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  • DE Freiburg
  • 10/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-4665)

Platz der Alten Synagoge


  • 1. Preis

    Platz der alten Synagoge aus der Vogelperspektive

    Landschafts- / Umweltplaner
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Schedlbauer, Miriam Fay

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: rosenstiel architekten, Freiburg im Breisgau (DE)
    Designer: 3d fotoreal | Visualisierung & Graphik-Design im Raum, Buchenbach (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Einbindung

    Der Rotteckring bildet den Abschluss und Übergang des mittelalterlichen Stadtkerns zur westlichen Innenstadterweiterung. Durch die Unterbrechung des Verkehrs und Neugestaltung des Platzes besteht die Möglichkeit, im Kontrast zum mittelalterlichen Stadtkern einen offenen, weitläufigen Platz moderner Prägung zu schaffen. Gleichzeitig sollen die historischen Wurzeln spürbar bleiben.
    Entgegen des gesellschaftlichen Trends zur Privatisierung des Öffentlichen Raumes aus einer verschärften Ökonomisierung der städtischen Erlebniswelt bietet sich am „Platz der alten Synagoge“ die Chance für einen neuen öffentlichen Platz in Freiburg. Heute teilt sich der städtebauliche Raum in drei beschränkt öffentliche Nutzungsbereiche: Universitätsvorplatz, Theatervorzone und eine große Verkehrsfläche im Zentrum des Platzraumes. Ein erlebbarer Gesamteindruck ist nicht spürbar.
    Es ist deshalb Ziel der Planung, die bestehenden Platzkanten herauszuarbeiten, fehlende Platzkanten durch Baumpflanzungen zu ergänzen und die angrenzenden Straßenräume durch Verengungen klarer herauszuarbeiten.
    Der neue Platz wird bewusst in den Stadtgrundriss integriert. Er verbindet in Zukunft drehscheibenartig die angrenzenden Stadtquartiere mit den großen Fußgängerströmen und die um ihn liegenden zentralen Einrichtungen Theater, Universität, Universitätsbibliothek und Regierungspräsidium.
    Auf den in der Auslobung hingewiesenen Konflikt zwischen einem erlebnisreichen, flexibel nutzbaren, öffentlichen Platz und den berechtigten Interessen der Universität, einen störungsfreien Lehr- und Forschungsbetrieb zu ermöglichen, antwortet das vorgeschlagene Konzept mit einer sensiblen Ausweisung von Nutzungs- und Erlebniszonen auf der Platzfläche: Ruhe, Entspannung und Besinnlichkeit im Süd-Ost-Dreieck des Platzes (vor den Universitätsgebäuden); Dynamik und Aktivität um das neue multifunktionale Platzhaus an der Fußgängerachse Bertoldstraße. Das Theater wird mit Wasser und Beleuchtung stärker inszeniert und kann ohne die abschrankende Baumpflanzung und Verkehrszäsur tiefer in die Platzfläche hineinwirken.

    Platzgestaltung

    Der Platz wird ruhig und zurückhaltend gestaltet, um die Platzkanten wieder zur Geltung kommen zu lassen. Intensivere Nutzungsangebote und Einbauten werden an die Ränder verlagert, dadurch werden nochmals die Platzkanten gestärkt.

    Die vorhandenen und für Freiburg typischen Natursteinpflasterbeläge werden aufgenommen und bilden einen Rahmen für den Platz. Als einheitliches Material könnte Rheinkiesel verwendet werden, das auch schon vor dem KG II sowie vor dem Theater liegt. Die Bertoldstraße bleibt im Bestand erhalten, auch hier bilden die Rheinkiesel einen Rahmen. Für die zentrale Platzfläche wird ein größerformatiger Plattenbelag vorgeschlagen, um einen großzügigen Eindruck zu erzeugen. Die Farbigkeit orientiert sich an den umliegenden Gebäuden, vorgeschlagen wird ein Sandsteinbelag in gelb-beige-rot.

