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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2021

Neue Wohnbebauung Waldstadt Königsbergerstraße Teilbereich Nord/Süd in Karlsruhe

Visualisierung

Visualisierung

1. Preis

Preisgeld: 60.000 EUR

Kubus360

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

GREENBOX Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Architekturmodelle Boris Degen Modellbau

Modellbau

Erläuterungstext

Ausgangslage
Um auf die schnell steigenden Einwohnerzahlen in den 50er und 60er Jahren eine Antwort zu finden, entstand 1957 als Planstadt der Karlsruher Stadtteil Waldstadt. Das Gebiet der Waldstadt wird durch die freistehende Häuserzeilen, die von Grünflächen und Freiräumen mit reichem Baumbestand umgeben sind, geprägt.

Aufgabe
Die Aufgabe des Realisierungswettbewerbes war es, bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum als ergänzendes Angebot mit Schwerpunkt für Familien und Senioren zu planen. Darüber hinaus sollen gemeinschaftliche Angebote im Außenraum bzw. Sondernutzung im Erdgeschoss Treffpunkte für die Bewohner*innen schaffen und das soziale Miteinander innerhalb des Quartiers fördern.

Städtebau und Architektur
Der vorliegende Entwurf soll neues Potenzial bieten, die bisherigen Defizite der monofunktionalen und strukturellen Freiraum- und Bebauungsstrukturen neu zu denken und zu gestalten. Im Vordergrund steht dabei, wieder eine lebendige Stadt mit vielfältig nutzbaren Freiflächen und Gebäuden zu schaffen, ohne dabei die prägenden Eigenschaften des Ortes zu verändern.
Unser Vorschlag ist aus der Auseinandersetzung mit dem Ort entstanden und liefert auch Antworten auf die so oft gestellte Frage nach der Stadt der Zukunft. Aspekte wie Klimawandel, die Digitalisierung und der demografische Wandel spielen dabei eine entscheidende und prägende Rolle.
Grundsätzlich platzieren sich die Neubauten innerhalb des Wettbewerbgebietes an ähnlicher Stelle der abzubrechenden Bestandbauten. Um die strenge und ortstypische Struktur der bestehenden Häuserzeilen aufzubrechen, werden die Neubauten in ihrer Wohntypologie, Kubatur und Geschossigkeit differenziert ausgebildet. Entlang der Königsberger Straße werden so abwechselnd Punkt- und Zeilenbau platziert. Im Gebiet des Ideenteils sollen weitere Punkthäuser zwischen den bestehenden Zeilenbauten neuen Wohnraum schaffen.
Grundsätzlich platzieren sich die Neubauten innerhalb des Wettbewerbgebietes an ähnlicher Stelle der abzubrechenden Bestandbauten. Um die strenge und ortstypische Struktur der bestehenden Häuserzeilen aufzubrechen, werden die Neubauten in ihrer Wohntypologie, Kubatur und Geschossigkeit differenziert ausgebildet. Entlang der Königsberger Straße werden so abwechselnd Punkt- und Zeilenbau platziert. Im Gebiet des Ideenteils sollen weitere Punkthäuser zwischen den bestehenden Zeilenbauten neuen Wohnraum schaffen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Ein lichter Wald säumt im Norden, wie im Süden auch zukünftig die Waldstadt. Dieses naturräumliche Element wird von den Verfassern konsequent und unspektakulär zwischen den Bestandszeilen, den Neubauten und über die Königsberger Straße hinweggeführt und miteinander verwoben. Die sogenannten „Trittstufen“ dienen hierbei als stadträumliche Verknüpfungselemente.

Der Entwurf überzeugt durch seine klare Volumenverteilung im städtischen Raum. Er nimmt durch die drei Punktbauten und die zwei Zeilenbauten im Realisierungsteil und die drei Punktbauten im Ideenteil die Geometrie am Ort auf und interpretiert diese neu. Diese städtebauliche Setzung fügt sich unaufgeregt in die Umgebung ein und schafft so ein reizvolles, selbstbewusstes Gebäudeensemble mit gut gesetzten räumlichen Bezügen und einem angemessenen Zusammenspiel von Alt und Neu. Die neu gestalteten Außenräume lassen bei sehr guter fußläufiger Er-schließung in ihrer funktionalen und gestalterischen Ausformung gute Aufenthalts- und Nutzungsmöglichkeiten erwarten. Die Adressbildung der Neubauten wird räumlich überzeugend vorgetragen. Alle Gemeinschaftsfunktionen werden folgerichtig im Erdgeschoß angeboten. Die Lage der Tiefgaragenzufahrten wird konsequent und direkt von der Königsberger Straße aus, über z.T. eingehauste Zufahrten organisiert. Einzig die Zufahrten außerhalb der Zeilenbauten werden kritisch bewertet.

