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  • DE-88239 Wangen
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-149802)

Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024


  • 5. Preis

    Perspektive Bürgerpark | QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur + Manuel Bäumler

    Landschaftsarchitekten
    QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Frank Großkopf , Daniel Stöcker-Fischer , Annegret Stöcker

    Mitarbeit
    Sophia Till

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Prof. Manuel Bäumler, Dresden (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitideen / Übergeordnetes Konzept

    Die wirtschaftlichen Entwicklungen mit dem einhergehenden Wandel von einem Produktions- zum Dienstleistungsstandort machen auch vor Wangen nicht halt. Planerische Herausforderung ist es diesem Trend neue, positive Impulse für die zukünftige Ausprägung der Stadt- und Parklandschaft Wangens entgegenzusetzen. Gefragt sind tragfähige Ideen für einen zukunftsweisenden Umgang mit der vorhandenen denkmalgeschützten Bausubstanz einerseits und die Schaffung neuer Verknüpfungspunkte zwischen dem vorhandenen Grün und der Stadt anderseits.
    Ein zentrales Anliegen ist es den urbanen Raum mit der umgebenden Landschaft zu verflechten. Essenziell sind dabei, die als horizontales Bindeglied angelegten Alleen, welche den Landschaftsraum mit dem Stadtgebiet verweben. Gleichzeitig wird so besonders die Verbindung zwischen der Altstadt und den städtebaulich neu entwickelten Gebieten „ERBA-Gelände“ und „Auwiesensiedlung“ gestärkt. Hervorzuheben sind hier insbesondere der neugeschaffene „ERBA-Platz“ als Auftakt des neuen Städtebaues und der entstehende Festplatz als Tor zur Altstadt. Diesen Freiräumen kommt als jeweiliger Schnitt- und Übergangspunkt eine hohe funktionale Bedeutung zu. Senkrechte Alleen stärken zusätzlich die Verknüpfung der Stadt in die angrenzende Parklandschaft hinein. Generell entsteht so ein Spannungsbogen zwischen artifizieller Natur am Kanal und im Bereich des Stadtgebietes und den natürlichen Vegetationsstrukturen an der Oberen Argen.
    Ein stark vernetztes Wegesystem verläuft in unterschiedlichen Hierarchiestufen durch den gesamten Planungsraum entlang der Oberen Argen und erschließt die Abfolge der einzelnen Parkanlagen: Hochwasserente, Bürgerpark und ERBA-Park, um diese Freiräume untereinander zu verbinden und aufzuwerten. Dabei entsteht in räumlicher Abfolge ein Wechselspiel zwischen räumlicher Enge und einer inszenierten neu geschaffenen Weite. Strukturiert werden die Wege teilweise durch gewebeartige Belagsstrukturen - als Reminiszenz an das vormalig stadtbildprägende Standbein der Stadt.

    Parkanlagen

    Kennzeichnend für die Parkanlagen ist der Wechsel zwischen Enge und landschaftlicher Weite. Von der Altstadt kommend bleibt die Enge und Dichte der Stadt noch im Bereich des Parks an der Hochwasserente bestehen. Der Rosengarten wird mittels eines Rundweges mit der Fischtreppe auf der Argeninsel und dem Altenheim verbunden. Weiter führt der Weg in Richtung Bürgerpark. Dort weitet er sich netzartig auf und durchzieht so die Landschaft. Der eigentliche Park ist hier der „grüne Rand“. Er besitzt eine differenziert ausgestaltete Flächenbelegung mit unterschiedlichen Funktionen zur Schaffung neuer Aufenthaltsqualitäten. Es finden dabei unter anderem der Caravan-Stellplatz, eine Anzahl von Spielplätzen, Freiflächen für Volleyball, Tischtennis, Klettern und eine Vielzahl von Pflanzungen ihren Platz.
    Das umlaufende Grün inszeniert so die landschaftliche Weite der inneren Freiflächen, welche durch Sportanlagen gefüllt wird. Zentral im Park gelegen, führen die Wege zusammen zu einem Platz, welcher als „Verteiler und Treffpunkt“ für die möglichen sportlichen Aktivitäten fungiert und über eine Treppenanlage den Flussraum mit einbezieht. Wiederkehrende Bastionen entlang der Wege verknüpfen in die Weite. Wegbegleitend werden Elemente eines Trimm-Dich-Pfades installiert. Weiter verläuft das Wegenetz durch das Nadelöhr am Viadukt, weitet sich in Richtung des ERBA-Parks wieder auf und erschließt somit den Landschaftsraum, das neu entstandene Städtebauareal und den Kanalweg. Die Auwiesensiedlung bildet dabei den Kern des Erbaparks, welcher das gesamte Areal umspült und in das Siedlungsgebiet hineindringt.

