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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2021

Geschichtsort KyffhÀuser - Museale Nutzung Denkmalareal

1. Preis

Preisgeld: 30.000 EUR

CODE UNIQUE Architekten

Architektur

RSP Freiraum GmbH

Landschaftsarchitektur

VOR – Agentur fĂŒr strategische Entwicklung und Kommunikation

Design

JĂ€ger Ingenieure GmbH

Tragwerksplanung

ErlÀuterungstext

Einordnung

Das Wettbewerbsgebiet verortet sich auf dem Gipfel des KyffhĂ€userplateaus und ist von der monumentalen Bestandsarchitektur geprĂ€gt. Die historische Burganlage selbst, bestehend aus Ober-, Mittel-, und Unterburg, beherbergt im Bereich der Oberburg das Wettbewerbsgebiet, wĂ€hrend sich die Mittel-, und Unterburg hangabwĂ€rts im Osten anschließen. Besuchende erschließen das Wettbewerbsgebiet ĂŒber einen SchrĂ€gaufzug im SĂŒden, welcher den Parkplatzbereich, ĂŒber das dort neu geschaffene EmpfangsgebĂ€ude, mit dem KyffhĂ€userplateau verbindet. Das Oberburgareal selbst, wird von dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Osten maßgebend geprĂ€gt. Dieses stellt mitsamt seinem Vorplatz sowie der Bogenhalle, den östlichen Abschluss des Wettbewerbsgebietes dar. Der Barbarossaturm bildet, als ehemaliger Bergfried, den westlichen Abschluss des Areals und ist der etwas kleinere stĂ€dtebaulichen Antagonist des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Diesem sind im Osten, der ehemalige Burggraben und damit einhergehende Maueranlagen vorgelagert. Zwischen diesen beiden TĂŒrmen befindet sich ein Burghof, welcher durch ein GebĂ€udeensemble, bestehend aus EingangsgebĂ€ude, Museum, Lesehalle sowie Burgbrunnen strukturiert wird. Das ganze Areal ist von einer Festungsmauer umgeben, welche das GelĂ€nde nach außen abgrenzt. Der Zugang wird im SĂŒden ĂŒber das Erfurter Tor gewĂ€hrleistet.

Entwurfskonzept

Das Entwurfskonzept verfolgt eine konsequente und funktionale Neustrukturierung des KyffhĂ€userplateaus. Diese wird mittels gezielter Eingriffe und VerĂ€nderungen erreicht. Der Entwurf legt einen besonderen Fokus auf die barrierefreie Erschließung aller relevanten Bereiche, sowie eine, sich in den Bestand einordnende, Formensprache. Zentraler Bestandteil unseres Neustrukturierungskonzeptes, ist die Schaffung eines Rundganges, welcher sich auf das Innere der Burganlage konzentriert. Ankommende haben nach dem Verlassen des SchrĂ€gaufzugs zukĂŒnftig die Wahl, rechterhand den Vorplatz des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mitsamt Bogenhalle zu besichtigen, sowie linker Hand das Innere der Anlage ĂŒber das Erfurter Tor zu betreten. Ein neu geschaffener Zugang, gleich linkerhand des Erfurter Tores, bietet Platz fĂŒr einen reprĂ€sentativen Treppenaufgang sowie einen Aufzug, welcher die barrierefreie Erschließung der oberen Ebenen ermöglicht. Die witterungsunabhĂ€ngige vertikale Erschließung wird ebenso sichergestellt. Ein Geschoss höher kommen Besuchende in einem neu geschaffenen GebĂ€ude an, welches sich, an Stelle des alten VerwaltungsgebĂ€udes, in die sĂŒdliche Terrasse einfĂŒgt. Der Neubau dient nicht nur als erschließungstechnischer Dreh- und Angelpunkt des KyffhĂ€userplateaus, sondern beherbergt den neuen gastronomischen Bereich mit Ausrichtung zum Innenhof sowie die öffentliche WC-Anlage und vereint so alle wesentlichen Funktionen an zentraler und erreichbarer Stelle. Die jeweiligen Bestandsbauten fĂŒr das öffentliche WC und den Gastronomiebereich werden zurĂŒckgebaut und schaffen so Raum fĂŒr freirĂ€umliche Neugestaltungen.

