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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2023

Neubau Schule am Wasserwerk in Burgdorf

Grüner Hof

Grüner Hof

2. Preis

Preisgeld: 50.625 EUR

gernot schulz : architektur GmbH

Architektur

club L94

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Grüner Hof am neuen Campus

Leitidee
Mit einer baukörperlichen Trennung eines kompakten Lernhauses nach Osten und eines in Pavillons aufgelösten Gemeinschaftsbereichs nach Westen wird eine einfache adressbildende und lärmabschottende (zur B188) Kubatur geschaffen, die über die Freiflächen im Dialog mit der neuen IGS Burgdorf steht. Das Herausheben der Gemeinschaftsbaukörper Aula und Sport betont darüber hinaus den Charakter der neuen Schule als Begegnungsort Aller.
Umsetzung der pädagogischen Ziele und Visionen:
Das Leitbild der Schule, aus vielen Individuen eine Gemeinschaft entstehen zu lassen, prägt die Architektur des Neubaus. Das Lernhaus, als Abbild des gemeinschaftlichen Lernens schafft Lernorte unterschiedlichster Art, die sowohl das angeleitete, als auch das gemeinschaftliche Lernen, Gruppenarbeitsbereiche als auch persönliche Rückzugsorte, Lernorte im Haus als auch in geschützten Außenbereichen bietet.
Erschließung
Eine eindeutige Adressierung des neuen Schul- und Begegnungsorts erfolgt über den multifunktionalen Vorplatz, der sowohl dem sicheren Ankommen und Verlassen mittels der Schulbusse dient, als auch als repräsentativer „Willkommen“ heißender Vorplatz der Gemeinschaftsbereiche.
Besonderer Wert wurde auf ringförmige Erschließungswege aller Bereiche gelegt, welche das selbständige Nutzen und „sich Bewegen“ in der neuen Schule für orientierungseingeschränkte Personen erleichtert. Dem gleichen Zweck dient die bauliche Fassung des Außenraums zwischen Aula und Sport.
Die Topografie des Grundstücks wird in die barrierefreien Wegeführungen integriert. Der Gemeinschaftsbereich ist vom Lernhaus gut abtrenn- und zuschaltbar, ein großes Aquarium im Foyer bringt Atmosphäre und veranschaulicht den Bezug zum Wasser. Der Sportbereich ist so angeordnet, dass dieser Teil der neuen Schulanlage wird aber auch gut separat mit Zugänglichkeit von Westen genutzt werden kann.
Innenräumliche Qualität und Atmosphäre, sowie Materialitäten
Durch den Einsatz natürlicher und nachhaltiger Materialien (insbesondere Klinker und Holz sowie Linoleum und mineralische Farben) wird eine wohnliche und natürliche Atmosphäre aller Bereiche angestrebt. Viel Tageslicht und Blickbeziehungen zwischen verschiedenen Bereichen erzeugen eine angenehme Atmosphäre und hohe Aufenthaltsqualitäten. Die Materialisierung der Bodenbeläge von Außen- und Innenbereichen sind gleich (Aula/Foyer), so dass eine starke Beziehung zwischen Innenräumen und Freiräumen entstehen wird.
Tragsystem
Das Primär-Tragsystem entsteht als Holz-Skelettbau mit einem Achsraster von 8m x 8m, das mit in der Werkstatt vorgefertigten Wandelementen ausgefacht wird. In die Wandelemente sind alle erforderlichen Leitungen bereits integriert. Der hohe Vorfertigungsgrad sowie die Elementierung führen zu kurzen Bauzeiten, hoher Maßgenauigkeit und einfacher Rückbau- und Recyclingfähigkeit der Elemente. Nicht zuletzt bleibt der Werkstoff Holz als Atmosphären gebender Hauptbaustoff sichtbar. Die Dachkonstruktion der Aula und der Sporthall werden aus Baubuche-Trägern erstellt.
Geschossdecken sind als Holz-Brettstapeldecken geplant, nichttragende Ausbaukonstruktionen aus ebenfalls vorgefertigten Holz-Werkstoff-Bauelementen.
Beschreibung der wesentlichen Gebäudeteile
Die Fassaden sind als selbsttragende, an der Holz-Primärkonstruktion nur gegen Kippen befestigte Fassadenschicht geplant. Die Fenster sollen als Holz-Alu-Konstruktionen sowohl Nachhaltigkeitsaspekten, energetischen Anforderungen als auch langer Haltbarkeit genügen. Zur Nachtauskühlung wird automatisch die durch Sonneneinstrahlung und interne Quellen entstandene Wärme während der Nacht nach außen und kühle, frische Luft nach innen geleitet. Das Material Aluminium taucht ebenfalls bei der Bekleidung der Shed-Konstruktionen und als Abdeckung der Attiken wieder auf. Alle Dächer werden als Gründächer mit lose verlegten Dämm- und Dichtschichten geplant, um sortenrein wieder rückbaubar zu sein. Die Dächer werden als Photovoltaik-Aufstellfläche genutzt.
Wirtschaftlichkeit
Das Gebäude ist aufgrund der geringen Geschossigkeit der GK 1 und 2 zuordnungsbar, lediglich das Primärtragwerk muss die Anforderungen der GK 3 erfüllen. Die relativ geringen Anforderungen an den Brandschutz machen einfache und gängige Bauweisen möglich. Das kompakte Lernhaus ermöglicht in der Gesamtabwägung die etwas aufgelöstere Kubatur der Gemeinschaftsbereiche. Die langlebigen und wartungsarmen Fassaden sowie die natürlichen Oberflächen der Innenräume sichern einen auch langfristig wirtschaftlichen Betrieb aller Bereiche.

