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  • ein 3. Preis

    St. Hedwigs-Kathedrale, © o5 Architekten BDA - Raab Hafke Lang

    Architekten
    o5 architekten bda - raab hafke lang, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Rick Scheppat
    Künstler: HyunMee Ahn, Düsseldorf (DE)

    Preisgeld
    32.000 EUR

    Erläuterungstext
    In Zusammenarbeit mit
    Rick Scheppat und Hyun-Mee Ahn (Bildende Künstlerin)

    Projektteam
    Jan-Henrik Hafke, Joachim Raab
    Marcel Balsen, Claudia Rothe, Chris Hafner, Marina Hokari, Melanie Nathan, Steffen Kunkel



    Die St. Hedwigs-Kathedrale. Lebendige Kirche in einer lebendigen Stadt

    Ziel unseres Beitrages ist es durch eine Neustrukturierung des Innenraumes die St. Hedwigs-Kathedrale zu einem Ort zu machen, der den vielfältigen Anforderungen an eine Bischofskirche gerecht wird und hinsichtlich seiner Atmosphäre einerseits Würde und gleichzeitig eine einladende Offenheit symbolisiert.
    Hinsichtlich der bestehenden Raumfassung durch Hans Schwippert sieht unser Beitrag zwar eine Schließung der großen zentralen Öffnung vor, mit dem Ziel einen Kathedralraum zu gewinnen der als ein Raum wahrgenommen wird. Hinsichtlich der Materialität, der Oberflächen und Farbigkeit hingegen, vor allem der Wände und der Kuppel, schlagen wir eine Rückführung auf die Fassung Schwippert`s vor, um die Klarheit und strahlende Würde des Raumes wieder zu gewinnen.
    Mit dem großen Kathedralraum verbunden und von ihm aus zugänglich erschließen sich weitere Räume die durch ihre andere Dimension und Proportion vielfältige Nutzungen ermöglichen. In einem Gesamtensemble entstehen drei Räume unterschiedlicher Bedeutung und Atmosphäre:

    - der große Kirchenraum als würdiger Kathedralraum der Erzdiözese
    - die Kapelle der Eucharistie als feierlicher Raum für kleine, intime Gottesdienste
    - die Unterkirche als einzigartiger Ort der Einkehr

    Der große Kirchenraum als würdiger Kathedralraum der Erzdiözese

    ist einerseits Körper für die unterschiedlichen Gottesdienste, die durch die Funktion der Kathedrale als bauliches Haupt der Erzdiözese entstehen und für die großen feierlichen Gottesdienste im Kirchenjahraber auch für den wöchentlichen Gottesdienst der Domgemeinde. Gleichzeitig ist dieser Raum verortet im urbanen Kontext, ein Raum der durch seine Lage im Stadtraum Berlins und durch seine Bedeutung eine Vielzahl von täglichen Besuchern anlockt und der durch Helligkeit und strahlende Freundlichkeit einladend für den Interessierten, den Passanten und Suchenden ist.
    Der große Kathedralraum wird über die Vorhalle betreten. Ebenso aus der Vorhalle gelangt man über zwei Treppen bzw. barrierefrei über einen Aufzug in die Unterkirche. In die Wände eingelassene Tablare bieten Flächen für das Infomaterial zur Kirche. Der zentrale Gottesdienstraum wird über die drei vorhandenen Zugänge betreten. Unmittelbar nach dem Eintreten in den Kirchenraum befinden sich die Weihwasserbecken und die Ablagen für die Gesangbücher. Der Kathedralraum gliedert sich in den inneren Raum mit den Sitzplätzen und dem Altarraum, einen umschließenden Umgang und die daran angrenzenden Fensternischen, Orte für besondere Funktionen im kirchlichen Alltag.

