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  • Anerkennung

    Lageplan 1:2.000

    Landschaftsarchitekten
    Station C23 - Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau, Leipzig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Sigrun Langner

    Mitarbeit
    Sebastian Pietzsch

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Translocal Architecture GmbH, Bern (CH), Dresden (DE)
    Tragwerksplaner: PfeiferINTERPLAN Bauberatung, Darmstadt (DE)
    TGA-Fachplaner: Innius DÖ GmbH, Dresden (DE), Berlin (DE), Leipzig (DE)

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU

    Der ehemalige Exerzierplatz, heute Röthelheimpark, umfasst eine 130ha große Fläche zwischen Artilleriestraße, Staudtstraße, Hartmannstraße und Kurt-Schumacher-Straße. Seit dem Jahr 2000 ist der Exerzierplatz Naturschutzgebiet und übergeordneter Grünraum für die umliegendenQuartiere. Am Südrand des Naturschutzgebietes, entlang der Staudtstraße, wird ein in Ost-Westrichtung aufgespannter Streifen für Erweiterungsbauten der Universität vorgesehen und bildet eine Übergang zwischen reinem Grünraum und durchgrünter Solitärbebauung. In diesem Übergang bildet der Neubau des Zentrums für angewandte Sportwissenschaft und Technologie sowie die Vierfachsporthalle den östlichen Abschluss des Siedlungsfeldes und legt sich in Ost-Westrichtung in das Grundstück.



    FREIRAUMPLANUNG

    Der Schicht der Universitätsbauten sind im Naturschutzgebiet einzelne Baumclumps vorgelagert. Der Entwurf greift diese Zonierung auf und entwickelt vor der baulichen Fassade eine lockere vegetative Zone, die als Promenade der Sporthalle vorgelagert ist.

    Der Entwicklungsprozess der Heidelandschaft im NSG wird dem Entwurfsprozess zu Grunde gelegt. So wie sich die sukzessive, stellenweise feuchte oder trockene Vegetation an nicht bzw. weniger frequentierten Bereichen entwickeln kann, so werden auf dem Vorplatz die Bewegungsströme zwischen Ankunftsort (Park- und Festplatz) und dem Zielpunkt (Sporthalle und Institutsbauten) als Grundlage für die Strukturierung der Fläche genommen. Die freigehaltenen Bereiche werden durch 'Heidefelder' entwickelt und als Aufenthalts- und Nutzungsbereiche ausgebildet.

    Die Heidefelder führen von der Hartmannstraße aus als grüne Flächenintarsien zum Naturschutzgebiet. Sitzelemente entwickeln sich aus der Form heraus und bieten im Zusammenspiel der Felder unterschiedliche Aufenthaltsbereiche und Treffpunkte, die für Besucher und Mitarbeiter der Sporthalle und der Institute nutzbar sind. In Richtung Naturschutzgebiet entwickelt sich das Band der Heidefelder zu einem Aussichtspunkt, mit einer leicht ansteigenden Scholle und abschließenden Sitzstufen. Funktional wird das anfallende Regenwasser in die Heidefelder geleitet und zurückgehalten. Die Vegetation orientiert sich hier an den feuchten Standorten im Naturschutzgebiet.

    An das obere Niveau der Promenade grenzt der dauerhafte Parkplatzbereich mit Stellplätzen für die Institute an und bindet sich in das Konzept der Heidefelder ein. In diesem Bereich findet man die trockenliebende Vegetation der Heidelandschaft. Ausgehend hiervon überwindet man den leichten Höhenunterschied und gelangt auf den etwas tiefer liegenden multifunktionalen Fest- und Parkplatz.

