiblen Grundsystems Grundschule + Regelschule + einem Haus unter Ausbildung eines gemeinsamen Zentrums bei Beibehaltung der notwendigen Eigenständigkeiten der unterschiedlichen Schulen. Der Neubau der Grundschule ist optisch und inhaltlich als flexible Erweiterung des Bestandes gedacht. Die Anbindung und Verlängerung erfolgt im Sinne einer Erweiterung am Ende der Mittelfluranlage der Regelschule in östlicher Richtung. Der Grundgedanke der Flexibilität stellt sich in veränderbarer Nutzungsgrenze zwischen den Schulen innerhalb des Hauses dar und setzt sich im flexiblen räumlichen und statischen Konzept logisch fort. Der Neubau stellt eine Ergänzung des bestehenden Ensembles dar und verbindet den Bestand mit einer zentralen Foyer & Pausenhalle zu einem ganzheitlichen Konzept.

    Erschließung, Brandschutz & Barrierefreiheit

    Die Erschließung des Grundstücks erfolgt für die Regelschule und Grundschule getrennt von der Elisabethstraße bzw. der zukünftigen Bushaltestelle aus südlicher Richtung. Unter Ausnutzung der vorhandenen, unterschiedlichen Höhenniveaus erhalten die beiden Schulen eindeutige, eigene Hauptzugänge und Freiflächen, sowie zusätzlich einen gemeinsamen Eingang, der direkt in eine zentrale Pausenhalle mit Foyer führt. Durch den Neubau werden alle Geschosse beider Schulteile zentral über den im Foyer dargestellten Aufzug erschlossen. Im Neubau wurden wirtschaftliche Mittelflursysteme bevorzugt. Durch die unmittelbare Anbindung der Erweiterung an ein bestehendes Treppenhaus kann der gesamte Gebäudekomplex mit 3 Haupttreppenhäusern sehr wirtschaftlich und aus Sicht des vorbeugenden Brandschutz sauber erschlossen werden. Alle notwendigen Fluchtweglängen und Fluchtwegbreiten werden eingehalten. Für die Brandbekämpfung werden Trockenwandhydranten installiert. Mit Hilfe von Handfeuerlöscher erfolgt die Branderstbekämpfung. Weitere Maßnahmen wie eine automatische Feuerlöschanlage werden vorerst nicht berücksichtigt.

    Räumliche und gestalterische Umsetzung

    Zentrale Funktionen der Gemeinschaftsflächen & des Ganztagsbereiches werden im Erdgeschoss durch Aula, Speiseraum, Mehrzweckraum, Horträume und Bibliothek / Galerie zu einem alles verbindenden und offenen , ineinander fließenden Bereich umgesetzt. Ein zentrales Element stellt hierbei die Pausenhalle dar, die auch die bestehende Sporthalle bzw. Konferenzraum anbindet. Das offene und großzügige Konzept der Gemeinschaftsflächen mit Pausenhalle als besonderes Highlight wird durch die Effizienz der Obergeschosse als Mittelflursysteme kompensiert und sehr wirtschaftlich dargestellt. Der Multifunktions-Bereich als Aula und Speiseraum erhält mit der nördlich vorgelagerten Terrasse direkten Freiraumbezug und Austrittsmöglichkeiten. Das neue Gebäude und die differenzierten Freiflächen betten sich terrassenartig in die bestehende Hangsituation ein und vermitteln zwischen Eingangsniveau und Hangniveau auf der Nordseite des Areals.

    Die Schulerweiterung sitzt mit dem Erdgeschoss als Gemeinschaftsbereich ebenerdig auf dem Eingangsniveau der Regelschule und nördlichem Hangniveau. Nach Süden greift der Neubau um die Pausenhalle und mit einer „Auskragung“ bis zur südlichen Flucht der bestehenden Turnhalle. So ergibt sich unter Ausnutzung der zwei prägenden Höhenniveaus eine geschützte Eingangssituation für die Grundschule mit überdachter Pausenfläche.

    Die neuen Schulgebäude ordnen sich in moderner Architektursprache dem historischen Gebäude unter und ergänzen diese zu einem wirtschaftlichen Gesamtkonzept. Durch die gewählte Einordnung am Hang tritt der Neubau in seiner Höhenlage deutlich als bauliche Ergänzung in Erscheinung. Die historische städtebauliche Situation wird beibehalten und gestalterisch gestärkt. Die neue Schule erhält ein selbstbewusstes und zeitgemäßes Erscheinungsbild, ohne in Konkurrenz zum Bestand zu treten.

    Die neuen Gebäude erfüllen alle Anforderungen des baulichen Brandschutzes. Durch die gewählte Anordnung des zentralen Treppenhauses und Zuordnung der Klassenräume zu den notwendigen Fluren sowie Mitnutzung des Bestandstreppenhauses der Regelschule als 2.Fluchtweg werden in allen Ebenen wirtschaftliche Grundrisse mit genügend frei nutzbaren Pausen & Spielflächen gebildet. Gestalterische und spielerische Elemente finden sich im Gebäude, an den Fassaden und in den Freiflächen als Sitzmöbel, Fassadenelemente, Dachfenster und konstruktive Elemente Identitätsstiftend wieder.

