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  • DE-48149 Münster
  • 10/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-169172)

Wohnquartier Gasselstiege


  • 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    architekten prof. klaus sill, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Klaus Sill

    Mitarbeit
    Thomas Sprenger, Falko Fock, Immanuel Mihm, Immo Kobelt, Alberto López-Lapuente Blasco

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    14.285 EUR

    Erläuterungstext
    AUFGABE
    Das Wettbewerbsgrundstück ist das ehemalige TÜV-Gelände in Münster zwischen Steinfurter Strasse und der Gasselstiege im Eckbereich des Yorkrings. Hier soll attraktiver Wohnraum - davon ca. 60% öffentlich geförderter - entstehen. Zusätzlich sind eine Kindertagesstätte und eine Wohngruppe 60+ geplant. Entsprechend des gültigen B-Plans ist eine Blockrandbebauung der städtebauliche Leitgedanke. Ein wesentlicher Grund dafür sind die hohen Emissionen, die von der Steinfurter Strasse und dem Yorkring ausgehen.
    KONZEPT
    Der Entwurf basiert auf der vorgegebenen städtebaulichen Struktur und versucht diese in der Feineinstellung inhaltlich, funktional und formal zu präzisieren. Ein wesentlicher Gedanke dabei ist es, den Emissionsschutz der vorgegebenen Blockrandstruktur zu stärken. Unsere städtebauliche Idee sieht eine `harte Schale` und einen geschützten, durchgrünten Blockinnenraum vor. Da nahezu alle Wohnungen durch den jeweiligen Baukörper `durchgesteckt’ sind, profitieren alle zukünftigen Bewohner von diesem geschützten Blockinnenraum.
    Die durch die Auslobung ermöglichte Modifikation des vorgegebenen B-Plans hat für unsere Arbeit folgende, planerische Konsequenzen:
    •Die große Geste einer abgerundeten Ecke an der Kreuzung Steinfurter Strasse/ Yorkring ist zugunsten einer unprätentiösen schrägen Kante verändert.
    •Die Introversionswirkung der vorgegeben H- und U-Strukturen der beiden Gebäude Steinfurter Strasse/ Yorkring und Gasselstiege ist in Form einer L-Form
    auf das südliche Gebäude an der Steinfurter Strasse übertragen worden.
    •Durch den gezielten Verzicht auf zwei kurze Querriegel der beiden nördlichen Gebäude ist die zusammenhängende Funktion des Blockinnenraums gestärkt.
    •In diesen entstehenden Blockinnenraum ist in Form der Townhouses eine neue städtebauliche Struktur und architektonische Typologie integriert.
    •Diese Maßnahme verdichtet den durchgrünten Blockinnenraum und erzeugt ein differenziertes Angebot öffentlicher, halböffentlicher und privater Freiflächen
    und bietet zusätzliche Wohnqualität an.
    DREI GEBÄUDEINSELN
    Der konzeptionelle Effekt der erläuterten Maßnahmen lässt drei `Gebäudeinseln` entstehen, die alle nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Ein kräftiger U- oder L-förmiger Baukörper umschliesst einen geschützten Innenraum, in den wiederum eine niedrigere Gebäude- oder Freiflächenstruktur integriert ist. Erschlossen wird dieser Blockinnenraum von einem windmühlenartigen Wegekonzept, das einen attraktiven Quartiersplatz im Zentrum erzeugt. Gleichzeitig wird eine sichere Verbindung für Fahrradfahrer und Fussgänger zwischen Steinfurter Strasse und Gasselstiege angeboten.
    DIE KINDERTAGESSTÄTTE
    Die südliche der drei Gebäudeinseln beinhaltet die Kindertagesstätte. Diese ist im Erdgeschoss untergebracht und bietet den 4 Gruppenräumen einen direkten Bezug zur Aussenfläche. Einige ergänzende Funktionen sind im 1. Obergeschoss untergebracht. Städtebaulich orientiert sich diese dritte, L-förmige Insel mit Ihrem umschlossenen Raum bewusst nicht zum Blockzentrum, sondern öffnet sich nach Süden. Dies aus 3 Gründen:
    • Die Innenräume der KiTa sind optimal nach Osten und Süden orientiert.
    • Der emissonsreiche Aussenraum der KiTa ist nicht in das Zentrum des Blocks orientiert