    Der innere Kirchenraum.
    Gottesdienstgemeinde und Altarraum als liturgischer Handlungsraum

    Mittelpunkt des inneren Kirchenraumes ist der großzügige Altarraum mit der um eine Stufe
    erhöhten runden Altarinsel. Auf ihr befindet sich ein von allen Seiten zugänglicher und umschreitbarer Altar, als zentrale Elemente für Leitung und Verkündigung der Ambo, die Kathedra, der Priestersitz, die Sedilien und ein Vortragekreuz. Der Ambo ist so gestaltet, dass nach der Verkündigung das Evangeliar auf der Gemeinde zugewandten Seite abgelegt werden kann. Altarkerzen unmittelbar hinter der Altarinsel, die Plätze des Domkapitels in den beiden angrenzenden Fensternischen, der Aufstellort für die Osterkerze und die am Durchgang in die Sakramentskapelle aufgestellten beiden Kredenzen gehören, wenngleich weniger zentral, ebenfalls zum Altarraum. Die Bänke für die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde sind radial angeordnet und auf den Altar
    als Mittelpunkt des gottesdienstlichen Raumes ausgerichtet. Alle Bänke sind mit Kniebänken ausgestattet, erreicht wird eine Anzahl von 462 Sitzplätzen. Durch zusätzliche Bestuhlung in Richtung des Altarraumes kann die Zahl der Sitzplätze auf über 500 erhöht werden.

    Chor und Orchester. Ein Teil der Gemeinde an einem besonderen Ort

    Der Chor ist ein Teil der Gemeinde. Die Aufstellfläche für den Chor und das Orchester befindet sich seitlich des Altarraumes, bringt so den besonderen liturgischen Dienst zur Geltung und gewährleistet die volle Teilnahme am Gottesdienst. Über Hubpodien ansteigende Stufen bieten Platz für ca. 80 Chormitglieder, davor ist ausreichend Platz für das Orchester. Eine in der Fensternische vorgesehene Chororgel und ein fahrbarer Spieltisch in unmittelbarer Nähe gewährleisten die räumliche Nähe des Organisten zum Chor und eine Bedienung der großen Orgel sowie der Chororgel. Die vorhandene Orgel bleibt an ihrer bestehenden Position. Sie kann bei Bedarf auf den beiden seitlichen Emporen erweitert werden.
    Funktionsräume für den Chor befinden sich einerseits im neu entstehenden Untergeschoss zwischen St. Hedwigs-Kathedrale und Bernhard-Lichtenberg-Haus, als auch im Bernhard-Lichtenberg-Haus selbst. Ein Chorsaal im dritten Obergeschoss des neuen Bernhard-Lichtenberg-Hauses bietet Raum für die Anspielprobe. Dort befinden sich ebenfalls Umkleideräume zum Umziehen unmittelbar vor dem Einsingen und Schränke für die Chorkutten. Raum zur Aufbewahrung der Orchesterstühle und der Orchesternotenständer gibt es im Untergeschoss am Übergang zwischen Bernhard-Lichtenberg-Haus und Unterkirche.

    Umschließender Umgang und Orte für besondere Funktionen im kirchlichen Alltag

    Dem Rund der Außenwände folgend markiert ein im Boden eingelassener und in seiner Materialität differenzierter Ring die Schwelle zwischen innerem Kirchenraum und Umgang. Eine Differenzierung im Bodenbelag und bauliche Elemente an der Schnittstelle zwischen Umgang und innerem Raumschaffen eine räumliche Differenzierung. Der Umgang erschließt die Bankreihen über Zwischengänge, gewährleistet den Zugang zur Eucharistiekapelle, er verbindet über zwei Treppen die Unterkirche mit dem Kathedralraum und an ihn lagern sich wichtige Funktionsorte. Es sind Orte, die vor allem kleinere Gruppen oder einzelne Personen ansprechen: der Ort der Taufe, der Ort der Marienverehrung(mit Mondsichelmadonna), ein Ort für das Sakrament der Versöhnung und die Kreuzwegstationen.
    Auf Grund seiner besonderen liturgischen Bedeutung befindet sich der Ort der Taufe in
    unmittelbarer Nähe zum Altarraum. Die Abläufe während des Taufgottesdienstes, die liturgischen Handlungen an Altar, Ambo und Taufstein sind so gut zu vollziehen. Vor dem Taufstein gibt es ausreichend Fläche für die Versammlung einer Taufgemeinde.
    Unterschiedliche Einbauten im gleichen Material prägen die Gestaltung der jeweiligen Funktionsorte in den Fensternischen. Jeweils aus der Rückwand der Nische direkt unter dem jeweiligen Fenster sind die entsprechenden Funktionen in Mobiliar eingearbeitet: der Beichtstuhl, ein Schrank für die Aufbewahrung der heiligen Öle hinter dem Taufstein, der Sockel für die Marienstatue mit davor befindlichem Kerzentisch, die Chororgel und die Plätze für das Domkapitel in den Fensternischen angrenzend an den Altarraum.
    An der Schnittstelle zwischen Umgang und innerem Kirchenraum befinden sich die
    Kreuzwegstationen, vertikale Stelen mit den entsprechenden Kreuzwegmotiven.

