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  • DE-28195 Bremen
  • 07/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-159569)

Neubau eines Bürogebäudes im Stephaniviertel


  • 2. Preis

    Perspektive

    Architekten
    WESTPHAL ARCHITEKTEN BDA, Bremen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Birgit Westphal , Jost Westphal

    Erläuterungstext
    Nur ein neues Bürogebäude Am Wall? Nein, denn dieses Projekt definiert auch eine neue Haltung zur Stadt, zur Innenstadt von Bremen, Mut zu deren Höhen und Bekenntnis zu deren Dichte.

    STÄDTEBAU
    Die historische Bedeutung des Abbentors artikulierte bis zur Vorkriegsphase eine deutliche städtebauliche Akzentuierung der Bebauung Am Wall. Alle Tore markierten nicht nur den Zugang zur Innenstadt, sondern rhythmisierten auch die Länge der Wallbebauung in Form von Überhöhung und Pointierung der städtebaulichen Zeile als Abschluss der Altstadt zum Wallgraben.
    Unser Entwurf sucht diese städtebauliche Akzentuierung, entwickelt seine Kubatur jedoch uneingeschränkt aus der benachbarten Bebauung des Quartiers: So wird die Satteldachtypologie „Am Wall“ fortgesetzt, auch am Abbentor wird das Staffelgeschoss des Nachbargebäudes höhengleich im Neubau übernommen, ein fließender Übergang von Terrassen- und Dachniveau fügt Bestand und Neubau zusammen.
    Die skulpturale Dominanz des Entwurfs entwickelt der Baukörper am Ort des historischen Abbentors: Siebengeschossig übersteigt der Entwurf die vorhandene Firsthöhe vom Bestand „Am Wall“ um nur ein Geschoss und artikuliert die zuvor beschriebene notwendige Rhythmisierung Am Wall mit Präsenz und Volumina.

    ARKADEN AM WALL?
    Die Hauptadresse des Projekts ist der Wall und dient sowohl eigenen funktionalen und repräsentativen Ansprüchen als auch fremdvermieteten Flächen in den oberen Geschossen. Darüber hinaus ist der öffentliche Charakter des Kundencenter der Brepark im Erdgeschoss hoch und sollte entsprechend schwellenlos und als Teil des öffentlichen Raumes verstanden wissen. Um den Kontakt zur Öffentlichkeit weiter zu stärken befindet hier auch die neue Kantine der Brepark - nun in Gestalt eines für je-der-mann zugänglichen Bistros.
    Arkaden „Am Wall“ bereiten das Entree in das Gebäude bzw. in das Kundencenter vor und verleihen dem Gebäude den notwendigen Grad an Öffentlichkeit. Diese Arkaden dienen jedoch nicht nur der Aufwertung des Zugangs in das Gebäude, sondern auch einer Aufwertung des gesamten Zugangs in das Abbentorquartier und dessen trichterförmige Anbindung aus dem Wall. Das Entree in das historische Quartier soll auch hierdurch öffentlicher, erlebbarer und einladender sein.

    NEUES LEBEN FÜR DAS SCHWANENGATT
    Viele Mitarbeiter und Besucher werden aus dem Schwanengatt über einen funktional angemessenen Eingang in das Foyer geführt. Eine unvermutet großzügige Breite der Zugangstreppe vermeidet Hinterhofstimmung und überwindet den Niveauversprung zwischen Wall und Schwanengatt. Die Be- und Entladerampe für die rückwärtige Andienung der Breparkflächen wird über eine äußere skulpturale Freitreppe auf direktem Wege für Mitarbeiter und Fahrer erreicht.

    WEGE NACH OBEN
    Das zentrale Treppenhaus ist tagesbelichtet und dient nicht nur den BreParkern, sondern auch fremdvermieteten Büros in den oberen Etagen vom Gebäude. Seine Lage im Grundriss ist so zentral und mittig gewählt, dass eine Trennung der Büroflächen in kleine Einheiten möglich ist und eine mittige Erschließung gewährleistet.

    BÜROLANDSCHAFTEN
    Die Organisation und Struktur der Bürogrundrisse erfüllt die Wünsche und Vorstellungen der Auslobung und entspricht einer modernen Bürolandschaft. Um der Besonderheit des Ortes an den Wallanlagen gerecht zu werden, sind die Konferenzräume so positioniert, dass ein Ausblick aus der Mittelzone nach aussen über verglaste Trennwände für alle Mitarbeiter möglich ist.

    FASSADE
    Die Struktur der äußeren Hülle ist nicht nur Abbild der inneren Ordnung und Flexibilität der Grundrissstruktur, vielmehr bietet sie ein Bild zeitloser Eleganz in tektonischer Haptik ohne modernistische Attitüden: ein System vorkonfektionierter Sichtbetonfertigteile aus Weißbeton mit feinen Profilierungen strahlt angemessene Eleganz aus mit hohem Identitätsbezug zu den BreParkern: Präzision, Innovation, Strapazierfähigkeit, Systemgebundenheit und Dauerhaftigkeit entsprechen den Werten der Brepark und werden über diese Fassade vermittelt.

    PASSIVHAUSSTANDARD
    Die baulichen und haustechnischen Voraussetzungen für die Erfüllung des Passivhausstandards werden durch den Entwurf umfänglich abgedeckt: hocheffiziente Wärmedämmung mit Dreifachverglasung, durchlaufender Wärmedämmzug, Kontur ohne Vorsprünge sowie die oben beschrieben haustechnischen Aspekte zur Erlangung des Passivhausstandard. Der Nachweis, dass die erforderlichen solaren Gewinne am geplanten Standort (abhängig von Gebäudeausrichtung, Verschattung durch Nachbargebäude, ...) ausreichend sind, wird im Rahmen der weiteren Planung erbracht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf präsentiert einen klassischen Auftritt des Gebäudes als Bürohaus mit durchaus repräsentativem Anspruch. Städtebaulich wird die Ecksituation durch einen 7-geschossigen Baukörper betont, was im Hinblick auf die perspektivische Entwicklung des Quartiers plausibel erscheint. Die Anschlusshöhen des Gebäudes an die Nachbarbebauung sind selbstverständlich und moderat.

    Die Fassaden sind im klassischen Sinn durchkomponiert, die vertikale und horizontale Lisenenausbildung ist ausgewogen. Besonders positiv wird die Materialisierung der Fassade in Beton-Fertigteilen hervorgehoben, die mit ihrer glatten bzw. gesäuerten Oberfläche ein hochwertiges Erscheinungsbild erwarten lassen.

    Die Arkade leitet schlüssig zum Eingangsbereich und führt die Besucher / Kunden sehr selbstverständlich in das Gebäude. Die Positionierung von Fahrstuhl und Treppenhaus ist stimmig. Der Zugang vom Schwanengatt ist nicht barrierefrei. Bei einer Überarbeitung müsste hier zugunsten einer Durchgangsmöglichkeit Wall-Schwanengatt umgeplant werden.

    Die Grundrisse in den Obergeschossen sind klar organisiert und können unterschiedliche Raumprogramme ohne Qualitätsverlust aufnehmen. Die oberen Geschosse haben im Hinblick auf Drittvermietung einen guten Grundriss-Zuschnitt. Die Archivflächen sind zu klein, die Einfahrt in die Tiefgarage erscheint zu groß.

    Der Entwurf stellt einen formal und funktional gut durchgearbeiteten Beitrag dar, der mit seinem stark repräsentativen Ausdruck allerdings den Erwartungen der Ausloberin nicht ganz entspricht.