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Award / Auszeichnung | 11/2021

AIV-Bauwerk des Jahres 2020

Leben als Baugemeinschaft

Leben als Baugemeinschaft

Mehrfamilienhaus „Goldbeker“

DE-22301 Hamburg, Poßmoorweg 36

Preis

KBNK Architekten GmbH

Architektur

Baugemeinschaft Goldbeker GbR

Bauherren

KTC - Ingenieurgesellschaft mbH & Co. KG

Tragwerksplanung

Projektdaten

  • Gebäudetyp:

    Wohnungsbau

  • Projektgröße:

    760m² (geschätzt)

  • Status:

    Realisiert

  • Termine:

    Baubeginn: 01/2018
    Fertigstellung: 01/2019

Projektbeschreibung

2013 erhielt die Baugemeinschaft Goldbeker mit ihrem familiengerechten und energieeffizienten Konzept den Zuschlag beim Gebotsverfahren der Stadt Hamburg für das Grundstück am Poßmoorweg. Die Baugemeinschaft Goldbeker verbindet das Ziel, sich gemeinsam ein Wohnhaus zu bauen und in einer sehr ähnlichen Familienkonstellation gemeinsam zu wohnen.

In allen 3 Familien fand zum Zeitpunkt der Gebotsabgabe ein Umbruch statt, ein neuer Lebensabschnitt, der mit Spannung erwartet wurde. Die Kinder wurden langsam „flügge“, die Eltern immer mehr zu Begleitern, der weitere Lebensweg wollte geplant werden. Das bedeutete auch eine Veränderung für das „Nest“. Die großen Kinderzimmer wurden nicht mehr als solche benötigt und Räume sollten flexibel nutzbar werden. Mit zunehmendem Alter wurde das interne Netzwerk, die Hausgemeinschaft und auch die Integration in der Nachbarschaft immer wichtiger. Alle Familien wohnten in Winterhude bzw. Eppendorf; die soziale Integration wurde somit am Poßmoorweg aufrecht erhalten.
Im Erdgeschoss wurde ein Gemeinschaftsraum/Atelier geplant, das ebenso als Gästeappartement genutzt werden kann. Neben den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten könnte dort auch für die Pflege im Alter eine Unterbringung angeboten werden.
Gemeinsam genutzte Freibereiche sollen zudem das Gemeinschaftsgefühl stärken. Die Möglichkeit in einer Baugemeinschaft ein neues Zuhause für 3 Familien zu schaffen bedeutet eine Zukunft in individuellen und anpassungsfähigen Wohnungen.
Das 5-geschossige Gebäude ist als monolithischer Körper zum Schulgelände hin ausgerichtet und erhält einen hellen Ziegel mit heller, geschlämmter Fuge. Die versetzten Fenster spiegeln die individuellen Grundrisse wieder.

Der Außenraum wird nicht nur hochwertig, sondern vor allem gut nutzbar entworfen. Entlang dem Bolzplatz der Schule wird eine „Ackerfurche“ angelegt, ein für alle Bewohner zur Verfügung stehender Nutzgarten. Auf die Anordnung einer Tiefgaragenrampe im Außenraum wurde bewusst zugunsten eines PKW-Aufzugs verzichtet, so wurde der wertvolle Außenraum nicht weiter geschmälert.
Die Bebauung soll einen herausragenden Beitrag zur energieeffizienten und nachhaltigen Planung leisten und wird als IFB-Effizienzhaus 40 mit eigens für das Projekt entwickelten Climasave Fenstern realisiert.

Zukunftsorientiertes Bauen & effiziente Raumnutzung

Die kompakte Gebäudehülle und das damit verbundene gute A/V Verhältnis gibt die Grundlage für ein kostengünstiges Bauen.
Für das gesamte Gebäude wurden umweltfreundliche, nachhaltige Materialien mit einem hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe eingesetzt (u.a. Dämmstoffe mit dem Gütesiegel Blauer Engel oder natureplus). Unter dem Cradle to cradle Ansatz werden insbesondere der Ersatz von Fassaden und ein späterer Rückbau berücksichtigt. Eine wärmebrückenfreie Gebäudehülle, eigens entwickelte Climasave-Fenster und eine hocheffiziente Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung sorgen für einen geringen Heizwärmebedarf. Ebenfalls zum Einsatz kommt eine Photovoltaikanlage mit einer Ertragsprognose von 119,7qm / ca. 12.122 kWh/a. Ein erhöhter Schallschutz nach VDI unterstützt den hohen Wohnkomfort für alle Bewohner. Auf PVC, halogenhaltige Baustoffe und Lösungsmittel wurde verzichtet.