    Die Kapelle der Eucharistie als feierlicher Raum für kleine Gottesdienste

    Wie in der Zeit vor dem Umbau durch Hans Schwippert ist die zentrale Achse hinter dem Altar geöffnet mit einem Durchgang zur Rotunde. Dort befindet sich das Tabernakel, die Rotunde wird zur Kapelle für die Eucharistie. Geschützt vom allgemeinen Besucherstrom im Alltag einer Kathedrale wird sie neben der Unterkirche zum zweiten Raum der sich auf Grund seiner Größe und Lage als Ort für kleinere Feiern und Gottesdienste eignet. Das Tabernakel bildet ähnlich der Anlage im Entwurf Clemens Holzmeisters eine Stele. Sie wird aus dem Kirchenraum hinter dem Altar sichtbar und betont damit die liturgische Bedeutung der Eucharistie im Zusammenhang zwischen Kirchenraum und Sakramentskapelle. Trotz räumlicher Distanz ist die eucharistische Präsenz im
    liturgischen Feierraum gewährleistet.

    Die Unterkirche als einzigartiger Ort der Einkehr

    wird zu einem besonderen Ort der sich vom hellen Kirchenraum deutlich und bewusst unterscheidet und damit die Vielfalt des räumlichen Angebots unterstützt. Als Ort mit deutlich introvertierter Atmosphäre erhält sie ihre Bedeutung einerseits als Memorialort, mit den Grablegen der Bischöfe, dem Grab des seligen Domprobstes Bernhard Lichtenberg, der St. Hedwigs-Kapelle und der Otto Kapelle, andererseits bietet sie Raum für kleinere Gottesdienste und kann einzelnen Besuchern alsOrt der Einkehr einen besonderen Rückzugsort bieten. Hier befinden sich auch Räumlichkeiten die dem Sakrament der Versöhnung dienen und durch ihre Abgeschiedenheit eine hohe Vertraulichkeit gewährleisten. Neben dem traditionellen Beichtstuhl im Kathedralraum handelt es sich hier um ein räumliches Angebot für das Beichtgespräch oder zum vertraulichen Gespräch in einer kleinen Gruppe.
    Geprägt wird der Raum durch die leichte Wölbung der Decke, ihre Kanten markieren die ehemalige Öffnung zur Oberkirche in der Fassung von Hans Schwippert. Ähnlich einer Tontopfdecke wird die Decke von massiven Glaszylindern durchdrungen, die ehemalige Öffnung bleibt als Spur lesbar. Man erreicht die Unterkirche direkt über die Vorhalle mittels zwei Treppen oder barrierefrei über einen Aufzug. Mit dem zentralen Kirchenraumist die Unterkirche über Treppen aus zwei Fensternischen erreichbar.
    Die Gliederung der Unterkirche folgt einem ähnlichen Prinzip wie der Kirchenraum. Ein zentraler Bereich mitPlatz für 60-70 Personen dient zur Feier kleiner Gottesdienste oder kann im Alltag Ort sein für das stille Gebet. Ein Umgang ermöglicht Zugang zu den anliegenden Gedenkorten. Die kleinen Kapellen sind zum inneren Rund jeweils bogenförmig geöffnet und sind dadurch stärker im Raum präsent. Stützen an der Schwelle zum mittleren Gottesdienstbereich bilden dennoch einen Filter, sodass die Gedenkorte ihre Intimität behalten.
    Unter der Sakramentskapelle befindet sich die Schatzkammer. Die Besonderheit der räumlichen Situation korrespondiert mit der Bedeutung der Aufbewahrung bedeutender Kunstgegenstände aus der Geschichte der St. Hedwigs-Kathedrale.