Die Wohngebäude werden konsequent von außen über die Gebäudelängsseiten erschlossen. Dies sorgt für eine gute Orientierung im öffentlichen Raum und eine klare Adressbildung. Generell kann festgestellt werden, dass das vorgeschlagene Entwurfskonzept gelungene Übergänge zwischen öffentlichen und privaten Bereichen formuliert. Das leicht erhöhte Erdgeschoß der Zeilenbauten sorgt für einen subtilen Übergang zwischen öffentlichem Raum und Wohnnutzungen. Hier muss auf eine erforderliche Barrierefreiheit geachtet werden.

Über die funktional gut gelegenen Eingangsbereiche gelangt man in die Treppenhäuser. Über diese erreicht man sämtliche Wohnebenen. Diese werden zentral bei den Punkthäusern und über zwei Erschließungskerne bei den Zeilenbauten erschlossen. Es unterstreicht und stärkt die unterschiedlichen Typologien und ermöglicht die gewünschte Vielfalt bei den Wohnungsgrößen.

Art und Struktur der vorgeschlagenen Wohnungsgrundrisse können überzeugen. Die Verteilung von großen und kleinen Wohnungen ist gelungen. Ihre Grundrissorganisationen sind klar strukturiert und schaffen angenehme Raumzuschnitte und lassen hohe Aufenthaltsqualitäten vermuten.

Die konstruktive Lösung und die Materialität als Holzhybridbauten erscheinen angemessen. Der Einsatz der Materialien ist wohl überlegt und entspricht der jeweiligen Beanspruchung in den Gebäuden. Die differenzierte, stringente, in Teilen fast fragil erscheinende Fassadengliederung weiß zu überzeugen. Sie wirkt in ihrer Zurückhaltung angemessen und die vorgesetzten, z.T. umlaufenden Balkone verleihen ihr eine wohltuende Leichtigkeit und Tiefe und schaffen gleichzeitig hohe Aufenthaltsqualitäten.

Die Arbeit bewegt sich eher im unteren bis mittleren Bereich was die Anzahl der Wohneinheiten betrifft. Die Kennwerte liegen im unteren Drittel, einzig das A/V Verhältnis stellt einen Ausreißer nach oben dar.

Klare Grundrisse ermöglichen die Querlüftung der Wohnungen. Das gezeigte Raumkonditionierungskonzept in Verbindung mit der dargestellten Fassadengestaltung und daraus resultierenden Lastgängen ist schlüssig ausgearbeitet. Die Energieversorgung mit Solarthermie in Verbindung, mit der ökologisch positiv zu bewertenden Fernwärme wird hinterfragt. Die Wärmeverteilung in den Gebäuden Wohnungsstationen werden hinsichtlich des Aufwandes in der Investition und der Wartung kritisch diskutiert.

Die Ergänzung des Gebäudeensembles im Ideenteil durch die weiteren drei Punktgebäude erscheint naheliegend und komplettiert das überzeugende städtebauliche Gesamtkonzept.

Die Gestalt des vorliegenden Entwurfs wirkt der Aufgabe gegenüber angemessen, besonders in Bezug auf die städtebaulichen Aspekte. Den Umgang zwischen Alt und Neu, sowie die konsequente Durcharbeitung der Wohntypologien hin bis ins Detail. Es handelt sich hier um eine insgesamt hervorragende Arbeit, deren besonderer Mehrwert auch in der selbstverständlichen, naturräumlichen Verknüpfung von Nord- und Südquartier über die sogenannten „Waldfinger“ ermöglicht.
Visualisierung Balkon

Visualisierung Balkon

Lageplan

Lageplan

Ansicht West

Ansicht West

Ansicht Nord

Ansicht Nord

Schnitt AA

Schnitt AA

SChnitt BB

SChnitt BB

Fassade

Fassade