    Die Platzkante im Norden wird durch die Gebäude entlang der Bertoldstraße gebildet, als Raumfilter wird ein Platzhaus vorgeschlagen, das einen Ort definiert, der bei Veranstaltungen als Bühne, Bar, oder Café dienen kann. Hier werden auch Nutzungen wie WC und Stadt-Information untergebracht.

    Als Gegenpol zu dieser Aktivitätszone wird zur Erinnerung an den Standort der Alten Synagoge ein ruhiger Wasserspiegel entwickelt. In Verbindung mit langen Steinbänken aus dem Material des Platzes entsteht ein ruhiger Ort des Treffens und Verweilens.

    Der unmittelbare Bereich vor dem KG wird dagegen frei gehalten von Nutzungen, ein Baumfilter aus kleinkronigen Bäumen, z.B. Japanische Kirschen ermöglicht den störungsfreien Lehrbetrieb, ohne die städtebauliche Wirkung des Gebäudes als Raumkante einzuschränken.

    Das Theater wird in seiner Bedeutung für den Stadtraum herausgearbeitet, die Auffahrt mit Freitreppe wird als Ensemble erhalten. Zur Inszenierung und Einbindung auf dem Platz werden die flankierenden Mauern mit einem Wasservorhang versehen, das Wasser mündet in ein vorgelagertes Wasserbecken. Nachts wird die Wirkung auf dem Platz durch eine effektvolle Beleuchtung noch gesteigert.
    Die seitlichen Bereiche im Übergang zur neuen Universitätsbibliothek sowie zu den vorhanden Gastronomieeinrichtungen an der Bertoldstraße werden durch Sitzstufen geöffnet und belebt.

    Architektur \"Platzhaus\"

    Das Platzhaus ist als Solitärgebäude im städtebaulichen Raum konzipiert. Die Zeichenhaftigkeit der Architektur markiert das neue Platzerlebnis. Die Fassade ist zweischalig aus spiegelnden Glasflächen. Zwischenräume können zur Information und als Ausstellungsfläche genutzt werden. Um einen massiven Betonkern ist ein Stahlfachwerk konstruiert, daß beidseitig verglast wird.
    Die Infrastruktur des Platzes wird aus dem Gebäude bedient. Strom, Wasser, Beleuchtung, Medientechnik werden angeboten. Für möglichst viele unterschiedliche Ereignisse der urbanen Lebenswelt ( Feste, Filme, Musik, Sitzen, Tanzen, Essen und Trinken um das Platzhaus oder nur Schauen auf die große Bühne vor dem Stadttheater).

    Beleuchtungskonzept

    Die Beleuchtung unterstützt die beabsichtigte Wirkung eines großzügigen, freundlichen und offenen Platzes. Durch eine Beleuchtung über die Fassaden wird eine Grundhelligkeit erzeugt, die Platzkanten werden auch nachts zum tragenden Element, wobei das Theater durch seine Anstrahlung sowie die Illuminierung von innen heraus wiederum eine besondere Stellung einnimmt. Dadurch kann weitestgehend auf zusätzliche Leuchtkörper auf dem Platz verzichtet werden.
    Lediglich entlang dem KG II werden als Raumfilter in Verlängerung des Platzhauses 4 markante Leuchten vorgeschlagen, die durch ihre indirekte Lichtführung ein angenehmes, blendfreies Licht auf den Platz geben. Der Platz wird zur Bühne für die verschiedensten Veranstaltungen oder spontane Events.
    Einzelne Situationen, wie der Wasservorhang am Theater oder der Wasserspiegel anstelle der alten Synagoge werden durch eine stimmungsvolle Inszenierung hervorgehoben.

    Das Platzhaus wird nachts zum leuchtenden Objekt und Kristall auf dem Platz.

    Energiekonzept

    Es wird vorgeschlagen, flächenbündige Solarpaneele auf dem Dach des „Platzhauses“ anzubringen. Weiter wäre zu prüfen, im tiefer liegenden Gewerbekanal eine kleine Wasserturbine zu installieren.

