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  • DE-72336 Balingen
  • 02/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-153900)

Mühltorplatz


  • 2. Preis

    Modell

    Architekten
    Schlude Ströhle Richter Architekten BDA, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebaulicher Entwurfsansatz
    Der zwischen Eyach und Mühlkanal gelegene Bereich befindet sich vor der östlichen Stadtmauer. Hier siedelten sich ursprünglich Gerber- und andere Zünfte an, um ihrer Tätigkeit nachzugehen. Noch heute stehen die kleinen giebelständigen Häuser sinnbildlich für diese Zünfte vor der Stadtmauer Balingens und prägen die historische Stadtsilhouette.
    Die Entwurfsidee besteht darin, den geschilderten Kontext aufzugreifen und auf Grundlage des historischen Stadtgrundrisses in einer zeitgemäßen Formsprache fortzuführen.
    Der ehemalige Verlauf des Mühlkanals wird durch die Weiterführung des von Süden kommenden Höhenversprungs dargestellt. Analog zur Situation in „klein Venedig“ wird ein Gebäude direkt auf diese Mauer platziert. Das vor die Mauer gelagerte Gebäude zeigt sich zur Ost- und Westseite mit drei Giebelfassaden. Es fügt sich durch seine Kleinteiligkeit harmonisch in die bestehende Struktur ein und ergänzt die historische Stadtsilhouette. Durch die Verdichtung und Anordnung der Baukörper entsteht ein wohlproportionierter Platz mit hoher Aufenthaltsqualität und Altstadtcharakter. Der Mühlkanal, dessen ehemaliger Verlauf und die giebelständigen Fassaden der raumbegrenzenden Bauten verleihen dem neuen Mühltorplatz ein unverwechselbares Gesicht.

    Kenndaten / Wohnungen
    Der Entwurf erzeugt ein vielfältiges Wohnungsgemenge. Die Erschließung ist übersichtlich und klar. Es entstehen ost-, west-, und südorientierte Wohnungen unterschiedlicher Größe. Die Grundrisse ermöglichen es bei Bedarf, Wohn- und Essbereich mit der Küche zu einem großen Raum zusammen zu schalten. Jede Wohnung verfügt über einen Außenbereich. Die Wohnungen der Obergeschosse besitzen einen Balkon, die im Hochparterre gelegenen Wohnungen des östlichen Gebäudes verfügen über eine Terrasse mit kleinem Grünbereich. Alle Wohnungen sind an die Tiefgarage angeschlossen und über Aufzüge barrierefrei erreichbar. Ebenerdig am Mühltorplatz befinden sich zwei Gewerbeeinheiten.

    20 Wohnungen / 2 Gewerbeeinheiten
    7 Zweizimmerwohnungen 54,4 – 69,6 qm
    7 Dreizimmerwohnungen 79,2 – 99,7 qm
    5 Vierzimmerwohnungen 102,2 – 130,7 qm
    1 Dreizimmer – Maisonettewohnung 111,6 qm

    Architektur und Ausdruck
    Das Erscheinungsbild der Gebäude wird geprägt durch die steilen Pfettendächer und die Fassadengliederung. Das Zusammenspiel aus gestrichenen Flächen, Glas und Holz sorgt für ein interessantes Erscheinungsbild. Alle Materialien werden soweit wie möglich natur belassen verwendet. Die Werkstoffe sollen in Ihrer Haptik erlebbar sein. Farbe wird sehr zurückhaltend eingesetzt und dient als architektonisches Gestaltungsmittel, um einzelne Bereiche besonders hervorzuheben.

    Energie / Wirtschaftlichkeit
    Die kompakten Baukörper zusammen mit einer hochgedämmten und winddichten Hülle [Blower-Door-Nachweis] sind die Grundlage für energetisch nachhaltige und wirtschaftliche Gebäude.
    Die klaren Gebäudestrukturen lassen eine gute Lastabtragung erwarten. Durch eine rationelle Bauweise und dem Einsatz langlebiger Materialien in solider Verarbeitung entsteht ein sehr qualitätvolles Ambiente.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Konzeption wird aus dem historischen Stadtgrundriss heraus weiter entwickelt und schafft klare Straßenräume, Gassen und einen attraktiven Mühltorplatz. Wegebezüge aus der Stadtmitte an die Eyach werden aufgezeigt, der neue Platz bildet eine, den Ort prägende räumliche Gelenksituation.

    Durch Arrondierung des Bestandes, eine Fortführung der giebelständigen Gebäude entlang des Flusslaufs der Eyach und, ein in den Platzraum eingestelltes Gebäude entsteht ein Stück Stadtreparatur, welche geschickt Bestand und Neuplanung zu einem neuen städtebaulichen Kontext zusammenfügt.

    Der westliche Höhensprung entlang des Mühlkanals wird gestalterisch durch Sitzstufen und eine Treppenanlage im Platzbereich thematisiert und findet seine räumliche Fortführung bis zur Färberstraße, wodurch attraktive Blickbezüge und Orientierungen entstehen. Die bestehende Fischtreppe wird fast selbstverständlich in diese Gestaltung einbezogen.

    Die von Osten erschlossene Tiefgarage bindet alle Neubauten barrierefrei an. Die zur Eyach orientierten drei giebelständigen Neubauten werden geschickt über „ein“ Erschließungselement erschlossen. Die beiden weiteren Neubauten „Beim Mühltor“ sind richtig erschlossen, schaffen gut orientierte und belichtete innerstädtische Wohnsituationen. Es entstehen attraktive, gut ausgerichtete Wohnungsgrundrisse und Wohnungstypologien. Die ebenerdigen Übergänge zum Uferbegleitweg werden positiv bewertet, es entstehen keine Barrieren bzw. Sockelzonen.

    Kritisch werden die geplanten Fugen zwischen den Neubauten empfunden, da hier eingeengte, dunkle Zwischenräume entstehen. Durch die zwei Höhenniveaus des geplanten Mühltorplatzes entstehen in Teilbereichen eingeschossig erdüberdeckte Tiefgaragensituationen, die zu hinterfragen sind.

    Die Architektursprache die von der Umgebungsbebauung abgeleitet wird, wirkt eher verhalten und lässt die Entschiedenheit, Klarheit des städtebaulichen Ansatzes vermissen. Die vorgeschlagene lichte Raumhöhe ist zu überprüfen.

    Der Entwurf stellt einen in Proportion, Duktus und Interpretation des Stadtraums stimmigen Beitrag einer zukünftigen Stadtentwicklung dar. Die entstehenden Räume überzeugen und schaffen einen Ort neuer Identität und für seine zukünftigen Bewohner ein attraktives Stadtviertel „Am Mühltorplatz“.