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  • DE-10409 Berlin
  • 12/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-177873)

Wohnen an der Michelangelostraße


  • ein 3. Preis

    Lageplan Ursprungsmaßstab 1:1000 Legende der Nutzungen im Freiraum

    Landschaftsarchitekten
    HOLZWARTH Landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Gerd Holzwarth

    Mitarbeit
    Maike Nolte, Olga Medvedeva, Philipp Rösner

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: meier.werner Architekten, Berlin (DE)
    Verkehrsplaner: ASPHALTA Ingenieurgesellschaft für Verkehrsbau mbH, Falkensee (DE), Eberswalde (DE), Hennef (DE)

    Preisgeld
    17.000 EUR

    Erläuterungstext
    Seien es die leerstehenden Wohnungen und Remisen oder die Baulücken und Brachen gewesen: die bis heute anhaltende Attraktivität der an das Gebiet angrenzenden Bezirke Prenzlauer Berg und Pankow verdanken diese Bezirke dem Nachwende-Mythos vom ‚unentdeckten Land’, von den Räumen, die nur darauf warten in Besitz genommen zu werden.
    Inzwischen ist der Wohnraum gerade in diesen Bezirken knapp geworden, so dass eine Nachverdichtung auch wirtschaftlich sinnvoll wird.
    Der Entwurf orientiert sich in seinem Verständnis einer nachhaltigen und sozial verträglichen Entwicklung ausdrücklich an den Wünschen derer, die sich noch immer bewusst für diese Bezirke entscheiden. So sollen Aneignungsräume im bebauten und unbebauten Raum von Anfang an mitgedacht werden, und damit ein entscheidender Beitrag zur Erhaltung der Attraktivität des privaten und öffentlichen Raums geleistet werden.

    Die Freiräume zwischen Hanns-Eisler-Straße im Süden und der Gürtelstraße im Norden sind sowohl in der unterschiedlichen Charakteristik der entstehenden neuen Bebauung, als auch in ihren Nutzungen und Intensitäten stark verschieden.
    Die Michelangelostraße zoniert diese unterschiedlichen Freiraumtypologien in Zukunft, ohne sie zu trennen. Stattdessen wird durch die Verringerung des bislang großen und nicht nutzbaren Straßenraums, sowie durch die Neuanlage von grünen Verknüpfungen in Nord-Süd-Richtung eine statträumliche Vernetzung hergestellt. Auf diese Weise wird der urbane und lebendige Freiraum um die Hanns-Eisler-Straße mit den ruhigeren und geschützten Grünbereichen im Norden verbunden.

    Im Norden werden die großen parkartigen Grünstrukturen des Jüdischen Friedhofs und des Volkspark Prenzlauer Berg, ebenso wie die angrenzenden Kleingartensiedlungen, durch das neue Quartier hindurch mit den Grünflächen im Süden (Einsteinpark) und Südwesten (Ernst-Thälmann-Park) verknüpft. Dazu werden entlang der neuen Erschließung zwischen Gürtel- und Michelangelostraße Quartiersplätze angelegt, die zur Verkehrsberuhigung und zur Verbindung der nördlichen Grünanlagen und halböffentlichen Infrastrukturen mit den Wohnhöfen beitragen. Diese öffentlichen Plätze schaffen zugleich die Bezüge und Zugänglichkeit zu den halböffentlichen Grünräumen der Höfe. Hier legt die sich ein Patch von Mieter- und Gemeinschaftsgärten über die bestehenden Wiesenräume und integriert den teils wertvollen Baumbestand in eine nachhaltige Grünstruktur.
    In Nord-Süd-Richtung verlaufende Mulden-Rigolensysteme sorgen hier für ein nachhaltiges Regenwassermanagement und dienen strukturell der Abgrenzung der privaten Gartenbereiche der Erdgeschosse von den halböffentlichen Grünflächen.

    Die Hanns-Eisler-Straße, die nach Norden von der neuen Bebauung gefasst wird, erhält mit dem verkehrsberuhigten und durch kleine Plätze rhythmisierten Straßenraum einen lebendig-urbanen Charakter. Dabei sollen sich die öffentlichen und halböffentlichen Nutzungen der Sockelgeschosse mit dem öffentlichen Freiraum in Beziehung setzen und neue Qualitäten schaffen. Kleine Spiel- und Freizeitangebote, Straßencafé und öffentliche Nutzungen beleben und aktivieren den Straßenraum als nutzbaren urbanen Freiraum.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf besticht durch die konzeptionelle Klarheit seiner städtebaulichen Setzungen.

    Im Bereich nördlich der Michelangelostraße wird der Bestand der Wohnzeilen aus den 50er Jahren sensibel ergänzt. Dabei werden je zwei Zeilen durch eine straßenbegleitende Bebauung zu Höfen geschlossen.

    Auch die weiteren Ergänzungen im nördlichen Bereich sind nachvollziehbar und schaffen klar gegliederte Stadträume. Dabei entstehen gute, den Wohnungen zugeordnete, private und öffentliche Freiräume.

    Südlich der Michelangelostraße wird eine Bebauungsstruktur aus 10 bis 13 Stockwerke hohen Hochhäusern auf einem zweigeschossigen Sockel angeboten.

    Auf der einen Seite definiert diese dominante Bebauungsstruktur den Straßenraum der Michelangelostraße. Auf der anderen Seite bleiben durch die möglichen Durchblicke zwischen den Hochpunkten die 11geschossigen Wohnscheiben des Mühlenkiezes Teil des Stadtraums der Michelangelostraße.

    Dies wird von der Jury als stadträumliche Qualität anerkannt, die dem Maßstab der Großsiedlungsbauten gerecht wird. Leider wird der Entwurf dem nur auf konzeptioneller Ebene gerecht.

    Für die spätere Umsetzung ist die Verlegung der Michelangelostraße mit Kosten verbunden, denen kein wirklicher Nutzen gegenübersteht.

    Auch die Bebauungsstruktur der 18x18m großen Hochhäuser wird als unwirtschaftlich bewertet. Hier steht eine zu geringe Grundfläche dem Aufwand eines Sicherheitstreppenhauses entsprechend der Hochhausrichtlinien gegenüber.

    Ebenso wird von Teilen der Jury der tatsächliche Nutzen der 26m tiefen zweigeschossigen Sockelgebäude angezweifelt. Ob sich die Sockel finanzieren lassen und sich später wirklich eine sinnvolle flexible Nutzung findet, bleibt unklar.

    Insgesamt ist die Arbeit gerade im nördlichen Bereich sowie im Bereich der Schule und des Sportstandorts sehr sorgfältig durchgearbeitet und liegt bei den städtebaulichen Kennzahlen im oberen Drittel.

    Allerdings wird die Bebauungsstruktur südlich der Michelangelostraße sehr kontrovers diskutiert und es bleiben Zweifel, ob sich am Ende der urbane Eindruck der stadträumlichen Perspektive wirklich einstellt.