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  • DE-41061 Mönchengladbach
  • 06/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-160268)

Sonnenhausplatz


  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Jan Grimmek

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: HINRICHS WILKENING ARCHITEKTEN, Berlin (DE)
    Verkehrsplaner: VIC Planen und Beraten GmbH, Potsdam (DE), Dresden (DE), Zwickau (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mitarbeiter: Claire Oude-Aarninkhof, Jan Grimmek, Matteo Basta, Yue Guan


    Im Zusammenhang mit dem Bau der Mönchengladbach Arcaden an der Hindenburgstraße und der Schlie-ßung der Verbindung Viersener Straße/Stepgesstraße für den motorisierten Verkehr bietet sich die Chance, vor dem Sonnenhaus einen neuen Platz zu gestalten, der die Verbindung zwischen der Hindenburgstraße als Einkaufsstraße und dem Hans-Jonas-Park als einem Glied einer Kette aus Freiräumen herstellt.

    Die Geschichte Mönchengladbachs ist eng mit der Entstehungsgeschichte der Textilindustrie verbunden. Aufgrund seiner vielen Textilfabriken und Webereien wurde die Stadt im 19. Jahrhundert auch als „Rhei-nisch Manchester“ bezeichnet. Der Masterplan MG 3.0 knüpft an diese ortspezifische Vergangenheit an, indem er drei „Fäden“ mit den Funktionen Einkaufen, Kultur und Natur durch den Talraum des Gladbachtals spannt.

    Der neu entstehende Sonnenhausplatz verwebt diese drei „Fäden“ miteinander. Er vermittelt zwischen Konsum und Kultur, Stein und Grün, Geschäft und Erholung und ist der verbindende Ort, der künftig Aufent-haltsqualität, Offenheit, multifunktionale Nutzbarkeit und Trittsteinfunktion vereinen wird.

    Der Sonnenhausplatz ist eingewebt in Mönchengladbachs urbanen Kontext. Der Plattenbelag aus Beton greift das 15x15 cm Plattenformat der Hindenburgstraße auf und erweitert es um die Formate 15x30, 30x30 und 30x60 cm. Diese werden zu einem großzügigen Plattenmuster verwebt, dass den Platzbereich bis zur Parkkante sowie den Bereich um die Mönchengladbach Arcaden zusammenfasst. Als Referenz an das verschwundene Stadttheater und seinen Theatervorplatz wird auf dem Sonnenhaus-platz mit dem „Stadtpodium“ eine neue städtische Bühne und ein Ort für besondere Veranstaltungen im Herzen der Stadt geschaffen. So können an zentraler Stelle weiterhin die kulturellen Entwicklungen inner-halb der Stadt verfolgt werden.

    Die starke Topographie der Innenstadt am Übergang zum Abteiberg bietet die Chance, den markanten Hö-henversprung als zentrales Gestaltungsthema des Platzes zu inszenieren. Das „Stadtpodium“ erhebt sich als monolithischer Block aus Beton bis zu 75 cm über das Platzniveau und bildet eine urbane Bühne. Die Oberfläche des Stadtpodiums aus Ortbeton wird durch markante Linien aus dunkel ausgegossenen Deh-nungs- und Scheinfugen gegliedert, die mit Verweis auf die Stadtgeschichte ein interessantes „Webmus-ter“ mit hohem Wiedererkennungswert erzeugen.

    Der Sonnenhausplatz stellt mit dem „Stadtpodium“ eine neue zentrale Bühne für vielfältige Veranstaltun-gen bereit. Gleichzeitig verbindet er die urbane Einkaufsstraße mit den Kultureinrichtungen im Park.

    Der Baumhain aus Quercus palustris schließt räumlich die westliche Platzkante und verteilt sich als Spur im Park. Ihr kegelförmig aufrechter Wuchs unterstreicht den architektonischen Charakter des Ortes. Durch die Einführung dieser neuen markanten Baumart mit ihrer intensiv roten Herbstfärbung ist es möglich, eine starke optische Verbindung zwischen Platz und Park, Innenstadt und Natur, zu schaffen.

    Der Bereich vor dem Jugendzentrum STEP wird klar gefasst und als EPDM-Fläche mit Streetballkorb und Spielelementen hervor gehoben. Eine seitliche Betonmauer mit vor gelagertem Holzpodest bildet Aufent-haltsbereiche und eine Art „Probebühne“ für die Jugendlichen. Die Zuwegung zur Volkshochschule wird gestärkt und die parkseitige Gebäudefront als Terrasse mit Gärten und Sitzelementen eingebunden.Die Abteigärten bilden eine grüne Kulisse zu den rückwärtigen Fassaden der Hindenburgstraße und besetzen temporär den Zwischenraum mit einfachen Mitteln.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch eine klare Raumidee, die bewusst durch ein inszeniertes Stadtpodium hervorgehoben wird. Es wird gleichzeitig durch Baumgruppen überlagert, die eine starke Geste in den Park weisen.

    Die Spuren der Geschichte des Platzes werden gekonnt aufgegriffen und durch entsprechende Gestaltungselemente in den Platz transformiert. Das Podium definiert eine Reminiszenz an das alte Theater und greift durch die Oberflächengestaltung auf dem Platz subtil den Bezug zur Weberei auf.

    Die räumlichen Verbindungen in die umliegenden Straßenräume funktionieren, sind jedoch nicht weiter ausformuliert.

    Eine zügige Fuß- und Radwegeverbindung von Nord nach Süd in den Park hinein ist folgerichtig. Die Anbindung an den künftigen Eingang der VHS und des STEPs vom Park aus ist richtig.

    Das Sportfeld am nördlichen Kopf des STEP’s bietet gute Aktionsmöglichkeiten für die Jugend.

    Den Nutzungen der baulichen Ränder um das Stadtpodium werden eigene Raumqualitäten angeboten.

    Sehr überzeugend sind die eingestellten Gestaltungselemente, z.B. die Wegspuren in der Betonoberfläche des Platzes. Das Spiel und die Anordnung der Bäume, die in den Park ausstrahlen, sind in Kombination mit den Leuchtstelen gestalterisch gelungen.

    Der neue Stadtboden greift sinnvollerweise die bestehenden Belagsstrukturen auf und schafft somit einen homogenen Umgebungsbezug. Lediglich die wassergebundene Decke an der Ostseite ist hinsichtlich ihrer Funktionsfähigkeit und Belastbarkeit in einem sonst harten Stadtplatz zu hinterfragen.

    Als Bereicherung des Grüns werden die künstlerisch thematisierten Gärten entlang der Abteistraße gesehen. Der Park selbst behält seine Anmutung durch wenige Veränderung des Bestandes.

    Die Multifunktionalität des Platzraumes ist grundsätzlich gegeben, lediglich die Mitte wird beschränkt durch das Podest. Die Orientierbarkeit und Nutzung für die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer sowie die Barrierefreiheit sind gewährleistet.

    Der Entwurf scheint robust und langlebig und in seinen Herstellungs- und Unterhaltungskosten angemessen.

    Insgesamt wird eine starke Entwurfsidee vorgetragen, die die Geschichte des Ortes würdigt und durch Interpretation eine neue Identität und Aufenthaltsqualität als Sonnenplatz für Mönchengladbach schafft.