Städtebau und Architektur
Der Neubau bettet sich mit klaren Raumkanten und somit lesbarer Kubatur in den bestehenden Landschaftsraum. Der die B188 begleitende Grünraum wird ohne Sichtbar-Werden der Grundstücksgrenze bis an die Westfassade geführt. Die Perforierung der Kubatur nach Westen steht im Dialog mit dem Neubau der IGS und dem im Entstehen befindlichen Schulhof. Die angelegten Weg-Enden des Schulhofs werden sinnvoll aufgenommen und weitergeführt.
Die Architektur behält aufgrund der Ein- bis Zweigeschossigkeit einen menschlichen Maßstab und über die klaren Nutzungszuordnungen eine einfache Lesbarkeit für die Schulgemeinschaft und deren Besucher*innen.
Funktionale Konzeption
Das Lernhaus bietet aufgrund seiner ringförmig an den Außenfassaden angeordneten Unterrichtsräume die Möglichkeit auf unterschiedlich große Jahrgänge zu reagieren und Clustergrenzen zu verschieben. Allen Unterrichtsräumen sind multifunktionale Mittelzonen und jeweils eigene direkt zugängliche Freibereiche im Außenraum zugeordnet. Die Flurzonen bieten Nischen für Rollstühle direkt an den Unterrichtsräumen. Der Vorplatz und der Eingangsbereich sind aus dem Bereich der Lehrenden im OG gut einsehbar.

Freiraum
Das Freiraumkonzept unterstützt gemeinsam mit dem Neubau das Ziel der neuen Förderschule am Wasserwerk, indem durch verschiedene Freiräume mit individuellen Atmosphären die geistige Entwicklung der Schüler*Innen gefördert wird.
Das Entrée wird durch große mehrstämmige Gehölze mit besonderem Blattschmuck und einer spannenden Bodenintarsie hervorgehoben. Die räumliche Anordnung des Entrées gewährleistet ein sicheres Ankommen und Aussteigen der Schüler*Innen und schafft einen multifunktionalen Bereich, der für Veranstaltungen oder für Aktivitäten mit Dreirädern oder Kettcars in den Pausen genutzt werden kann.
Als Herz des Geländes dient der Schulhof den Schüler*Innen zum Austausch und Zusammenkommen. Verschiedene inklusive Spielangebote u.a. ein Sandkasten, Klangblumen, Schaukeln, Drehspielgeräte und Trampoline berücksichtigen die Bedürfnisse der verschiedenen Kindergruppen und laden sie zum Spielen ein. Die locker verteilten Klimabäume auf der multifunktionalen Wiese sorgen für ausreichend Schatten und verbessern das Mikroklima.
Der Schulgarten zeichnet sich durch Bäume mit besonderen Blühaspekten, farbenfrohe Duftpflanzen und eine großzügige Blumenwiese aus und fördert so die sensorische Entwicklung der Schüler*Innen. Die spielerische Form der Sitzbank bildet mehrere Nischen, die als grüne Klassenzimmer oder als ruhige Rückzugort genutzt werden können.
Die Sportanlage befindet sich hinter der Sporthalle und umfasst ein Soccer- und Basketballfeld. Im Süden des Geländes werden die Parkplätze und die Garagen angeordnet. Ein grüner Saum umgibt das Gelände und rundet das nachhaltige Konzept ab. Die Wiesen dienen als Retentionsräume während Starkregenereignissen und die zahlreichen neuen Bäume tragen zur Förderung der Biodiversität bei. Die Auswahl von Materialien mit langer Lebensdauer, energieschonender Herstellung, die Reduzierung der versiegelten Flächen und die Maximierung des Grünanteils tragen zur Entwicklung eines klimagerechten Schulgeländes bei.

