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  • DE-88239 Wangen
  • 04/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-149802)

Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024


  • Anerkennung

    Stefan Fromm Landschaftsarchitekten | Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA Perspektive ERBA

    Landschaftsarchitekten
    Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Fromm

    Mitarbeit
    Florian Thurn

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE)

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    GESAMTKONZEPT

    „Aus der Barriere eine Mitte machen“

    Diese Idee liegt dem Konzept zum Umgang mit dem Triebwerkskanal zugrunde. Die heute noch trennende Wirkung des Kanals als Längsbarriere zwischen wichtigen Stadt- und Landschafts-bereichen Wangens soll durch einen neuen Umgang mit dem denkmalgeschützten Bauwerk aufgehoben werden. Ein 2 m breiter, mittig über dem Wasser „schwebender“ Steg durchzieht den Kanal vom neu gestalteten Inselkopf bis zur Turbine im ERBA-Areal und macht ihn dadurch attraktiv, nutz- und erlebbar. Zahlreiche gestaltete Übergänge in Form von Stegen, Plattformen, Treppenanlagen, Über- und Unterführungen schaffen Querungsmöglichkeiten und nehmen wichtige Wege- und Funktionsbeziehungen auf. Vom Steg aus hat man eine schöne Aussicht in die angrenzenden Bereiche. Auf diese Weise entsteht eine neue „Mitte“ zwischen den Schulbe-reichen und den Sportanlagen auf der Argeninsel bis hin zum Bürgerpark, zwischen ERBA-Ge-lände, Auwiesensiedlung und dem neuen ERBA-Park. Der zentrale Steg strahlt nach beiden Sei-ten gleichermaßen aus und könnte zu einem neuen identitätsstiftenden Element in der Garten-schaustadt Wangen werden.

    Konsequente Erschließung des Talraums

    Darüber hinaus stellt die Argen selbst das verbindende Landschaftselement im Argentalraum dar. Durch Lückenschlüsse wird eine durchgehende Argenpromenade geschaffen - zumindest auf der Ostseite, beginnend am Parkplatz P14 jenseits der Gallusbrücke bis zu einem neuen Übergang an der Landfarerwiese und ab da auf der Westseite durch den neuen ERBA-Park vorbei an der Turbine bis nach Lottenmühle. Entlang dieser Promenade sind zahlreiche neue und neu gestaltete landschaftliche und architektonische Elemente aufgereiht, so dass ein vielfältig nutzbarer und erlebnisreicher Fußweg entlang der Argen entsteht.


    EINZELBEREICHE

    Auftakt am P14/ Argencenter

    Ausgehend vom P14 spannt ein unter der Gallusbrücke durchgeführter Platz den Bogen zum Argencenter und zum Argenufer entlang der Altstadt, die über die bestehende Brücke und die Grünflächen mit den Gärten an der Stadtmauer eingebunden wird. Rasenstufen zum Wasser betonen die städtebaulich markante Uferpartie gegenüber der historischen Altstadtkulisse.

    Park an der Hochwasserente

    Diese kleine Grünanlage soll räumlich geordnet und zurückhaltend entwickelt werden. Die Hoch-wasserente bildet den Mittel- und namensgebenden Identifikationspunkt des Parks. Zu den an-grenzenden Privatanwesen bilden mit Hecken gefasste „Argengärten“ einen grünen Raumab-schluss. Der Uferweg wird konsequent am Fluss entlang geführt.

    Argeninsel

    Der Auftakt des Triebwerkskanals wird in Verbindung mit dem bereits geplanten Umgehungsgerinne, dem Wehr und zwei neuen Brücken zu einem wichtigen Punkt umgestaltet - dem Inselkopf. Hier entsteht ein attraktiver Aussichtspunkt als „Bugsituation“ zwischen beiden Gewässern sowie ein Erlebnis- und Spielbereich im Zusammenhang mit dem Umgehungsgerinne. Die Sportanlagen werden im Wesentlichen beibehalten, die Vereinsheime in eine quergerichtete, die Insel überspannende, verbindende Freiraumstruktur einbezogen. Die Mittelachse zwischen den beiden Sporthallen wird zur zentralen Verbindungsachse zwischen dem Schulareal und dem Bürgerpark. In Längsrichtung wird die Insel durch wasserbegleitende Wege konsequent erschlossen.

