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  • DE-20097 Hamburg
  • 07/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-170876)

Sonninstrasse 3


  • 2. Preis Städtebau

    © André Poitiers Architekt

    Architekten
    André Poitiers Architekt RIBA Stadtplaner, Hamburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: M+O Masuch+Olbrisch Ingenieurgesellschaft mbH, Oststeinbek (DE)
    Landschaftsarchitekten: arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    6.500 EUR

    Erläuterungstext
    Der heute heterogen genutzte Hamburger Stadtteil Hammerbrook soll in ausgewählten Teilräumen zu einem gemischt genutzten Stadtteil weiterentwickelt werden. Wesentlicher Bestandteil dieser Aufwertungsstrategie ist einerseits die nachhaltige Weiterentwicklung des Büro- und Gewerbestandortes und gleichzeitig die Stärkung und der Ausbau des Wohnens im nordwestlichen Hammerbrook. Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine qualitätvolle Vernetzung der Wohnstandorte mit Wohnfolgeeinrichtungen und dem Wohnumfeld gelegt.
    Durch die Ergänzung der vorhandenen Blockrandstruktur, welche sich zum Nagelsweg hin verdichtet, wird das Quartier vervollständigt und damit eine neue Identität geschaffen. Die Höhenstaffelung der neuen Baukörper folgt dem Gedanken einer Grundhöhe von 6 Geschossen. Um das Quartier zu stärken, wächst es an den angrenzenden, teilweise lärmbelasteten, Straßenseiten bis auf 7, im Norden auf 8 Geschosse an. An städtebaulich prägnanten Punkten am Park wird die Geschossigkeit erhöht und setzt Akzente.
    Jeder der drei Blöcke bestehen aus zwei Realteilen, welche sich jeweils aus einem Drittel Eigentums-, Miet- und öffentlich geförderten Wohnungen zusammensetzen. Durch eine hausweise Wohnungsverteilung erhält das Entwurfsgebiet eine soziale Durchmischung der Wohntypologien. Die Realteilung ist aufgrund flexibler Grundrisse auch verschieb- bzw. erweiterbar.
    Alle Wohnungen besitzen mindestens eine lärmabgewandte Seite an der sich die Schlafräume befinden und sind mit einem Balkon versehen, welcher zur West- oder Ostseite gerichtet ist. Für die Eckwohnungen am Nagelsweg sind Loggien, als zusätzlicher Lärmschutz vorgesehen.
    In den Strukturgrundrissen sind die Wohnungen im kleinstmöglichen Teilungszustand dargestellt. Flexibel können die Wohnungen hausintern untereinander kombiniert werden und jeder beliebige Wohnungsschlüssel kann erreicht werden.
    Um die Entfluchtung sämtlicher Wohnungen zu gewährleisten sind im Süden und Westen Drei- bzw. Vierspänner (Vorkopfwohnungen nach Süden bzw. Westen) und im Norden und Osten Zweispänner geplant.
    Die Erschließung des Hochhauses im nördlichen Block erfolgt als Einziges mittels Sicherheitstreppenhaus.
    Das Freiraumkonzept greift den Vernetzungsgedanken auf und schlägt eine öffentliche Parkanlage als grüne Mitte des neuen Wohnquartiers vor, die die drei neuen Baublöcke mit dem Sonninhof und den bereits in Planung befindlichen Neubauten westlich der Sonninstraße verbindet. Der Park bindet die neuen Wohnungen unmittelbar an den Mittelkanal an, der schon heute mit seinen Uferpromenaden als attraktiver Freiraum vielfältig genutzt wird.
    Eine Fußgängerdurchwegung verbindet die nördliche Planstraße mit dem zentralen Park und sichert einen direkten Zugang. Der Durchgang zeichnet sich durch eine Großzügigkeit von 6 Metern Breite und 9 Metern Höhe aus. Die östliche Wand an der Promenadenverlängerung durch den nördlichen Block soll sowohl in den Durchgängen als auch im Bereich der Gartenhöfe begrünt werden. Die lebendige vertikale Begrünung besteht aus Aluminiumrahmen und Vegetationsplatten aus Steinwolle, einem anorganisches Substrat, das nicht verrottet und daher frei von Krankheitserregern (pathogenfrei) ist. Ein innovatives web-basiertes Bewässerungssystem versorgt die Pflanzen automatisch mit der richtigen Menge an Wasser und Nährstoffen. In dieser Kombination stellt das System einen idealen Lebensraum für die Pflanzen des vertikalen Gartens dar.
    Bandartige Freiraumstrukturen, die an Werften und ihre Slipanlagen erinnern sollen, prägen den linear angelegten Park und ermöglichen auf diese Weise die gestalterische Integration unterschiedlichster Freiraumnutzungen. Im Park werden die geforderten Spielplatzflächen von 3.000 m², Aufenthalts- und Sitzgelegenheiten sowie Spiel- und Liegewiesen angeboten. Die Spielplatzflächen werden unter dem Oberthema „Werftspielplatz“ im nördlichen Teil des Parks gestaltet. Unterschiedliche Spielboote und –schiffe werden als Spielgeräte in diesem Teil des Parks verteilt. Intensive Baumpflanzungen greifen die bandartige Gliederung des Parks auf und bieten immer wieder geführte Sichtbeziehungen zum Mittelkanal.