Beurteilung durch das Preisgericht

Klar und unaufgeregt fügt sich der geplante Neubau in die Umgebung ein. Ein langgestrecktes, nach Osten orientiertes und durch großzügige Innenhöfe gegliedertes Lernhaus schafft einerseits eine wohltuende Abschottung zur Bundesstraße, widerspricht jedoch durch Anordnung der allgemeinen Unterrichtsräume samt Außenterrassen nach Osten diesem Gedanken.
Der zur süd-westlichen Grundstücksgrenze orientierte Vorplatz und der wohlproportionierte Schulhof schafft eine Verzahnung zur bestehenden IGS. Die als Verbindungsbauteile dienenden, überdachten Wege werden durch das Preisgericht vor allem im Anschlussbereich zur Sporthalle kritisch gesehen. Hier wäre ein abgeschlossener Zugang zur Sporthalle wünschenswert, um zeitaufwendiges An- und Auskleiden im Winter zu vermeiden.
Die Vorfahrtssituation mit den Hol- und Bringzonen ist prinzipiell gut gelöst, jedoch bedarf es einer weitergehenden Betrachtung hinsichtlich der erforderlichen Abtrennung vom Lehrerparkplatz, um eine multifunktionale Nutzung des Vorplatzes als Pausenfläche im Schulbetrieb zu ermöglichen. Auch die angedachte Oberfläche mit Rasengittersteinen wird für eine kombinierte Nutzung als Pausenhof kritisch gesehen. Die Auffindbarkeit des Haupteingangs ist nicht vollumfänglich gelöst, hier wäre eine zentralere Zugänglichkeit wünschenswert.
Positiv bewertet wird die flächige, zweigeschossige Anordnung von Primar-, SEK 1- und SEK2-Stufe, die die gewünschte Verschiebung von Raumzuordnungen stufenübergreifend zulässt. Die Hauptzuwegung zur Sporthalle entlang der allgemeinen Unterrichtsräume im Westen scheint nicht optimal, auch weil dadurch die in diesem Bereich befindlichen Unterrichtsräume nicht über eine separate Außenfläche verfügen. Eine Aufteilung der Therapiebereiche im Obergeschoss in kleine Einheiten wird seitens der Nutzer kritisch gesehen. Die großzügige Freitreppe als Herzstück des Lernhauses wird im Preisgericht kontrovers diskutiert, da zwar eine großzügige und offene Atmosphäre erzeugt wird, jedoch auch ein Konfliktpotential gesehen wird, da die Sitzstufen nicht von allen Schülern gleichermaßen genutzt werden können. Eine vom Aulabetrieb unabhängige Nutzbarkeit des Musikraums wird in Frage gestellt ebenso wie die geforderte barrierefreie Erschließung der Bühne. Die Rettungswegführung aus dem Obergeschoss des Lernhauses wird hinterfragt und bedarf einer Überprüfung.
Das freiraumplanerische Konzept ist konsequent entwickelt. Die beiden Innenhöfe, der Eingangsbereich und der von dem Laubengang eingefasste Pausenhof sind gut dimensioniert und dürften sehr gut nutzbar sein. Die allgemeinen Unterrichtsräume im EG sind konsequent mit individuellen Terrassen ausgestattet. Leider ist die Anordnung des Soccerfelds hinter der Sporthalle sehr ungünstig (schlechte Erreichbarkeit und Einsehbarkeit). Die Kombination aus vorgefertigten Holz-Außenwandelementen mit Klinker-Außenschale wird als nachhaltig und einfach in der Unterhaltung bewertet, allerdings bleiben die Entwurfsverfassenden eine konsequente Lösung für die Fassadenbereiche oberhalb der großen Glasflächen schuldig.
Die Einhaltung der geforderten DGNB- Kriterien scheint möglich. Die kompakte Bauweise lässt auf eine wirtschaftliche Ausführung schließen.
Insgesamt ein guter Beitrag, der durch seine kompakte Bauweise und die Qualität in der Verknüpfung der Freianlagen mit dem Bestand überzeugt.
Schulforum

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Wettbewerbsmodell

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Lageplan Piktogramme

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Perspektiven, Isometrie, Fassade

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Grundriss, Ansicht, Schnitt

Grundriss, Ansicht, Schnitt

Grundriss, Ansicht, Schnitt

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