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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2022

Bildungscampus Gallus in Frankfurt am Main

Perspektive

Perspektive

ein 1. Preis / Zur Weiterbearbeitung empfohlen

Preisgeld: 144.600 EUR

h4a Gessert + Randecker Architekten | h4a Gessert + Randecker + Legner Architekten

Architektur

P-38 Landschaftsarchitekten + Stadtplaner Part mbB

Landschaftsarchitektur

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Konzept des Projektes liefert eine sehr gute und der Aufgabe in vielerlei Hinsicht angemessene Antwort auf die komplexe Frage, wie ein offener zeitgemĂ€ĂŸer Bildungscampus aussehen und mit dem bestehenden stĂ€dtischen Kontext zwanglos verwoben werden kann. Der Bildungscampus wird als offene Bildungs –„Landschaft“ aufgefasst. Die umgebenden Bestandsbauten des Quartiers mit ihrer weitestgehend geschlossenen Bebauung bilden hierfĂŒr den stĂ€dtebaulichen Rahmen, in dem die von den Verfasser:innen entwickelten quadratischen 3–4-geschossigen Bauvolumen prĂ€zise platziert werden. In den Erdgeschossen sind die quadratischen Baukörper teilweise miteinander verbunden, was zu einer Steuerung der Wegebeziehungen und zur Raumfassung der FreirĂ€ume beitrĂ€gt, ohne die entstehenden RĂ€ume hermetisch erscheinen zu lassen. Wie selbstverstĂ€ndlich werden die bestehende Kita und das CafĂ© an der Frankenallee in das Konzept mit eingebunden. Der Schulaltbau wird in seiner GroßmaßstĂ€blichkeit ĂŒber einen vorgestellten kleineren Neubau geschickt in die Gesamtanlage integriert, so dass in der Summe eine gelungene wohlproportionierte Abfolge aus GebĂ€uden und FreirĂ€umen entsteht. Die Wegebeziehungen aus dem Quartier werden unprĂ€tentiös in den Campus, auf und ĂŒber einen zentralen Platz, der Campusmitte gefĂŒhrt. Es wird auf jegliche Achsenbildung oder hierarchische Geste verzichtet, gleichwohl wird mit der Baukörperstellung sensibel auf die unterschiedlichen stĂ€dtebaulichen Randbedingungen reagiert (z.B. Anschluss Parkachse).

Die Campusmitte ist von zentraler Bedeutung und konsequenterweise gruppieren sich um diese Mitte die wichtigsten Nutzungen, die von SchĂŒlern und den Quartiersbewohnern gleichermaßen genutzt werden können. Alle entwurflichen Entscheidungen tragen dazu bei, den Campusplatz mit Leben und Bedeutung zu fĂŒllen und lassen im besten Sinne auch das soziale Miteinander und die damit verbundene Kontrolle der öffentlichen RĂ€ume im Campus erwarten. Bei allen QualitĂ€ten der stĂ€dtebaulichen Setzungen ist es schwierig, der Paul-Hindemith-Schule eine eindeutige PausenflĂ€che zuzuordnen. Ein offenes Konzept scheint in diesem Punkt noch nicht ausgereift. GrundsĂ€tzlich wird die geplante Teilung der SchulhofflĂ€chen der PHS von der Schulleitung unter dem Aspekt der Aufsichtspflicht sehr kritisch gesehen.

Rund um die Campusmitte sind die Nutzungen angeordnet, die in der Phase 0 als Campusherz definiert wurden. Die EingĂ€nge der unterschiedlichen Institutionen erhalten richtig positionierte, gut auffindbare Adressen. Die inhaltlichen Ziele des Bildungscampus und die in der Leistungsphase 0 erarbeiteten Anforderungen sind im Wesentlichen sehr gut umgesetzt. Die Lage und Grundrissorganisation des Jugendhauses, sowie die Ă€ußere und innere Organisation der Turnhallen, Mensa/ Aula und der Bibliotheken ĂŒberzeugen die Jury in ihrer Durcharbeitung. Gleiches gilt fĂŒr die Anordnung der TSO und PHS und deren innerer Organisation, insbesondere der von den Verfasser:innen entwickelten Lerncluster. Leider gibt es deutliche SchwĂ€chen in der Durcharbeitung des Bausteins Kinderhaus, das in der Lage zwar richtig, in der rĂ€umlichen Durcharbeitung und Belichtung aber ungenĂŒgend ist. Gleiches gilt fĂŒr das Kinderzentrum (Krippe/Kita/ Hort). Hier werden insbesondere die teils großen Raumtiefen, bzw. innenliegenden AufenthaltsrĂ€ume kritisiert. Dem gesamten Baustein fehlen angemessene AußenflĂ€chen. Die Überplanung der FreiflĂ€chen Bolzplatz und Kinderspielplatz am QuĂ€kerplatz ist nicht möglich.

Die gestalterischen und technischen Voraussetzungen fĂŒr eine barrierefreie Nutzung aller Teile des Bildungscampus sind durchgĂ€ngig umgesetzt. Die eigentliche QualitĂ€t des Entwurfes liegt darĂŒber hinaus in der Niederschwelligkeit der Angebote und der guten Vernetzung mit dem Quartier und der Institutionen untereinander, so dass ein hoher Grad an Inklusion und Teilhabe aller angesprochener Zielgruppen zu erwarten ist.