    Sakristei (siehe auch Erläuterungsbericht Bernhard-Lichtenberg-Haus)

    Angegliedert an die Unterkirche befinden sich die Räume der Sakristei. Ein kleiner Teil für die unmittelbare Vorbereitung in einem der umliegenden Räume an der Unterkirche, der größere Teil befindet sich im Untergeschoss zwischen Bernhard-Lichtenberg-Haus und Kathedrale. Durch große, plastisch sich an der Oberfläche abzeichnende Öffnungen werden die Räumlichkeiten natürlich belichtet. Hochwertiges Mobiliar und eine sorgfältige Behandlung der Oberflächen schaffen eine der Bedeutung dieser Räumlichkeiten angemessene Atmosphäre. Die Lage in der unmittelbaren Nähe der Rotunde ermöglicht einen Zugang der Zelebranten über das Untergeschoss der Rotunde in die Kapelle der Eucharistie und von dort direkt zum Altarbereich oder bei großen Einzügen über die
    Treppen aus der Unterkirche in die Vorhalle und von dort über den Mittelgang nach vorne zum Altarbereich.

    Haltung zu Materialen, Oberflächen und Farbe. Bestand und neue Elemente

    Im Umgang mit den vorhandenen Materialien und Oberflächen steht zunächst eine Reinigung der eingestaubten Wände, der Kuppel und sämtlicher weiterer Oberflächen im Vordergrund und in weiten Teilen eine Rückführung auf die ursprüngliche Materialität und Farbigkeit zur Zeit des Umbaus durch Hans Schwippert. Ziel ist es einen hellen, einladenden Kirchenraum zurück zu gewinnen der durch Maßnahmen im Sinne des Weiterbauens und durch behutsame Integration neuer Elemente eine der heutigen Funktion der Kathedrale angemessene Wirkung erhält.

    Kuppel
    Wesentliches Merkmal der Innenansicht der Kuppel der St. Hedwigs-Kathedrale ist die
    Struktur der vertikalen Stahlbetonsegmente. Sie stehen sinnbildlich für die Zerstörung der Kathedrale im 2. Weltkrieg und in ihrer konstruktiven Klarheit und Einfachheit durch serielle Fertigteile für den Wiederaufbau in den 1950er Jahren. Aus diesem Grund sieht unser Beitrag eine Rückführung auf die ursprüngliche Deckenkonstruktion durch Entnahme der dazwischen liegenden perforierten Aluminiumbleche aus der Umbau- und Renovierungsphase zwischen 1976-1979 vor. Eine Überprüfung auf die akustische Wirksamkeit bei geschlossenem Boden wäre zu prüfen und weitere akustische Maßnahmen wären in sorgfältiger Abstimmung in Bezug auf die prägende Kuppelwirkung der Rippenstruktur zu treffen. Möglich wäre eine Behandlung der Betonoberflächen zwischen den vertikalen Rippen durch einen groben Putz oder eine zwischen die Rippen eingesetzte eigens gestaltete Metallstruktur. Neben dem grauen Farbton der Rippen sind hellgraue oder weiße Töne vorstellbar um den hellen, entrückten Raumeindruck des Kathedralraums zu unterstützen.