    Festplatz

    Der Bereich zwischen der Gewerbeschule, Sporthalle und der ehem. Feuerwehr wird komplett neu gestaltet. Die Mitte bildet ein neuer Fest- und Rummelplatz, der im Alltag als Parkplatz genutzt wird. Im westlichen Bereich wird ein „Schulgarten“ als Pausenfläche der Gewerbeschule zuge-ordnet. Die Erschließungssituation wird neu geordnet. Der Aumühleweg wird von der Jahnstraße senkrecht zum Kanalweg geführt, so dass klar geordnete Freiraumstrukturen und eine bessere Orientierung zum Kanal und zur Insel entstehen. Das ehem. Feuerwehrhaus kann zum Jugend- oder Vereinshaus umgestaltet und in diese Struktur eingebunden werden. Die überalterten Baum-bestände werden überplant. Neue Baumreihen unterstützen die herausgearbeiteten Bezüge.

    Bürgerpark

    Der neu gestaltete Bürgerpark stellt die größte Grünfläche innerhalb des Wettbewerbsgebietes dar. Ihm kommt daher zentrale Bedeutung zu. Einen großen Teil der Fläche nehmen allerdings die drei Großsportfelder ein, die sich jedoch durch eine Neuordnung in Verbindung mit dem gewün-schten Parkplatz gut in das Konzept integrieren lassen. Die Mitte des Parks stellt das markante Parkcafé dar, das im Schnittpunkt der Wegebeziehungen einen Anziehungspunkt mit attraktivem Platz am Wasser darstellt. Ein Generationenspielplatz, Spiel- und Liegewiesen und Zugangs-möglichkeiten zum Wasser sowie gestaltete Bürgergärten ergänzen das Freizeitangebot für alle Altersgruppen. Das Pflegeheim erhält eine attraktive Lage am Park und wird mit seinen Freian-lagen in die Parkgestaltung einbezogen.

    Auwiesensiedlung

    In Ergänzung der bereits geplanten Geschossbauten wird zum neuen ERBA-Park hin eine klare Baustruktur in Form von Punkt- und Zeilenbebauung vorgeschlagen. Die Gebäude stufen sich höhenmäßig zum Park ab und umschließen kleine kommunikative Wohnhöfe. Durch Einbeziehung der vorhandenen Reithalle und des Schützenvereins entsteht eine geordnete Baustruktur, die einen klar definierten Übergang zum Landschaftsraum darstellt. In der Auwiesensiedlung ist eine vielfältige und kleinteilige Nutzungsmischung gewünscht und auch möglich.

    ERBA-Areal

    Der enorme Bestand an historischer Bausubstanz stellt die Grundlage für ein neues, vielfältiges und attraktives, urbanes Stadtquartier dar. Die erhaltenswerten ERBA-Gebäude wie Alte und Neue Spinnerei, Kesselhaus, Werkstätten, aber auch ein Teil der Hallen werden zu nicht störenden Ge-werbe- und Handwerksflächen, Bürolofts sowie einem Museum umgebaut. Außerdem könnten hier die Vereine aus der Auwiesensiedlung untergebracht werden. In zusätzlichen Baufeldern sollen neue Wohnquartiere in Form von Wohnhöfen sowie ergänzende Nutzungen wie Büros, Praxen und ein Restaurant am Platz entstehen. Eine als Boulevard gestaltete zentrale Achse erschließt das ERBA-Quartier und bildet eine Spange zwischen zwei öffentlichen Platzsituationen als Zentren des öffentlichen Lebens.

