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  • DE-79822 Titisee-Neustadt
  • 10/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-182465)

Münsterplatz / Stadtmitte


  • 1. Preis

    Gesamtplan, © lohrer hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh

    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ursula Hochrein , Axel Lohrer

    Mitarbeit
    özge menevse

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: LANZ · SCHWAGER ARCHITEKTEN BDA, Konstanz (DE)
    Lichtplaner: DAY & LIGHT LICHTPLANUNG, München (DE)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Konzept | Die „Agora“ war im antiken Griechenland der zentrale Versammlungs-und Marktplatz. Als räumliche Manifestierung der urbanen Melange von Religion, Kultur, Kommerz und Politik ist sie erfahrbares Symbol von „Polis“ und der damit verbundenen gemeinschaftlichen Mitte.
    Mit der um den Platz angelagerten Sammlung und Verdichtung der wichtigsten öffentlichen Gebäude und Nutzungen – Münster, Rathaus, Pfarrgemeindehaus - und deren spannungsvollem Zusammenspiel innerhalb topographisch fordernder Situation ist der hochbauliche Rahmen für die „Agora“ Neustadt markant gesetzt.
    Die Freiflächen stützen dieses konzeptionelle Bild der „Agora“, durch die Inszenierung des Heranführens, durch das klärende Freiräumen des Zuvielen, durch das konsequente bespielbare Verweben der Teilräume sowie dem einheitlichen Stadtboden mit der wiederkehrenden Setzung von kraftvollen Solitärbäumen.
    Eine Abfolge von „Auftaktplatz“ und räumlicher Enge führt zum offenen, flexibel nutzbaren und vor allem markant als Mitte erkennbaren Münsterplatz.
    Ein bisher in fragmentierte Teilräume zerfallendes Ensemble mit störenden Einbauten wie Mauern oder Blumenbeete wird durch ein erkennbar zusammenspielendes Raumensemble mit verbindendem Belag- und Vegetations- Material- und Beleuchtungskonzept ersetzt. Der Verkehr wird reduziert und im Sinne des „Shared Space“ als verträgliches Miteinander der Nutzungen organisiert. Versperrende Mauern weichen durchlässigen Rampen und Treppen. Reizvolle Ausblicke in die Umgebung werden wieder geöffnet und ansprechende Aufenthaltsbereiche im Detail angeboten.

    Verkehr | Der Konzeption liegt im Platzbereich der verkehrsberuhigte Geschäftsbereich zugrunde. Die Ausweisung als Begegnungszone nach Schweizer Vorbild mit der damit verbundenen Vorrangregelung für den Fußgänger ist zeitversetzt ohne weitere bauliche Eingriffe umsetzbar und für die Entwicklung des Platzes mehr als zu empfehlen.
    Das Prinzip der Gleichberechtigung gilt für alle Verkehrsteilnehmer, sein es Fußgänger, Autofahrer oder Radfahrer. Der Fahrverkehr wird durch eingelegte Rinnen im Belag dezent aber klar lesbar geführt.
    Der einheitliche Belag stützt das gleichberechtigte Verkehrskonzept. Mit seiner ebenen Oberfläche wird sowohl die notwendige Roll- und Gehfreundlichkeit gewährleistet wie die gewünschte Lärmminderung.
    Der ruhende Verkehr wird in den Randbereichen verortet. Die ausgewiesenen Stellplätze sollen als Kurzparkplätze bewirtschaftet werden. Die Flächen direkt auf dem Platz sollten nach Möglichkeit je nach Veranstaltung (z.B. Kirchgang, nächtlicher Kinobesuch) und Jahreszeit (Sommer Cafénutzung, Winter Parken) flexibel mit Blick auf die intendierte Belebung bespielt werden.

    Stadtboden | Der vorgeschlagene Belag entwickelt mit dem Flechtverband einen dem Ort angemessenen repräsentativeren und trotzdem belastbaren Stadtboden.
    Der Flechtverband zeigt sich über die große Fläche angemessen feinkörnig, verbindend einheitlich sowie wie auch in der vorgefundenen Topographie optisch richtungslos. Er lässt sich kostenoptimiert aus lediglich zwei verschiedenen Steingrößen (15x15 und 15x 20) entwickeln. Angesichts der besonderen Topographie wird zumindest außerhalb der Fahrbahn eine dynamische Bauweise empfohlen. Die Materialstärke von mindestens 14 cm gewährleistet dabei über den gesamten Platz hinweg die notwendige nachhaltige Belastbarkeit.
    Die ebenen und relativ großen Oberflächen des gesägten und geflammten Natursteins erlauben sowohl ein angenehmes Begehen als auch die gewünschte Reduzierung der Rollgeräusche im Fahrbereich. Es wird ein ansprechend heller wie freundlicher mittelkörniger Granit mit warm grauem Farbton vorgeschlagen. Die Verfügung mit Mörtel auf Kunstharzbasis sichert die für die Reinigung stabilen Fugenfüllungen.

    Ausstattung | Die öffentliche Ausstattung ist zurückhaltend sowie im Hinblick auf zukünftig mögliche Änderungswünsche flexibel konzipiert. Sie konzentriert sich auf bequeme Sitzelemente unter dem lichten Dacht der Solitärbäume, auf akzentuierende Pflanzkübel entlang den Fassaden und auf ein blickfangbildendes Wasserspiel – den „Schwarzwaldnebel“ - im Vorfeld des Rathauses.
    Die Elemente entwickeln sich als schlichte einfache Stahlkonstruktionen in einer glimmeranthrazithen Beschichtung. Die Holzroste der Sitzelemente sind aus Red Cedar, eine Holzart, die naturbelassen einem freundlich silbrigen Farbton verwittert.

    Grün & Blüten | Eichen bilden die akzentuierende Solitäre. Für ihre nachhaltige Entwicklung werden sie in ausreichend dimensioniertes wie tragfähiges Substrat mit eine überpflasterten Baumscheibe gepflanzt. Florale Aspekte wird den Passanten in Vasen entlang der Fassaden optisch dicht auf Augenhöhe präsentiert. Der belebende Wechselflor Dabei soll einheitlich ein betont luftiger, weißer Aspekt dominieren. Während des Winterhalbjahres kann beispielsweise Buchs in die Wechselkörbe gesetzt werden.


    Lichtkonzeption | Im abendlichen Stadtbild wird die Inszenierung des Münsterplatzes durch das Beleuchtungskonzept gestärkt. Durch gezielte Anstrahlung der Stützmauern und Treppen werden die Höhenversprünge thematisiert. Der filigran aber markant beleuchtete Dom bildet einen Mittelpunkt. Er schafft zusammen mit dem leuchtenden Plateau eine Sichtbeziehung von der Ferne und prägt die Identität des Ortes.
    Wandleuchten werden entlang der Fassaden platziert. Sie schaffen durch Streiflicht helle vertikale Flächen, wodurch Straßen und Platzraum definiert und erfahrbar werden. Die Blickachsen bleiben somit größtenteils frei von störenden Lichtpunkten. Die wenigen eingesetzten Mastleuchten für die Straßenbeleuchtung bleiben unauffällig und schlicht.
    Einzelne Bäume sollen beleuchtet werden. Die hellen Baumkronen tragen zur Wertigkeit des Platzbildes bei und schaffen ein lauschiges Ambiente für die Aufenthaltszonen darunter.
    Es soll generell energieeffiziente und regelbare LED-Technik mit warmweißer Lichtfarbe eingesetzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.