    • Die städtebauliche Gesamtstruktur gibt an dieser Stelle ihre Introversion auf und orientiert sich bewusst in Richtung der schon entstandenen Neubauten im Süden [auch der Wohn + Stadtbau GmbH] und der noch folgenden Gebäude und stellt so eine Verbindung zu diesen her. Wünschenswert wäre es, wenn mittelfristig die vorgeschlagenen, innere Wegeverbindung auch innerhalb der südlich anschliessenden Flurstücke entstehen könnte.
    Die Kindertagesstätte kann sicher aus dem Blockinnenraum erschlossen werden. Wer nicht darauf verzichten will, sein Kind mit dem Auto zu bringen, kann dieses an der Grundstückszufahrt an der Gasselstiege auf den dort vorgesehenen Stellplätzen kurzzeitig abstellen und sein Kind sicher zur KiTa begleiten.
    DIE WOHNUNGEN
    Die insgesamt 178 Wohnungen bieten ein differenziertes Angebot von öffentlich geförderten und Eigentumswohnungen gemäß dem vorgegebenen A- und B-Schlüssel. Nicht nur in ihrer Grösse sondern auch in Ihrer Struktur – von der traditionellen Einzelraumlösung bis hin zu offeneren Angeboten wird eine Vielzahl von Möglichkeiten den zukünftigen Nutzer zur Verfügung gestellt.
    Ein weiteres prägendes Merkmal der jeweiligen Wohnungen besteht in Abhängigkeit zu ihrer Höhenlage im Gebäude. So sind im Ergeschoss eine Vielzahl von grossen Wohnungen – als Maisonette oder eingeschossig ausgebildet – die Familien mit Kindern einen direkten Bezug zum Garten bieten. Im 1.–3. Obergeschoss sind die Wohnungen vorwiegend als Spännertypen organisiert, während das 4. Obergeschoss als Staffelgeschoss grosszügige Aussenterrassen zur Verfügung stellt.
    Die Wohngruppe 60+ ist ebenfalls im 4. Obergeschoss angeordnet, ist gut erschlossen und erhält sowohl für die Wohnungen wie für die Dachterrasse eine Südorientierung in den Blockinnenraum.
    Weitere Prinzipien für nahezu alle Wohnungen ist deren Barrierefreiheit und das Durchwohnen über die gesamte Gebäudetiefe. Dies bietet viele Vorteile:
    • Die Wohnungen erhalten eine zweiseitige Belichtung und Belüftung und eine lange direkte Besonnung aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen.
    • Die Wohnungen, die zu den emissionsreichen Strassen im Osten und Westen orientiert sind, können durch den räumlichen Zusammenhang die Vorteile der Besonnung ausnutzen und erhalten über Balkone und Terrassen einen direkten Aussenbezug zum ruhigen Blockinneraum.
    Einen bewussten Kontrapunkt bilden die beiden Townhouse-Strukturen im Innenraum. Sie sind um den zentralen Quartiersplatrz arrondiert und bieten jeweils auf 2,5 Geschossen 2 Wohnungen einschlielich Terrasse an.
    MATERIALITÄTEN
    Entsprechend des städtebaulichen Kontextes und des architektonischen Konzeptes erhalten die Gebäude zu den umgebenden Strassenräumen eine `harte Schale`aus Ziegelmauerwerk. Die Farbigkeit der drei Gebäudeinseln changiert bewusst in hellen Farbtönen zwischen Gelb und Grau und vermeidet das in der Umgebung dominante Rot. Die Anzahl der notwendigen Fenster ist auf das notwendige Maß reduziert, ihr Format ist ein stehendes Rechteck. Zum Blockinnenraum ist der Anteil der Fensterflächen deutlich erhöht, die Gebäude sind hell verputzt um eine helle Gesamtatmosphäre zu erzeugen.
    WIRTSCHAFTLICHE BAUWEISE
    beginnt im Städtebau. Die hohe Verdichtung und die kompakten Baukörper bieten die besten Möglichkeiten für eine hocheffiziente Realisierung. Die reduzierte Fensteranzahl immer gleichen Formats zu den Strassenräumen unterstützt diesen wirtschaftlichen Ansatz, ebenso das nahezu durchgängige konstruktive Achsmasz von 5,20 m, das wirtschaftliche Spannweiten ermöglicht. Dementsprechend erhalten die Gebäude eine Schottenkonstruktion aus Stahlbeton und Mauerwerk, die über die Gebäudekerne ausgesteift ist.
    ABSTANDSFLÄCHEN
    gem. §6 (5) + (6) NRW BauO. : 0,5 H bzw. 0,25 H für Teilbereiche
    TIEFAGARAGEN
    Die Unterteilung in die ausgewiesenen Einzelbereiche [< 1.000 qm, Natürlich belüftetet] verhindert das Zustandekommen von Grossgaragen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.