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Einladungswettbewerb | 07/2022

Hochhaus an der Hafenspitze im Zollhafen Mainz

Blick Hafenbecken

Blick Hafenbecken

ein 2. Preis

Preisgeld: 9.200 EUR

raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

Architektur

Bollinger+Grohmann

Tragwerksplanung

Transsolar Energietechnik GmbH

Energieplanung

Wagner Zeitter Bauingenieure GmbH

Brandschutzplanung

knp. bauphysik GmbH

Bauphysik

Erläuterungstext

"… I used the elements of … simple forms - square, cube, line and color - to produce logical systems. Most of these systems were finite; that is, they were complete using all possible variations. This kept them simple." (Sol LeWitt)

Das neue Hochhaus an der Hafenspitze Zollhafen Mainz ist in seinem gestalterischen Ausdruck zunächst zurückhaltend. Eine einfache Gittergeometrie unterstreicht die Gleichheit aller vier Gebäudeseiten und verdeutlicht, dass es sich um ein Haus auf einem Platz handelt. Hierbei erinnert der Entwurf an die präzisen Gitterrahmen-Skulpturen von Sol LeWitt, die das tragende System im Inneren mit dem Äußeren verbinden. Der US-amerikanische Künstler experimentierte mit modularen Strukturen, die er wiederholte, variierte und nach bestimmten Regeln anordnete, sodass serielle Gefüge entstanden. Diesem Prinzip folgt auch der Entwurf für das Hochhaus. Die Struktur ist nach außen hin ablesbar: Die Regelmäßigkeit des Rasters dient als ordnendes
Gestaltungsprinzip des Holzhybridskelettbaus mit angehängter Elementfassade, der sich durch eine harmonische Einheit von Proportion und Geometrie auszeichnet. Erst auf den zweiten Blick werden minimalistische Materialität und konstruktive Finesse des Hauses sichtbar. 

Das dem Entwurf zugrundeliegende Raster wird in einzelne Rahmen aufgelöst, die die Feinheit der Struktur unterstreichen. Die Entwurfskonzeption stellt einen Bezug zu den Werten der UBM "green, smart and more" her und ergänzt diese um die Haltung "Less is more!" Beim "less" geht es gleichermaßen um die gestalterische Konzeption als auch um eine klare Position zu aktuellen Themen wie Ressourcenverbrauch und Nachhaltigkeit: less CO2, less pollution, less waste! Aus diesem Grund wird die Fassade für das Gebäude so klar und transparent wie möglich ausgeführt und mit so wenig Technik wie nötig ausgestattet. Die zweiachsige Rasterstruktur ist mittig geteilt und mit geschosshohen Verglasungen ausgefacht wobei ein Lüftungsflügel in die Rahmenkonstruktion der Fenster integriert wird. Gerahmt wird das Raster durch schmale Aluminiumelemente, die nach außen hin verjüngen, um die Fassade möglichst filigran erscheinen zu lassen. Ein außenliegender Sonnenschutz reguliert die solaren Einträge. 

Diese gleichförmige Gitterrahmenstruktur wird lediglich an zwei Stellen des Hauses akzentuiert: Im Erdgeschoss ist das Raster höher ausgeführt und die glasgefüllten Ausfachungen sind an den ablesbaren Eingangsstellen des Hauses zurückgesetzt, damit der öffentliche Raum in das Foyer des Hochhauses hineinfließen kann. In der fünften Etage ist in Blickbeziehung zum Platz ein "Stadtparterre" angeordnet, das sich ebenfalls durch eine leichte Zurücksetzung des Glases und durch einen höheren Grad an Transparenz absetzt. Es formuliert den Übergang zur Dachterrasse und nimmt Bezug zur umliegenden Geschossigkeit der Nachbarn. Beide Eingriffe in die Struktur sind minimalistisch, aber als Verbindung zwischen dem Inneren und dem Äußeren des Hauses klar ablesbar. Hierbei geht es vor allem darum, die inneren Werte des Hauses zur Schau zu stellen: die Holzhybridkonstruktion mit ihren warmen, behaglichen Oberflächen genauso wie die einladenden, modernen Arbeitswelten des Unternehmens.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Hochhaus erscheint in einer strengen Rasterung systematisch und mit klarer Ordnung angelegt. Eine subtile Gliederung erfährt das Haus durch die Anordnung einer Konferenzetage im 5. OG, die sich durch eine intensiv begrünte Zone unmittelbar hinter der Glasfassade und davorliegende, motorisch zu öffnende Schiebefenster nach außen abzeichnet. Die übrigen Rasterfelder der Fassade sind mit Festverglasungen geschlossen, die vom Auslober gewünschte natürliche Belüftung wird durch versteckt angeordnete Lüftungsklappen gelöst. Durch die Integration der Lüftungsklappen in die Fassadenrahmen geraten diese sehr schmal. Auch die freien Querschnitte der Lüftungsfugen in der Rahmenkonstruktion erscheinen sehr gering. 

Aufgrund seiner »glatten« Fassadengestaltung ohne größere Vor- oder Rücksprünge wird der Entwurf in Bezug auf seine Konformität mit der Bauvoranfrage sehr positiv eingeschätzt. Kritisch gesehen wird die vorgeschlagene Materialität (glasfaserverstärkter Beton) hinsichtlich Realisierungsfähigkeit (Fugenausbildung/ Elementstöße) und Baukosten. Die Montagestöße der Fassadenelemente und das langfristige Erscheinungsbild der Faserbetonelemente (Tropfkanten) sind fraglich. Ein Materialwechsel (z. B. zu Aluminium) könnte in Betracht gezogen werden. Der vorgeschlagene außenliegende Sonnenschutz (Edelstahl) wird in Bezug auf die Baukosten ebenfalls kritisch eingeschätzt. Die Dimensionierung der Fassadenelemente sowie der Primärkonstruktion sollte auf ihre Realisierungsfähigkeit und bauphysikalische Eignung überprüft werden. Die Rahmenelemente mit den Lüftungsfugen werden als äußerst knapp dimensioniert eingeschätzt. Die Elemente vor den Stützen scheinen funktional überfrachtet – es wird befürchtet, dass durch eine Verbreiterung dieser die Filigranität des Entwurfes leiden würde. Die Breite der tragenden Holzstützen erscheint gegenüber der Vorgabe reduziert. Der vorgeschlagene Montageablauf wird kritisch gesehen. In einer Überarbeitung sollte der Nachweis erbracht werden, dass die o. g. Fragestellungen unter Beibehaltung der Proportionen und des angestrebten »minimalistischen« Erscheinungsbildes beantwortet werden können.

Nach Überarbeitung:

Der Entwurf hat im Rahmen der Überarbeitung seine wesentlichen Merkmale bewahrt. Die Hinweise zur Überarbeitung wurden beachtet und umgesetzt: Die Lüftungsklappen wurden aus dem Bereich der Fassadenprofile in die Fensterflächen verlegt, wo sie sich als schmale opake Streifen abbilden. Diese wirken allerdings gestalterisch nur eingeschränkt in das Gestaltungskonzept integriert. Die Stützenstellungen wurden um 90° Grad gedreht, die Ansichtsbreite der Fassadenprofile reduziert. Das Material der Fassadenprofile wurde zu Aluminium gewechselt. Insgesamt werden auf diese Weise die wesentlichen technischen Fragestellungen gelöst, bei gleichzeitiger Unterstützung der gestalterischen Qualität des Entwurfs in seinem strengen und eleganten Erscheinungsbild.
Blick Rotterdamer Platz

Blick Rotterdamer Platz

Detail Fassade

Detail Fassade

Detail Fassade

Detail Fassade