Auf der Ebene des Plateaus angekommen, können Besuchende mit dem Rundgang starten. Rechterhand liegt der, nun ĂŒber Rampen barrierefrei erschließbare Eingang zur Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Ein in die Bestandstreppe integrierter Aufzug, ermöglicht eine behindertengerechte Verbindung der Eingangshalle des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, mit der Kuppelhalle, ohne das Erscheinungsbild des Aufgangs zu beeintrĂ€chtigen. Die beiden NebenrĂ€ume der Kuppelhalle erhalten einen aufgestĂ€nderten Fußboden und sind so ebenfalls barrierefrei erreichbar. Ein mobiles Ausstellungkonzept ermöglicht ein höchstes Maß an FlexibilitĂ€t in der Nutzung der RĂ€umlichkeiten. Hochzeiten und andere Feierlichkeiten sowie kleine Konzerte und Ă€hnliche Nutzungen bleiben somit auch weiterhin möglich.
ZurĂŒck im Freien, fĂŒhrt der Rundgang weiter in Richtung Burgbrunnen. Eine optionale HubbĂŒhne ermöglicht die barrierefreie Erschließung des tiefergelegenen Brunnens. Ein Holzdeck mit anschließender Freitreppe fĂŒhrt hinunter auf das Niveau des Brunnens und lĂ€dt zum Verweilen mit Blick auf den Brunnen und das dahinterliegende Umland ein. Die nördlich gelegenen BestandsgebĂ€ude beherbergen das Museum sowie die Lesehalle, wobei letztere um ein Panoramafenster im Dach ergĂ€nzt wird. Schulklassen wird somit der Ausblick aus der Lesehalle in den Himmel ermöglicht. Der Rundweg fĂŒhrt nun weiter in Richtung Barbarossaturm. Wo frĂŒher eine Treppe mit BrĂŒcke ĂŒber den Burggraben fĂŒhrte, gehen Besuchende heute auf die alte Burgmauer zu. Der Abbruch der Bestands WC – Anlage, legt diese wieder frei und arbeitet sie in ihrer ursprĂŒnglichen Form wieder deutlich heraus. Der neue Eingang zur Ausstellung „Mythos Barbarossa“ befindet sich in der Burgmauer an jener Stelle, wo sich einst das alte Burgtor befunden hat und stellt dessen historische Position symbolisch wieder her. Besuchende betreten hier die Ausstellung, welche Sie in den „Berg“ hineinfĂŒhrt. Der Mythos, des im Berg schlafenden alten Barbarossas wird fĂŒr das Publikum somit auch architektonisch erlebbar gemacht. Seitliche Panoramafenster geben den Blick in den Burggraben frei. Indes fĂŒhrt die Ausstellung immer tiefer in den Berg hinein und verdeutlicht die zunehmende Sehnsucht des deutschen Volkes nach wiederkehrender StabilitĂ€t. Seitliche Kammern weiten diesen Weg auf und bieten Raum fĂŒr differenzierte Ausstellungsinhalte. Die Ausstellung selbst endet direkt unter dem Barbarossaturm. Ein Aufzug mit umlaufender Treppe fĂŒhrt von hier aus hinauf in den Turm. Zwischendecken wurden entfernt und eine Ringbalkenkonstruktion ĂŒbernimmt die innere Aussteifung des Barbarossaturms an deren Stelle. Die nun folgende Fahrt nach oben steht sinnbildlich fĂŒr die Auferstehung Barbarossas und wird auf dem Weg nach oben inmitten des historischen Bergfrieds erfahrbar gemacht. Auf dem Dach angekommen, finden sich Besucher*innen in einem Glaspavillon wieder. Von hier aus kann die Aussicht genossen werden. Anschließend fĂŒhrt der Weg nun wieder nach unten, und verdeutlicht GĂ€sten, dass selbst Kaiser Wilhelm, welcher fĂŒr viele Menschen die Personifikation Barbarossas darstellte, kein Garant fĂŒr Frieden und StabilitĂ€t auf Ewigkeit sein kann. Unten angekommen, fĂŒhrt der Rundgang aus dem ursprĂŒnglichen Bestandsausgang aus dem Turm heraus. Dieser wurde nach unten erweitert, um einen ebenerdigen Austritt zu ermöglichen. Der weiterfĂŒhrende Rundweg ist von hier an aufgestĂ€ndert, um historische Fundamente nicht zu beeintrĂ€chtigen und eine barrierefreie WegefĂŒhrung zu ermöglichen. Der Pfad leitet Besuchende ĂŒber eine Aussichtsplattform am westlichsten Ende des KyffhĂ€userplateaus um den Barbarossaturm herum und fĂŒhrt entlang der sĂŒdlichen Mauer zurĂŒck auf die Terrassenebene bis auf das Dach des EingangsgebĂ€udes am Erfurter Tor. Mittels Aufzug gelangen GĂ€ste zurĂŒck auf die Ebene des Burghofes und können hier das Ende des Ausflugs im CafĂ© ausklingen lassen.