    Wände und Säulen
    Das zurzeit Raum bestimmende helle steingrün des Schachbrettrasters hinter den
    Säulen stammt ebenfalls, wie die perforierten Aluminiumbleche in der Kuppel, aus der Zeit des Umbaus Ende der 1970er Jahre. Wir schlagen eine Wiederherstellung der ursprünglichen Putzoberflächen und Farbigkeit, vornehmlich in Weiß-und Grautönen aus der Umbauzeit Schwippert`s vor: z.B. für den Würfelfries hinter den Säulen eine weißgraue Farbigkeit, den unmittelbar daran anschließenden Glattputzbereich der Wand, als Fassung der Fensternischen, eine durchfärbte graue Materialsichtigkeit und ebenso eine graue, materialsichtige Rauhputzstruktur der Fensternischen, sowie geglättete weiße Oberflächen für die Säulen.

    Fenster
    Motiv und Konstruktion Fenster sind Träger des Lichts und wesentliche Mittler zwischen
    außen und innen. Wir empfehlen eine Neugestaltung der Fenster sowohl im Kathedralraum als auch in der Sakramentskapelle. Abstrakte und dennoch erzählerische Motive mit auf die Gesamtstimmung im Raum abgestimmter Farbigkeit spiegeln mit Verlauf von Farbe und Form die lebendige Begegnung der Menschen zwischen Himmel und Erde. Mit ihrer Abstraktheit und gleichzeitig erzählerischen Motiven wagen sie die Balance zwischen der offenen Unbestimmtheit des menschlichen Lebens in einer multikulturellen und multireligiösen Welt und dem Verweis auf die Transzendenz göttlicher Wirklichkeit. Eine neue Rahmenkonstruktion aus Bronze verbessert zusammen mit eine äußeren Isolierverglasung die wärmeschutztechnischen Eigenschaften der Fenster und verleiht den Fenstern in der Außenansicht die entsprechende Wertigkeit. Die Motivebene befindet sich auf der dem Raum zugewandten Seite.

    Boden
    Ebenso wie bei den Fenstern schlagen wir auch beim Boden eine Neufassung vor. Ein
    sandstein-farbenerTerrazzo mit hellgrauen Einsprengseln lehnt sich farblich an die Natursteinoberflächen der Außenfassade an und unterstützt die warme, helle und freundliche Atmosphäre im Innenraum. Eine Änderung der Farbigkeit oder Körnung in bestimmten Bereichen, z.B. an der Schnittstelle zwischen innerem Kirchenraum und Umgang bietet die Möglichkeit zur räumlichen Zonierung.
    Die ehemalige Öffnung in der Fassung von Hans Schwippert bleibt lesbar, einerseits durch eine leichte Änderung des Farbtons im Terrazzo, andererseits durch die durch die Decke gesteckten massiven Glaszylinder.

    Umgang mit der vorhandenen Kunst

    Im Sinne einer Kontinuität sehen möglichst die Verwendung der als erhaltenswert beschriebenen Kunstgegenstände im neuen Kirchenraum vor.


    Ideenwettbewerb Bernhard-Lichtenberg-Haus. Erläuterungsbericht

    Neubeginn und Synergie - Ein neues Gebäude als offenes Haus der Kirche mit vielfältigem Nutzungsangebot und Synergien zwischen Kathedrale und Bernhard-Lichtenberg-Haus

    Eine Neuordnung des Angebots rund um die St. Hedwig Kathedrale stellt Anforderungen an die damit im Zusammenhang stehenden Gebäude. Eine kritische Überprüfung des vorhandenen Gebäudebestands lässt die Defizite der bestehenden Gebäude erkennen. Der ursprüngliche Gebäudebestand wurde im zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört und ist im Anschluss von erheblichen Umbauten geprägt. Er erfüllt damit nur schwer die Anforderungen eines multifunktionalen Gebäudes.
    Unser Beitrag sieht deshalb einen Neubau vor, der auf die erhöhten Anforderungen zugeschnitten ist und auf Grund seiner Dimensionen, vor Allem hinsichtlich der Gebäudetiefe, eine Vielzahl an Nutzungen aufnehmen kann und in seiner Grundstruktur große Flexibilität ermöglicht. Gleichzeitig bietet sich mit einem Neubau die Chance zu einem Neuanfang mit einem Gebäude, dass die Rolle der Kirche in einer sich wandelnden Gesellschaft und die räumlichen Angebote die damit verbunden sind nach Außen zum Ausdruck bringt.