    Südlich des Gebäuderiegels wird das Prinzip der Promenade aufgegriffen, und die bestehende Baumreihe in ein durchlässiges vegetatives Band mit Sitzangeboten zum Sportplatz hin eingebunden. Die Anlieferung, sowie die Zufahrt für Mannschaftsbusse und der Stellplatz des Übertragungswagens werden entlang der südlichen Promenade angeordnet. Die Fahrradstellplätze werden beidseitig unter der Auskragung des Gebäudes, sowie zur Hartmannstraße hin angeboten.

    Unabhängige Zugänge zu Teilbereichen der Sporthalle wie Boulderhalle, Mannschaftsgarderoben, Außenumkleiden und zu Anlieferungszwecken befinden sich auf der Nord- und Südseite des Gebäudes. Für den internen Betrieb, Mannschaftsbusse sowie die Feuerwehr ist das Gebäudeensemble umfahrbar.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Gebäudekomplex ist als Großform aus Sporthalle und Institutsbauten konzipiert. Seine Setzung am südlichen Grundstücksrand wird positiv bewertet, die Maßstäblichkeit der Großform wird kontrovers diskutiert. Der 1. BA würde auch ohne die weiteren Bauabschnitte die beabsichtigte städtebauliche Wirkung entfalten. Der Festwiesen-Parkplatz wird geschickt von der Vorzone des Gebäudes abgetrennt, die allerdings im Detail zu kleinteilig gestaltet ist. Der Übergang zum Sportplatz ist gestalterisch überzeugend.

    Die typologische Eigenständigkeit der Lösung mit angehobener Sporthalle und darunter liegendem Foyer ist positiv hervorzuheben. Die damit verbundene Übergröße des Foyers wird jedoch als zu überdimensioniert für den Schulsport empfunden. Die Erschließung der Tribünen erfolgt überzeugend auf kurzen Wegen aus dem Foyer heraus. Zentrales Manko der Arbeit ist die Anordnung der Zuschauerränge: die Sichtkurve lässt aufgrund des vorgelagerten Erschließungsganges keinen Blick auf die Seitenauslinie des Handballfeldes zu und die stirnseitigen Tribünen sind zu weit weg vom Spielfeld. Die Institutsbauten funktionieren prinzipiell gut, wenn auch die Einblickmöglichkeit in die Sporthalle nicht gegeben ist. Die klare Abgrenzung der Institute untereinander ist nur bedingt gegeben.

    Die städtebauliche Großform wird folgerichtig mit einer einheitlich gestalteten Fassade umhüllt, wenn auch das Motiv des gelochten Trapezbleches etwas an Eigenständigkeit der Gestaltungsidee vermissen lässt. Die zurückhaltende Gestaltung des Innenraumes wirkt der Aufgabe angemessen und unterstützt die Wirkung der Halle als Arena für Leistungssport.

    Die Gebäudekonzeption bringt große Spannweiten des Dachtragwerks und eine deutliche Überhöhe des Hallenraumes mit sich. Die gewählte Lösung von Vierendeelträgern scheint unnötig aufwendig vor dem Hintergrund des Innenraumgestaltungskonzepts mit deutlich zurückgenommenem Erscheinungsbild des Dachtragwerks. Positiv ist die Ordnung des statischen Systems zu bewerten, die einen durchgängigen Lastabtrag möglich macht.

    Zwar liegt die Flächeneffizienz im unterdurchschnittlichen Bereich, dies ist jedoch in der deutlichen Überschreitung der Nutzfläche begründet. Der Bruttorauminhalt der Halle liegt über dem Durchschnitt, so dass in Verbindung mit der aufwendig erscheinenden Dachkonstruktion die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes kritisch beurteilt werden muss.

    Der Entwurf stellt aufgrund seiner typologischen Eigenständigkeit einen interessanten Lösungsansatz der Aufgabe dar, dessen zentrales Problem allerdings in den funktionalen Nachteilen der inneren Organisation zu sehen ist.


INFO-BOX

Angelegt am 01.07.2014, 17:26
Zuletzt aktualisiert 21.07.2014, 11:47
Beitrags-ID 4-87241
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