    Funktionalität und Nutzung

    Die Raumverteilung erfolgt gemäß Vorgaben des Raumprogramms. Hierbei befinden sich die allgemeinen Unterrichtsräume, geschoßweise zugeordnet nach Unter- und Oberstufe in den Obergeschossen. Es werden 6 Klassenräume pro Obergeschoss angeordnet. So können Unterstufe, 1.+2. Klasse und Oberstufe, 3.+4. Klasse separiert werden.
    Den Klassenräumen ist jeweils ein Differenzierungsraum oder Vorbereitungsraum bzw. Lehrmittelraum im Tandemprinzip als System-Cluster zwischengeschaltet. Diese Clustereinheit bildet das wesentliche Grundelement der Grundrisslogik des Entwurfs. Die Mittelflure wurden effizient im Mindestmaß von 2m Breite umgesetzt, jedoch mit Aufweitungen in Form von Zugangsnischen, Sitznischen sowie Warte- und Pausenbereichen. Die sanitären Anlagen wurden in erforderlicher Anzahl dezentral angeordnet.

    Konstruktion & Materialien

    Der Neubau des Schulgebäudes wird in Stahlbetonbauweise unter Verwendung von Halbfertigteilen errichtet. Die Lastabtragung erfolgt über tragende Außenwände und die Flurlängswände. Dies ermöglicht eine frei gestaltbare und zum späteren Zeitpunkt änderbare Raumzuordnung, da die Raumquerwände veränderbar bleiben.
    Die Fassaden der Obergeschosse sind als wirtschaftliche Lösung mit WDVS-Fassaden geplant. In den wenigen Erdgeschosszonen werden Glasfassaden, bzw. Naturstein-Fassaden als robuste und langlebige Materialien bevorzugt. Die Auskragung der Grundschule in Richtung Süden wird durch Lastabtragung in die zurückgesetzten, als Gestaltungselement leicht geneigten Stahlbetonverbundstützen, wirtschaftlich dargestellt.

    Energetisches Konzept

    Aufgrund des knappen Budgets fällt die Wahl auf ein einfaches & wirtschaftliches energetisches Konzept. Wärmedämmfassaden im Niedrigenergiestandard mit 3-fach Verglasungen & intergierten Sonnenschutz & Querlüftungskonzept für den nötigen Luftwechsel. Im Neubau kommen Bauteilaktivierung der Stahlbetondecken und Fußbodenheizungen mit niedrigen Vorlauftemperaturen, sowie Prinzipien der natürlichen Nachtauskühlung zum Einsatz und sorgen in Kombination mit hohen Dämmwerten der Gebäudehülle für geringe Verbrauchskosten. Dezentrale, kleinere Lüftungsanlagen für Räume besonderer Nutzung wären möglich.

    Bauablauf und Schulbetrieb der Regelschule während der Bauzeit

    Der gewählte Standort des neuen Gebäudes erlaubt eine eingeschränkte Nutzbarkeit der Regelschule während der Bauzeit. Der Neubau kann separat errichtet werden. Die notwendigen Anbindungsarbeiten zwischen Neubau und Bestand erfordern eine Nutzungsunterbrechung der unmittelbar angrenzenden Räume. Das Treppenhaus 2 der Regelschule kann auch während der Bauzeit als Flucht- und Rettungsweg funktionieren.

    Freiraumplanerisches Konzept

    Die Freiräume im Bereich des zu bearbeitenden Areals werden als Einheit gesehen. Die Pausenflächen für Regelschule und Grundschule erfahren durch die unterschiedlichen Höhenniveaus eine natürliche Differenzierung. Eine große Sitztreppenanlage wird als verbindendes Element vorgeschlagen. Im südlichen Bereich finden sich der Bolzplatz und Spielplatz weiterhin wieder. Alle Eingänge werden barrierefrei erschlossen. Die unterschiedlichen Höhenniveaus der Freiflächen sind durch den zentralen Aufzug im Foyer barrierefrei verbunden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Entsprechend dem selbstgewählten Leitbild „Erweiterung + Flexibilität“ schlagen die Verfasser eine L-förmige Erweiterung nach Osten vor, die unter Erhalt /Teilabriss des Bestandes der Turnhalle ein robustes Grundkonzept zur Erweiterung darstellt.

    Dabei wird konsequent die Typologie der Mittelgangerschließung der Regelschule weitergebaut mit einer klaren Funktionstrennung, Hort und Aula, Unterrichtsräume, die sich um das zentrale Foyer mit Pausenhof gruppieren.

    Sowohl die Erweiterung des Gebäudes als auch die geschickte Anordnung der differenzierten Raumlösungen erscheinen durchaus flächensparend bezogen auf die zur Verfügung stehenden Grundstücksfläche.

    Der Grundcharakter des gemeinsamen Konzeptes von Regel- und Grundschule mit einer veränderbaren „Nutzungsgrenze“ prägt das Erschließungs- und Nutzungskonzept. Die ge- wählte Konstruktion lässt eine wirtschaftliche Realisierung erwarten.

    Die gewählte Architektursprache sucht die Auseinandersetzung mit dem Bestand und zitiert bekannte zeitgenössische Schulbauarchitektur, die allerdings einen Dialog mit dem Bestand vermissen lässt.

    Die Zuschnitte der Klassenräume sind ungünstig. Die zwingende Übernahme der Baugrenze ist nicht notwendig.


INFO-BOX

Angelegt am 26.02.2014, 10:15
Zuletzt aktualisiert 03.03.2014, 14:47
Beitrags-ID 4-81168
Seitenaufrufe 244

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