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Offener Wettbewerb | 07/2020

Neubau Wohnanlage „Am Bichl III“ in Igls (AT)

Yonas Waldpier: ein Horizont für alle in beiden Häusern

Yonas Waldpier: ein Horizont für alle in beiden Häusern

3. Preis

Preisgeld: 13.500 EUR

StudioVlayStreeruwitz ZT-GMBH

Architektur

Carla Lo Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

YONA UND DER WALD

WALDGRENZE MIT DURCHBLICK: Alle Wohnungen sind in einem kompakten Riegel untergebracht, der sich von Ost nach West erstreckt und eine klare Grenze zum Waldgebiet formuliert. Der dreigeschoßige Riegel betont das fallende Gelände: in seiner Horizontalität wächst er aus dem Hügel heraus und schwebt nach Westen hin über dem Waldboden. So bleibt gerade im Bereich der direkten Nachbarschaft mit Am Bichl II der freie Durchblick in den Wald erhalten – das Gebäude selbst bleibt in den Baumkronen verborgen. Mit der kompromisslosen Anordnung von drei Geschoßen in der Horizontalen wird der Ort neu vermessen. Das Haus ist ein Instrument, das die Besonderheit dieser Stelle markiert und ihr Potenzial „ausgräbt“: im Dialog zwischen Topografie und Horizontalität wird die Waldgrenze zu einem Raum von Übergängen und Möglichkeiten, die aus dem Ort und seinen Ressourcen selbst hervorgehen: der Entwurf des Horizonts als Manöver der Resilienz.

WALDWEG: Alle Wohnungen werden von einem fast drei Meter breiten, zum Wald hin offenen, aber wettergeschützten Laubengang erschlossen: der Waldweg, der als Treffpunkt und Aussichtsort gemeinschaftsbildend wirkt. Bänke neben den Eingangstüren laden hier zum Sitzen mit Waldblick ein, vor allem an heißen Sommertagen, ein. Die beiden Stiegenhäuser stehen leicht abgekoppelt in Richtung Wald und erlauben, auf dem Heimweg auf Tuchfühlung mit dem Wald zu gehen.

WALDBODEN: Dort, wo der Riegel abhebt, beginnt der Waldboden durchzufließen. Die Grenze wird zum großzügigen, von Yona geschützten Schwellenraum am Waldsaum mit Einrichtungen für die Gemeinschaft. Besonders für die NachbarInnen wird so der Bezug zum Wald nicht nur erhalten, sondern aufgewertet.

WALDPIER: Ganz oben ein 170 Meter langer Horizont für alle, mit Hochbeetinseln, Barbecue-Terrasse und einem zwischen Gräsern mäandrierenden Weg, der zur romantischen Westspitze über dem Baumkronenmeer führt.

PANORAMAWOHNEN MIT LICHTSCHAUFEL: Die Wohnungen sind durchgesteckt und haben somit alle eine Südseite mit Panoramablick und eine Nordseite mit Waldblick. Ein durchlaufend auskragendes Balkonband sorgt für Schatten im Sommer, lässt im Winter aber das Licht bis tief in die Wohnungen eindringen, insbesondere durch die einläufigen Treppen, die das Licht der Wintersonne ins Innere „schaufeln“. Die einläufige Treppe wird zum Zauberstab des Raumplans: die strukturelle Schlichtheit – Serie, Wiederholung und Variation – „verzaubert“ sich in eine Dreidimensionalität, die den Alltag des Wohnens mit dem Ort und seinen Horizonten verknüpft. Jede einzelne Wohnung macht die Begegnung des Südens mit dem Norden visuell und körperlich erfahrbar: hier wird – ausnahmslos – in der die Mitte zwischen Südhorizont und Nordwald gelebt.

FASSADENKONSTRUKTION / MATERIALISIERUNG

- Sockel mit Foyer: nicht temperiert, Einscheibenverglasung und Sichtbeton
- Stiegenhäuser: Sichtbeton, Stabgeländer, Witterungsschutz durch ESG-Verglasung mit offenen Fugen
- Riegel Südseite und Laubengang: Betonaußenwand mit Wärmedämmung und hinterlüfteter Stülpschalung aus Lärchenholz
- Riegel Nordseite außen: Vorgehängte Holztafeln (Rahmenbauweise) mit hinterlüfteter Stülpschalung aus Lärchenholz
- Dach: optimierte Nutzbarkeit des „Waldpiers“ durch Horizontalverzug der Strangentlüftungen, Holzbelag für Terrassen und Wegflächen, Hochbeete und intensiver Grasbewuchs, extensive Begrünung unter Photovoltatik
BRANDSCHUTZ