    Verkehr / Erschließung / Fahrräder

    Die Straßenbahn wird geradlinig und möglichst unauffällig über den Platz geführt, die notwendigen Erschließungsflächen werden parallel geführt und ebenfalls in den Platzbelag integriert. Markierung der befahrenen Zone (Straßenbahn, Anlieferung und Fahrverkehr) erfolgt durch LED-Katzenaugen. Durch die Öffnung des Platzes werden neue diagonale Fußwegbeziehungen in und aus allen Richtungen entstehen. Die Hauptverkehre über den Platz Straßenbahn, Anliegerverkehr und die zahlreichen Radfahrer bewegen sich parallel zur Straßenbahnachse. Fahrradabstellplätze werden in der benötigten Anzahl jeweils in Zuordnung zu den Gebäuden und Eingängen angeordnet. Die Aufstellung der Busse für das Theater wird parallel zur Straßenbahn im Vorbereich des Theaters, mit Nachrückerplätzen im Rotteckring vorgeschlagen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ein großzügiger Teppich aus großformatigen Sandsteinplatten wird über den Platz gebreitet. Dieser kann je nach Bedarf bespielt werden, jegliche Festlegung und Vorprägung für später anfällige Nutzungen wird vermieden. Der Rahmen aus Rheinkieseln nimmt vorhandene Beläge und Anschlüsse auf. Dort sollen Aktivitätszonen angeboten werden, die mit den angrenzenden Nutzungen in den Gebäuden am Platz korrespondieren. Der Platz tritt in den Dienst der Gebäude und nimmt sich in vornehmer Haltung zurück, ohne gesichtslos zu bleiben. Der kräftige farbige Sandstein unterstreicht und betont die vorhandene Farbigkeit un d bindet die sehr unterschiedlichen Häuser zu einem Ensemble zusammen. Die funktionalen Bedürfnisse der Anlieger ( nach Ruhe oder Belebung ) werden dabei respektiert, ohne Ausgrenzungen vorzunehmen, vielmehr wird den dominanten Gebäuden eine Plattform geboten.
    Dieses starke und zurückhaltende Grundkonzept wird durch einzelne gezielt gesetzte Installationen bereichert:

    Ein Infopavillon in der Nordostecke, der in seiner Anmutung mit der neuen Bibliothek korrespondieren könnte. Dort wird alles Nützliche untergebracht, das sonst störend verteilt werden müsste. Auch werden dort die großen Platanen erhalten. Während auf die Kastanien vor dem Theater konsequent verzichtet wird.

    Den Eingängen zugeordnete Fahrradabstellplätze.

    Kirschbäume (auch diese unterstützen die Farbigkeit dezent), die eine Ruhezone vor dem Kollegiengebäude II zonieren. Sie ersetzen die eigentlich schönen Platanen, (was im Preisgericht kritisch diskutiert wird), um mit der Nordfassade des KG II dieses stärker in den Platz einzubinden.

    Ein Wasserspiegel als Erinnerung an den Standort der Synagoge.

    Ein stark aufgewerteter Zugang zum Theater mit Wasserbecken, der aber aussehen wird, als sei er schon immer so gewesen.

    Auch das Lichtkonzept unterstützt den zurückhaltenden und fast vornehm zu nennenden Entwurf, indem die Gebäude, die den Platz erzeugen, die Hauptrolle spielen und sonst nur sorgfältige Akzente gesetzt werden. Alle verkehrlichen Belange werden berücksichtigt, ohne dass sie funktional in den Vordergrund treten würden. Auch auf die Umgebung wird sparsam aber sorgfältig mit angemessenen Mitteln eingegangen.
    Alle Kraft wird bei diesem Entwurf aus den hochwertigen, sorgfältig gewählten Materialien geschöpft. Ohne formalistischen Aufwand wird das Vorhandene zum Ausgangspunkt gemacht und modisches Gehabe vermieden. Allein die Aufenthaltsmöglichkeiten zum freien Sitzen sind allzu sparsam gesetzt, dies Angebot müsste und kann sicherlich erweitert werden. Ansonsten ist der Entwurf in jeder Hinsicht durchdacht und sorgfältig durchgearbeitet. Gerade in der Zurückhaltung und korrespondierenden Haltung könnt das Ziel erreicht werden, den Charakter der Stadt mit diesem neuen Platz zu unterstreichen.