    ERBA-Park

    Durch vielfältige Wegebeziehungen wird der ERBA-Park zum verbindenden Grünelement zwi-schen ERBA-Areal und Auwiesensiedlung mit starkem Bezug zu den beiden Wasserläufen Argen und Triebwerkskanal. Der Letztere stellt das zentrale Freiraumelement mit hoher Aufenthalts- und Gestaltqualität auf beiden Seiten dar (Sitzstufen, Holzsteg mit Aussichtsplattformen, Unterfüh-rungen u.a.). Einige Gärten und ein Spielbereich an der Argen schaffen den Bezug zum Fluss, der heute in diesem Bereich kaum zugänglich ist. Eine große ruhige multifunktionale Rasenfläche bildet die ruhige Mitte des Parks.

    Landschaftspark Argen

    Ausgehend von in den Landschaftsraum ausstrahlenden Gebäudestrukturen (Arbeitersiedlung, Altenheim) entsteht eine in Längsrichtung gegliederte Grünstrukturen mit intensiver Randnutzung (Velodrom, Sportflächen) und einer ruhigen Mittelzone. Wege erschließen den Park und binden an wichtige Punkte (Sattel, Argeninsel) an.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit entwickelt ausgehend von einem gelungenen Auftakt eine klare Wegeführung südlich der Argen. Der Altstadt wird ein zurückhaltend gestalteter Freiraum gegenübergestellt.

    Im Bereich des Bürgerparks wird ein Café vorgeschlagen. Dieses tritt in Konkurrenz zu bereits vorhandenen Einrichtungen z.B. im Sportzentrum. Dem neuen Baukörper vorgelagert wird mit einer Treppenanlage ein Zugang zur Argen geschaffen. Dieser wirkt steinern und starr. Die Argen in ihrer Dynamik als alpiner Fluss kann nicht erlebt werden.

    Die Sportplätze werden neu organisiert. Die Ausrichtung des Turnierplatzes ist höchst problematisch. Es ist nicht erkennbar, was mit diesem massiven Eingriff gewonnen wird. Warum das Programm der aktiven Freiraumnutzung mit organisiertem und informellen Sport- und Bewegungsangeboten mit intensiven gärtnerischen Anlagen und einer aufwendigen Wasseranlage ergänzt werden muss, erschließt sich nicht.

    Der städtebauliche Vorschlag für die Auwiesensiedlung überzeugt durch eine klare Struktur. Die neuen Gebäude orientieren sich in ihrer Höhe am benachbarten Bestand. Die Baukörper schaffen interessante Binnenräume für die unmittelbare Nachbarschaft. Der Mut, die Vereinsnutzungen in die Spinnerei zu verlegen, wird durch einen großzügigen Freiraum belohnt. Der Hochkanal wird dadurch gut erlebbar.

    Ob der Balkon an der Argen hier die richtige Form ist, die Argen erlebbar zu machen, ist fraglich.
    Der Städtebau im Erba-Gelände ist hinsichtlich Dichte und Raumabfolge gut gewählt. Der westliche Siedlungsrand wird behutsam ergänzt. Die zurückhaltende landschaftliche Gestaltung entwickelt den bisher ungestörten Stadtrand von Wangen weiter. Die Skater-Anlage wäre sicher im Bürgerpark besser verortet.

    Gut platzierte und in ihrer Dimension ausreichende Übergänge und Unterführungen machen den Hochkanal passierbar.

    Der mittige Steg bringt nicht die versprochene Verbindung. Vielmehr werden mit hohen Kosten Erschwernisse bei der Unterhaltung geschaffen und die Erlebbarkeit des Wassers eingeschränkt.
    Der Festplatz wird der Altstadt zugeordnet. Die Beibehaltung des Feuerwehrhauses als Jugendtreff unterstützt die räumliche Gliederung. Die Verfasser wollen den Bereich entlang des Triebwerkkanals vom Autoverkehr freihalten.

    Die Eingriffe auf der Argeninsel beschränken sich auf eine Gestaltung des Einlaufs des Triebwerkskanals. Der Inselkopf wird durch zwei Brücken vom Argenwuhr und über das Argenwehr erreicht. Die vorhandene Verbindung zwischen Schulcampus und Bürgerpark wird durch eine großzügig gestaltete Achse gestärkt.

    Die Arbeit liegt hinsichtlich Bau- und Unterhaltungskosten im oberen Bereich.