Die von den Verfasser:innen vorgeschlagenen Konstruktionen als Kombination von Beton und Holzbau sind kohĂ€rent mit der gewĂ€hlten GebĂ€udeform und demonstrieren gute Kenntnis zum Thema CO2 reduziertes Bauen im VerhĂ€ltnis zu brandschutztechnischen Anforderungen. Wirtschaftliche Errichtung und Betrieb sind auch unter dem Aspekt der vorgeschlagenen einfachen technischen Konzepte plausibel. Themen der Nutzung regenerativer Energien, „Cradle to Cradle“ und stadtklimatisch relevante BegrĂŒnungen sind glaubhaft adressiert.
Die FassadenentwĂŒrfe wirken ruhig, atmosphĂ€risch heiter und wohlproportioniert. Es wird ein gestalterisches Grundthema entwickelt und daraus fĂŒr die unterschiedlichen Nutzungen Varianten und Spielarten abgeleitet, was den Quartiersgedanken unterstreicht. DarĂŒber hinaus gelingt es den Verfasser:innen ĂŒber Farb- und Materialwahl den Altbau ĂŒberzeugend zu intergieren.

Das Projekt liefert in vielen Aspekten einen wertvollen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Über die Verwendung zeitgemĂ€ĂŸer technischen Lösungen hinaus ĂŒberzeugt die Haltung der Entwurfsverfasser vor allem durch die gewĂ€hlte Entwurfsstrategie, mit der es gelingt in dieser Arbeit ein offenes System fĂŒr den Bildungscampus zu entwickeln, der ĂŒber große FlexibilitĂ€t in der Gestaltung und der Nutzung verfĂŒgt. Aus der RationalitĂ€t und der FlexibilitĂ€t dieser nachhaltigen Designstrategie entsteht eine große Resilienz der entwickelten Strukturen gegen nutzungstechnische Änderungen und architektonischen Moden. Auch gestalterisch darf diese Arbeit als zukunftstrĂ€chtig gelten, da sie sich formal wohltuend zurĂŒckhĂ€lt. Aus dieser Haltung entsteht ein neuer Lebensraum, der– analog der vielgelobten und geschĂ€tzten GrĂŒnderzeitbauten einen Rahmen und Hintergrund fĂŒr alle AktivitĂ€ten der Nutzer bildet, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen und gleichzeitig ĂŒber sehr lange Zeit auch Änderungen an Geschmack und Nutzung standhalten kann. Eine abschnittsweise Realisierung ist ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg innerhalb der getroffenen Entwurfsstrategie sehr gut möglich.

Die klare Geometrie der Bebauung und der PlatzflĂ€chen werden durch amorphe Pflanzinseln gebrochen, die auf natĂŒrliche Weise die Besucher innerhalb des Campus und auf den Wegeverbindungen zu den angrenzenden Quartieren leiten. Lediglich der Zugang gegenĂŒber dem Lotte-Specht-Park wird innerhalb der Hauptwegeachse durch die dichte Baumstellung als zu geschlossen empfunden. Als störend und abriegelnd werden in diesem Bereich auch die intensiv genutzten FreiflĂ€chen der Paul-Hindemith-Schule gesehen. Die orthogonale Zonierung der verschiedenen Nutzungen und deren Zuordnungen korrespondieren mit der Architektur der Hochbauten und bilden, verstĂ€rkt durch die unterschiedlichen Belagsarten, ein belebendes Element innerhalb der Gestaltung der FreirĂ€ume. Problematisch erscheinen insbesondere die auf den DachflĂ€chen des Kindergartens positionierten Spiellandschaften, aufgrund der eingeschrĂ€nkten Aufbaumöglichkeiten (BegrĂŒnung) und der aufwĂ€ndigen Sicherungsmaßnahmen. Die GelĂ€ndebeanspruchung von öffentlichen SpielflĂ€chen, im SĂŒden des Kindergartens, widerspricht den Vorgaben der Auslobung! Ebenso kritisch wird die Anlage von zwei voneinander getrennten Pausenhöfen an der Paul-Hindemith-Schule gewertet, da somit der Aufwand fĂŒr die Pausenaufsicht nicht mehr geleistet werden kann. Insgesamt gesehen, sind die rĂ€umlichen Kompositionen und Zuordnungen in den FreirĂ€umen schlĂŒssig und werden dem Anspruch fĂŒr eine Vernetzung des stĂ€dtebaulichen und sozialen Umfeldes gerecht.

Im Rahmen der sehr komplexen Aufgabenstellung ist es den Verfassern gelungen, eine Entwurfsstrategie zu entwickeln, die die Idee des offenen und zukunftsweisenden Bildungscampus in weiten Teilen sehr gut umsetzt. Sie haben damit einen robusten Rahmen geschaffen, der eine erfolgreiche Umsetzung in Hinblick auf stadtrÀumliche, gesellschaftliche und die Bildungslandschaft betreffenden Ziele erwarten lÀsst.
Perspektive

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Lageplan

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