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Einladungswettbewerb | 06/2020

Freiraumplanung des Literatur Quartiers in Essen

1. Preis

Preisgeld: 40.000 EUR

club L94

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Das neue Literatur Quartier entsteht auf dem ehemaligen WAZ-Areal in unmittelbarer NĂ€he zum Essener Stadtzentrum. Über die Bert-Brecht-Straße und die Kruppstraße wird das Quartier an den Hauptbahnhof angebunden. Die Friedrichstraße und die Hohenzollernstraße sollen zu einem grĂŒnen Ring entwickelt werden, der das Quartier mit dem Stadtgarten verbindet und einen Ringschluss ĂŒber die Brunnenstraße zum Hauptbahnhof herstellt.

KONZEPT
Das Freiraumkonzept nutzt zur IdentitĂ€tsbildung des Quartiers das geschriebene Wort, also das Alphabet und deren Buchstaben als Übersetzung des Themas Literatur. Der Entwurf besteht aus einem ‚Buchstabenteppich‘, der den stĂ€dtischen Platz der Poesie mit dem Hain der Literaten im Zentrum des Quartiers bildet und grĂŒnen GĂ€rten der Dramatik, der Lyrik und der Epik in den rĂ€umlichen Fugen des neuen Quartiers. Damit wird das Freiraumkonzept dem angrenzenden Nutzungsmix aus Gastronomie und Verwaltung im Bereich des Platzes sowie vorwiegend Wohnen in den stĂ€dtischen Fugen gerecht.

ENTWURF
‚Buchstabenteppich‘
Das gesamte neue Literaturquartier wird mit einem einheitlichen Stadtboden aus richtungslos verlegten Betonplatten mit Buchstabenintarsien versehen und verleiht damit dem Quartier eine eigene IdentitĂ€t. Wie eine ,Buchstabensuppe‘ verteilen sich die Intarsien und ziehen sich durch den Stadtraum , sodass ein hoher Wiedererkennungswert entsteht.

Quartiersplatz
Der neue Platz der Poesie spannt sich im Zentrum des Quartiers auf und besteht aus dem ,Hain der Literaten‘ mit einer wassergebundenen Decke sowie einem Wasserspiel aus bodenbĂŒndigen FontĂ€nen. Der ,Hain der Literaten‘ besteht aus unterschiedlichen Baumarten wie beispielsweise Kiefer, Birke, Kirsche, LĂ€rche und Ahorn, stellvertretend fĂŒr die unterschiedlichen menschlichen Charaktere in der Literatur. Unter den schattenspendenden BĂ€umen befinden sich frei verteilte Sitzbuchstaben aus Holz oder Beton. Sollte der Aufbau und die Statik der Tiefgarage fĂŒr Gehölzpflanzungen nicht ausreichen, könnte der Hain in der Wassergebundenen Decke ĂŒber ein umlaufendes Stufenpacket leicht erhöht mit einer entsprechenden barrierefreien Rampe angelegt werden. Ein Wasserspiel, unmittelbar neben dem Hain, im Herzen des Quartiersplatzes sorgt fĂŒr ein gutes Mikroklima und lĂ€dt in den Sommermonaten Jung und Alt zu einer AbkĂŒhlung ein. Rund um den Platz der Poesie wird parallel zur Fassade großzĂŒgiger Raum fĂŒr außengastronomische Nutzungen bereitgestellt, die den Platz von den RĂ€ndern zusĂ€tzlich beleben werden.

LiteraturgÀrten
Die LiteraturgĂ€rten legen sich in die stĂ€dtischen Fugen und sorgen hier fĂŒr eine hohe AufenthaltsqualitĂ€t. Sie bestehen aus unterschiedlichen Pflanzungen im Wechsel mit kleinen SpielplĂ€tzen. Die formale Einteilung der GĂ€rten basiert auf der bestmöglichen ZugĂ€nglichkeit und der Vernetzung mit den Blockinnenhöfen der einzelnen GebĂ€ude. Die GĂ€rten bestehen zum Teil aus Hochbeeten, sodass hier mehrstĂ€mmige und hochstĂ€mmige, klein- und mittelkronige BĂ€ume wie z. B. Zierobstgehölze ĂŒber der Tiefgarage wachsen können. Pflanzungen aus GrĂ€sern, Stauden, Formgehölzen und Rosen charakterisieren den Garten der Epik, der Lyrik und der Dramatik. Die SpielplĂ€tze ordnen sich ebenfalls dem Thema der Literatur in Form von Spielbuchstaben unter. Diese zum Teil farbigen Buchstaben aus Beton oder Stahl können zu Rutschen, Schaukeln, Trampolinen, KletterwĂ€nden, Höhlen und vielem mehr werden. BĂ€nke an den RĂ€ndern der GĂ€rten eröffnen immer neue Blickwinkel in das Quartier.