    Städtebauliche Position. Kathedrale und Bernhard-Lichtenberg-Haus als Ensemble zwischen Französischer Straße und Bebelplatz

    Die St. Hedwigs-Kathedrale orientiert sich mit ihrer Hauptseite zum Bebelplatz. Das Bernhard-Lichtenberg-Haus ist das Gesicht der Kirche mit ihren vielfältigen Angeboten zur Französischen Straße. Mit der Kathedrale im Hintergrund zeigt sich Kirche hier mit ihrer öffentlichen Bedeutung in einer sich wandelnden Gesellschaft. Das neue Haus der Kirche folgt den baulichen Kanten der Französischen Straße und bindet sich in das städtische Gefüge ein. Als fünfgeschossiges Gebäude nutzt es die maximale Höhe der Berliner Bauordnung mit einer Traufhöhe von 22 Metern.
    Im Außenbereich bindet ein gestalteter Freiraum das Bernhard-Lichtenberg-Haus und die
    Kathedrale zusammen. Hier befindet sich auch der Eingang. Die Freifläche bietet dem Bernhard-Lichtenberg-Haus ein qualitativ hochwertiges Pendant zur Französischen Straße, verhindert eine Rückseitenwirkung auf der Südseite der Kathedrale und erweitert das räumliche Angebot für unterschiedliche Nutzungen, seien es Festivitäten im Zusammenhang mit dem Bischofssitz, der Domgemeinde oder als Rückzugsort für Besucher im Alltag.
    Eine einheitliche Gestaltung der Oberflächen fasst Kathedrale und Bernhard-Lichtenberg-Haus zusammen, durch Bäume an den östlichen Grenzen des Grundstücks und eine kleine Baumgruppe an der Hedwigskirchgasse wird zusätzlich die Ensemblewirkung unterstützt.

    Struktur und Gestalt - prägende Merkmale des Gebäudes
    Das neue Gebäude verfügt über eine effiziente Gebäudestruktur. Ein gleichmäßiges Raster gewährleistet einen hohen Grad an Vorfertigung unterschiedlicher Bauteile. Eine
    Natursteinfassade verspricht eine lang anhaltend hohe Wertigkeit und ist damit nachhaltig
    wirtschaftlich. Die gewählte Gebäudetiefe von 15 Metern gewährleistet unterschiedliche
    Grundrissdispositionen. Eine einfache Tragstruktur und zwei Erschließungskerne gewährleisten die Flexibilität des inneren Aufbaus. Sowohl größere Räume wie beispielsweise ein großer Veranstaltungsraum oder ein Proberaum für den Domchor, Seminar- bzw. Besprechungsräume, unterschiedlich große Büroeinheiten, als auch Wohnungen für Gäste eines Wissenschaftskollegs sind denkbar.
    Dargestellt sind das Erdgeschoss und drei der vier Obergeschosse, um die Kapazität der Flächen zuzeigen. Ein weiteres Geschoss kann zusätzlichen Flächenbedarf abdecken.
    Als kontinuierliches Thema wirken die Decken in allen Geschossen des Gebäudes Gestalt
    prägend. Dabei variieren die Deckenformen je nach Funktion und Raumanforderungen. So ist die Decke über dem Untergeschoss im Platzbereich sowie die Decke über dem Erdgeschoss als Segmentbogen-Tonnendecke konzipiert. Oberlichter in Gewölbemitte ermöglichen die Tageslichtversorgung in Museum und Sakristei und wirken über ihre formale Ausbildung als Platz gliedernde (Aufenthalts-)Elemente auf dem Kirchhof.
    Im Erdgeschoss bilden die Tonnen-Deckensegmente dabei gleichzeitig an den Längsseiten des Gebäudes die Form der Öffnungen. Im Stadtbild nehmen diese Bögen Motive der Französischen Straße auf und verweisen mit großen Öffnungen auf die dahinter liegenden öffentlichen Angebote und einen großen Veranstaltungsraum im Gebäude sowie, in der Fortsetzung, auf die Raumfolge aus Stadtraum, Saal, Kirchhof und St. Hedwigs Kathedrale.
    In den Obergeschossen wird das Deckenthema variiert: Entsprechend der vielfältigen und
    unterschiedlichen räumlichen Anforderungen sind die kappenförmigen Decken im Ausbauraster dimensioniert und ermöglichen so eine flexible Grundzonierung.