Architektur und MaterialitÀt

Der Entwurf bedient sich einer reduzierten Materialauswahl und Formensprache. Die Neubauten sollen einen qualitativen und funktionalen Mehrwert schaffen, ohne sich gestalterisch in den Vordergrund zu drĂ€ngen und das bestehende Ensemble zu stören. Gleichzeitig werden ĂŒberflĂŒssige Elemente, wie das alte Bestands-WC, zurĂŒckgebaut und fĂŒhren zu einer Reduktion auf das Wesentliche. Sowohl das neue EingangsgebĂ€ude am Erfurter Tor als auch der neue Zugang des Barbarossaturms graben sich ins Erdreich ein. Sichtbar bleiben elegante und glatte GlasflĂ€chen welche nach außen ohne Profile auskommen. Sie markieren in Ihrer Schlichtheit und Eleganz, die neuen baulichen Eingriffe und machen diese sichtbar. Die massiven Fassadenteile werden in rotem Betonstein ausgefĂŒhrt, und ordnen sich so in den Bestand ein. Der Glaspavillon auf dem Dach des Barbarossaturms sowie der Austritt der vertikalen Erschließung im EingangsgebĂ€ude bedienen sich derselben Ästhetik. Die Deckenplatten lagern auf den AufzugsschĂ€chten auf. Die Fassaden werden freigespielt und kommen ohne StĂŒtzen aus. Der Eindruck der schwebenden Deckenplatte vermittelt eine gewisse Leichtigkeit. Bestandsmauerwerke im Bereich des Erfurter Tores sowie des Barbarossaturms werden gesichert. Die Dachbereiche und oberen AbschlĂŒsse erhalten eine Abdichtung sowie eine Verblechung um FeuchtigkeitsschĂ€den zu verhindern.
Die vertikale Erschließung des Barbarossaturm wird in das Innere des Turms verlegt. Die Außentreppe, welche sehr stark in das gestalterische Bild des Turmes eingreift, kann wieder zurĂŒckgebaut werden. Auch hier liegt der Fokus des Entwurfs auf einer Reduktion der gestaltprĂ€genden Elemente auf die wesentlichen historischen Bestandteile.

Freianlagen

Die Gestaltung der Freianlagen hat das Hauptziel, die Lesbarkeit der gesamten Anlage und die Erreichbarkeit der verschiedenen Denkmale fĂŒr Menschen mit Behinderung zu schaffen. Dies wird durch die Wahl der Materialien und der Farben (die mit zurĂŒckhaltenden beige-Tönen keinen Konflikt zu den bestehenden Anlagen bilden) und die Schaffung drei klarer Ebenen in verschiedenen Höhen unterstĂŒtzt.

Die erste Ebene umfasst die Eingangsbereiche, den Ă€ußeren Rundweg – beide aus farbigem Asphalt – und den Platz vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal aus wassergebundener Wegedecke.
Eine durchgehende, teilweise von Stufen unterbrochene Sitzkante vor dem Denkmal ermöglicht die Begradigung des anschließenden GelĂ€ndes und so die barrierefreie Erschließung des Platzes. Gleichzeitig öffnet sich der Blick in Richtung des Denkmals und der Landschaft. Entlang der Sitzkante und der Kante des aktuellen Außenweges sind EntwĂ€sserungsrinnen vorgesehen. In der Kante ist beidseitig ein Lichtband integriert. Zwei seitlich der zentralen Treppenanlagen angeordnete Unterflur-Versorgungspoller stehen fĂŒr Veranstaltungen und zusĂ€tzliche Beleuchtung zur VerfĂŒgung. FĂŒr eine Effektbeleuchtung der Seiten des Denkmals werden Bodenstrahler vorgesehen. Das Ziel ist, keine dauerhaften vertikalen Elemente auf dem Platz zu schaffen, die das Bild des Denkmals stören wĂŒrden. Eine Rampe ermöglicht einen direkten barrierefreien Zugang bis zur ersten Terrasse des Denkmales aus der neuen Bergstation des SchrĂ€gaufzuges.
Vor dem aktuellen Bezahlbereich werden 6 FahrradbĂŒgel fĂŒr insgesamt 12 FahrrĂ€der angeboten. 5 PKW-StellplĂ€tze fĂŒr Menschen mit Behinderung sind nördlich geplant, um die Einschließung des barrierefreien Rundweges zu gewĂ€hrleisten.