    Städtebauliche Entwicklung

    Mit der Schaffung einer platzartigen Gestaltung im Bereich Kurparkstraße wird eine deutliche Aufwertung der städtebaulichen Strukturen zwischen dem ZOB und der Brunnenstraße erreicht. Neben einer klaren, einheitlichen und identitätsstiftenden Gestaltung für die gesamte Fläche durch die Reduzierung der Materialvielfalt, wird der bewusste Umgang mit der allseits präsenten Topografie thematisiert. Die fächerartig gestalteten Sitzstufenelemente wirken gliedernd auf den Platz und lösen gleichzeitig die anspruchsvolle Topografie zu einer gestalterischen Leichtigkeit. Vegetativ dominieren dachförmig geschnittene Zieräpfel und üppige gebänderte Staudenpflanzungen, so dass eine durchgehend hohe Aufenthaltsqualität entsteht. Gleichzeitig wird so die Verknüpfung der beiden Parkteile untereinander und eine Verwebung des Stadtgebiets mit der Parklandschaft erreicht.

    Städtebauliches Entwicklungsgebiet

    Der Bereich der ehemaligen Paracelsiusklink wird städtebaulich komplett neu entwickelt. Es entsteht eine in drei Terrassen gegliederte Bebauung mit energetisch effizientem, ökologischem Wohnanspruch im Passivhaus-Standard. Geplant sind gestaffelte Stadtvillen in flexiblen Bebauungsformen mit direktem Bezug zum Kurpark. Strukturell erfolgt ein Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Zeilen gegliedert durch abwechslungsreiche Quartiersplätze. Für PKW wird das Gelände komplett über Tiefgaragen erschlossen. Ziel ist die Schaffung von Wohnqualitäten für ein Zusammenleben mehrerer Generationen in einem Quartier. Die angrenzende Streuobstwiese steht als Erweiterungsfläche zur Verfügung, soll aber derzeit in Ihrer Freiraumqualität gestärkt werden um den Charakter des Ortes zu unterstreichen und nur im Bedarfsfall für eine bauliche Nutzung freigegeben werden.

    Spielen am Fluss

    Der Festplatz ist gefasst durch einen umlaufenden Rand aus Vegetation und darin angeordneten Funktionselementen. Der Blick auf die Fassade der Stadthalle wird freigestellt. Die Stellplätze südlich der Turnhalle dienen dem Dauerparken. Der Festplatz steht als flexible Parkplatzfläche zur Verfügung. Die Straßenführung im Platzbereich wird abgeändert um die Platzstruktur zu schärfen.