    Anordnung der Funktionen

    Erdgeschoss. Betreten wird das Gebäude über den zwischen Bernhard-Lichtenberg-Haus und Kathedrale liegenden Freiraum. Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Veranstaltungssaal mit ca. 270 Plätzen, ein kleines Cafe und eine Buchhandlung.
    Das Untergeschoss bindet das Bernhard-Lichtenberg-Haus und die Kathedrale zusammen und bereichert die inhaltliche Beziehung. Man erreicht es über eine Treppe aus dem Foyer. Im unmittelbar unter dem Bernhard-Lichtenberg-Haus liegenden Teil des Untergeschosses befinden sich die Garderoben für den großen Multifunktionssaal, die Sanitärbereiche und Archiv bzw. Technikflächen.
    Eine Erweiterung in die Fläche zwischen Bernhard-Lichtenberg-Haus und Kathedrale nimmt die von der Kathedrale ausgelagerte Sakristei, einen Museumsbereich und einen Funktionsraum für Zubehör des Orchesters auf. Der Museumsbereich bietet Ausstellungsflächen zur Geschichte der St.- Hedwigs-Kathedrale und der Erzdiözese. Durch die Anbindung des Museumsbereiches an die unter der Rotunde befindliche Schatzkammer entstehen räumliche und inhaltliche Synergien. Ein zweite Verbindung zur Unterkirche gibt es über die Sakristei. Die für die Aufbewahrung der Paramente und liturgischen Gegenstände erforderlichen Schränke befinden sich in einem großen
    Raum der über Oberlichter belichtet wird. Von dort erreicht man einen weiteren Teil der Sakristei in der Unterkirche der für die unmittelbare Einstimmung auf den Gottesdienst genutzt werden kann. Hochwertiges Mobiliar und eine sorgfältige Behandlung der Oberflächen schaffen eine der Bedeutung dieser Räumlichkeiten angemessene Atmosphäre. In einem ersten Bauabschnitt kann im Zusammenhang mit der Neustrukturierung der St. Hedwigs-Kathedrale der spätere Museumsbereich realisiert und zunächst als Sakristei genutzt werden.
    Im 2. Obergeschoss befinden sich Räume für die Hedwigsgemeinde und für denDomchor, zum einen unterschiedlich große Büroeinheiten, für MitarbeiterInnen des Seelsorgeamts, die Leitung des Katholischen Bibelwerks oder Büros von Domkapitularen, aber auch ein Proberaum für den Domchor, das Instrumentenlager, die Umkleideräume für die Vorbereitung vor der Messe und Räume für die Einzelprobe.
    Das 3. Obergeschoss nimmt die Räume des Wissenschaftskollegs auf, eine kleine Handbibliothek mit Lesebereich, unterschiedlich große Seminar- bzw. Besprechungsräume, einen Meditations- und Gebetsraum und kleine Büroeinheiten für die Administration des Kollegs, für Gast-Fellows und die wissenschaftlichen Mitarbeiter bzw. Sekretariate.
    Das 4. Obergeschoss ergänzt mit der Möglichkeit für unterschiedlich große Wohnungen das räumliche Angebot, seien es Dienstwohnungen oder Wohnungen bzw. kleine Appartements für Gäste des Wissenschaftskollegs.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.