Die besonders effizienten Climasave-Fenster (U-Wert Fenster = 0,5 W/m2K), wurden von kbnk ARCHITEKTEN gemeinsam mit der dänischen Horn Group und der Menck Fenster GmbH aus Hamburg entwickelt.
Diese Fenster wurden im Poßmoorweg mit Zustimmung der Behörde für Umwelt und Energie als Pilotprojekt erfolgreich eingebaut. Die Fenster ermöglichen eine Vorerwärmung der Zuluft für die Wohnungen ohne Einsatz von Primärenergie, allein durch Nutzung solarer Gewinne sowie der eigenen Abwärme aus den Räumen.

Im Hinblick auf sich ändernde Familienstrukturen wurden die Wohnräume flexibel konzipiert. Fließende Grundrisse, wenig Flurflächen, flexible Möglichkeiten der Nutzungsänderung bis hin zur Teilbarkeit der Wohnung entsprechen einer dynamischen Anpassung für die Zukunft.
Beim Innenausbau wurde ein hoher Anteil an Leichtbauwänden verbaut, um eine größtmögliche Flexibilität in der Grundrissgestaltung zu sichern. Alle Wohnungen werden mit einem Aufzug erschlossen und der gartenseitige Zugang zum Haus ist schwellenlos/barrierearm gestaltet.

Beurteilung durch das Preisgericht

LAUDATIO Maximilian Wombacher

Die aus 3 befreundeten Familien bestehende Baugemeinschaft erhielt bereits im Jahr 2013 den Zuschlag der Stadt Hamburg für das Grundstück am Poßmoorweg. Das Baufeld war zuvor mit einem Hochbunker bebaut und befindet sich unweit des Goldbekkanals in einem lebendigen und vielfältigen Quartier. Bei allen Familien fand zu Planungsbeginn ein Umbruch statt, weshalb sich die jeweiligen Wohnungen von klassischen Wohngrundrissen abheben und stattdessen einen Fokus auf Flexibilität und sich ändernde Lebensumstände setzen. Die fließenden Grundrisse sind dabei so konzipiert, dass sie auf neue Lebensabschnitte reagieren und flexibel gestaltet werden können. Im Erdgeschoss befindet sich zudem ein Gemeinschaftsraum, der einerseits als Gästeappartement genutzt werden kann und andererseits in Zukunft die Möglichkeit bietet, für die Pflege im Alter als Unterbringung zu dienen. Zudem sind sämtliche Wohnungen mit dem Fahrstuhl erreichbar und zum Teil schon jetzt barrierefrei, bzw. barrierearm ausgestattet. Durch einen hohen Anteil an Leichtbauwänden im Innenausbau wird die größtmögliche Flexibilität in der Grundrissgestaltung noch einmal bestärkt. Der als Nutzgarten gestaltete und hochwertig angelegte Freiraum wird von allen Familien gemeinschaftlich genutzt und stärkt so das Gemeinschaftsgefühl der Bewohner. Um den wertvollen Freiraum nicht unnötig einzuschränken, wurde auf eine Tiefgaragenrampe verzichtet und stattdessen ein PKW-Aufzug ausgeführt.
Bei den verwendeten Baustoffen wurde großen Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit gelegt. Die verwendeten Dämmstoffe bestehen außerdem aus nachwesenden Rohstoffen. Besonders energieeffiziente und eigens für dieses Gebäude entwickelte Fenster sorgen in Verbindung mit einer hocheffizienten Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung für einen geringen Heizwärmebedarf. Als IFB-Effizienzhaus 40 und mit der DGNB-Gold-Zertifizierung erfüllt das Projekt höchste Anforderungen und leistet damit einen herausragenden Beitrag zum energieeffizienten und nachhaltigen Bauen.

Die versetzt und scheinbar willkürlich angeordneten und unterschiedlich dimensionierten Fenster lockern den monolithischen Baukörper angenehm auf und spiegeln die individuellen Grundrisse wider. Sehr überzeugend sind außerdem die gewählten Materialien und Farbtöne. Insgesamt entsteht so ein harmonisches Zusammenspiel des hochwertigen Klinkers mit der hell geschlämmten Fuge, sowie den fein detaillierten Fenstern und den natürlichen Holzelementen.
Lageplan

Lageplan

Blick vom Kaempsweg (Ansicht Nord-West)

Blick vom Kaempsweg (Ansicht Nord-West)

Süd-Ost Fassade

Süd-Ost Fassade

Fassadendetail

Fassadendetail

Blick vom Bolzplatz / Gartenseite

Blick vom Bolzplatz / Gartenseite

Schnitt

Schnitt

Grundrisse

Grundrisse

Treppenhaus

Treppenhaus

Küche / Wohnraum - 4.OG

Küche / Wohnraum - 4.OG

Küche / Wohnraum - 2.OG

Küche / Wohnraum - 2.OG