Der Zugang auf die nĂ€chste Ebene, den mittelalterlichen Hof, wird durch eine neu gestaltete Treppenanlage mit Sitzstufen zum Erfurter Tor und einen Aufzug, der direkt in das neue EingangsgebĂ€ude fĂŒhrt, ermöglicht.
Auf dem Hof wird ein großzĂŒgiger, klarer Freiraum geschaffen. Eine breite Allee verbindet den Eingang zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal mit dem neuen Zugang zur Anlage um den Barbarossaturm. Dieser wird von den spĂ€ter ausgefĂŒhrten Mauern und Felsanlagen befreit, um die mittelalterliche Struktur besser lesbar zu machen.
Nördlich der Allee sind die Lesehalle, das Museum und der Brunnen durch eine freie, durchgehende FlĂ€che umfasst. Zwischen den GebĂ€uden wird der Burggarten etabliert, der sich in die typischen mittelalterlichen Bereiche unterteilt: das Pomarium (Obstwiese), das Herbularius (KrĂ€utergarten) und den Hortus (GemĂŒsegarten). Eine Sitzkante (auf der das Modell der Anlage integriert ist) ermöglicht die Anhebung der FreiflĂ€che vor dem Museum, um die barrierefreie Erschließung des GebĂ€udes zu erreichen.
Eine Sitz-/ Treppenanlage aus Holz öffnet den Raum um den Brunnen und bietet Aufenthaltsmöglichkeiten.
Die SĂŒdseite der Anlage wird durch Sitzstufen neu definiert und erhĂ€lt eine „Kletterlandschaft“ als Spielplatz. Die Treppenanlagen, zusammen mit dem Aufzug am Haupteingang, bilden die Erschließung der nĂ€chsten Ebene.

Die sĂŒdliche Terrasse offeriert eine Aussicht nach SĂŒden und ist als Endpunkt des Rundweges um den Barbarossaturm geplant. Aus dem Turm fĂŒhrt ein Weg, der durch leichte Rampen ĂŒber die bestehenden Ebenen das Erleben der gesamten Anlage ermöglicht. Ein Abzweig fĂŒhrt zum Dach des Tunnels, welches als „Balkon“ zum Hof fungiert.



Erscheinungsbild und ErlebnisqualitÀt von Ausstellung und Leitsystem

Die drei Begriffe Mythos, Natur und Denkmal bezeichnen, im Einklang mit dem Konzept von Dr. Rodekamp ("Geschichtsort KyffhĂ€user: Konzept fĂŒr eine Ausstellung im Besucherzentrum, Burganlage, K-W-Denkmal"), die inhaltlichen Bereiche des Komplexes KyffhĂ€user. Sie werden fĂŒr uns zum Leitbild und Slogan. Die historische und geografische Synergie dieser Bereiche setzt eine einheitliche Gestaltung voraus.

Themenbereiche: drei Geschichten – ein untrennbares Gesamterlebnis
Der Grundtenor des Bereiches MYTHOS ist unterhaltend. Zu dem Bereich zĂ€hlen Der Barbarossaturm mit Ausstellungsbereich „Mythos Barbarossa“ sowie der mittelalterliche Burgbrunnen. Die Thematisierung der Burg und ihrer SchlĂŒsselpersonen und Ereignisse unter historischen Gesichtspunkten steht im Zentrum und soll dabei ĂŒber die Geschichte um Friedrich II. informieren, die die Sage um Barbarossa neu zusammenfasst.
Der Bereich NATUR bietet in der Gartenanlage und ĂŒber Aussichtspunkte auf der Oberburg ein Informationsangebot zum Naturpark KyffhĂ€user als einer der artenreichsten Nationalen Naturlandschaften Deutschlands.
Der Bereich Denkmal umfasst das Kaiser-Wilhelm-Denkmal mit Denkmalturm, Freiterrasse, Bogenhalle und Felsenhof sowie das MuseumsgebĂ€ude und die Lesehalle. Hier soll eine sachlich-kritische Auseinandersetzung mit der jĂŒngeren Geschichte im Fokus stehen. Museum und Lesehalle bieten sich fĂŒr die PrĂ€sentation wechselnder Ausstellungen mit anknĂŒpfenden Themen an. So entsteht ein Informations- und Erlebnisangebot von nationaler und europĂ€ischer Bedeutung.