    Ausstellungskonzept

    Grundsätzlich gliedert sich das Ausstellungsgelände in zwei Teile. Zum einen werden die Flächen des neuen Städtebaues auf dem alten ERBA-Gelände und am Auwiesenweg genutzt. Zum anderen findet die Ausstellung im neugestalteten Bürgerpark ihren Platz. Die Erschließung der beiden Gelände erfolgt durch mehrere Zugänge, so dass die Besucher zwischenzeitlich auch den angrenzenden Landschaftsraum erkunden können.
    Der Auftakt für das ERBA-Areal befindet sich am Spinnerreiplatz Die hier vorhandenen historischen Industriegebäude beherbergen Gastronomie und Information und bieten gleichzeitig die räumlichen Möglichkeiten für Seminare, Workshops, Hallenschauen und die Präsentation regionaler Produkte. Der neu geschaffene Landschaftskeil beherbergt Ausstellungsflächen zum Thema Energie und Landschaft. In Richtung des ERBA-Platzes finden sich weitere Ausstellungsflächen für Blumenschauen. Auf den Museumsterrassen und den Wegen des angrenzenden Hochkanals wird das Thema Energieerzeugung und die industrielle Geschichte der Bauwollspinnerei in den Mittelpunkt gerückt. Der Platz selbst bietet sich für die Nutzung zu Veranstaltungen an und beherbergt ebenfalls Gastronomie. Gleichzeitig kann hier auch das Gelände der Landesgartenschau betreten oder verlassen werden. Über den ERBA-Platz erschließt sich ebenfalls die Auwiesensiedlung. Hier besteht die Bebauung bereits in ihren Rändern und beherbergt in ihrem Inneren ebenfalls Ausstellungsflächen.
    Auf dem Weg zum Ausstellungsareal des Bürgerparks wird das Gelände verlassen. Markant ist der Eintritt in das Ausstellungsgelände im Bereich des Eisenbahn-Viaduktes gestaltet. Die darauffolgenden Flächen spielen mit den unterschiedlichen Wasserständen. Auch im Bürgerpark beherbergt der vorhandene Platz die Gastronomie und eine Information. Ein „grünes Klassenzimmer“ läd auf der Argeninsel zum Erforschen und Erkunden der beheimatenden Flora und Fauna ein. Der nördliche Zugang zum Gelände findet sich ausgehend von den Parkflächen am Festplatz. Der umlaufende grüne Gürtel des Parks ist gefüllt mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Ausstellungsbereichen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser erkennen die Besonderheiten des Ortes, die naturräumlich prägende Argen sowie die weitgehend intakte Altstadt und entwickeln hieraus mit neuen städtebaulichen und landschaftsarchitektonischen Elementen eine ebenso einprägsame wie ortstypische Szenenfolge von reizvollen Impressionen unterschiedlicher Intensität und spezieller Idylle.

    Die Leitidee, den urbanen Raum mit der umgebenden Landschaft zu vernetzen als „Stadtgeflecht“ ist durchgängig spürbar und wird von der Jury gewürdigt.

    Das ERBA-Areal ist planerisch feinsinnig umgesetzt. Spinnereiplatz, Museum und Museumsterrasse lassen eine hohe Aufenthaltsqualität erwarten.

    Der Umgang mit der historischen Bausubstanz wird kritisch gesehen. Die Anbindung zum Landschaftsraum Richtung Lindauer Straße durch einen klar definierten ´Landschaftskeil´ mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten ist gelungen.

    Die Neubebauung Auwiesenareal wird kontrovers diskutiert, könnte jedoch als in sich geschlossenes eigenständiges Quartier gut funktionieren.

    Der überarbeitete und vergrößerte Festplatz liegt städtebaulich richtig zur Altstadt und ist über die vorgeschlagene neue Kanalbrücke fußläufig an die Argeninsel und über eine weitere Brücke an das Pflegeheim und Bürgerpark angebunden.

    Die Argeninsel wird durch neue Fußwege erschlossen und aufgewertet, was von der Jury begrüßt wird.

    Die Caravanstellplätze unter grünen Strukturen „verschwinden“ zu lassen ist gut.

    Ein wichtiger und richtiger Konzeptbestandteil ist der durchgängige Versuch konfliktträchtige Situationen durch Grünelemente zu entschärfen und zur Wohnbebauung eine Abschirmung zu schaffen.

    Die baulichen Eingriffe am Argenufer sind vertretbar, werden jedoch aus ökologischer Sicht kritisch gesehen.

    Der Umgang mit dem Hochkanal wird begrüßt und ist vom Geist des Ortes abgeleitet. Der Entwurfsgedanke, mit artifizieller Natur am Kanal und natürlichen Vegetationsstrukturen an der Argen einen Spannungsbogen aufzubauen, ist gelungen.

    Das aufgezeigte Angebot an Spiel- und Sporteinrichtungen ist ausreichend und gut platziert.

    Das Flächenlayout für die temporären Einrichtungen der Landesgartenschau ist gut ausgearbeitet und realistisch.

    Insgesamt stellt der Entwurf einen in sich schlüssigen Beitrag dar. Die Umsetzbarkeit ist gegeben. Die Wirtschaftlichkeit und der zu erwartende Pflegeaufwand bewegen sich im mittleren Bereich.