    Der Park wird auf einer Geländehöhe von ca. 3,90 m ü.NN geplant, um zwischen den unterschiedlichen Geländehöhen an der Sonninstraße und am Nagelsweg zu vermitteln. An seinem nördlichen Ende geht der Park in einen Quartiersplatz über, der durch die Erdgeschossnutzungen der angrenzenden Gebäude durch Aussengastronomie belebt werden kann.
    Zum Wasser am Mittelkanal treppt sich der Park über Rasensitzstufen hin ab und ermöglicht so den neuen Bewohnern und Besuchern eine direkte Verbindung aus dem Park heraus ans Wasser. Die nach Süden orientierten Sitzstufen bieten hervorragende Aufenthaltsqualitäten und werten sowohl das neue Quartier am Nordufer als auch die bestehende Bebauung am Südufer auf.
    Über barrierefreundliche Rampenanlagen wird der Park sowohl mit dem höher liegenden Fußweg am Nagelsweg als auch mit der tiefer liegenden Promenade am Kanal verbunden. Generell können für das gesamte neue Quartier im Freiraum die Grundsätze des barrierefreien Bauens eingehalten werden.
    In den neu geschaffenen, öffentlichen Straßenräumen kann durch die Anlage verkehrsberuhigter Bereiche ebenfalls eine hohe Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Da die Tiefgaragen vom Nagelsweg bzw. von der Sonninstraße aus erschlossen werden, kann sowohl in der Promenade am Park als auch in den ost-west-gerichteten Seitenstraßen auf KFZ-Verkehr verzichtet werden. Baumpflanzungen ordnen darüber hinaus die Besucherparkplätze im öffentlichen Raum an den Rändern des neuen Quartiers.
    Die Blockinnenbereiche der neuen Wohnbebauung werden als Gartenhöfe gestaltet. Vor den niveaugleich anschließenden Wohnungen werden im Gartenhof Sondernutzungszonen für Terrassen und kleine, privat nutzbare Gartenbereiche geschaffen. Diese von Hecken gefassten, privat nutzbaren Bereiche begrenzen einen gemeinschaftlichen zentralen Teil des Gartenhofs, in dem die nach HBauO vorzusehenden Kinderspielplätze gestalterisch eingebunden werden. Auf der Parkseite werden den Wohnblöcken ca. 3 m breite Vorgärten zugeordnet, die einen Schutz für die erdgeschossigen Nutzungen ermöglichen.
    Im Entwurfsgebiet wurden 2 Kindertagesstätten mit insgesamt ca. 1600 m² geplant. Diese befinden sich in unmittelbarer Nähe voneinander und sind der öffentlich geförderten Wohnungstypologie zugeordnet. Die vorzusehenden Freibereiche der beiden Kindertagesstätten in der Größe von 180 m² und 270 m² werden für die Kleinsten aus den Krippengruppen in den beschützten Gartenhöfen und für die 3-6-jährigen in den Vorgartenbereichen nachgewiesen.
    Insgesamt zielt das Freiraumkonzept im Zusammenspiel mit dem städtebaulichen Konzept darauf ab, die neue Wohnbebauung Sonninstraße 3 mit dem Sonninhof und der bereits in Planung befindlichen Wohnbebauung am Sonninkanal zu einem städtebaulich klar ablesbaren Quartier zusammenzufassen. Der Park holt dabei die Qualitäten des Mittelkanals und seiner heute bereits intensiv genutzten Ufer bis weit in dieses neue Quartier hinein. Die Aufwertungsstrategie für das nordwestliche Hammerbrook verbindet also die städtebaulichen und die stadtlandschaftlichen Qualitäten auf intensive Weise miteinander.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit hat sich nicht ausschließlich mit dem Wettbewerbsgebiet befasst. Stattdessen versucht sie, den umgebenden Städtebau, inklusive der dominanten Schokoladenfabrik, entlang des Sonninkanals, in das Gestaltungskonzept zu integrieren. Die städtebauliche Verbindung vom Münzviertel via der parallel zum Sonninkanal verlaufenden Kolonnade mit den entsprechenden Öffnungen zum Quartier und Park wird als sehr positiv bewertet. Begrüßt wird auch der richtige Bezug des Parks zum Wasser (Mittelkanal) sowie die hohe Aufenthaltsqualität entlang der Promenade.

    Kritisch beurteilt werden die drei Hochpunkte, die den Park rahmen, da diese zur verstärkten Verschattung der Hofinnenbereiche beitragen. Ebenfalls negativ zu bewerten ist die hohe Anzahl an Wohnungen mit nördlicher und östlicher Ausrichtung. Die Lärmentwicklung des zu erwartenden PKWAufkommens entlang der Sonninstraße (durchgängiges Senkrechtparken) wird als beeinträchtigend auf die Aufenthaltsqualität des Parks eingestuft. Desweiteren ist die mögliche Lärmentwicklung in den Wohnhöfen durch Nutzungskonflikte als kritisch zu betrachten.

    Trotz der städtebaulichen sowie freiraumplanerischen Qualität und Machbarkeit des vorliegenden Entwurfs fehlt dem Preisgericht die besondere Charakteristik und die herausragende Gesamtqualität aller Belange.