Leitsystem: drei Ebenen
Das entworfene Leitsystem beinhaltet drei Informationsebenen. Die Themenbereiche (Name und Themenfarbe) bilden die erste Ebene und machen Angaben ĂŒber die grobe Richtung. Als zweite Ebene geben die GebĂ€udenamen Auskunft ĂŒber den jeweiligen Standort. Sie werden auf der dritten Ebene um Grundinformationen (Hinweise, Verbote, etc.) ergĂ€nzt. Alle Ebenen des Leitsystems werden zusĂ€tzlich durch international verstĂ€ndliche Piktogramme ergĂ€nzt. ZusĂ€tzlich gibt es eine taktile Gestaltung aller LeitsystemflĂ€chen fĂŒr Menschen mit Sehbehinderung.

Barrierefreiheit und Taktiles
Das Ausstellungskonzept beinhaltet speziell fĂŒr Menschen mit Sehbehinderung modifizierte Audioguides. Alle Wegweiser und Ausstellungstafeln erhalten eine zusĂ€tzliche Informationsebene in Brailleschrift. LageplĂ€ne an den Infotafeln sollen tastbar sein. ZusĂ€tzlich soll ein taktiles Leitsystem auf dem Boden relevante Punkte und Informationsorte markieren.

Formensprache
Die einheitliche Formensprache der Ausstellungs- und Informationsmöbel und des grafischen Layouts leitet sich direkt aus der polygonalen Struktur des Gesteins am KyffhĂ€user ab. Modern ĂŒbersetzt, bildet sie einen Kontrast zur neuen Architektur des Entwurfs, fĂŒgt sich aber gleichzeitig in die Ästhetik der ursprĂŒnglichen Umgebung. Somit bildet sie den Vermittler zwischen beiden Welten.

ModularitÀt und MobilitÀt
Die Ausstellungsmöbel sind optische Marksteine der Ausstellungen, die durch weitere Bilder und Wandtexte ergĂ€nzt werden. Sie beinhalten die inhaltlichen Höhepunkte und dienen der Orientierung. Es gibt sie in verschiedenen Formen (Stele, Wandstele, Vitrine und Wandpaneele), die wiederum verschiedene Funktionen (Text/Bild, Monitor, Vitrine, Audio) erfĂŒllen können. So entsteht ein einfaches modulares Möbelsystem, das durch seine vielfĂ€ltige Nutzung in der Gesamtheit einen vielschichtigen Eindruck vermittelt. Durch ihre teils dreieckige Grundform sind die Stelen sehr raumeffizient und können somit die historischen WĂ€nde bzw. Bausubstanz weitestgehend freihalten. OberflĂ€chen und Inhalte können leicht ĂŒberarbeitet bzw. ausgetauscht werden. Die Kompaktheit erleichtert den Transport der Stelen und verleiht der Ausstellung eine gewisse Transparenz.

Infotainment
Die Ausstellung bietet ein hochwertiges und zeitgemĂ€ĂŸes Ausstellungserlebnis und spricht verschiedenen Altersgruppen an. Neben AR-Brillen, Tablets und Audioguides kann es auch eine frei zugĂ€ngliche (AR)-App, Monitore, Aussichtspunkte und Soundduschen geben. So können, ĂŒber das gesamte GelĂ€nde verteilt, verschiedene Angebote genutzt werden. Eine Mischung aus Technologie (Augmented Reality) und niederschwelligen Erlebnispunkten (Aussichtspunkte fĂŒr Nah- & Fernziele durch Blickrahmen mit Umrissmarkierungen) sorgt dabei fĂŒr Abwechslung. Durch die AR-Angebote können unzugĂ€ngliche Bereiche, wie Unter- und Mittelburg, bespielt- und beispielsweise auch vergangene ZustĂ€nde visualisiert werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

„Neues Bauen in einer mit Geschichte aufgeladenen, monumentalen und mehrfach ĂŒberformten Umgebung: Dieser Entwurf ĂŒberzeugt durch gezieltes Freilegen und geschickt platzierte bauliche Interventionen, gefasst von großzĂŒgigen Freianlagen. Dabei rĂŒckt der Innenbereich des Plateaus zwischen den beiden Polen Barbarossaturm und Kaiser-Wilhelm-Denkmal in den Fokus.

