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Nichtoffener Wettbewerb | 08/2022

Neubau einer Kita mit mind. 5 Gruppen und zwei angegliederten Einfeld-Sporthallen in Aachen

Perspektive aus Richtung Franzstraße

Perspektive aus Richtung Franzstraße

Anerkennung

Preisgeld: 7.583 EUR

Hahn Helten Architektur

Architektur

3PLUS FREIRAUMPLANER Kloeters I Müller I Kastner PartGmbB Landschaftsarchitekten + Architekt

Landschaftsarchitektur

Inco Ingenieurbüro GmbH

TGA-Fachplanung

Erläuterungstext

Das zu beplanende Grundstück, auf welchem eine neue Kita mit Sporthalle entstehen soll, befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der Klaus-Hemmerle Hauptschule in der Franzstraße in Aachen. Der Charakter der alten Torstraße, sowie die angrenzende Nachbarbebauung und die Umgebung, geben verschiedene Anhaltspunkte für den Entwurf des neuen Gebäudes.
Die Blockrandbebauung wird zur Straßenseite geschlossen. So fügt sich der Bau harmonisch zwischen die Giebelwand einer neuen Wohnbebauung auf der einen, und dem denkmalgeschützten Eingang des „Franz“ auf der anderen Seite in die Lücke ein. Zur Straße orientiert sich die Nutzung der vertikal organisierten KiTa. Die Sporthalle ist im Untergeschoss vorgesehen. Die entstandenen Dachflächen sollen als Freiflächen für die KiTa zur Verfügung stehen. Durch das Verziehen der Gebäudevolumen ergeben sich Überschneidungen der einzelnen Geschosse, welche jeweils einen eigenen Zugang zu einer Dachfläche als Freiraum haben. Die fallende Abstufung der Gebäudehöhen vom Marschiertor Richtung Zentrum wird beibehalten.
Die Erschließung des Gebäudes erfolgt über zwei separate Eingänge. Die Sporthalle wird durch den Schul- und Vereinssport unabhängig von der Nutzung der KiTa erschlossen. Durch das Eingraben der Halle wird die Anordnung ihrer Nutzflächen auf das UG beschränkt. Nur der Eingang befindet sich im EG. Die zwei Einfeldsporthallen sind durch einen Trennvorhang teilbar.
Die KiTa selbst wird intern vertikal über vier Geschosse erschlossen. Über eine übersichtliche Halle führen einläufige Spieltreppen mit Sitzstufen in die oberen Geschosse.
Ein weitläufiger Spielflur führt zu den einzelnen Gruppenräumen. Diese liegen an der Fassade und haben durch die großzügige natürliche Belichtung einen hellen Charakter. Jeder Gruppenraum hat einen Sanitärbereich mit Wickeleinrichtung, Waschtischen und WC- Kabinen. Jedes Geschoss und somit jede Gruppe haben einen direkten Zugang nach Außen auf die als Spiellandschaft genutzte Dachfläche.
Bedingt durch die Höhenstaffelung des Kita-Neubaus sind die dazugehörigen Freianlagen alles andere als gewöhnlich. Jede Gartenebene weist unterschiedliche Spielangebote auf, vor den Gruppenräumen befinden sich befestigte Flächen. Der Kinder-Garten ist als „Tummel-Dschungel“ konzipiert: viel Grün, viel Blattwerk, zahlreiche Bäume und Sträucher und neue Wege auf jeder Ebene. Grundsätzlich sind alle Dachflächen begrünt, ein Großteil sogar intensiv. Der geringe Versiegelungsgrad und die üppige dschungelartige Bepflanzung sorgen für ein angenehmes Mikroklima – eine Oase mitten in der Stadt!

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit 1001 präsentiert selbstbewusst und kreativ in der Umsetzung des Raumprogramms und in dessen Fortsetzung in den Außenanlagen ein Haus für Kinder. Umspült von großzügigen Begegnungs- und Erschließungsräumen werden Gruppen- und Gemeinschaftsräume sowie einige freiwillig ergänzte Kita-Funktionen (Essbereich, etc.) zu einem individuellen Grundriss gefügt. Neugierig wenden sie sich durch große Schaufenster nach außen zur Stadt wie nach innen in einen landschaftsräumlich sofort ansprechenden, mit der Topographie modellierten Außenraum aus Terrassen, Plateaus und Treppenanlagen.

Der Baukörper sitzt prägnant im Stadtraum, auch wenn die Geste des großzügigen Eingangs fragwürdig erscheint hinsichtlich der Inszenierung der Kita und der im Gegenzug lediglich funktionalen (und ggf. unterproportionierten) Abwicklung der Sporthallen fraglich erscheint. Der Anschluss an das südlich gelegene Baudenkmal (Franz) ist möglich und wäre in der weiteren Entwurfsarbeit in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege auszudetaillieren. Die Vorschläge für die Organisation und Neugestaltung des öffentlichen Vorfelds in der Franzstraße (Ideenteil) liefert kaum Mehrwert für das Entree und die Aufenthaltsqualität im unmittelbaren öffentlichen Umfeld. Der Vorschlag, eine Fahrradstraße einzurichten ist attraktiv. Allerdings wirkt die Aufrechterhaltung des Senkrechtparkens (Sicherheitsrisiko) und die weitgehen Pkw-basierte Organisation der Hol- und Bringverkehr wenig überlegt.

Der zweite Blick auf das Gesamtkonzept eröffnet dann eine Reihe weiterer kritischer Fragen. So überschreiten die Flächenangebote für eine (nur) 5-gruppige Kita die KiBiZ-Vorgaben des LVR bei Weitem, ohne dass ein tatsächlich pädagogischer Mehrwert abgeleitet werden und damit die wirtschaftliche Unwucht rechtfertigen könnte. Die Raumdisposition hinterlässt ferner offene Fragen zur Flexibilität gegenüber ggf. Anforderungen künftiger Träger. Der wohl gestaltete und sehr präzise überlegte Außenraum ist landschaftsräumlich durchaus prägnant. In der fachlichen 12 Diskussion arbeitet das Preisgericht jedoch heraus, dass die Freianlagen für die Zielgruppe "Kinder unter 3 Jahren" | "Kinder zwischen 4 und 6 Jahren" wenig geeignet sind und mehr an schulische Bildungslandschaften erinnern. Angesichts der zahlreichen Treppen bleiben Angebote für eine barrierefreie Erschließung bzw. Verbindung der Terrassen untereinander unbeantwortet. Auch die Logistik für Unterhalt und Pflege der Außenanlagen ist im täglichen Doing nur unter großen Aufwendungen denkbar.

So sehr der Entwurf sich als Haus für Kinder präsentiert, so wenig bringt er adressbildend das Raumprogramm des Sports zum Ausdruck. Trotz der klaren Haltung wertet das Preisgericht dies als Defizit. Funktional werden für die Sportnutzung mehrere Anforderungen im Detail nicht erfüllt.
Die Ausführungen zum klimagerechten und ressourcenschonenden Bauen können nicht überzeugen.
Das Preisgericht spricht der Entwurfsarbeit eine Anerkennung aus, da sie durch ihre individuelle Raumdisposition und die sehr weitreichend ausgearbeiteten Überlegungen zur Freiflächengestaltung einen sehr wertvollen Beitrag zur Diskussion der Raumkonzepte geleistet hat.
Lageplan

Lageplan

Ansicht Nord-Ost

Ansicht Nord-Ost

Ansicht Süd-West

Ansicht Süd-West

Axonometrie

Axonometrie

Perspektive

Perspektive

Nutzungspikto

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