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  • Anerkennung

    © rendertaxi

    Architekten
    Architektur Contor Müller Schlüter, ACMS Architekten GmbH, Wuppertal (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Visualisierer: rendertaxi architecture.visualisation, Aachen (DE), Barcelona (ES)
    Modellbauer: Modellwerkstatt Mijalski + Nasarian GmbH, Dortmund (DE)

    Preisgeld
    1.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Das Grundstück der Volksbank liegt unmittelbar außerhalb des historischen Stadtkerns am ersten Erweiterungsring um die alte Stadtmauer. Die Bebauung entlang der Nieheimer Straße wird vorwiegend geprägt von freistehenden, meist zweigeschossigen und giebelständigen Gebäuden mit geneigten Dachflächen. Das dreigeschossige Bestandsgebäude der Volksbank, mit nur flach geneigtem Dach, weicht hiervon ab und markiert in städtebaulicher Hinsicht die Stadtzufahrt über die Straße Am Thy.

    Der Entwurf des Erweiterungsbaus vermittelt mit einem freistehenden Gebäudekörper zwischen dem Bestandsgebäude und der weiteren Bebauung. In seiner Grundrissausrichtung und in der Gebäudehöhe orientiert sich das Gebäude klar am Bestandsgebäude der Volksbank. Mit seiner Dachgeometrie jedoch bezieht es sich auf die giebelständigen Häuser der Nieheimer Straße. Aus dieser Verdrehung entsteht ein eigenständiger Baukörper, der die städtebauliche Grammatik des historischen Stadtkerns auf eine moderne Weise interpretiert und ergänzt.

    Erschließungskonzept

    Im Bestandsgebäude der Volksbank ist im 1. Obergeschoss um ein Atrium herum die Mehrzahl der bestehenden Büroarbeitsplätze angeordnet. Da die im Erweiterungsgebäude zu erstellenden Arbeitsplätze hiermit optimal verbunden werden sollen, erfolgt die Anbindung des Erweiterungsbaus an das Bestandsgebäude der Volksbank über eine die beiden Baukörper in diesem Geschoss verbindende Brücke. Im Erweiterungsgebäude werden im Sinne einer optimalen Vernetzung in diesem Geschoss wiederum die Sondernutzungen eingerichtet, die der gesamten Geschäftststelle zur Verfügung stehen sollen. Hierzu zählt vor allem der Besprechungsraum. Die aus der Geometrie der Gebäudeverbindung resultierende Aufweitung des ansonsten sehr flächeneffizienten Mittelflurs wird genutzt um einen potentiellen Ort der Begegnung und Kommunikation zu schaffen. Das vernetzende 1. Obergeschoss wird von einem Erdgeschoss und einem weiteren Obergeschoss flankiert, in denen die weiteren Büroräume untergebracht sind. Das Erdgeschoss weist darüber hinaus einen der Nieheimer Straße zugewandten Mitarbeitereingang an der Südfassade, sowie in direkter Nähe den Raum für Kurierfahrer auf.

    Fassaden- und Materialkonzept

    Der Stadtkern von Brakel wird von Gebäuden mit Lochfassaden in unterschiedlichen Materialien geprägt. Fachwerk, Putz, Ziegel, Naturstein und Schiefer stehen in direkter und abwechselnder Nachbarschaft zueinander. Der Entwurf greift dieses Konzept mit einem prägnanten Ziegelbau auf und interpretiert das Thema der Lochfassade mit frei angeordneten, außenbündigen Fenstern eines einheitlichen quadratischen Formats. Die vergleichsweise geringen Dachüberstände der historischen Gebäuden werden aufgegriffen und im Entwurf zugespitzt um den monolithischen Charakter des Baukörpers zu betonen. Die Materialwahl ist neben dem Ortsbezug auch vor dem Hintergrund eines handwerklich soliden Anspruchs bei gleichzeitiger Verhältnismäßigkeit der Mittel gefallen.

    Mit dem Ergänzungsbau entsteht somit ein selbstbewusster Stadtbaustein, der sowohl im Zusammenspiel mit dem Bestandsgebäude als auch eigenständig funktionieren kann. Die aus den entwurflichen Entscheidungen resultierende Nutzungsneutralität sichert darüber hinaus eine hohe Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes und weist somit in die Zukunft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Während der Baukörper sich mit seinen Wandfluchten am Bestandsgebäude der Volksbank orientiert, ist der First parallel zu denen der südlichen Gebäude ausgerichtet. Die dadurch schräg verlaufenden Traufkanten führen zu einer allseits skulpturalen Ausformung des Gebäudes, das sich damit von den vorgefundenen Strukturen und Gebäudelinien absetzt - was im Preisgericht unterschiedlich bewertet wird.
    Die Orientierung an dem Klinkerbau der südlichen Apotheke für die vorgeschlagene Materialität wird angesichts des Ensembles mit dem Bestandsgebäudes der Volksbank in Frage gestellt.
    Die unterschiedlichen Fensterformate und vor allem Brüstungshöhen der “frei” angeordneten Öffnungen stehen im Widerspruch zur sonst klaren inneren Raumstruktur und beeinträchtigen die Funktionalität und Flexibilität. Der Besprechungsraum im 1. Obergeschoss mit Übergang zum Hauptgebäude ist gut angeordnet. Kritisch gesehen wird die Anordnung des Kurierraums, der einen separaten Zugang bekommt. Die zweite Zufahrt erscheint überflüssig. Das abgeschlossene Treppenhaus ist brandschutztechnisch gut, die Belichtung der Flure nur durch Fenster überzeugt noch nicht.