Funktionales
Vor den Fassaden der GebĂ€ude werden Lichtstelen im Wechsel mit FahrradstĂ€ndern und BĂ€nken angeordnet. Diese können in Zukunft auf die noch unklaren Eingangssituationen in die GebĂ€ude reagieren. Die Anlieferung, MĂŒllfahrzeuge und die Feuerwehr bekommen entsprechend der Vorgaben den entsprechenden Raum. Nach Möglichkeit wird der Wendehammer am Ende der Sachsenstraße auf ein Minimum reduziert ("Wenden in drei ZĂŒgen").

MobilitÀt
FĂŒr die Bewohner und Besucher des Quartiers werden entlang der GebĂ€udefassaden im regelmĂ€ĂŸigen Abstand Fahrradabstellmöglichkeiten zur VerfĂŒgung gestellt (jeweils 6 FahrradstellplĂ€tze) in EingangsnĂ€he der GebĂ€ude (Gastronomie, Einzelhandel und Wohnen). Eine FlĂ€che (ca. 25 mÂČ) fĂŒr LadesĂ€ulen fĂŒr E – Bikes, Miet-E-Scooter und Mietroller sind im SĂŒdlichen Quartierseingang, in der NĂ€he der U-Bahn Haltestelle ,Bismarkplatz‘, verortet. An jedem Eingangsbereich des Literatur Quartiers sind jeweils 10 FahrradstellplĂ€tze (5 FahrradlehnbĂŒgel in Doppelaufstellung) positioniert.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Freiraumkonzept nutzt das geschriebene Wort zur IdentitĂ€tsbildung des Quartiers. Kern des Entwurfes sind zum einen der zentrale Quartiersplatz, der „Platz der Poesie“ und zum anderen die sogenannten LiteraturgĂ€rten in den angrenzenden StraßenzĂŒgen.

Der „Platz der Poesie“ wird durch einen trapezförmigen, baumbestandenen Bereich im Westen, dem „Hain der Literaten“ sowie einem Wasserspiel gebildet. Durch den Verzicht auf feste Einbauten auf dem zentralen Platz besteht eine hohe FlexibilitĂ€t in der Nutzung der FlĂ€che, zumal der Bereich des bodenbĂŒndigen Wasserspiels je nach Bedarf in die multifunktionale FlĂ€che miteinbezogen werden kann.
Die „LiteraturgĂ€rten“ bestehen aus unterschiedlichen Pflanzungen im Wechsel mit kleinen
SpielflÀchen. Die einzelnen SpielflÀchen stellen in Summe eine intelligente und moderne
Angebotskonzeption fĂŒr Aufenthalt- und Spielmöglichkeiten fĂŒr Kinder und Jugendliche dar.

Im gesamten Bereich – mit Ausnahme der wassergebundenen Decke im „Hain der Literaten“ wird der Bodenbelag durch einen einheitlichen Stadtboden aus richtungslos verlegten Betonplatten hergestellt. Buchstabenintarsien in den Platten fĂŒhren zu einem Buchstabenteppich mit hohem Wiedererkennungswert fĂŒr das Quartier.

Die Beleuchtung in Form von Lichtstelen und das sonstiges Stadtmobiliar können flexibel auf die Eingangssituationen der zukĂŒnftigen GebĂ€ude reagieren. Auch eine Integration in das System der LiteraturgĂ€rten ist z.B. fĂŒr die Mobilstation denkbar.

In der ersten Realisierungsphase sind alle wesentlichen Entwurfselemente bereits vorgesehen.

Die Arbeit berĂŒcksichtigt in besonderer Weise das stĂ€dtebauliche Konzept fĂŒr das Literaturquartier. Die Platz- und Raumkanten werden durch die HĂ€user gebildet und nicht durch Gestaltungselemente oder BĂ€ume verstellt. Die BegrĂŒnungskonzeption stĂ€rkt den StĂ€dtebau des Quartiers und trĂ€gt in Verbindung mit dem „Platz der Poesie“ maßgeblich zur Identifikation des Viertels bei. Die unterschiedlichen Bausteine der Entwurfsidee sind systematisch im Entwurfsgebiet verortet und bilden insgesamt eine stabile und gleichzeitig flexible Grundstruktur, die auch im Rahmen der Weiterqualifikation der Hochbauten und des Freiraumes eine attraktive und realisierungsfĂ€hige Lösung erwarten lassen.