Konsequent ist die neue Gastronomie der zentralen Achse zugekehrt. Das in Burgmauern und Topografie eingelassene, schlanke GebĂ€ude dient der Erschließung aller Ebenen, auf der Gastronomieebene der Orientierung des Publikums auf den Binnenbereich. Im Freibereich korrespondiert eine lange steinerne Bank und wird zur Kommunikationsschiene auf dem Plateau. Die großzĂŒgige Terrasse an der sĂŒdlichen Burgmauer lĂ€dt zum Flanieren ein und bietet einen weiten Blick ins Land. Durch eine ĂŒberraschende Intervention wird die rĂ€umliche Begrenztheit des Barbarossaturmes fĂŒr Ausstellungen gelöst. Ein östlich vorgelagerter Bau ermöglicht die thematische EinfĂŒhrung in den Wohnturm des Stauferkaisers und Einblicke in die Mauerfragmente der Oberburg. Zugleich ist er notwendige Adaptionszone zwischen dem hellen Außenbereich und dem dunklen Turminneren. Das Erreichen der Turmspitze (per Aufzug oder Treppe) mit ĂŒberwĂ€ltigendem Ausblick auf Denkmalareal und Landschaft steigert diese Inszenierung. Funktional und baurechtlich zu lösen ist hier noch der zweite Rettungsweg.

Die baulichen ErgĂ€nzungen in Stahl, Glas, Betonstein nehmen sich in MaterialitĂ€t und Formsprache zurĂŒck und ĂŒberzeugen durch GroßzĂŒgigkeit, Transparenz und schlichte Eleganz. Auch wenn hohe QualitĂ€tsmaßstĂ€be an die Details der GebĂ€ude und FreiflĂ€chen zu legen sein werden, zielt dieser funktionale Entwurf mit seinen disziplinierten Eingriffen auf eine wirtschaftlich vertretbare Lösung. Die Barrierefreiheit wird durch eingefĂŒgte Rampen, AufzĂŒge und Lifte geleistet. Im wilhelminischen Turm werden durch AufstĂ€nderung der Ebenen in den nördlichen und sĂŒdlichen GewölberĂ€umen aufwendige Rampen vermieden.

Die großzĂŒgige und konzentrierte Freiraumgestaltung wird im Umfeld der BestandsgebĂ€ude Museum und Lesehalle mit KrĂ€utergarten, Apfelbaumwiese etc. etwas kleinteilig, was freilich am grundsĂ€tzlichen Erhalt und Nachnutzung dieser beiden GebĂ€ude liegt. Hier wĂ€re mit einem zeitgemĂ€ĂŸen und kompakten Pendant zum Gastronomie-Neubau und der angrenzenden Sitzstufen-/ Kletterlandschaft noch mehr rĂ€umliche QualitĂ€t denkbar. Beim Ausstellungssystem können die im Innenraum dargestellten Vitrinenkörper skulptural ĂŒberzeugen, was den Elementen der Leitsysteme im Außenraum in Form, Proportion und Funktion noch nicht umfassend gelingt.

Seitens der Denkmalpflege wird das Gesamtkonzept als gelungen betrachtet und dem Entwurf zum Barbarossaturm eine behutsame ErgĂ€nzung und angemessene neue Nutzung bescheinigt. Die Abgrenzung der Oberburg und die Einbeziehung der historischen GebĂ€ude entlang der West-Ost-Achse werden begrĂŒĂŸt. Im Detail zu klĂ€ren sein wird am Barbarossaturm wie am Erfurter Tor der Witterungsschutz der eingebundenen historischen Bausubstanz.

Insgesamt liegt hier ein sehr qualitĂ€tvoller Entwurf vor, der den architektonischen Duktus des Besucherzentrums am Burghof kongenial fortfĂŒhrt und den Diskurs mit der vielgestaltigen Historie am Ort ermöglicht. Die zurĂŒckhaltende Ästhetik der Architektur ĂŒbersetzt ĂŒberzeugend den Anspruch des Auslobers, einen bedeutenden Ort der Deutschen Geschichte zeitgemĂ€ĂŸ und in demokratischer Verantwortung neu zu prĂ€sentieren.“