Das 170m lange Gebäude (3 Brandabschnitte) wird von zwei Stiegenhäusern bedient, die so positioniert sind, dass nicht mehr als 15m gemeinsamer Fluchtweg gegeben ist. Die Stiegenhäuser sind witterungsgeschützt, aber dennoch zu 50% geöffnet, sodass keine zusätzlichen Brandmeldeanlagen erforderlich sind. Auf Grund der Fluchtmöglichkeit in zwei Richtungen ist kein zweiter Rettungsweg notwendig (also kein Anleitern von außen!). Außerdem ist auch eine zurückhaltende Möblierung dieses Bereichs möglich. Das ausgemittelte Fluchtniveau liegt bei 9,11m, sodass von einer Gebäudeklasse 4 ausgegangen werden kann. Daher ist die Verwendung von Holz am Laubengang zulässig.

STATISCHES KONZEPT

Die Konstruktion des Gebäudes wird in Stahlbeton-Massivbauweise errichtet. Das System aus aufgeständerten, tragenden Wandschoten, die Massivdecken in Halbfertigteilbauweise aufnehmen, sichert hohe Wirtschaftlichkeit. Das Schotsystem leistet auch die horizontale Aussteifung. Die Fundierung erfolgt im Regelfall durch Punktfundamente, im Bereich des Tiefgeschosses über die Bodenplatte. Das Tiefgeschoß wird in WU-Bauweise errichtet.


HAUSTECHNISCHES KONZEPT

- Energieversorgung über Luft-Wasserwärmepumpe ergänzt mit Wasser-Wasserwärmepumpe in „Boosterschaltung“ für Warmwasserbereitung.
- Warmwasserbereitung zentral mit maximalem Komfort und Zirkulationsleitung.
- Heizung über Fußbodenheizung
- Option Fußbodenkühlung möglich
- Kontrollierte Wohnraumlüftung:
Durch die Bauform, Lage und die Wohnungsgrundrisse als Durchstecker-Wohnungen bietet sich eine sehr effiziente und kostengünstige dezentrale Lösung für die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung an, wobei auch eine zentrale Lösung möglich wäre.

Details siehe beiliegendes Dokument „Erläuterungsbericht zum Haustechnischen Konzept“

ENERGIE- UND NACHHALTIGKEITSKONZEPT

Für das Gebäude wurde eine optimierte thermische Gebäudehülle im Einklang mit der Haustechnik und Energietechnik entwickelt, welche zu sehr guten Ergebnissen der Energieausweis-Berechnung und zur möglichen Erreichung des Passivhaus-Standards „Passivhaus Plus“ nach Passivhaus-Institut Darmstadt führt.
- Optimierte Gebäudehülle - Passivhausstandard
- im Passivhaus nur 1/3 Gesamtwärmeverbrauchs auf die Bereitstellung von Raumwärme, zwei Drittel der überwiegende Anteil durch die Warmwasserbereitung – daher zusätzliche Maßnahmen zur Optimierung des Warmwasserwärmeverbrauch
- Deckung des Wärmeverbrauchs erfolgt über ein effizientes Wärmepumpenkonzept,
- Vorschlag, die Möglichkeit eines Grundwasser-Wärmepumpen-System am Standort zu prüfen (höhere Effizienz, geringere Schallentwicklung)
- Photovoltaik-Anlage am Dach zur Deckung des Allgemeinstromverbrauchs des Gebäudes und zum Betrieb der Wärmepumpe
- zusätzliche energieeffiziente Maßnahmen: ausreichende Dämmung der Verteilleitungen, Einsatz von hocheffizienten Pumpen, optimiert geregelte Beleuchtung der Allgemeinbereiche mittels LED sowie das Anbringen eines außenliegenden Sonnenschutzes

Details (z.B. Wand- und Deckenaufbauten) siehe beiliegendes Dokument „Erläuterungsbericht Bauphysik, Energie und Nachhaltigkeit“

FREIRAUM, KLIMA, ÖKOLOGIE

Ein dichter und junger Wirtschaftswald aus Fichten prägt den Bauplatz im Bestand. Da Fichten-Monokulturen auf Grund ihres flachen Wurzelsystems zunehmend Probleme mit dem Klimawandel haben und ökologisch nur bedingt wertvoll sind, wird die Monokultur in einen zeitgenössischen Wald umgewandelt, mit dem Ziel die atmosphärischen und ökologischen Qualitäten zu stärken.
Der neue Erholungswald vereint dabei die unterschiedlichen Ziele miteinander. Einerseits entsteht für die neuen und bereits bestehenden BewohnerInnen Raum für Naturerfahrung, andererseits entsteht ein Ort mit hoher Biodiversität durch die Einführung einer neuen Schichtung der Vegetation. Durch die Umwandlung sollen Teilbereiche des bestehenden Waldes vor allem an den Rändern beibehalten werden und Teilbereiche langsam transformiert werden.
Maßnahmen der Transformation werden anhand eines Maßnahmenkatalogs in Pixelform definiert. Durch Initialmaßnahmen wie Auslichten oder Rodungen entsteht anhand definierter Pflege- oder Handlungsanweisungen wie Neupflanzungen ein neuer Waldcharakter. Zusätzliche Maßnahmen sind Aufasten und Unterwuchs entfernen im Bestand. Die ursprüngliche Pixelierung und deren Grenzen werden sich mit der Zeit langsam verwachsen.

Der neue „Erholungswald“ ist dabei durch 4 Bereiche gegliedert. Angrenzend an die bestehende Fichten-Monokultur entsteht eine Übergangszone, in der anhand von Eingriffen geringeren Ausmaßes ein sanfter Übergang zum Mischwald geschaffen wird. Der Mischwald wird charakterisiert durch bereichsweise Rodungen und die langsame Etablierung eines Laubmischwalds durch die Pflanzung einiger potentiell natürlichen Arten wie z.B: Buchen, Eichen und Ahorne. Kleine Lichtungen sind darin eingebettet, die eine eigene Atmosphäre schaffen. Am Waldsaum, als Randbereich des Walds ändert sich die Vegetation. Hier entsteht durch Rodungen eine ganz neue Typologie. Hecken und niedrigwüchsige Pflanzenarten, sowie blühende Gehölze schaffen eine Randzone, mit dem größten Artenreichtum.
Ein Wegesystem schafft die notwendige Durchwegung, an der niederschwellige Angebote situiert sind. Weitere Angebote entstehen durch die Aneignung durch die BewohnerInnen.
Unter der Auskragung zieht sich der weiche Waldboden herein, mit vielfältigen Spielmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen Neubebauung und bestehender Bebauung.Der Dachgarten steht exklusiv den BewohnerInnen zur Verfügung. Ein Sonnendeck mit Ausblick sowie zahlreiche Gartenbeete als Möglichkeit zum Gärtnern.

Beurteilung durch das Preisgericht

Phase 1: Das Projekt zeigt einen rigorosen langgestreckten Baukörper. Er stellt
einen Dimensionssprung am Ort dar, gerechtfertigt durch eine gleiche und hohe Qualität für alle Wohnungen. Der horizontale Baukörper ist in großen Teilen aufgeständert. Der durchdachte Freiraum, der das Thema des Wohnens im Wald atmosphärisch aufnimmt, läuft unter ihm durch. Die sparsame auf einer Ebene längslaufende Erschließung wird durch Maisonetten mit interessanten Zuschnitten möglich. Mit der Überarbeitung wurde den Empfehlungen entsprochen. Die Reduktion der Höhe und die Teilung der Baukörper haben jedoch zur Folge, dass die konzeptionelle Stärke des ursprünglichen Entwurfs leidet. Der große Anteil von Maisonetten wird kritisiert, aber als reparierbar angesehen. Insgesamt wird das Projekt von der Jury als interessanter Beitrag mit einem innovativen Wohnungsangebot angesehen. Der Großbaukörper wird energetisch positiv beurteilt.
Lageplan

Lageplan

Yonas Waldboden: Die Grenze als Schwellenraum, 2.Stufe

Yonas Waldboden: Die Grenze als Schwellenraum, 2.Stufe

Piktogramme

Piktogramme

Yonas Waldweg: ein Weg für alle Mietwohnungen / ein Weg für alle Eigentumswohnungen

Yonas Waldweg: ein Weg für alle Mietwohnungen / ein Weg für alle Eigentumswohnungen

Plakat 1, 2. Stufe

Plakat 1, 2. Stufe

Plakat 2, 2. Stufe

Plakat 2, 2. Stufe

Konzept: 1. Stufe + 2. Stufe

Konzept: 1. Stufe + 2. Stufe

Lageplan, 2.Stufe

Lageplan, 2.Stufe

Modell 1:500, 2.Stufe

Modell 1:500, 2.Stufe

Modell 1:500, 2.Stufe

Modell 1:500, 2.Stufe

Plakat 1, 1. Stufe

Plakat 1, 1. Stufe

Plakat 2, 1. Stufe

Plakat 2, 1. Stufe

1 YONAS WALDBODEN, 1.Stufe

1 YONAS WALDBODEN, 1.Stufe

Lageplan, 1.Stufe

Lageplan, 1.Stufe